Why Him?

In den USA kam WHY HIM? kurz vor Weihnachten in die Kinos und war dort im Anbetracht seines Weihnachts-Subplots auch gut aufgehoben. In Deutschland kommen wir jetzt erst in den qualitativ gespaltenen Genuss dieser Rüpelcomedy, die das Herz dennoch am rechten Fleck hat. Mehr dazu in meiner Kritik.Why Him?

Der Plot

Als Ned (Bryan Cranston), ein überfürsorglicher aber liebender Vater, zusammen mit seiner Familie seine Tochter Stephanie (Zoey Deutch) in Stanford besucht, trifft er auf seinen größten Alptraum: ihren Freund, den gutmeinenden aber nicht gesellschaftsfähigen Silicon-Valley-Millionär Laird (James Franco). Der zugeknöpfte Ned findet den peinlichen Laird absolut unangebracht für seine Tochter. Die einseitige Rivalität und Neds panische Reaktionen eskalieren als er feststellt, dass er keinen Einfluss in der glamourösen High-Tech Welt hat und Laird kurz davor ist, seiner Tochter einen Heiratsantrag zu machen.

Kritik

Filme, in denen mehr als ein Gag unter die Gürtellinie zielt, haben es bei Kritikern oft nicht leicht. Es ist eben recht einfach, Derartiges aus dem Zusammenhang zu reißen und allumfassend für vulgär und stupide zu befinden. Dabei kommt es auch hier – wie bei allen Dingen – auf den Kontext an. Ist eine Komödie ausschließlich darauf aus, möglichst viele versaute Anspielungen und Fäkalwörter unterzubringen, entbehrt das jedweder Art von Kunst, zumal sich die wirkliche Provokation nur selten einstellt, wenn zu deutlich in ihre Richtung geschielt wird. Zuletzt geschah so etwas im Falle von „Dirty Grandpa“, einer vollkommen lieb- und zusammenhanglosen Schwanz-, Wichs- und Furzgag-Parade ohne Sinn und vor allem Herz. Schon weitaus gewitzter, wenn nicht gar noch ein Stückchen derber ging es da bei Sasha Baron Cohens „Der Spion und sein Bruder“ zu; einer Agentencomedy, die sich visuell zwar noch mehr traute (Stichwort: Elefant), es aber tatsächlich schaffte, zwischen den Zeilen diverse gesellschaftspolitische Botschaften anzureißen. Dann gibt es da noch die vielen Komödien der Clique rund um Seth Rogen, die sich ebenfalls über ihre Derbheit definieren, das Herz jedoch immer am rechten Fleck haben – in „Bad Neighbors 2“ wurde erst kürzlich ganz nebenbei eine Lanze für die Gleichberechtigung der Frau gebrochen und in „Sausage Party“ wurden weltpolitische Differenzen mal eben weggef***t. Man sieht also: Nur, weil sich ein Film auch auf Obszönitäten und Kalauer verlässt, muss er nicht automatisch dämlich sein. Auch in derartig gelagerten Komödien kann eine hübsche Geschichte stecken. Genau so ist es nämlich in „Why Him?“, der immer dann funktioniert, wenn dieser liebevolle Kern zum Vorschein kommt und die derben Gag-Einlagen fest in der Handlung verankert sind.

Familie

Die Flemings: Scotty (Griffin Gluck), Ned (Bryan Cranston), Stephanie (Zoey Deutch) und Barb (Megan Mullally)

Die Kunst, eine schlüpfrige Komödie so zu inszenieren, dass man sich von den Fäkalhumor-Einlagen nicht genervt oder gar angeekelt fühlt, besteht immer darin, die Gags wohldosiert zu positionieren und ihr Auftauchen inhaltlich halbwegs relevant zu gestalten. Insofern mag ein in dem riesigen Anwesen des exzentrischen Laird stehender, ausgestopfter und in Urin konservierter Elch zwar auf den ersten Blick einfach nur widerlich erscheinen, gleichzeitig betont er aber auch den vollkommen abgehobenen Lebensstil der neureichen Silicon-Valley-Hipster. Vieles in „Why Him?“ lässt sich unterschwellig als Kommentar auf das dort vorherrschende, durchaus verschobene Weltbild deuten und wenn Stephanies Familie Lairds Anwesen bei der Ankunft als „Apple-Store“ bezeichnet, dann hat es schon seinen Grund, weshalb ausgerechnet der jüngste Spross der Familie genau diese Aussage so cool findet. Auf im Detail derart hintersinnige Gags folgen aber immer auch eine Handvoll solcher, die weitaus weniger gelungen sind. Wenn etwa Ned auf der Toilette damit zu kämpfen hat, dass man hier in einem papierfreien Haushalt lebe, ermüdet sich dieser Witz schnell. Auch ein obligatorischer Drogentrip, Missverständnisse in Sachen Sexualpraktiken und des Vaters Beiwohnen bei einem Schäferstündchen seiner Tochter sind zu abgegriffen, um mit dem Rest der ansonsten recht gelungenen Pointen-Ansammlung mitzuhalten. Trotzdem kommt „Why Him?“ das hohe Tempo zugute – Regisseur John Hamburg („… und dann kam Polly“) hält sich nie zu lange an einer Situation auf. Da lassen sich gerade die humoristischen Rohrkrepierer umso besser verschmerzen.

