Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Es ist soweit! Fünf Jahre nach „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 2“ darf das Kinopublikum erneut in die Welt der Hexen und Zauberer eintauchen. Doch wie gelungen ist die Verfilmung des fiktiven Tierlexikons PHANTASTISCHE TIERWESEN UND WO SIE ZU FINDEN SIND? Das verrate ich in meiner Kritik.Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Der Plot

1926: Newt Scamander (Eddie Redmayne) hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die außergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen… würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob (Dan Fogler), ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen.

Kritik

2016 bot uns schon Wiedersehen mit den Aliens aus „Independence Day“, Bridget Jones, der vergesslichen Doktorfischdame Dorie und der griechischen Sippschaft aus „My Big Fat Greek Wedding“. Nun lässt uns das Kino auch einmal mehr in die Zaubererwelt rund um Hogwarts eintauchen, wenngleich die Verfilmung des fiktiven Lexikons „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erst einmal nichts mit Harry Potter und Co. zu tun hat. Lediglich das Universum ist dasselbe, doch genau genommen handelt es sich bei der von Bestsellerautorin Joanne K. Rowling höchstpersönlich beaufsichtigten Regiearbeit David Yates‘ („Legend of Tarzan“) um eine Art Prequel und Spin-Off in einem. Die Ereignisse um den Magier und späteren Schriftsteller Newt Scamander spielen sich in den späten Zwanzigerjahren ab – und damit weit vor dem Kampf zwischen dem Jungen, der überlebte und dem, der nicht genannt werden darf. Diverse Querverweise in Richtung des schon 1926 von Albus Dumbledore geleiteten Zaubererinternats gibt es in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ natürlich trotzdem. Dass das gelingen würde, war nicht selbstverständlich. Immerhin stehen in dem der Geschichte zugrunde liegenden Buch lediglich die vereinzelten Tierwesen und deren Eigenschaften aufgelistet. Doch da sich aus einem reinen Lexikon nun mal schlecht eine im wahrsten Sinne des Wortes filmreife Geschichte spinnen lässt, nahm Drehbuchautorin Rowling das zum Anlass, um das als fünfteiliges Franchise angekündigte Projekt mit einer eigenständigen Geschichte und ganz neuen Figuren zu versehen. Es funktioniert! „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ atmet die Luft der achtteiligen „Harry Potter“-Saga, bietet aber auch Einsteigern die Gelegenheit, vollkommen davon losgelöst in das Universum einzutauchen. Schwachpunkte finden sich an ganz anderen Stellen, wenn gen Ende der Eindruck entsteht, die zeitlos-verspielte Aufmachung der ersten Hälfte wäre für heutige Blockbuster-Verhältnisse wohl doch ein wenig zu brav.

Eddie Redmayne spielt Newt Scamander, der dringend seine fantastischen Tierwesen wieder einfangen muss...

Eddie Redmayne spielt Newt Scamander, der dringend seine fantastischen Tierwesen wieder einfangen muss…

Es braucht bloß wenige Augenblicke und es ist, als hätte sich der letzte Vorhang der „Harry Potter“-Saga nie geschlossen. Seien es nun die sich stark an den Kompositionen von John Williams orientierenden Orchester-Klänge von James Newton Howard („Erschütternde Wahrheit“), die opulenten, gleichwohl voller Details steckenden Szenenbilder oder die in das Geschehen integrierte Selbstverständlichkeit darin, eine fantastische Geschichte in einem realistischen Setting unterzubringen – trotz seiner Verlagerung von Großbritannien in die USA (hier heißen Muggle nicht etwa Muggle, sondern No-Majs) fühlt sich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ genau so an, wie sich ein Ableger der „Harry Potter“-Saga anfühlen muss. Trotzdem ziehen es David Yates und Joanne K. Rowling vor, erzählerisch neue Wege einzuschlagen. So wird zwar hier und da auf Bekanntes hingewiesen (neben Howarts, der Zaubererschule schlechthin, finden auch bekannte Namen wie Albus Dumbledore eine kurze Erwähnung), inszenatorisch und vor allem dramaturgisch hat aber zumindest der erste Teil der Reihe wenig mit der 2001 gestarteten Zauberer-Oktologie zu tun. Im Falle von „Harry Potter“ bestand die Faszination darin, mit den Figuren zu wachsen, älter zu werden und sämtliche Geheimnisse aus dem Hogwarts-Universum Film für Film zu entschlüsseln. Das bedeutete mitunter auch, dass die einzelnen Konflikte innerhalb der Filme gar nicht so wichtig waren; letztlich ging es vor allem darum, die Weiterentwicklung der Charaktere zu verfolgen. Auch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ folgt zunächst nicht unbedingt sichtbar einer klassischen Blockbuster-Dramaturgie. Tatsächlich geht es in den ersten sechzig Minuten hauptsächlich darum, die vielen fantastischen Tierwesen zu entdecken. Das offenbart eine solch reizende Verspieltheit, dass man sich fast wundert, wie die Macher eine solche Bravheit im von Krawall und Explosionen vollgestopften Hollywood durchsetzen konnten. Leider freut man sich an dieser Stelle zu früh. Denn als ob die Verantwortlichen ihrem simpel-niedlichen Konzept nicht bis zum Ende trauen wollten, bewegt sich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in der zweiten Hälfte eben doch auf ein klassisches Hollywood-Finale zu.  Wenn auch auf eines, mit viel, viel Magie!

