Mechanic: Resurrection

Nach der „Transporter“-Reihe bekommt Jason Statham sein nächstes Franchise spendiert. Mit MECHANIC: RESURRECTION setzt der deutsche Genreregisseur Dennis Gansel den gelungenen Vorgängerfilm auf recht unrunde Weise fort. Mehr dazu in meiner Kritik.Mechanic: Resurrection

Der Plot

Seine Tage als Elite-Killer hat Arthur Bishop (Jason Statham) hinter sich gelassen – dachte er zumindest! Doch dann holt ihn die mörderische Vergangenheit ein: Bishops Erzfeind Riah Crain (Sam Hazeldine) entführt seine Freundin Gina (Jessica Alba) und zwingt ihn zur Rückkehr in den alten Job. Innerhalb kürzester Zeit soll der „Mechanic“ einmal um die ganze Welt reisen und das tun, was keiner so gut kann wie er: drei schier unmögliche Auftragsmorde begehen und sie dabei wie Unfälle aussehen lassen…

Kritik

Früher war Jason Statham der Garant für handgemachte, brutale Action. Nicht selten wurden Produktionen, in denen er mitwirkte, mit einer FSK-Freigabe ab 18 versehen. Für schnörkellose Kampfsequenzen stand sein Name ebenso wie für die größtmögliche Reduktion der Computertricks; wenn er fightet, dann richtig! Doch in den letzten Jahren hat sich das US-amerikanische Genrekino in eine immer grobschlächtigere Richtung entwickelt. War blei- und bluthaltige Erwachsenenaction früher oftmals dem Heimkinomarkt vorbehalten, finden Produktionen wie „The Equalizer“, „John Wick“, die „The Raid“-Filme oder auch „Mad Max: Fury Road“ mittlerweile immer häufiger den Weg ins Kino. Heute steht Jason Statham nicht mehr allein auf weiter Flur da, sondern muss sich gegen eine ganze Reihe an Konkurrenz beweisen. Da wundert es dann auch gar nicht mehr so sehr, dass man jetzt versucht, mithilfe der „Marke Statham“ ein Franchise auf den Weg zu bringen, das sich eigentlich nicht als ein solches anbietet. Aber wenn schon die „Crank“-Macher nicht aus dem Quark kommen wollen, endlich eine Fortsetzung ihrer absurd-kultigen Chev-Chelios-Eskapaden zu drehen, dann versucht sich nun eben die Produktionsfirma Millenium an der ersten Statham-Filmreihe seit „The Transporter“. Den Auftakt dazu, „The Mechanic“ von Simon West, gab es 2011 zu sehen. Bei 40 Millionen Dollar Budget spielte der Film 62 Millionen wieder ein. Da kann man es schon mal riskieren, einen europäischen Regisseur für sein US-Debüt zu verpflichten, um den absolut gelungenen, aber leider nur mäßig bekannten ersten Teil einer „material elevation“ zu unterziehen. Kurzum: In „Mechanic: Resurrection“ soll alles besser werden. Dass dieses Vorhaben aber leider kaum gelingt, liegt nicht so sehr an den beschränkten Budgetverhältnissen. Vielmehr drängt sich einem die Frage auf, weshalb man beide Filme zwingend unter derselben Dachmarke veröffentlichen wollte, denn mit Ausnahme des Namens von Hauptfigur Arthur Bishop sowie dem Auftragskiller-Credo, Morde immer wie Unfälle aussehen zu lassen, haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun.

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Auf Augenhöhe mit einem James Bond oder Ethan Hunt kann sich ein Arthur Bishop schon deshalb nicht präsentieren, weil der erfolgreiche Auftragskiller sein Geld damit verdient, auf Wunsch Leute umzulegen. Diese haben zwar meist nicht weniger Dreck am Stecken als er, doch zur Identifikation taugt sein kantiger Charakter nur bedingt. Schon im ersten Teil brachte Bishop ohne mit der Wimper zu zucken seinen besten Freund um die Ecke und der Kontakt zu Frauen beschränkte sich auf Prostituierte. Ein Sympathieträger sieht anders aus und doch punktete „The Mechanic“ insbesondere durch die geradlinige Erzählung, die das klassische Hollywoodactionkino gern mal scheut. Zu Beginn des zweiten Teils hat sich Bishop schließlich zur Ruhe gesetzt, wird jedoch von seiner Vergangenheit eingeholt, als ein alter Erzfeind seine neue Flamme Gina entführt. Dass sich der respekteinflößende Hüne dadurch wieder seiner alten Berufung ergibt, passt zur in Teil eins als kompromiss- und weitestgehend emotionslos eingeführten Figur. Dass ihn ausgerechnet eine flüchtige Liebelei dazu bringt, funktioniert im Anbetracht von Bishops herkömmlicher Frauenpräferenz zu bedingt, da es das Skript von Philip Shelby („Survivor“) und Tony Mosher („Kick Buttowski – Keiner kann alles“) versäumt, diesen für den Fortverlauf der Handlung doch so wichtigen Sinneswandel der Hauptfigur glaubhaft zu skizzieren. Stattdessen muss das Publikum die Anziehung zwischen Arthur und Gina einfach glauben – Szenen, in denen sich das Gespür für die aufkeimende Liebe der beiden entfalten kann, beschränken sich auf ein (!) Schäferstündchen sowie das Beiwohnen einer Feierlichkeit, auf der die beiden miteinander tanzen.

