Legend

Tom Hardy und Tom Hardy spielen die Kray-Brüder, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren den britischen Untergrund regierten. Mit LEGEND erzählt „Payback“-Regisseur Brian Helgeland die Geschichte der Gangster nach, ohne sie zu Helden zu machen. Doch mit seinen 132 Minuten erweist sich dieses Thrillerdrama als äußerst zäh. Mehr zum Film in meiner Kritik.Legend

Kritik

Reggie Kray (Tom Hardy) hat die Unterwelt im Londoner East End fest im Griff. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ron (ebenfalls Tom Hardy), den er kürzlich aus der Psychiatrie holen konnte, erpressen die beiden Schutzgelder, schmieden Allianzen und zwingen jeden ihrer Gegner in die Knie. Schnell florieren die Geschäfte; Politiker und Prominente gehen in den Clubs der Krays ein und aus. Obendrein findet Reggie in Francis (Emily Browning) die Liebe seines Lebens. Doch als er für sechs Monate im Gefängnis einsitzt, treibt Ron die Bars und das eigene Casino in den Ruin. Und während Ron immer mehr außer Kontrolle gerät, sieht Francis bald nur noch einen Ausweg, um ihrem Leben als vernachlässigte Ehefrau zu entfliehen. Das Imperium der Kray-Zwillinge droht zu zerbrechen und Reggie setzt alles daran, um ihren Niedergang abzuwenden.

Kritik

In Großbritannien ist das Schicksal der Kray-Brüder Reggie und Ron in etwa mit dem Bekanntheitsgrad des Mafia-Schergen James „Whitey“ Bulger in den USA zu vergleichen. Letzterem setzte „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper im vergangenen Jahr mit „Black Mass“ ein filmisches Denkmal. Nun legt Brian Helgeland („Payback – Zahltag“) nach und steht damit gleichsam vor einem ähnlichen Vorabproblem wie jener Kollege, der Johnny Depp 2015 zu einer Art Qualitätscomeback verholfen hat. Wann immer sich ein Regisseur dafür entscheidet, die Geschichte eines Schwerverbrechers zu erzählen, wird sein Film automatisch zu einem Balanceakt. Mit dem Verzicht auf ein typisches Pro- und Antagonisten-Modell fällt für den Zuschauer automatisch ein entscheidender Faktor weg, mit welchem sich über die kommenden zwei (oder mehr) Stunden sympathisieren lässt. Ein Film wie „Legend“ muss also zwangsläufig über das Prinzip der Faszination funktionieren, denn so böse ein Gangster auch sein mag: Seine Art, Geschäfte zu erledigen, kann bei aller Illegalität immer noch ein gewisses Unterhaltungspotenzial bergen. Im Falle von „Legend“ liegt dieses darin begründet, dass die Zwillinge Reggie und Ron Krey unterschiedlicher nicht sein könnten und sich damit vorzugsweise selbst im Wege stehen, anstatt einander so zu ergänzen, wie sie es sich gemeinhin vorstellen mögen.

Legend

Für Tom Hardy („The Revenant – Der Rückkehrer“), der in „Legend“ in einer Doppelrolle zu sehen ist, stellt dieser Film den bislang wohl größten Triumph seiner Karriere dar. Zwei charakterlich wie äußerlich so unterschiedlich denkende und agierende Figuren zu verkörpern, die zum Großteil auch immer wieder in ein und derselben Szene auftauchen (und schon während der Dreharbeiten ständige Wechsel vom einen ins andere Alter Ego erfordern), ist nicht weniger als eine waschechte Meisterleistung. Tom Hardy verschmilzt sowohl mit der Rolle des selbstsicheren Reggie, als auch mit jener des zurückgebliebenen Ronnie Kray, ohne je die Frage aufkommen zu lassen, ob hinter den Leinwandcharakteren möglicherweise ein einzelner  Schauspieler steckt. Darüber hinaus verkommt insbesondere der teilweise überzeichnet angelegte Ronnie nie zur Karikatur, sondern macht sich seine befremdliche Attitüde zueigen, um Widersacher aus dem Konzept zu bringen. So spricht sich Ronnie Kray gleichsam vom naheliegenden Witzfigur-Charakter los und offenbart im Kern eine nur schwer einzuschätzende Mentalität, die ihn für Feinde und Behörden noch gefährlicher macht, als seinen Bruder. Nicht umsonst befand sich der wahre Ronnie Kray mehrmals in der geschlossenen Psychiatrie, was in „Legend“ leider nur am Rande thematisiert wird.

Reggie Krays Mentalität ist weitaus simpler; fast möchte man sagen: austauschbarer. Tom Hardy bemüht sich zwar auch in der Verkörperung dieser Rolle, der Figur mehr abzugewinnen, als ein zweidimensionales Ganoven-Dasein und erhält einen Handlungsstrang, der mit diversen privaten Belangen angereichert wird, doch schon hier zeigt sich ein großes Problem, das „Legend“ besitzt. Brian Helgeland zehrt durch und durch von der Faszination für zwei solch gegensätzliche Brüder sowie deren Verbindung zueinander, doch das Wirken der beiden und die Umstände des Geschehens geraten beliebig. „Legend“ besinnt sich auf sein Dasein als absolut schnörkellose Nacherzählung eines Gangster-Duos, das sich in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in Großbritannien verdingte und greift dabei auf eine technisch hervorragende Ausstattung zurück. Doch nimmt man die brillante Performance von Tom Hardy und das authentische Erscheinungsbild des Films einmal beiseite, erweist sich „Legend“ mit seinen 132 Minuten als teils zähe Aneinanderreihung diverser Standard-Ereignisse aus dem Leben zweier typischer Gangsterbosse.

Legend

Einen Vorteil hat eine solche Inszenierung allemal: Brian Helgeland, der hier als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion fungiert, besinnt sich ganz darauf, den Kray-Brüdern ein glaubhaftes Leinwandzeugnis auszustellen. Trotz des Titels „Legend“, der sich auf den einstigen Untergrund-Stellenwert der zwei Gauner bezieht, verzichtet der Filmemacher in Gänze auf Überstilisierung oder gar Heroisierung. Auch einer Wertung enthält er sich. Was er der Geschichte hingegen nicht abspricht, ist ein immer wieder durchscheinender Unterhaltungswert, denn die teils dreistesten Gaunernummern, die die Kray-Zwillinge in ihrer Zeit als Ganoven durchgezogen haben, wandeln stets auf dem schmalen Grat zwischen sonderlich, irrwitzig und abscheulich. Auch etwaige Fragen nach der Notwendigkeit lässt „Legend“ nie aufkommen. Mithilfe des privaten Subplots um Reggie Kray, der für eine Frau (Emily Browning) versucht, irgendwie von seinen Gewohnheiten zu lassen (jedoch kläglich scheitert), unterstreicht das Drehbuch die Willkür im Handeln der Krays. Brian Helgeland zollt hier Niemandem einen Tribut. Stattdessen ist sein Film eine Geschichte über die Faszination, sich für ein Leben als Bösewicht zu entscheiden und dafür die Quittung zu bekommen.

Fazit: In „Legend“ beeindruckt vor allem Tom Hardy in einer faszinierenden Doppelrolle. Ansonsten bleibt der Film als launiges Ganovenstück weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das ist der Authentizität nur zuträglich, hat jedoch Auswirkungen auf das Amüsement innerhalb des Seherlebnisses und lässt den Film schlussendlich auf durchschnittlichem Niveau zurück.

„Legend“ ist ab dem 7. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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