Schlagwort-Archiv: Benedict Andrews

Das startet am 17. September 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 17. September, an dem mit „Jean Seberg – Against all Enemies“ ein Film in die Kinos kommt, der aufgrund von Corona gar nicht mehr erscheinen sollte, nun jedoch (zu Recht) doch noch eine Auswertung erfährt. Gerade Kristen Stewart sollte man auf der großen Leinwand erleben. Das gilt übrigens auch für die deutsche Zeitschleife-RomCom „Hello Again“ – nur dürfen wir noch nicht verraten, warum. Dazu morgen mehr an dieser Stelle.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JEAN SEBERG – AGAINST ALL ENEMIES | Regie: Benedict Andrews | UK/USA 2019

Ende der Sechzigerjahre. Jean Seberg (Kristen Stewart) ist noch immer eine Schauspielikone. Seit Neuestem unterstützt die politisch engagierte Frau Mitglieder der Black-Power-Bewegung. Mit dem Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) beginnt sie sogar eine Affäre. Diese Liaison rückt sie ins Visier des FBI. Von ihr unbemerkt wird Jean Sebergs Haus verwanzt und steht fortan permanent unter Beobachtung. Doch die junge Schauspielerin hat empfindliche Antennen für das, was um sie herum passiert. Sie ahnt, dass sie verfolgt wird, doch ausgerechnet in ihrem Ehemann Roman (Yvan Attal) findet sie nicht den Halt, den sie benötigt. Jean Seberg stürzt in eine tiefe Depression, stetig genähert von der Angst, verfolgt zu werden. Die beiden Abhörspezialisten und FBI-Agenten Jack Solomon und Carl Kowalski erleben den psychischen Verfall ihres Ziels zwar hautnah mit, doch nur bei einem von beiden schleichen sich langsam Skrupel ein…

„Jean Seberg – Against all Enemies“ ist ein Biopic im Gewand eines Spionagethrillers, das uns zwar nicht die Schauspielerin Jean Seberg, wohl aber ihre komplexe Persönlichkeit, ihre Kraft, ihre Furchtlosigkeit und ihre Emotionalität hervorragend vor Augen führt. Eine starke, außergewöhnliche Herangehensweise an die Idee eines Schauspielerinnenportraits.


HELLO AGAIN – EIN TAG FÜR IMMER | Regie: Maggie Peren  | DE 2020

Jean Seberg – Against all Enemies

Im Alter von 40 Jahren nahm sich die Schauspielerin und politische Aktivistin Jean Seberg im Jahr 1979 das Leben. In seinem ergreifenden Thriller-Biopic JEAN SEBERG – AGAINST ALL ENEMIES widmet sich Regisseur Benedict Andrews nun jenem Teil ihres Lebens, der sie zunächst in eine schwere Depression und schließlich in den Selbstmord geführt hat. Wie der Film geworden ist, das verraten wir in unserer Kritik.

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2017 – Die Plätze 20 bis 11

Vor einigen Tagen eröffnete ich an dieser Stelle meine Jahrescharts 2017. Was sich auf den Plätzen 40 bis 31 sowie 30 bis 21 findet, könnt ihr in den jeweiligen Blog-Beiträgen nachlesen. Um Euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, geht es nun mit den nächsten zehn Platzierungen weiter. Vorab jedoch ein bisschen Statistik: Ich habe vom 01. Januar bis zum 31. 12. 2017 exakt 269 Kinovorstellungen besucht. 23 mal besuchte ich reguläre Vorführungen, 246 mal waren diese ausschließlich für die Presse. Dabei habe ich insgesamt 249 unterschiedliche Filme gesehen. 58 Filme habe ich im Kino verpasst und mussten von mir auf DVD oder via Pressestream/-screener nachgeholt werden. Hinzu kommen 11 Filme, die direkt im Heimkino erschienen sind und keine reguläre Kinoauswertung erhalten haben. Für meine Top 40 zur Auswahl standen insgesamt also 318 verschiedene Kinofilme.

