Zehn Filme, die keiner mag – außer mir

Anlässlich des Kinostarts von „Fast & Furious 8“ habe ich Euch zwei Rankings versprochen: In der vergangenen Woche erschienen ZEHN FILME, DIE JEDER MAG – AUSSER MIR. Nun folgt, wie angekündigt, der Gegenentwurf. Ich präsentiere Euch heute ZEHN FILME, DIE KEINER MAG – AUSSER MIR und damit einen kleinen Einblick in meine ganz persönlichen Guilty Pleasures oder aber Filme, von denen ich finde, dass sie zu Unrecht von Kritikern und Zuschauern abgestraft wurde ich wünsche viel Spaß und weise zeitgleich darauf hin, dass einige Platzierungen im Folgenden ein wenig verstören könnten. Sagt am Ende nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!

ICH WEIß, WER MICH GETÖTET HAT by Chris Sivertson

Ja, ICH WEIß, WER MICH GETÖTET HAT ist kein guter Film. Das hängt zunächst einmal damit zusammen, dass sich Regisseur Chris Sivertson vornimmt, tiefgründiger zu inszenieren, als es der hanebüchene Plot zulässt. Auch die Idee, Lindsay Lohan in einer Doppelrolle einen Film komplett allein tragen zu lassen, ist unglücklich und hinzu kommt auch noch, dass die Geschichte ziemlich an den Haaren herbei gezogen ist. Aber davon einmal abgesehen, ist der Mysterythriller mit der penetranten Farbensymbolik ein flott wegguckbares, amüsantes Unterfangen, dem ausgerechnet die deutsche Synchro dabei hilft, einige schauspielerische Holprigkeiten glatt zu bügeln. Wer anfängt, den Sinn des Films zu hinterfragen, der sollte allerdings gar nicht erst einschalten…

PROMETHEUS by Ridley Scott

Ich habe Ridley Scotts PROMETHEUS damals vollkommen losgelöst von den „Alien“-Filmen sehen müssen, da ich zum damaligen Zeitpunkt nicht einen Teil der Reihe gesehen hatte. Eventuell spielt es eine Rolle, dass ich Michael Fassbender verfallen bin, doch davon einmal abgesehen kann ich mich nicht nur an den spektakulären Bildgewalten satt sehen, sondern habe mich obendrein auch wirklich gut und spannend unterhalten gefühlt, als Fassbender und seine Crew hier auf fremdes Leben aus dem All treffen. Wie schon bei der vorherigen Platzierungen sollte man auch hier nicht allzu viel Wert auf Logik und nachvollziehbares Verhalten der Figuren legen, doch wenn man bedenkt, dass sich die Charaktere hier in einer Ausnahmesituation befinden, dann kann ich es ihnen gern verzeihen, dass sie manchmal einfach nur irrational handeln.

RIO 2 – DSCHUNGELFIEBER by Carlos Saldanha

Das Animationsfilmsequel RIO 2 – DSCHUNGELFIEBER war damals kein Mega-Flop, sondern ordnete sich bei den Kritikern irgendwo im unteren Mittelfeld ein. Trotzdem möchte ich ihn erwähnen, da ich ihn – warum auch immer – einfach nur abgöttisch liebe. Ich habe nicht einmal den ersten Teil gemocht, doch ich weiß noch genau, dass ich damals freudestrahlend aus dem Kinosaal gegangen bin und sofort wieder in den farbenprächtigen, musikalischen Dschungel zurück wollte. Manchmal kann man einfach nicht erklären, wo die Liebe zu einem (in diesem Fall eigentlich nur durchschnittlichen) Film herkommt…

PARTY ANIMALS by Walt Becker

Manchmal weiß man das wiederum sehr genau – so auch im Falle der ziemlich dämlichen College-Komödie PARTY ANIMALS, in der Ryan Reynolds in einer seiner ersten Kino-Hauptrollen zu sehen ist. „Party Animals“ habe ich damals als eine Art derben Gegenentwurf zur „American Pie“-Reihe aufgefasst. Heute sehe ich den Film einfach nur als Trittbrettfahrer, der während seiner Entstehung Anfang der 2000er auf der Trendwelle „Schulcomedy“ mitschwamm. Ich verbinde mit dem Film tolle Abende mit Freunden, mit denen ich „Party Animals“ sicher über ein Dutzend Mal gesehen habe. Mitsprechen kann ich ihn immer noch und deshalb halte ich auch gern weiterhin meine schützende Hand über diesen eigentlich saublöden, aber doch irgendwie liebenswerten Film.

BRIDE WARS – BESTE FEINDINNEN by Gary Winick

Es gibt zahlreiche, harmlose (Frauen-)Komödien aus den Zweitausendern, die bei der Kritik alle durchfielen, sich keine wirkliche Fanbase erarbeiten konnten und die ich trotzdem sehr mag. Stellvertretend dafür erwähne ich an dieser Stelle BRIDE WARS – BESTE FEINDINNEN, in welchem sich Anne Hathaway und Kate Hudson darin duellieren, eine bessere Hochzeit als die andere zu feiern. „Bride Wars“ habe ich vor allem deshalb als Beispiel ausgewählt, weil er zwar den üblichen Genrestandards einer Wohlfühl-RomCom folgt, er aber obendrein auch einige clevere Haken schlägt und am Ende nicht unbedingt zusammen bleibt, was zusammen gehört. Engagiert gespielt und alles in allem wirklich rührend inszeniert, wünsche ich mir mehr Respekt für derartige Filme, solange man ihnen das Herzblut anmerkt, mit dem sie entstanden sind.

