Pitch Perfect 2

A-ca-tastisch! Die Barden Bellas sind zurück! Mit ihrem Langfilm-Regiedebüt PITCH PERFECT 2 beweist die charismatische Schauspielerin Elizabeth Banks ein Händchen dafür, wie man bereits bekannten Stoff um ein Vielfaches optimiert und das Sequel somit besser gestaltet als den Auftaktfilm. Mehr zu der absurd-komischen, jedoch nicht minder zu Herzen gehenden Musikstory lest Ihr hier.

Pitch Perfect 2

Der Plot

Drei Jahre sind vergangen, seit die Bellas mit ihren unverkennbaren Stimmen, ihrem Stil und Auftreten als erste Frauen-A-Capella-Gruppe einen landesweiten Preis gewannen. Doch dann droht ein Skandal ihr letztes Jahr an der Barden University zu torpedieren: Sie werden disqualifiziert, und nachdem sie als Champions bereits dreimal ihren Titel verteidigt haben, scheint jetzt alles endgültig in Disharmonie zu enden. Nur eine letzte Chance bleibt den Bellas, um ihren Ruf zu wahren: Sie müssen sich durchsetzen, um ihren Anspruch auf den Sieg bei der World Championship of A Cappella in Kopenhagen anzumelden. Zu dem Druck, der musikalisch auf der beliebten Gruppe lastet, kommt auch noch die Angst vor den Uni-Abschlussprüfungen – die Schwestern im Geiste müssen sich also höllisch konzentrieren, um erneut ihre Stimme zu finden und der Welt zu zeigen, zu welchen gesanglichen Höhenflügen sie fähig sind.

Kritik

Es gibt ein unbeschriebenes Gesetz in der Traumfabrik Hollywood. Dieses besagt: Eine Fortsetzung ist nie so gut wie das Original! Und als wäre ebenjene Klausel ein allgemeingültiger Befehl, halten sich die Ausnahmen, die die Regel bestätigen, auch in engen Grenzen. „Der Pate 2“ etwa gilt für viele Filmliebhaber als besseres Sequel zum ohnehin schon großartigen Vorgänger, „The Dark Knight“ ist trotz seines Sequel-Daseins das Non plus Ultra der modernen Comicverfilmung und auch die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollends auserzählte „Panem“-Saga konnte sich den Ruf erarbeiten, von Teil zu Teil besser zu werden. Auch das „Pitch Perfect“-Franchise, dessen erster Teil 2012 einschlug wie eine Bombe (über eine Million Zuschauer in Deutschland, ein US-amerikanisches Box Office von über 65 Millionen Dollar bei Produktionskosten von gerade einem 17 Millionen Dollar), verfolgt denselben Gedanken. Nachdem die Fortführung der im Fahrwasser von „Glee“ und Co. schwimmenden Musical-Komödie trotz eines beispiellosen Kinokassenerfolges lange auf der Kippe stand, sprang kurzerhand Sidekick und der heimliche Star des ersten Teils, Elizabeth Banks („Mädelsabend“) in die Bresche und liefert mit „Pitch Perfect 2“ nun ihr Langfilmdebüt als Regisseurin ab. Dabei orientiert sich die sympathische Schauspielerin zwar an ähnlichen Erfolgsmechanismen wie schon ihr Vorgänger Jason Moore, beweist im Detail allerdings ein feineres Händchen für das Gesamtbild. Kurzum: „Pitch Perfect 2“ stellt den ohnehin schon starken Auftaktfilm noch einmal in den Schatten.

Pitch Perfect 2

Elizabeth Banks kennt nicht nur die Ausrichtung ihres Filmes wesentlich genauer als der Inszenator des ersten Teiles, sondern hat zugleich auch einen Irrglauben der Hollywoodmaschinerie verinnerlicht, dem sie sich in dieser Form dankenswerterweise nicht blind hingibt. Erwies sich „Pitch Perfect“ noch als unentschlossener (wenn auch immens humorvoller!) Mix aus einer bodenständigen Geschichte und diversen Over-the-Top-Gags, so unterzieht sie ebenjenem Skript des Films für ihren Einstand ins A-Ca-Universum einer Art Generalüberholung. Mit dem Schwerpunkt auf die herausragend choreographierten Gesangseinlagen verpasst sie ihrer vorhersehbaren, wenn auch nicht minder unterhaltsamen Geschichte eine deutlich zurückhaltendere Attitüde innerhalb des Slapstick-Gehalts und sorgt damit für das reibungslose Ineinandergreifen diverser Storyelemente. Mit der Konzentration auf bekannte Handlungsfragmente, die „Pitch Perfect 2“ in vielen Momenten so erscheinen lassen, als hätte man dieselbe Handlung des ersten Teils lediglich an die neuen Gegebenheiten des Nachfolgers angepasst, agiert Banks auf den ersten Blick vollkommen entgegen sämtlicher Erfolgsfaktoren; nicht umsonst wird das Wort „Originalität“ im Filmsprech oft mit dem Schlüssel zum Kassenschlager gleichgesetzt. Dies ist jedoch gerade bei bekannten Marken eine wenig durchdachte Phrase, denn das Fanpublikum braucht immerhin ausschnittsweise bekannte Szenerien zuvor inszenierter Filme, um sich heimisch zu fühlen. Elizabeth Banks weiß darum und versucht mit „Pitch Perfect 2“ nicht etwa das Comedymusical-Rad neu zu erfinden, sondern einfach nur, nicht in dieselben Fettnäpfchen zu treten wie der Regisseur des ersten Teils.