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Das startet am 28. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 28. September, an dem eigentlich nur ein Start so richtig interessant ist: Der in den USA sämtliche Rekorde brechende Horror-Blockbuster „Es“. Dagegen treten einige kleine Produktionen an, die allesamt sehenswert sind und von denen die Tragikomödie „Victoria & Abdul“ in den Arthäusern solide abschneiden dürfte. Für die Kleinen gibt’s ein neues Abenteuer aus dem Pixar-„Cars“-Kosmos, doch sehenswert ist das schon lange nicht mehr. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

ES  | Regie: Andy Muschietti | USA 2017

Im Mittelpunkt stehen sieben junge Außenseiter, die in dem Städtchen Derry in Maine aufwachsen – sie bezeichnen sich als Club der Loser. Aus dem einen oder anderen Grund sind sie alle ausgegrenzt worden, die Rowdys des Ortes haben sie ins Visier genommen … und alle haben erlebt, wie ihre innere Angst plötzlich real wurde als uralter, aggressiver Gestaltwandler, den sie einfach nur „Es“ nennen. Seit es den Ort gibt, ist Derry immer schon das Jagdrevier dieses Monsters gewesen: Alle 27 Jahre steigt es aus der Kanalisation herauf, um sich vom Schrecken seiner bevorzugten Beute zu ernähren: nämlich den Kindern von Derry. Innerhalb eines ebenso grauenhaften wie mitreißenden Sommers tun sich die Loser zusammen und bilden eine unverbrüchliche Gemeinschaft, um so ihre eigene Angst zu überwinden und den mörderischen Amoklauf zu beenden, der an einem Regentag begonnen hat… 

Der neuen Verfilmung von Kings Bestseller „Es“ wäre damit Unrecht getan, würde man sie lediglich auf ihr Dasein als Horrorschocker reduzieren. Andy Muschietti gelingt ein feinfühliges Coming-of-Age-Drama über innere Dämonen und die Ängste des Erwachsenwerdens, garniert mit einer ordentlichen Prise Gruselhorror, starken Effekten und einem Club der Verlierer, in den man sich auf Anhieb verliebt.


ROCK MY HEART  | Regie: Hanno Olderdissen | DE 2017

Wie lebt man, wenn jeder Herzschlag der letzte sein könnte? Diese Frage begleitet die 17-jährige Jana ständig, denn sie lebt mit einem angeborenen Herzfehler. Und weil das nicht fair ist, riskiert sie immer wieder Kopf und Kragen. Sie will jeden Augenblick auskosten. Sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern, die sie zu einer rettenden, aber riskanten Operation überreden wollen. Doch Jana weigert sich. Als sie dem Vollbluthengst Rock My Heart begegnet, ändert sich für sie alles. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Das schwarze Pferd ist wie sie: wild, ungezähmt, rebellisch und lässt niemanden an sich heran – außer Jana. Rocks Trainer Paul Brenner wittert seine Chance: Er überredet Jana mit Rock für ein wichtiges Galopprennen zu trainieren, um mit dem Preisgeld endlich seine Schulden abzubezahlen. Von Janas Krankheit hat er keine Ahnung – und Jana wird ihr Geheimnis bestimmt nicht preisgeben.

„Rock My Heart“ kombiniert auf eine absolut authentische Weise das Drama um eine Todkranke mit einem hoffnungsvoll-optimistischen Pferdefilm, das überrascht, mitreißt und die aufgesetzte Hintergrundmusik gar nicht bräuchte, um zu Tränen zu rühren. Die fantastischen Darstellungen im Ensemble und der realistische Umgang mit dem Metier des Pferderennsports runden den starken Gesamteindruck ab.