Wie bei so vielen Geschichten, in denen ein angespanntes Verhältnis zwischen Schwiegersohn/Schwiegertochter und Schwiegermutter/Schwiegervater im Mittelpunkt steht, ist auch die Glaubwürdigkeit von „Why Him?“ stark davon abhängig, wie die einzelnen Figuren untereinander funktionieren. So ist es ausgerechnet der hier absolut hemmungslos aufspielende James Franco („Every Thing Will Be Fine“), der dafür sorgt, dass der Film auch auf emotionaler Ebene gut funktioniert. Seines exzentrischen Auftritts zum Trotz und abgesehen von seiner vollkommen naiven Lebensweise glaubt man seiner Figur Ned eine Sache zu jeder Sekunde: dass er seine Freundin Stephanie von ganzem Herzen liebt. Dass es allerdings auch gerade diese mehr als verrückte Attitüde ist (zum Schutz vor Kidnappern lässt sich Ned etwa einmal am Tag aus dem Nichts von seinem Assistenten Gustav „probe-entführen“ – ein irre witziger Running Gag!), von der sich der konventionell denkende Ned abschrecken lässt, macht wiederum seine Position glaubwürdig. Würde man die allzu absurden Gag-Spitzen aus „Why Him?“ herausstreichen, hätte man entsprechend einen reichlich bodenständigen Familienkonfliktplot der Marke „Meine Braut, ihr Vater und ich“. Und betrachtet man das leider arg überzuckerte Finale, dann ist man mit diesem Vergleich auch gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt.

Why Him?

Laird (James Franco) meint es wohl einfach ein wenig zu gut, wenn er sich die Weihnachtskarte seiner Familie auf den Rücken tättowiert…

Das zuvor immer nur nebensächlich angerissene Weihnachts-Flair drängt sich in den letzten zehn Minuten dann doch arg in den Mittelpunkt und macht „Why Him?“ in letzter Instanz weitaus rührseliger, als es Trailer und Inhalt vermuten lassen. Einerseits lässt das den Film an Spritzigkeit einbüßen. Andererseits dürfte der Ausgang des Films all jene Zuschauer versöhnlich stimmen, denen es vorab ein wenig zu abgedreht zuging. Dank der durchgehend ordentlich aufgelegten Darsteller ist dieser tonale Wandel zudem immer noch glaubwürdig. Bryan Cranston („Trumbo“) gefällt als stets um seine Tochter besorgter Vater, der sich in wichtigen Momenten von der Lebensfreude seines Schwiegersohns in spe anstecken lässt. Zoey Deutch („Everybody Wants Some!!) spielt so zuckersüß auf, dass man nicht nur weiß, weshalb ihr Vater sie vor einem Draufgänger wie Laird beschützen will, sondern auch, weshalb dieser so hart um sie kämpft. Als echter Szenendieb erweist sich indes Keegan-Michael Key („Keanu“), der in der deutschen Fassung von Rick Kavanian synchronisiert wird. Seine Performance als überambitionierter, stets um das Wohl seines Bosses bedachter Butler und Assistent ist in ihrer überdrehten Art absolut hinreißend – in der Originalfassung ist außerdem sein permanenter Wechsel diverser Akzente ein weiterer von mehreren feinen Running-Gags.

Fazit: „Why Him?“ täten ein paar ruhigere Momente ganz gut, denn wann immer die Darsteller so richtig aufdrehen, wird es schnell (zu) vulgär. Trotzdem ist es ausgerechnet James Franco, der dazu beiträgt, dass die Geschichte die richtige Portion Herz hat – und an Bryan Cranston kann man sich ohnehin nicht satt sehen.

„Why Him?“ ist ab dem 12. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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