Da der Grund für Arthurs neuen Aufbruch ins Auftragskillergeschehen jedoch keine ausschließliche Behauptung bleibt, funktioniert die Liebelei immerhin als Triebfeder für die weiteren Leinwandgeschehnisse. Drei Morde soll Bishop ausführen und sie – wie schon in Teil eins – wie Selbstmorde oder Unfälle aussehen lassen. Schon in „The Mechanic“ erschloss sich einem die penible Planung, die mitunter nicht selten Sherlock-Holmes-ähnliche Züge annahm, als das Alleinstellungsmerkmal des Films und auch in der Fortsetzung kommt vor und während der Morde der meiste Spaß auf. Eine Sequenz an einem Hochhaus in Australien (die übrigens sowohl in Australien, als auch in Phuket sowie mithilfe von Studioaufnahmen realisiert wurde) entfaltet gar ein ähnlich euphorisches Feeling wie die berühmte Sequenz in „Mission Impossible: Phanton Protokoll“, als Tom Cruise den Burj Khalifa in Saudi Arabien hochkraxelte. Dass diese Szene nicht on location gedreht wurde, verschleiert Regisseur Dennis Gansel („Die Welle“, „Wir sind die Nacht“) tatsächlich lange Zeit mithilfe cleverer Kameraperspektiven und einer feinen Ausleuchtung. Erst als die Szene fast zu Ende ist, offenbart sich ein Problem an „Mechanic 2“, das sich durch den gesamten Film zieht. Man möchte es fast auf das verhältnismäßig geringe Budget von gerade einmal 30 Millionen US-Dollar schieben, dass nicht wenige Actionszenen eine überdeutliche CGI-Handschrift tragen, doch ausgerechnet Explosionen und Nahkämpfe sehen handgemacht und ordentlich aus. Stattdessen ist es leider oft den merkwürdigen Lichtverhältnissen geschuldet, dass auf einem Schiff oder einer Restaurant-Terrasse nichts danach aussieht, als hätte man tatsächlich dort gedreht. So springt einem der Greenscreen (oder die Papp-Kulisse?) so überdeutlich ins Gesicht, dass man es anschließend eher glauben würde, Jason Statham sei tatsächlich ganz James-Bond-like von einer Seilbahn auf einen Hängegleiter gesprungen, als dass er wirklich zuvor auf dieser Terrasse gesessen und das Panorama genossen hätte.

Mechanic: Resurrection

Auch wenn sich uns nicht ganz erschließt, weshalb die Macher hier aus technischer Sicht so deutlich daneben greifen, funktioniert „Mechanic: Resurrection“ als Actionthriller weitestgehend solide. Der Grund dafür ist in erster Linie Jason Statham, aber auch das Konzept vom um die Welt reisenden Protagonisten verleiht dem Sequel Kurzweil und einen Hauch Bond-Feeling. Im Interview gab Dennis Gansel zu Protokoll, Jason Statham hier als „Dirty James Bond“ inszenieren zu wollen. Genau das ist ihm auch gelungen, wenngleich er sich im Schlussakt von „Mechanic 2“ nicht so profilieren darf, wie der britische Spion in seinen Filmen. Dafür verantwortlich ist eine nur allzu unübersichtliche Kameraarbeit (Daniel Gottschalk), die gemeinsam mit dem stroboskopartigen Schnitt dafür sorgt, dass das Finale nicht jene Wucht entfaltet, die es könnte, hätten die Macher mehr Übersicht walten lassen. Auch die ständigen Locationwechsel rufen irgendwann den Verlust von Zeit- und Ortgefühl beim Zuschauer hervor. Es entsteht der Eindruck, Figuren könnten binnen weniger Minuten zig Kilometer überbrücken, Bulgarien läge in unmittelbarer Nähe des Pazifiks und selbst wenn man angesichts der Genreherkunft beide Augen zudrückt, bleibt zum Ende eher der Eindruck über ein zerhackstückeltes Finale bestehen, als etwa der exzentrisch aufspielende Tommy Lee Jones („Jason Bourne“) – der Auftritt wiederum ist nämlich richtig gelungen.

Fazit: „Mechanic: Resurrection“ ist als Genrefilm solide und punktet mit einigen feinen Actionsequenzen, die trotz des geringen Budgets sehr gut aussehen. Auch in den den Morden vorausgehenden Planungen beweisen die Macher einmal mehr Einfallsreichtum. Die Figur des Arthur Bishop hat indes kaum noch etwas mit der aus Teil eins zu tun und auch technisch leistet sich der zweite „Mechanic“-Teil einige Holprigkeiten, die man mit besserer Ausleuchtung und einem übersichtlicheren Schnitt simpel hätte glattbügeln können. So ist das Sequel des sehr guten „The Mechanic“ leider nur noch okay.

„Mechanic: Resurrection“ ist ab dem 25. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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