Cars 3: Evolution

Den Einspielergebnissen zufolge dürfte CARS 3: EVOLUTION der letzte Teil des Pixar-Franchises sein. Und auch aus qualitativer Sicht tut man der Reihe gut, sie endlich in Rente zu schicken. Mehr zum Film verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Völlig unvorbereitet wird der legendäre Lightning McQueen (Daniel Brühl) von einer neuen Generation rasend schneller Rennwagen aus dem Sport verdrängt, den er so liebt. Um wieder mithalten zu können, ist er auf die Hilfe der ehrgeizigen und jungen Renntechnikerin Cruz Ramirez angewiesen. Um Lightning zurück an die Spitze zu bringen, hat sie auch schon einen Plan ausgeheckt. Mit dem verstorbenen Doc Hudson als Vorbild und einigen unerwarteten Fahrmanövern will sie ihr Vorhabenumsetzen. Um zu beweisen, dass die Startnummer 95 noch nicht zum alten Eisen gehört, muss Lightning sein Kämpferherz auf der größten Bühne des Piston Cup Rennens unter Beweis stellen.

Kritik

Als vor einigen Monaten der erste Trailer zu Pixars neuester Produktion „Cars 3: Evolution“ erschien, liefen US-amerikanische Eltern Sturm dagegen. Der Grund: Die rund eineinhalb Minuten dauernde Videovorschau zeigte Hauptfigur Lightening McQueen bei einem erschütternden Unfall, in dessen Folge Schrauben und Reifen durch die Ruf fliegen. Überträgt man dieses Szenario auf menschliche Figuren – und nichts anderes sollen die titelgebenden Cars in dem gleichnamigen Filmuniversum ja nun mal ersetzen – sieht man hier also weitaus mehr als bloß ein sich überschlagendes Auto. Das ist natürlich ziemlich abstrakt gedacht und wir fragen uns an dieser Stelle, ob sich tatsächlich Kinder vor diesem Quasi-Splatter gegruselt haben, aber es erschien zumindest lange Zeit so, als würde das Franchise einen anderen, einen ernsten und vielleicht sogar endlich so etwas wie einen erzählerisch relevanten Tonfall einschlagen. Schließlich drehte sich in den ersten beiden Filmen alles um irgendwelche Autorennen zwischen den familienfilmtypischen Credos „Glaub an dich selbst!“ und allerlei Variationen davon. Das ist nun im dritten (und vermutlich letzten) Teil der Reihe nicht anders. Und natürlich wäre es auch absolut überraschend, wenn die Macher von nun an die Meinung vertreten würden, dass man auch ganz gut durchs Leben kommt, wenn einem das Erreichen der eigenen Ziele ziemlich egal ist. Aber so sehr sich Regisseur Brian Fee (Art Departement von u.A. „Wall E“) auch Mühe gibt, „Cars“ auf den letzten Metern wenigstens ein paar frische Facetten abzugewinnen: „Evolution“ käut wieder nur das Standardrepertoire gängiger Familienfilmmechanismen wider. Qualitativ kommt Pixar mit „Cars“ also nicht mehr auf einen grünen Zweig.

Lightning McQueen merkt, dass seine Zeit gekommen ist, den Rennsport an den Nagel zu hängen.

Eines muss man Regisseur Brian Fee und seinen drei Drehbuchautoren Kiel Murray („Cars“), Bob Peterson („Findet Nemo“) und Mike Rich („Secretariat – Ein Pferd wird zur Legende“) lassen: Wenngleich Hollywood schon die wüstesten Ideen aus dem Ärmel gezogen hat, um eine eigentlich für beendet erklärte Geschichte fortzusetzen, so setzen die Macher von „Cars 3: Evolution“ doch einen konsequenten und gleichsam harmonischen Schlussstrich unter ihre Arbeit. Sicher: Weitererzählen kann man immer. Aber zumindest die Geschichte des drei Filme in Folge als Hauptfigur agierenden roten Flitzers Lightning McQueen ist nun beendet. In diesem Punkt ist das zweite „Cars“-Sequel sogar ansatzweise mutig: Die Verantwortlichen inszenieren zwar einmal mehr eine Geschichte, an dessen Ende der anvisierte Sieg bei einem wichtigen Rennen steht (und so richtig spannend sind weder die Ausgangslage, noch die anstehenden Vorbereitungen dafür, immerhin hat man all das schon dutzendfach gesehen und allein in diesem Franchise mehrfach), aber es geht auch darum, zu erkennen, wann es sich anbietet, einen Schlussstrich unter die eigene Karriere zu ziehen. An diesem Punkt verbindet „Cars 3“ den Mut zur Hoffnung mit dem Mut zur Aufgabe – ein komplexes Konstrukt eigentlich vollkommen gegensätzlicher Aspekte, die die Autoren jedoch stimmungsvoll und plausibel innerhalb der Geschichte unterbringen. Doch dieser lobenswerte Ansatz findet erst ganz zum Schluss seinen Weg auf die Leinwand (immerhin wird „Cars 3: Evolution“ zum Ende hin immer besser). Alles davor erweist sich gerade für Pixar-Verhältnisse als ebenso austauschbar wie generisch.

