Das startet am 17. November 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 17. November 2016, dessen größter Start der Presse bislang vorenthalten blieb. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wird aller Voraussicht nach den Rest ausstechen. In diesem Fall ist das allerdings auch nicht weiter schlimm, denn dass sich die anderen Verleiher kaum Hoffnungen machen, gegen das neueste Zaubererabenteuer zu bestehen, sieht man anhand der Filme, die von ihnen in die Kinosäle entlassen werden. Nicht einmal der neueste Jim-Jarmusch-Film kann vollends überzeugen und ob „Voll verkatert“ überhaupt noch erscheint, steht auch in den Sternen… 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PHANTASTISCHE TIERWESEN UND WO SIE ZU FINDEN SIND | Regie: David Yates | UK/USA 2016
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

1926: Newt Scamander (Eddie Redmayne) hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die außergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen… würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob (Dan Fogler), ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen. Mit diesem Film gibt J.K. Rowling ihr Debüt als Drehbuchautorin. Als Vorlage für ihr Skript diente das Hogwarts-Lehrbuch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, das von ihrer literarischen Figur Newt Scamander verfasst wurde.

4 von 5

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ entführt den Zuschauer in eine Welt, mit der man sich als „Harry Potter“-Fan sehr gern arrangiert. Optisch und akustisch schwelgt man in Nostalgie, auch das Casting der Darsteller gefällt. Lediglich die zu Beginn noch so harmlos-verspielte Geschichte muss in der zweiten Hälfte einem standardisierten Blockbuster-Konflikt weichen, wodurch viel des vorab aufgebauten Charmes verloren geht.


PATERSON | Regie: Jim Jarmusch | FR/DE/USA 2016

Paterson

Paterson (Adam Driver) ist ein Busfahrer, der genauso heißt wie der Ort, in dem er lebt. Die Kleinstadt in New Jersey und ihre eigentümlichen Bewohner sind die Inspiration für seine Gedichte, die er Tag für Tag in der Mittagspause auf der Parkbank verfasst. Doch er fühlt sich auch gefangen. In einem Alltag, der tagein, tagaus derselbe ist und aus dem er nicht ausbrechen kann. Dagegen sieht das Leben seiner geliebten Frau ganz anders aus. Die Welt von Laura (Golshifteh Farahani) dagegen befindet sich nämlich in einem ständigen Wandel. Fast täglich hat sie neue Träume, jeder einzelne von ihnen ein anderes, inspirierendes Projekt. Paterson liebt Laura und sie ihn. Er unterstützt ihre neugefundenen Ambitionen und sie bewundert seine Gabe für Poesie. Doch können diese unterschiedlichen Leben miteinander funktionieren? 3 von 5

Jim Jarmuschs „Paterson“ findet seine nicht zu leugnende Schönheit in der Entschleunigung. Auch die Darsteller spielen absolut solide auf. Gleichzeitig bleiben Geschichte und Charaktere durchgehend oberflächlich und die vom Regisseur beabsichtigte Poesie verpufft, da sie bis zum Ende nur Behauptung bleibt.


RADIO HEIMAT | Regie: Matthias Kutschmann| DE 2016

Radio Heimat

Die vier Freunde Frank, Pommes, Spüli und Mücke suchen mitten im Pott, mitten in der Pubertät und mitten in den 80er Jahren nach der ersten großen Liebe. Besonders Frank hat einen schmerzlichen Wunsch, nämlich bei Carola Rösler zu landen. Unerschrocken ziehen die vier Helden in den Kleinkrieg der Geschlechter und lecken ihre Wunden zwischen Freibad, Schrebergärten und Ommas Frikadellen. Sie absolvieren die schier unüberwindbaren Initiationsriten, welche das Ruhrgebiet jeglicher Mannwerdung entgegenhält: Pilstrinken, Pöhlen und Pommes-rot-weiß. Da hatte es Franks Vatter in den 60er Jahren wohl etwas leichter: Außer einem Kanon gesellschaftlich auferlegter Pflichtübungen wie Tanzschule, keuschem Kaffeetrinkens und echtem Erröten lief es in Sachen Liebe eigentlich wie von selbst. Und so bleibt unseren Helden nur eins: Alles selber ausprobieren!
3 von 5

Dank der tollen Darsteller und der sympathischen Figuren ist „Radio Heimat“ eine hübsche Anekdotensammlung aus dem Leben von vier Jugendlichen. Der Versuch, dem Ruhrgebiet eine Liebeserklärung zu machen, funktioniert allerdings nur bedingt, da das Skript über die Verwendung von Allgemeinplätzen nicht hinaus kommt.


JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN | Regie: Vincent Perez | UK/FR/DE 2016

Jeder stirbt für sich allein

Berlin 1940, Jablonskistraße 55. Die Hausgemeinschaft bildet einen Querschnitt der Bevölkerung der Zeit. Ein Blockwart, eine versteckte Jüdin, ein ehemaliger Richter, ein Denunziant, ein Kleinkrimineller, ein Hitlerjunge, eine Briefträgerin und das Arbeiterehepaar Anna und Otto Quangel. Angst in allen Facetten ist das bestimmende Gefühl dieser Zeit. Durch einen Schicksalsschlag getroffen, beschließt das Ehepaar Quangel, etwas zu tun. Auf der Suche nach Gerechtigkeit kämpfen sie mit klaren Botschaften auf schlichten Postkarten gegen Hitler. Kommissar Escherich kommt ihnen auf die Spur, die Gestapo drängt auf Ergebnisse. Der scheinbar aussichtslose gemeinsame Kampf gegen das Böse lässt Otto und Anna nach Jahren der Einsamkeit wieder zueinander finden und wird nicht nur deshalb am Ende nicht umsonst gewesen sein…
2 von 5

„Jeder stirbt für sich allein“ basiert zwar auf einem herausragenden Roman, dessen erschreckend aktuell wirkende Thematik nach wie vor für die Leinwand gemacht ist. Doch ausgerechnet auf das Werk von Vincent Perez trifft das nicht zu. Abgesehen von einigen nett inszenierten Einzelszenen im kühlen Stile handelsüblicher Spy-Thriller wirkt sein Film selbst für eine Fernsehproduktion viel zu lieb- und leidenschaftslos.


VOLL VERKATERT |  Regie: Barry Sonnenfeld | CN/FR 2016
Voll verkatert

Für den Familienvater und Geschäftsmann Tom Brand gibt es nichts Wichtigeres, als seinen Job als erfolgreicher Firmenleiter eines Milliardenunternehmens. Gerade ist er dabei, das höchste Gebäude der Stadt zu bauen. Da kann es schon mal passieren, dass Ehefrau Lara und Töchterchen Rebecca zu kurz kommen. Viel zu kurz. Mit seinem krankhaften Ehrgeiz treibt Tom regelmäßig seine Angestellten in den Wahnsinn, doch auch David, Sohn aus Toms erster Ehe, muss regelmäßig den Frust seines Dads über sich ergehen lassen. All das ändert sich jedoch, als sich Rebecca zu ihrem Geburtstag eine Katze wünscht. Widerwillig stimmt Tom zu und lernt in einer Tierhandlung den mysteriösen Katzenflüsterer Felix Perkins kennen. Dieser beschließt, dem nachlässigen Familienvater eine Lektion zu erteilen: Nach einem folgenschweren Unfall lebt Toms Verstand in der Gestalt eines Katers weiter. 1 von 5

„Voll verkatert“ hat eine Stärke: Die Synchronisation Kevin Spaceys durch Oliver Kalkofe. Ansonsten ist die vollkommen lieblos inszenierte, absolut unlustige Komödie langweiliger, als jedes Katzenvideo bei YouTube. Wenn der Film doch nicht mehr ins Kino kommt, würde es uns nicht wundern.


AMERIKANISCHES IDYLL | Regie: Ewan McGregor | USA 2016

Amerikanisches Idyll

Amerika in den Sechzigerjahren: Es könnte kaum besser laufen für Seymour Levov (Ewan McGregor), aufgrund seiner Statur von allen nur „der Schwede“ genannt. Einst Sportlegende einer Highschool in Newark, ist der erfolgreiche Handschuhfabrikant inzwischen mit der Ex-Schönheitskönigin Dawn (Jennifer Connelly) verheiratet und hat eine bezaubernde Tochter. Das perfekte Idyll bekommt jedoch erste Kratzer, als Merry (Dakota Fanning) zum rebellischen Teenager heranreift und sich ohne den Zuspruch ihrer Eltern den Protesten gegen den Vietnamkrieg anschließt. Als in der Kleinstadt eine Bombe hochgeht, verschwindet sie spurlos. War Merry die Attentäterin? Für die Levovs beginnt eine Zeit der qualvollen Ungewissheit. Fest entschlossen die Unschuld seiner Tochter zu beweisen, macht sich Seymour auf die Suche nach ihr…