VICTORIA & ABDUL  | Regie: Stephen Frears | UK/USA 2017

London 1887: Bei den prunkvollen Feierlichkeiten anlässlich ihres 50. Thronjubiläums lernt die manchmal etwas eigensinnige britische Monarchin Queen Victoria (Judi Dench) den jungen indischen Bediensteten Abdul Karim (Ali Fazal) kennen. Zur Überraschung ihrer Familie und Berater nimmt sie Abdul in ihr Gefolge auf – zunächst als Diener am königlichen Hof. Bald schon zeigt sich die sonst so distanzierte Queen erfrischt von ihrem neuen Bediensteten, der sich als inspirierender Gesprächspartner herausstellt und ihr seine fremde Kultur näher bringt. Abdul führt ihr vor Augen, dass sie selbst als langjährige Herrscherin noch viel über die Menschen im Britischen Empire lernen kann. Zwischen beiden entwickelt sich eine höchst außergewöhnliche Freundschaft, die bei der Entourage am Hofe schnell Misstrauen und Neid erzeugt.

Stephen Frears‘ überraschend komisches Drama „Victoria & Abdul“ ist ein liebevoller Blick hinter die Kulissen der britischen Monarchie und findet trotz seiner leichtfüßigen Inszenierung die richtige Balance zwischen aus der Absurdität heraus entstehendem Witz und niederschmetternder Tragik, wenn man erkennt, dass das sich Annäheren verschiedener Kulturen noch heute immer keine Selbstverständlichkeit ist.


DIE BESTE ALLER WELTEN  | Regie: Adrian Goiginger | AT/DE 2017

Lagerfeuer, Feuerwerkskracher, Abenteuergeschichten: Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) erlebt eine auf den ersten Blick harmonische Kindheit im außergewöhnlichen Milieu einer Drogenszene am Rand einer österreichischen Stadt, und mit seiner liebenswerten Mutter Helga (Verena Altenberger) zwischen Fürsorglichkeit und Drogenrausch. Wenn er groß ist, möchte er unbedingt Abenteurer werden. Trotz aller Schwierigkeiten ist es für ihn eine behütete Kindheit, die beste aller Welten. Er ist kein unglückliches Kind, Helga ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihm Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Bis sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren lässt. Helga weiß, sie muss clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie ihre eigenen Dämonen besiegen… 

An dem autobiographischen Filmdrama „Die beste aller Welten“ hat man schwer zu knabbern. So authentisch und lebensecht inszeniert Regie-Newcomer Adrian Goiginer seine eigene Kindheit, die dem Zuschauer einen emotionalen, fast traumatisch-intensiven Einblick hinter die Kulissen der österrichischen Drogenszene liefert. Jungdarsteller Jeremy Miliker spielt Weltklasse – genauso wie der Rest.


CARS 3: EVOLUTION  | Regie: Brian Fee | USA 2017

Unvorbereitet wird Lightning McQueen von einer neuen Generation Rennwagen aus dem Sport verdrängt, den er so liebt. Um wieder mithalten zu können, ist er auf die Hilfe der ehrgeizigen Renntechnikerin Cruz Ramirez angewiesen. Um Lightning zurück an die Spitze zu bringen, hat sie auch schon einen Plan: Mit dem verstorbenen Doc Hudson als Vorbild und einigen unerwarteten Fahrmanövern will sie ihr Vorhaben umsetzen. Um zu beweisen, dass die Startnummer #95 noch nicht zum alten Eisen gehört, muss Lightning sein Kämpferherz beim Piston Cup Rennen unter Beweis stellen. Regisseur Brian Fee hisst die Startflagge für „Cars 3: Evolution“! Dabei gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit den Stars der ersten Filme – das dritte Abenteuer präsentiert zahlreiche neue Charaktere, die ordentlich Speed auf die Leinwand bringen.

„Cars 3: Evolution“ ist zwar nicht ganz so missraten wie der vollkommen lieblose Vorgänger, stattdessen ist das zweite Sequel des Erfolgsfranchises ein absolut generisches Animationsabenteuer, das mit so wenigen eigenen Ideen daherkommt, dass man ihn sich auch direkt sparen kann. Die als Zielgruppe anvisierten Kiddies wird das vermutlich kaum interessieren. Immerhin das Ende überzeugt.


WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?  | Regie: Julia Ziesche | DE 2016

Die halbwegs erfolgreiche Schauspielerin Doris (Olivia Grigolli) will noch immer über das Leben ihrer beiden erwachsenen Töchter bestimmen, wobei ihr das eigene Leben doch eigentlich selbst fast entglitten ist. Ihre ältere Tochter Mascha (Marie Rosa Tietjen) ist immer noch auf der Suche nach sich selbst und verkennt dabei, dass sie eigentlich schon ziemlich viel gefunden hat. Die 16-jährige Viola hingegen glaubt, dass sie ihre Pläne und Träume mühelos mit einem Baby in Einklang bringen kann. Dass nicht nur Viola (Luise von Finckh), sondern auch ihre Mutter ungeplant schwanger wird, setzt die beiden unter Entscheidungszwang – und verlangt in den wechselhaft-spannungsvollen Mutter-Tochter-Beziehungen ein neues Verständnis für die Entscheidungen der anderen. Die ungeborenen Kindern könnten die beiden Frauen endlich wieder enger zusammenführen – oder sie auf ewig auseinander treiben…


STROMAUFWÄRTS  | Regie: Mari­on Hän­sel | BEL/NED/HRV 2016

Die bei­den Halb­brü­der Homer (Oli­ver Gour­met) und Joé (Ser­gi López) wuss­ten bis vor kur­zem nichts von der Exis­tenz des jeweils ande­ren, erfah­ren haben sie von­ein­an­der erst nach dem Tod des gemein­sa­men Vaters. Um sich bes­ser ken­nen­zu­ler­nen, unter­neh­men sie eine gemein­sa­me Boots­fahrt in Kroa­ti­en, dort­hin, wo sich der Vater zuletzt auf­ge­hal­ten hat. Was sich dabei schnell zeigt, ist, dass bei­de zu ver­schie­den sind, um eine gute Zeit mit­ein­an­der zu ver­brin­gen. Wor­über die bei­den wort­kar­gen Män­ner auch kaum spre­chen kön­nen, sind die unter­schied­li­chen Ver­let­zun­gen, die bei­de durch den Vater erlit­ten haben. Mehr schwei­gend als redend tuckern sie den Fluß hin­auf, der sich durch eine wun­der­schö­ne Fels­land­schaft schlän­gelt. Kurz vor ihrem Ziel, einem alten Klos­ter, tref­fen sie auf einen drit­ten Mann, den Iren Sean (John Lynch), der mit dem Vater geschäft­lich zu tun hat­te und der mehr über des­sen Ver­gan­gen­heit weiß als die Söhne.


Heimkinotipp: UNA UND RAY  | Regie: Benedict Andrews | UK/USA/CAN 2017

Als eines Tages plötzlich die schöne Una (Rooney Mara) in seinem Büro auftaucht, wird der eigentlich Mitten im Leben eines erfolgreichen Unternehmers stehende Ray (Ben Mendelsohn) ungewollt mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. 15 Jahre zuvor verband ihn mit der damals noch minderjährigen Tochter (Ruby Stokes) seines Nachbarn eine verbotene Liebesaffäre, für die Ray schließlich verhaftet und verurteilt wurde. Inzwischen hat sich Ray unter anderem Namen ein neues Leben aufgebaut – für Una hingegen scheint die Zeit stillgestanden zu haben. Es folgt eine erbarmungslose Aufarbeitung längst begrabener Erinnerungen mit fatalen Konsequenzen, denn Una weiß nach wie vor nicht, ob das damals echte Liebe war, oder ob sie von Ray nur benutzt wurde. 