Elizabeth Banks‘ Geschichte hangelt sich somit an exakt denselben Bausteinen entlang wie Teil eins. Es gibt das A-capella-Battle, das Formen eines nahezu unbesiegbaren Gegners, es gibt Defizite innerhalb der Mannschaft und die große Versöhnung einhergehend mit einem atemberaubenden Bombast-Finale. Doch all das ist absolut in Ordnung, optimiert Banks doch die Geschichte von Teil eins und hat ihren zu damals identischen und einmal mehr mit viel Elan agierenden Cast hervorragend im Griff. Mit Hailee Steinfeld kommt zudem eine weitere Jungdarstellerin mit ins Boot, die bereits in der letztjährigen Musikkomödie „Can a Song Safe Your Life?“ ihr Gesangstalent unter Beweis stellen konnte und damit auch in „Pitch Perfect 2“ auftrumpfen kann. Darüber hinaus ist der Tonfall zwar einheitlicher, insgesamt jedoch auch deutlich rauer. Wenngleich Banks‘ und Drehbuchautorin Kay Cannon, die auch bereits das Skript zum ersten Teil verfasste, auf allzu rabiaten Haudrauf-Humor verzichten und stattdessen vor allem die teils absurden Eigenheiten der Hauptfiguren als Aufhänger für humoristische Einschübe nutzen, ist „Pitch Perfect 2“ allen voran von der Ausschlachtung diverser weltumspannender Vorurteile geprägt. Das Drehbuch lässt vor allem die beiden Sidekicks Gail (Banks) und John (John Michael Higgins) in alle Weltrichtungen austeilen, aber wie schon in Teil eins müssen sich auch diverse andere Randgruppen vor den fiesen Spitzen der Moderatoren in Acht nehmen. Im Falle von „Pitch Perfect 2“ haben gerade die Deutschen das Nachsehen. Die Bellas-Konkurrenz „Das Sound-Machine“ ist wohl der Inbegriff des in den Köpfen der Amerikaner existierenden Deutschen. Die drastische Überhöhung tatsächlich existierender Eigenheiten der Deutschen wird vom Teilzeit-Schauspieler Flula Borg (ist eigentlich ein deutscher DJ) und der Dänin Birgitte Hjort Sørensen gekonnt verinnerlich.

Pitch Perfect 2

Zu den Highlights gehören jedoch auch in „Pitch Perfect 2“ die phänomenalen Songchoreographien. Nicht nur die Barden Bellas, allen voran Das Sound-Machine variieren ein Potpourri an modernen Chartstürmern sowie eine Handvoll Songs vorangegangener Dekaden zu großartigen Mash-Ups. Auch die Tanzdarbietungen sind – allen voran im Finale auf der A-Capella-Weltmeisterschaft in Kopenhagen – spektakulär, dabei jedoch nicht aufgesetzt sondern in einem solch realistischen Rahmen, dass man meinen könnte, so etwas wie eine Weltherrschaft des A-Capella liegt gar nicht in einer allzu weiten Ferne. Dabei variiert Elizabeth Banks nicht nur Musikstile innerhalb ihrer Songkombinationen, sondern legt viel Wert auf ausgefeilte Bühnenshows. Dass gerade auf der Zielgeraden dennoch vornehmlich die Gesangsleistung zählt, unterstreicht die Herkunft des „Pitch Perfect“-Franchises als simpler Musikfilm. Auch an die dritte Wand wagt man sich im Laufe der mit knapp zwei Stunden üppig aber absolut gerechtfertigt bemessenen Laufzeit heran. Leider muss der Film in Sachen Kreativität ausgerechnet hier Abstriche machen. Der Wink mit der logikbedingten Komik innerhalb sämtlicher Musicalerzählungen ist selbst für begriffsstutziges Publikum zu groß und ordnet sich nur schwer in das ansonsten so stimmige Gesamtbild ein. Dennoch ist der Versuch, den Vorgänger mit einem ausgefeilteren Skript in den Schatten zu stellen, eindeutig geglückt.

Fazit: „Pitch Perfect 2“ macht Spaß, geht zu Herzen und in die Beine. Mit seinem beißenden Humor, eingängigen Ohrwürmern und einem Gänsehaut-Finale wird dieser Film zu dem Sommerhit unter den diesjährigen Blockbustern und beweist, dass Fortsetzungen tatsächlich besser sein können, als das vermeintlich unantastbare Original.

„Pitch Perfect 2“ ist ab dem 14. Mai bundesweit in den Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de

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