EGON SCHIELE – TOD UND MÄDCHEN |  Regie: Dieter Berner | AT/LUX 2016

Egon Schiele

Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der junge Egon Schiele (Noah Saavreda) ist mit seinen originellen, erotisch aufgeladenen Werken einer der meist diskutierten Künstler seiner Zeit. Leidenschaftlich lebt er für seine Kunst, die inspiriert wird von schönen Frauen und dem Geist einer zu Ende gehenden Ära. Seine jüngere Schwester Gerti (Maresi Riegner) ist seine erste Muse, doch schon bald stehen zu ihrem Missfallen immer neue Mädchen für Egon Modell. Als ihm von seinem Künstlerfreund Gustav Klimt (Cornelius Obonya) die rothaarige Wally (Valerie Pachner) vorgestellt wird, verbindet die beiden bald schon mehr als die Liebe zur Kunst. Eine ebenso stürmische wie wahrhaftige Beziehung beginnt, die sich fortan durch Schieles Schaffen ziehen wird und durch sein Gemälde „Tod und Mädchen“ unsterblich geworden ist.


IM NAMEN DER TIERE |  Regie: Sabine Kückelmann | DE 2016
Im Namen der Tiere

Wir lieben Katzen, Hunde und Pferde, sie sind die besten Freunde des Menschen. Die sogenannten „Nutztiere“ werden dagegen gequält und ausgebeutet. Ein absurder Widerspruch: Dass Fleisch, Milch, Daunen oder Pelze von Tieren mit Charakter und eigenen Bedürfnissen stammen, die einzig für unsere Zwecke gezüchtet und getötet werden, verdrängen wir erfolgreich. „Im Namen der Tiere“ zeigt die grausame Realität, die durch diese Gleichgültigkeit entsteht und erhebt die Stimme für einen gerechten Umgang mit Tieren. George Bernard Shaw sagte: „Die größte Sünde gegenüber unseren Mitgeschöpfen ist nicht der Hass, sondern die Gleichgültigkeit. Das ist das Wesen der Unmenschlichkeit.“ Mit Dr. Melanie Joy (Sozialpsychologin, Autorin), Prof. Dr. Steven Best (Autor, Aktivist), Dr. Eugen Drewermann (Theologe, Psychoanalytiker) u.v.a.


DIE REISE MIT VATER | Regie: Anca Miruna Lăzărescu | DE 2016
Die Reise mit Vater

Heimkinotipp: HIGH-RISE | Regie: Ben Wheatley | UK/BEL 2015

High-Rise

1975. Zwei Meilen westlich von London bezieht Dr. Robert Laing auf der Suche nach Anonymität sein neues Appartement, nur um bald feststellen zu müssen, dass seine Mitbewohner gar nicht daran denken, ihn in Ruhe zu lassen. So ergibt er sich schließlich in sein Schicksal, freundet sich mit den neuen Nachbarn an und wird dadurch zunehmend in das komplexe soziale Gefüge hineingezogen.Während er so seine Probleme damit hat, seinen Platz inmitten dieser Gesellschaft zu finden, bekommen Laings gute Manieren und sein Verstand ebenso deutliche Risse wie das Gebäude selbst.  Die Lichter gehen aus, die Aufzüge bleiben stehen, aber die Party hört nicht auf.  Die Menschen sind das Problem. Der Alkohol die Währung. Sex ist das Allheilmittel.  Erst sehr viel später, als er auf dem Balkon sitzt und den Hund des Architekten verspeist, fühlt Laing sich zuhause.
4 von 5

Mit der Idee, den Bestseller „High Rise“ fürs Kino zu adaptieren, geht Regisseur Ben Wheatly ein großes Wagnis ein. Immerhin droht die Gefahr, unter dem visuellen Rausch den Blick für die Figuren zu verlieren. Diese Problematik vollständig zu umfahren, gelingt ihm tatsächlich nicht. Trotzdem ist „High-Rise“ ein virtuoses Kinovergnügen, das den Rausch von der Leinwand auf den Zuschauer transportiert.

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