Verborgene Schönheit

Nach Erfolgsfilmen wie „Der Teufel trägt Prada“ und „Marley und Ich“ wird David Frankel für sein neuestes Projekt, das tragikomisch angehauchte Drama VERBORGENE SCHÖNHEIT, regelrecht verspottet. Was es damit auf sich hat und weshalb das nicht ganz ungerechtfertigt ist, das verrate ich in meiner Kritik.

Verborgene Schönheit

Der Plot

Als der erfolgreiche New Yorker Werbemanager Howard (Will Smith) eine große Tragödie erlebt und sich völlig aus dem Leben zurückzieht, entwickeln seine verzweifelten Freunde Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña) einen drastischen Plan, um zu ihm durchzudringen. Doch er beginnt universelle Fragen zu stellen, indem er Briefe an die Liebe, die Zeit und den Tod schreibt. Erst als er unerwartet sehr persönliche Antworten auf seine Notizen erhält, beginnt er zu begreifen, wie diese ewigen Konstanten untrennbar mit einem erfüllten Leben verbunden sind und wie sich selbst im schwersten Verlust Momente von tiefer Bedeutung und großer Schönheit offenbaren können.

Kritik

Als das Embargo zu David Frankels neuestem Film „Verborgene Schönheit“ kurz vor den Feiertagen in den USA aufgehoben wurde, konnte selbst die vorweihnachtliche Suche nach Besinnlichkeit und Wohlwollen nicht verhindern, dass sich über das starbesetzte Drama mit Will Smith („Erschütternde Wahrheit“), Kate Winslet („Steve Jobs“), Edward Norton („Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“)  und vielen weiteren namhaften Schauspielerinnen und Schauspielern so etwas wie ein Shitstorm ergoss; in der jüngeren Kinogeschichte nahezu einmalig. Selbst sich in ihrer Meinung sonst immer wieder widersprechende Medien wie der Hollywood Reporter und Variety ließen seltene Einigkeit walten, als sie „Verborgene Schönheit“ – im Original „Collateral Beauty“ – für unerträglichen Kitsch, einen auf Filmpreise ausgelegten Schmachtfetzen oder sogar Trauerpornographie befanden. Derart negatives Feedback ist selbst ein David Frankel nicht gewohnt. Wenngleich er schon immer Filme gedreht hat, die mit Ausnahme von „Der Teufel trägt Prada“ vornehmlich gespaltene Reaktionen hervorrufen. Man erinnere sich nur an  „Marley & Ich“, „Ein Jahr vogelfrei“ oder „One Chance – Einmal im Leben“. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht so weit gehen und David Frankel aufgrund seines neuesten Projekts ein Karriereende vorhersagen. Doch der halbwegs gute Ruf in Hollywood dürfte erst einmal futsch sein. Eine wahrlich niederschmetternde Prognose.

Text

Als die Welt noch in Ordnung war: Simon (Michael Peña), Claire (Kate Winslet) und ihr Boss und Freund Howard bei einem Meeting

Seitdem Will Smith im Jahr 2007 zum zweiten und letzten (!) Mal für einen Academy Award nominiert wurde – damals als bester Hauptdarsteller für „Das Streben nach Glück“ – scheint die Rollenauswahl des 48-jährigen Schauspielers reichlich einseitig. Immer öfter sieht man ihn in Filmen, deren Intention ziemlich deutlich darin liegt, bei den kommenden Awardseasons mitzumischen, doch weder „Sieben Leben“, noch „Erschütternde Wahrheit“ oder jetzt eben „Verborgene Schönheit“ ist das gelungen. Dabei hat David Frankel für sein zwischendurch immer wieder humoristisch angehauchtes Drama eine Riege an Darstellern herangekarrt, nach der sich jeder Regisseur die Finger lecken würde. Neben Smith, Winslet und Norton stehen Helen Mirren („Die Frau in Gold“), Michael Peña („Ant-Man“), Keira Knightley („The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) und Naomie Harris („James Bond 007: Spectre“) vor der Kamera, die in ihren größeren und kleineren Rollen einen absolut soliden Job machen. Während Will Smith in seiner Rolle als depressiver Geschäftsmann ein wenig zu gut aufgeht, ist vor allem Helen Mirren als ebenso liebenswürdige wie leicht exzentrische Schauspielerin das große Highlight des Films, die selbst die plakativsten Szenen immer wieder an sich reißt, um ihnen einen Hauch ihrer aufgesetzten Schwermut zu nehmen.