„Cars 3: Evolution“ macht auf dem Weg vom ersten, fehlschlagenden Rennen hin zum rasanten Schlussakkord Halt an unterschiedlichen Stationen, die sich episodenhaft zu einer durchgehenden Handlung aneinander reihen. Während sich die Trainingsstunden mit der über-engagierten Renntechnikerin Cruz Ramirez – im wahrsten Sinne des Wortes – totlaufen und die gebetsmühlenartig wiederholten Appelle an Lightnings Durchhaltevermögen selbst den kleinsten Zuschauern irgendwann auf den Geist gehen dürften, überzeugt die Episode rund um ein actiongeladenes Stock-Car-Rennen lediglich aus technischer Sicht (und ist dabei gleichzeitig sicher das Highlight aller rennfanatischen Fans, die den matschigen Parcours zuhause vermutlich direkt mit dem dazu passenden Spielzeugset nachstellen können). Einige amüsante Anspielungen auf Fankult und Merchandise-Wahn – was angesichts der Tatsache, dass es sich bei „Cars“ um Disneys Verkaufsschlager schlechthin handelt, fast schon sarkastisch anmutet – liefert immerhin der Teil im hochmodernen Trainingscenter. Wenn hier die alte, auf handelsübliche Technik bauende Generation auf die Jungspunde der nachfolgenden trifft, kommt es zu einigen amüsanten Momenten. So ein Generationenclash ist eben (fast) immer komisch anzusehen.

Guido, Sally, Sarge, Mater und Hank.

Visuell erweist sich Pixar auch mit „Cars 3: Evolution“ einmal mehr als das Maß aller Animationsdinge. Die verschiedenen Settings stecken voller Detailreichtum, die liebevoll animierten Hintergründe muten mitunter fast fotorealistisch an. Gleichzeitig haben die verantwortlichen Animatoren nicht den größten Entfaltungsspielraum: Gerade im Hinblick auf die Rennstrecken bieten die verschiedenen Kulissen nicht so viel Unterschiedliches, um das Optimum an Kreativität aus den Settings herauszuholen. Dafür gelingt es den CGI-Spezialisten, die vierrädrigen Protagonisten einmal mehr hervorragend zum Leben zu erwecken. Mit der Tatsache, dass Autos und andere Fahrzeuge im „Cars“-Universum die Menschen ersetzen sollen, musste man sich seit jeher anfreunden. Doch die Macher geben sich alle Mühe, die unkonventionellen Hauptfiguren so lebhaft wie möglich zu inszenieren. Auch in Teil zwei bisweilen als äußerst nervig auftretende Figuren halten sich in „Evolution“ nun angenehm zurück – Hank ist endlich wieder nur ein harmloser Sidekick. Die deutschen Sprecher agieren ebenfalls einmal mehr souverän. Zumindest handwerklich ist auf Pixar also nach wie vor Verlass.

Fazit: „Cars 3: Evolution“ ist zwar nicht ganz so missraten wie der vollkommen lieblose Vorgänger, stattdessen ist das zweite Sequel des Erfolgsfranchises ein absolut generisches Animationsabenteuer, das mit so wenigen eigenen Ideen daherkommt, dass man ihn sich auch direkt sparen kann. Die als Zielgruppe anvisierten Kiddies wird das vermutlich kaum interessieren. Immerhin das Ende überzeugt.

„Cars 3: Evolution“ ist ab dem 28. September bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

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