BEN HUR by Timur Bekmambetov

Wer dachte, mit „Ich weiß, wer mich getötet hat“ sei der Bodensatz dieses Rankings bereits erreicht, der irrt. Ja, richtig gelesen: Die im vergangene Jahr erschienene und von so ziemlich jedem Menschen auf diesem Planeten gescholtene Neuninterpretation von BEN HUR gehört zu den Filmen, die ich mag. Wenngleich die Effekte hier und da ein wenig zu sehr nach Computer aussehen, ist das Monumentaldrama eine absolut solide Angelegenheit, die es schafft, den zeitlosen Stoff optisch ansprechend an die modernen Sehgewohnheiten anzugleichen. Das kann einem aus Prinzip nicht gefallen, man kann aber auch einfach zugeben, dass das so, wie es hier passiert ist, absolut in Ordnung ist. Viel besser (wenn auch natürlich handgemachter und aufgrund der Historie bedeutsamer) fand ich das Original ehrlich gesagt auch nicht…

WIE AUSGEWECHSELT by David Dobkin

Ich zeige mich beeindruckt, solltest Du als Leser immer noch gespannt verfolgen, was nach „Ich weiß…“ und „Ben Hur“ nun noch alles kommen soll und lasse dir WIE AUSGEWECHSELT mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen. Das entspricht dann auch in etwa dem ziemlich billigen Humor, mit dem dieser zweite Film mit Ryan Reynolds in diesem Ranking daher kommt; Niveau braucht man hier nicht suchen. Und wenn am Ende dann auch noch schön schmalzig auf die Tränendrüse gedrückt wird, dann schmerzt das beim Ansehen schon ein wenig. Aber hey, wann immer „Wie ausgewechselt“ im Fernsehen läuft, schaue ich gern rein – einfach weil es manchmal auch gern die volle Ladung Quatsch und Schmalz sein darf (und muss), um mich von all dem abzulenken, was in der Welt gerade schief läuft. Das dürfen andere gern mit mehr Anspruch tun, ich greife dann aber schon ganz gern mal zu diesem Film.

THE HAPPENING by M. Night Shyamalan

Ich habe noch (und schon) zu M. Night Shyamalan gestanden, als er sein Comeback noch gar nicht hatte – ja, für mich gehört der belächelte Mystery-Thriller THE HAPPENING sogar zu seinen besten Filmen. Damals, als ein echter Shyamalan-Film nur dann Erfolg haben konnte, wenn er mit einem irren Twist um die Ecke kam, glich seine Geschichte über eine Welt, auf der sich nach und nach aus heiterem Himmel die Menschen umbringen, fast schon einem Understatement. Vielen missfiel vor allem die banale Auflösung, doch seien wir einmal ganz ehrlich: Spannung hin oder her, allzu unrealistisch ist das Szenario gar nicht…

BLAIR WITCH by Adam Wingard

Im vergangenen Jahr gehörte BLAIR WITCH zu meinen Topfilmen des Jahres – und ich musste mir dazu den einen oder anderen ungläubigen Kommentar anhören. Tatsächlich gehört das Sequel zum legendären „The Blair Witch Project“ zu jenen Kandidaten in diesem Ranking, bei denen ich mir das negative Feedback nicht erklären kann. Klar: Wer mir Found-Footage-Filmen nichts anfangen kann, den wird auch dieser hier nicht plötzlich auf seine Seite ziehen. Hier geht es laut, wackelig und hysterisch zu, doch für mich besteht die Meisterleistung an diesem Film nicht unbedingt darin, dass Regisseur Adam Wingard Innovation auf die Leinwand zaubert, sondern in dem Vermögen, eine Hommage an den ersten Teil mit einem direkten Sequel zu verbinden. Hinzu kommt eine grauenerregende Tonspur, Jumpscares ohne Effekthascherei und eine zu weiten Teilen absolut sympathische Besetzung.

THE COUNSELOR by Ridley Scott

Den coolsten Film habe ich mir für den Schluss aufgehoben – und damit den zweiten von Ridley Scott in diesem Ranking. Ich weiß nicht, wie oft ich über THE COUNSELOR gelesen habe, dass er zu den schlechtesten Filmen des „Alien“-Regisseurs gehören würde. Ich weiß nur, dass ich immer daneben stand und mir dachte: Warum zum Teufel seht ihr die elegante Inszenierung nicht, wo ist euer Gespür für smarte Dialoge und weshalb erkennt ihr nicht, wie sich hier beides zu einem abscheulich-schönen Sittengemälde verbindet, das genau so hochgestochen sein muss, um zu unterstreichen, wie krankhaft der Mensch an sich ist? Ja, er ist lang, manche Szenen wirken verstörend (Stichwort: Auto), aber – und damit meine ich noch nicht einmal nur den paralysierenden Score von Daniel Pemberton – er ist zugleich auch einfach faszinierend. Ich werde immer wieder gern Partei für „The Counselor“ ergreifen, wenn ihn mal wieder jemand schlecht machen möchte.

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