„Una und Ray“ begeistert nicht bloß mit formidablen Darstellerleistungen und einer auf das Wesentliche reduzierten Inszenierung, sondern lebt in erster Linie davon, dass man nicht weiß, ob das Gezeigte richtig oder falsch ist.

Das startet am 30. März 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 30. März, der der einen Kinostart bereithält, dem Fans schon lange entgegen fiebern. Die Rede ist von „Ghost in the Shell“, über den ich an dieser Stelle leider nicht mehr verraten darf, als eine erste Einschätzung, die Ihr weiter unten lesen könnt. Eine ausführliche Kritik zum Film folgt am Mittwoch. Ebenfalls visuell pompös daher kommt das Abenteuerdrama „Die versunkene Stadt Z“. Fraglich ist, wie viele Leute sich den Film angucken werden, wo der Starhype um Charlie Hunnam noch nicht wirklich begonnen hat und der um Robert Pattinson schon wieder beendet ist. „The Boss Baby“ könnte aufgrund der kreativen Idee Jung und Alt ins Kino locken, ist allerdings nicht der ganze große Wurf geworden. Ganz im Gegensatz zu „Una und Ray“, der zwar mit minimaler Kopienanzahl startet, aber hoffentlich von vielen gesehen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

UNA UND RAY | Regie: Benedict Andrews | UK/USA/CAN 2017

Als eines Tages plötzlich die schöne Una (Rooney Mara) in seinem Büro auftaucht, wird der eigentlich Mitten im Leben eines erfolgreichen Unternehmers stehende Ray (Ben Mendelsohn) ungewollt mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. 15 Jahre zuvor verband ihn mit der damals noch minderjährigen Tochter (Ruby Stokes) seines Nachbarn eine verbotene Liebesaffäre, für die Ray schließlich verhaftet und verurteilt wurde. Inzwischen hat sich Ray unter anderem Namen ein neues Leben aufgebaut – für Una hingegen scheint die Zeit stillgestanden zu haben. Es folgt eine erbarmungslose Aufarbeitung längst begrabener Erinnerungen mit fatalen Konsequenzen, denn Una weiß nach wie vor nicht, ob das damals echte Liebe war, oder ob sie von Ray nur benutzt wurde.

„Una und Ray“ begeistert nicht bloß mit formidablen Darstellerleistungen und einer auf das Wesentliche reduzierten Inszenierung, sondern lebt in erster Linie davon, dass man nicht weiß, ob das Gezeigte richtig oder falsch ist.


DIE VERSUNKENE STADT Z | Regie: James Gray | USA 2016

Percy Fawcett (Charlie Hunnam) wird von der Royal Society auf eine Expedition zur Landvermessung in Bolivien gesandt. Im Regenwald des Amazonas finden er und sein Forschertrupp, zu dem unter anderem der Entdecker Henry Costin (Robert Pattinson) gehört, immer wieder Spuren von vergangenen Zivilisationen. Sein Forscherdrang ist erwacht und er ist überzeugt von der Existenz einer versunkenen Stadt, die er Z nennt. Zurück in London will die Royal Society jedoch von dieser Idee nichts wissen. Getrieben von dem Drang, endlich seine mysteriöse Stadt zu finden, begibt Fawcett zusammen mit seinem Sohn (Tom Holland) erneut auf eine letzte gefährliche und verhängnisvolle Reise zum Amazonas…

4 von 5

„Die versunkene Stadt Z“ ist großes, mächtiges Kino, das definitiv auf die Leinwand gehört. Das gediegene Erzähltempo passt sich der nostalgischen Inszenierung an und fordert vom Zuschauer entsprechend Sitzfleisch. Belohnt wird er dafür mit einer inspirierenden Entdecker-Geschichte und beeindruckenden Bildgewalten, die ganz ohne Computereffekte auskommen.