Gleichzeitig ist aber genau das auch ein Problem, das sich durch den Film im Gesamten zieht. Anders als es der Trailer (mal wieder) vermuten lässt, ist „Verborgene Schönheit“ nämlich nicht das Fantasydrama um einen Mann, der von der personifizierten Zeit, der Liebe sowie dem Tod heimgesucht wird. In Wirklichkeit geht es vielmehr um eine Gruppe von Freunden, die Schauspieler arrangiert, um dem depressiven Howard durch eine List wieder in die Spur zu bringen. Nachdem sie die von Howard in seiner Trauer an die Liebe, den Tod und die Zeit geschriebenen Bittbriefe abfangen, engagieren sie Mirrens Brigitte, Knightleys Amy und Jacob Latimore („Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“) als Raffi, um, auf den Inhalt der Briefe eingehend, mit Howard in Kontakt zu treten und ihn so an eine Art Wunder und vor allem wieder an sich selbst und das Leben glauben zu lassen. Das klingt nicht bloß exakt so konstruiert, wie es sich im Film letztlich auch präsentiert, es ist in erster Linie ein moralisch höchst brisantes Thema, das hier im Gewandt eines den Ernst der Lage verklärenden Dramas präsentiert wird. Nicht nur, dass das Skript von Allan Loeb („Rock of Ages“) diesen vollständig ignoriert, gleichzeitig legitimiert es Dinge wie Vertrauensmissbrauch und unterschlägt wichtige Fakten des Krankheitsbildes Depression, indem der Autor lieber auf die Klischees zurückgreift, mit denen sich das ohnehin überkonstruierte Szenario in „Verborgene Schönheit“ auf dem einfachsten Wege auflösen lässt. Echtes Interesse an den Figuren sieht anders aus. Und wenn das Drehbuch schließlich auch für Howards Freunde jeweils noch ein schwerwiegendes privates Problem bereit hält (Simon hat Krebs, Whit droht, den Kontakt zu seiner Tochter vollständig zu verlieren und Claire hadert mit sich, ob sie sich künstlich befruchten lassen soll), dann verliert der Film auch seinen letzten Funken Glaubwürdigkeit – erst recht, wenn gen Ende dann auch brav alles zum Wohlgefallen des Zuschauers aufgelöst wird.

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Helen Mirren mimt den Tod, der mit Howard (Will Smith) in Kontakt tritt…

Durch diese sehr auf Versöhnung und Happy End bedachte Inszenierung lässt sich „Verborgene Schönheit“ entsprechend leicht konsumieren. David Frankel bleibt sich seines leichtfüßigen Erzählstils treu und anstatt sich in dramatischen Momenten auf die Situation an sich zu verlassen, drückt er lieber doppelt und dreifach auf die Tränendrüse. Auch einige Plottwists gibt es, die vor allem gen Ende tatsächlich recht effektiv geraten und zwischen den Zeilen blitzt ausgerechnet in den komischen Momenten immer mal wieder durch, dass „Verborgene Schönheit“ vielleicht ein richtig guter Film sein könnte, wenn die Geschichte nicht von derart fehlgeleiteter Moral wäre. Als wäre das nicht genug, bedient sich Frankel zudem an allerhand Symbolik (Stichwort: Dominosteine), um die ohnehin alles andere als subtil geratene Botschaft auch noch auf visueller Ebene zu unterstreichen. Teilweise gelingt das sogar. „Verborgene Schönheit“ sieht dank der Kameraarbeit von Maryse Alberti („Creed – Rockys Legacy“) edel aus und versprüht das Flair eines klassischen Weihnachtsfilms. Theodore Shapiro („Ghostbusters“) sorgt für einen sich ganz in den Dienst der grobmotorisch dargebotenen Handlung stellenden Score und kann auch mit der Verwendung des vielsagenden OneRepublic-Songs „The Future Looks Good“ kaum noch etwas daran ändern, dass „Verborgene Schönheit“ seinem Zuschauer zu jeder Zeit vorgibt, was er gerade zu fühlen hat. Einen nicht-schwermütigen Film über das Thema Depression zu drehen, ist eben nicht damit vollbracht, möglichst viele Kalenderspruch- und Glückskeksweisheiten auf einmal in ihm unterzubringen…

Fazit: „Verborgene Schönheit“ gibt eine edle Motivation vor, doch hinter der Geschichte um einen Trauernden und den Versuch seiner Freunde, ihn durch eine List wieder aufzubauen, steckt eine moralisch vollkommen fehlgeleitete, trotz der starken Schauspieler und der chicen Optik alles andere als ehrliche Geschichte über Depressionen, wie sie plakativer nicht sein könnte.

„Verborgene Schönheit“ ist ab dem 19. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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