Bis es soweit ist, folgen wir dem von Eddie Redmayne („The Danish Girl“) mit einer kindlichen Naivität ausgestatteten Newt Scamander dabei, wie sich ein eigentlich einfacher Auftrag immer mehr verselbstständigt. Das ist ein absolut simples Grundkonzept, macht aber aufgrund des immensen Einfallsreichtums von Seiten der Macher sowie der zugegebenermaßen einfach nur zuckersüßen Darstellung sämtlicher Tierwesen (Stichwort: Schnabeltier) einen Mordsspaß. Auch die Zusammenstellung des Hauptfigurentrios funktioniert in ihrer Interaktion hervorragend, da sich der ein wenig blauäugige Newt Scamander, die gewissenhafte Magierin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) sowie der treudoofe, aber herzensgute Nicht-Magier Jacob Kowalski (Dan Folger) untereinander hervorragend ergänzen, ohne dass dabei auf abgegriffene Buddy-Movie-Schemata zurückgegriffen werden muss. Die durch die Gegensätzlichkeiten entstehende Chemie funktioniert einfach, ohne dass Regie und Drehbuch sie permanent forcieren. Weitaus weniger eindringlich gestaltet sich dagegen die Performance von Colin Farrell („Die Vorsehung“), der eine merkwürdige Variation seiner noch viel merkwürdigeren Darbietung in dem miserablen Wintermärchen „Winter’s Tale“ zu wiederholen scheint – ohne Ironie versteht sich. So wirklich bedrohlich sind seine Gebären also nie.

Newt erhält Hilfe von der charmanten Magierin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston).

Newt erhält Hilfe von der charmanten Magierin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston).

Als sich in der zweiten Hälfte schließlich ein klassisches „Gut gegen Böse“-Muster aus der Geschichte herauskristallisiert, verliert „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ viel seines bis hierhin etablierten Charmes. Obwohl man sich längst mit dem Trio als Protagonisten angefreundet hat und feststeht, wem man hier warum die Daumen drücken sollte, gestalten sich der Weg zum Showdown sowie selbiger äußerst konventionell. So wird hier zwar nicht einmal mehr eine Metropole (geschweige denn die ganze Welt) in Schutt und Asche gelegt – auch die sukzessive immer spektakulärer werdenden Effekte fügen sich gut in die haptischen Kulissen; das Konzept der vorab nicht minder unterhaltsamen Jagd auf die Tierwesen gerät dafür immer weiter in den Hintergrund. Und wer nun meinen möchte, dass genau das benötigt wird, um den Grundstein für vier weitere Filme zu legen, dem möchten wir entgegnen, dass wir die Figuren – egal ob Muggle, Magier oder Tierwesen – zwar alle irgendwie in unser Herz geschlossen haben. Trotzdem können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht so richtig vorstellen, wie man der dem Buch entstammten Grundidee genug eigene Ideen beimengen kann, um aus ihr noch vier weitere Filme zu machen. Eines muss man „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ aber wirklich lassen: Das erste Verlangen nach noch mehr „Harry Potter“-Feeling ist tatsächlich fürs Erste gestillt.

Fazit: „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ entführt den Zuschauer in eine Welt, mit der man sich als „Harry Potter“-Fan sehr gern arrangiert. Optisch und akustisch schwelgt man in Nostalgie, auch das Casting der Darsteller gefällt. Lediglich die zu Beginn noch so harmlos-verspielte Geschichte muss in der zweiten Hälfte einem standardisierten Blockbuster-Konflikt weichen, wodurch viel des vorab aufgebauten Charmes verloren geht.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist ab dem 17. November bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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