Die Golden Globes 2013 – Nachlese

Insgesamt bin ich recht zufrieden mit den diesjährigen Entscheidungen der Golden Globe-Jury. Mehr noch: In einigen Kategorien hat sie nicht nur mich, sondern sämtliche Beobachter der Award-Saison beeindruckt. Beginnen wir mit ARGO, dem ganz klaren Gewinner des Abends. Eigentlich ist es bei dieser Produktion schade, dass sie im Vergleich zu den heißeren Globe-Anwärtern in die Kategorie „Überraschungsgewinner“ fällt, doch wer hätte – erst recht nach der Ignoranz, die die Academy dem Ben Affleck-Meisterstück entgegenbrachte – noch gedacht, dass sich die verhältnismäßig (!) kleine Produktion gegen den Spielberg’schen Koloss LINCOLN durchsetzen würde. Noch dazu ausgerechnet in den beiden wichtigsten Kategorien Bester Film (Drama) und Beste Regie. Mir soll es absolut Recht sein, war ARGO doch in der Bester Film-Kategorie eindeutig mein Favorit, wenngleich ich davon ausging, dass LINCOLN, vielleicht sogar noch ZERO DARK THIRTY sich gegen ihn durchsetzen würden. So habe zumindest ich meinen Willen bekommen und bin umso überraschter, dass ich ARGO ausgerechnet in der Regie-Kategorie so gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich rechnete mit einem Award für Steven Spielberg, wünschte ihn mir allerdings für Ang Lee und seine Arbeit an LIFE OF PI. So kann man sich täuschen.

Auf die Kategorie Komödie/Musical blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite war ich mit meiner Prognose, das musikalische Drama von „The King’s Speech“-Regisseur Tom Hooper, LES MISÈRABLES,  würde zu den großen Gewinnern gehören, Recht. Leider zum Nachteil eines meiner Lieblingsbeiträge der Konkurrenz. LACHSFISCHEN IM JEMEN bekam bei drei Nominierungen keinen einzigen Award, was ich mir zwar ziemlich sicher schon gedacht habe. Aber über die Überraschung hätte ich mich fast noch mehr gefreut, als über ARGOs Siegeszug.

A propros Überraschung: Einer der Mitfavoriten für die Oscar-Verleihung, SILVER LININGS, konnte bei den Globe (noch) keinen Vorgeschmack auf einen eventuellen Award-Überschuss 2013 geben. Zwar konnte Jennifer Lawrence den Award als Beste Hauptdarstellerin einheimsen, aber in sämtlichen anderen Kategorien (Bester Film [Komödie/Musical]), Bester Hauptdarsteller und Bestes Drehbuch, ging der seicht-melancholische Streifen leer aus. Für mich einerseits überraschend, andererseits auch nicht wirklich tragisch. Noch wollte der „Ich bin mit Recht ein Oscar-Favorit“-Funken noch nicht auf mich überspringen.

Zu den Enttäuschungen, und davon gab es neben der vielen positiven Überraschungen doch eine ganze Menge: Mit immerhin einem Sieg in der Kategorie Beste Musik hätte CLOUD ATLAS beweisen können, dass er in diesem Jahr immerhin ein bisschen in der Award-Saison mitspielen darf. Stattdessen gewann der Score für LIFE OF PI. Dafür, dass sich die Jury für ihn entschied, kann ich mich leider verdammt wenig an ihn erinnern. Auch für DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN wurde es – mir völlig unverständlich – ein preisloser Abend. Zwar hatte der offenbar zum Publikumsliebling auserkorene Michael Haneke-Streifen LIEBE seine Auszeichnung schon so gut wie sicher, ein bisschen traurig ist es trotzdem, denn so wird dieses bittersüße Meisterwerk von Jacques Audiard nie das große Publikum finden, das es verdient hat. Und in der Animationskategorie hat mal wieder der Einfluss von Pixar dafür gesorgt, dass sich nicht Qualität sondern Name durchsetzte. MERIDA übertrumpfte kleine Kunstwerke wie DIE HÜTER DES LICHTS und einfach nur verdammt gute, süße und einfallsreiche Animationsunterhaltung wie RALPH REICHTS.

Zu den weniger ärgerlichen, dafür aber nicht minder verwundernden Überraschungen des Abends gehört neben dem Siegeszug von ARGO ohne Zweifel die Ignoranz der Jury gegenüber LINCOLN, sowie ZERO DARK THIRTY. Während ich mit ersterem nie gerechnet hätte (der größte Oscar-Favorit erhält „nur“ einen Globe? What?), hatte ich letzteres schon irgendwie im Gefühl. Mal schauen, ob sich das Blatt am 24. Februar noch wenden wird. Bis dahin verbleibe ich mit meinem Prognose-Ergebnis das da lautet:

8 von 14.

Da war ja noch was…

Was soll ich sagen: Die Jury hat sich entgegen meines Rates wohlweislich gegen Benedict „Sexiest Man Alive“ Cumberbatch entschieden und in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie oder Fernsehfilm“ Kevin Costner für seine Rolle in HATFIELDS & McCOYS ausgezeichnet. Und da ich für meine ausgeprägte Konsequenz bekannt bin, werde ich mich nun wohl langsam aber sicher aus dem Journalismus zurückziehen müssen. Nur über den Zeitpunkt bin ich mir noch nicht ganz schlüssig…