GHOST IN THE SHELL |  Regie: Rupert Sanders | USA 2017

In der nahen Zukunft ist Major (Scarlett Johansson) der Prototyp einer neuen Generation. Als Überlebende eines verheerenden Unfalls wurde sie mit kybernetischen Fähigkeiten ausgestattet, die sie zur perfekten Soldatin machen. Ihre Aufgabe: die gefährlichsten Kriminellen der Welt zu stoppen. Als der Terrorismus ein bisher ungekanntes Ausmaß erreicht und es Hackern gelingt, sich in die menschliche Psyche einzuloggen und diese zu kontrollieren, ist Major die Einzige, die die Attentäter aufhalten kann. Auf ihrer Jagd nach einem mächtigen neuen Feind wird sie mit einer unerwarteten Wahrheit konfrontiert: Ihr Leben wurde nicht gerettet – es wurde ihr gestohlen. Ohne Rücksicht auf Verluste versucht sie nun, ihre Vergangenheit zu rekonstruieren, herauszufinden, wer ihr das angetan hat, und die Verantwortlichen zu stellen… 3 von 5

Rupert Sanders‘ hypermodern inszenierte Realfilmversion des Kultmangas „Ghost in the Shell“ ist ein durchgestylter 3D-Actionfilm, dessen virtuose Optik gleichermaßen berauscht wie für die inhaltlich dünne Erzählung entschädigt. Dafür gibt es für die Kenner der Vorlage diverse Details und Anspielungen zu entdecken, die mehr als nur einen Kinobesuch rechtfertigen.


 THE BOSS BABY | Regie: Tom McGrath | USA 2017

Er trägt einen Anzug, spricht mit der Stimme und dem Esprit eines knallharten Geschäftsmannes und hat seine Umgebung fest im Griff: der schnullersaugende Neuzugang in der Familie des siebenjährigen Tim. Der Haken an der Sache: Bei diesem Baby handelt es sich um kein normales Baby, sondern um den Spion einer geheimen Organisation. Es soll mithilfe von ein paar anderen Windelträgern ein geheimes Komplott aufdecken. Eine Firma für Hundewelpen hat es auf die weltweite Niedlichkeit abgesehen. Mit einer neu entwickelten Spezies wären Menschenbabys bald nicht mehr nötig, um Groß und Klein in Verzückung zu versetzen. Boss Baby muss diesen Coup verhindern. Wenn es ihm gelingt, winkt ihm der Chefposten in seiner Firma. Doch Tim ist der Einzige, dem das merkwürdige Verhalten seines neuen Brüderchens aufzufallen scheint…
3 von 5

Der technisch astreine 3D-Film „The Boss Baby“ beginnt unkoordiniert, wird im Mittelteil durch überraschend bösen Humor und amüsante Seitenhiebe in Richtung Erwachsenenwelt zu einem wirklich unterhaltsamen Animationsfilm-Happening und endet schließlich in ein ziemlich routiniert-austauschbares Abenteuer-Finale, das dem zuvor aufgebauten Charme nicht gerecht wird.


A UNITED KINGDOM | Regie: Amma Asante | UK 2016

Im Jahr 1947 verliebt sich der charismatische Seretse Khama (David Oyelowo), seines Zeichens nicht weniger als der König von Botswana, in die zurückhaltende Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike). Ihre Heirat wird nicht nur von ihren beiden Familien, sondern auch von den Regierungen Großbritanniens und Südafrikas abgelehnt. Doch Seretse und Ruth trotzen ihren Familien, der Apartheit und dem britischen Empire – sie ziehen gemeinsam nach Botswana und ihre Liebe wird stärker als jedes Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellt. Und langsam aber sicher verändern sie die Geschicke einer Nation und inspirieren die ganze Welt.

Die Intention hinter „A United Kingdom“ ist löblich, das Schicksal des Paares, das sich in seiner Liebe allen Widerständen widersetzte, erzählenswert. Doch Regisseurin Amma Asante weiß nicht, was sie erzählen will. Am Ende ist ihr Film weder mitreißende Romanze, noch aufrüttelndes Rassendrama.


DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG |  Regie: Aki Kaurismäki | FIN/DE 2017

Khaled (Sherwan Haji), ein junger Syrer, gelangt als blinder Passagier nach Helsinki. Dort will er Asyl beantragen, ohne große Erwartungen an seine Zukunft. Wikström (Sakari Kuosmanen) ist ein fliegender Händler für Männerhemden und Krawatten. In der Mitte des Lebens angekommen, verlässt er seine Frau, gibt seinen Job auf und profiliert sich kurzfristig als Poker-Spieler. Von dem wenigen Geld, das er dabei gewinnt, kauft er ein heruntergewirtschaftetes Restaurant in einer abgelegenen Gasse von Helsinki. Als die finnischen Behörden entscheiden, Khaled in die Ruinen von Aleppo zurückzuschicken, beschließt er, illegal im Land zu bleiben. Wikström findet ihn schlafend im Innenhof vor seinem Restaurant. Vielleicht sieht er etwas von sich selbst in diesem ramponierten, angeschlagenen Mann. Jedenfalls stellt er Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an.


ZAZY | Regie: Matthias X. Oberg | DE/IT 2016

Ein idyllisches Städtchen an einem See in den Alpen. Hier verbringt Marianna mit ihren Kindern die Osterferien. Ihr Mann konnte wegen seines Jobs nicht mitreisen. In demselben Ort lebt Zazy, die dort eine Lehre zur Schneiderin macht. Wirklich glücklich ist sie damit nicht, sie würde lieber ins Showgeschäft einsteigen und ganz groß Karriere machen. Gemeinsam mit ihrem Freund Tomek träumt sie von einem Leben in Luxus, von einer aufregenden Zukunft fernab ihres eintönigen Alltags. In der Schneiderei trifft Zazy auf Marianna, die sich mit dem Besitzer des Ladens angefreundet hat. Als dieser nach einem gemeinsamen Ausflug mit Marianna nicht mehr zurückkehrt, wittert Zazy die Chance ihren Traum von einer TV-Karriere wahr werden zu lassen, denn sie ist die Einzige, die weiß, dass die beiden zusammen unterwegs waren.


I AM NOT YOUR NEGRO | Regie: Raoul Peck | FR/USA 2016

Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterließ er ein 30-seitiges Manuskript mit dem Titel „Remember This House“. Das Buch sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien dreier enger Freunde werden, die für die US-amerikanische Geschichte der Schwarzen wichtig waren und vor allem, die alle bei Attentaten ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA. „I Am Not Your Negro“ schreibt Baldwins furioses Fragment im Geiste des Autors filmisch fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse der Repräsentation von Afro-Amerikanern in der US-Kulturgeschichte.


Heimkinotipp 24 WOCHEN  |  Regie: Anne Zohra Berrached | DE 2016

Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, ihr Mann und Manager Markus unterstützt sie besonnen und liebevoll. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr Leben aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass das Baby schwer krank ist. Die Diagnose trifft sie wie das blinde Schicksal, das sie auf sich nehmen müssen. Gemeinsam wollen sie lernen, damit umzugehen. Doch während Heilungspläne, Ratschläge und Prognosen auf sie niederprasseln, stößt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Die Suche nach der richtigen Antwort stellt alles in Frage. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer erkennen sie, dass nichts und niemand ihnen die Entscheidung abnehmen kann, die eine Entscheidung über Tod und Leben ist.

Anne Zohra Berrached gelingt mit ihrem Drama „24 Wochen“ ein mitfühlender, ehrlicher und hochklassig gespielter Appell an uns alle, Konflikte nicht auf ihre Schwarz-Weiß-Zeichnung zu reduzieren, sondern individuelle Einflüsse selbiger zu tolerieren. So ist ihr Film mitunter kaum zu ertragen und bedarf einer anschließenden Auseinandersetzung, doch mutiger könnte man das Tabu Schwangerschaftsabbruch nicht angehen.

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