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Das startet am 24. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 24. August, an dem es insgesamt ein wenig ruhiger zugeht. Als einzige Massenstarts gehen der Actionthriller „Atomic Blonde“ und der Horrorfilm „Annabelle 2“ ins Rennen, wobei in Ermangelung an Konkurrenz der Puppengrusler sogar die Nase vorn haben könnte. Der Actionfilm mit Charlize Theron punktet dagegen lediglich mit Starpower und könnte es schwer haben. So richtig starke Filme findet man diese Woche dagegen eher in den Arthäusern – „Tulpenfieber“ und „Das ist unser Land!“ dürften aber bloß eine kleine Menge an Zuschauern anziehen. Der Animationsfilm „Happy Family“ wurde der Presse bis heute nicht gezeigt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

TULPENFIEBER  | Regie: Justin Chadwick | UK/USA 2017

Das Amsterdam des Goldenen Zeitalters ist besessen von einer botanischen Sensation: der Tulpe. An den Grachten floriert der Handel mit den kostbaren Zwiebeln, die schon bald mehr wert sind als Diamanten. Die Spekulanten an der Börse bieten horrende Summen für Exemplare, die sie noch nie zu Gesicht bekommen haben. Allerorten lässt eine fiebrige Goldgräberstimmung die Gefühle hochkochen. In diesen hitzigen Zeiten verliebt sich der Maler Jan van Loos in Sophia, die bildschöne Frau seines reichen Auftraggebers Cornelis Sandvoort. Schon bei ihrer ersten Begegnung ist es um Jan und Sophie geschehen, die sich immer mehr in eine leidenschaftliche Affäre verstricken. Um gemeinsam in ein neues Leben aufzubrechen, schmieden sie mit Hilfe von Sophias Magd Maria einen überaus riskanten Plan. Neben einem bestechlichen Arzt fehlen nur noch die nötigen Gulden für die Überfahrt in die neue Welt. 

Vor zwanzig Jahren hätte ein Film wie „Tulpenfieber“ sämtliche Filmpreise gewonnen, doch auch heute noch begeistert ein solch berauschend-üppig ausgestatteter Kostümfilm, der nicht nur optisch fasziniert, sondern auch eine Geschichte erzählt, die dank hervorragender Darsteller und schöner Drehbuchideen weit über das Standardrepertoire gängiger Hollywoodschmonzetten hinaus geht.


DAS IST UNSER LAND!  | Regie: Lucas Belvaux | FR/BEL 2017

Pauline arbeitet als Krankenschwester in einer Kleinstadt im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie kümmert sich um ihren Vater und zieht ihre beiden Kinder alleine groß. Sympathisch und aufopferungsvoll wie sie ist, wird sie von allen gemocht. Ihre Glaubwürdigkeit will sich eine aufstrebende nationalistische Partei zu Nutze machen und wirbt sie als Kandidatin für die kommenden Bürgermeisterwahlen an. Der charismatische Arzt Dr. Berthier umschmeichelt Pauline und überredet sie zu kandidieren. In ihrem Beruf täglich mit sozialen Missständen konfrontiert, lässt sie sich von seinen populistischen Ansichten mitreißen, in der Hoffnung, in der Lokalpolitik etwas bewirken zu können. Ihr sozialistisch geprägter Vater ist bestürzt über den Gesinnungswandel seiner Tochter.

Im französischen Politdrama „Das ist unser Land!“ zeigt uns Regisseur Lucas Belvaux, nach welchen geschickten Methoden Rechtspopulisten auf Stimmenfang gehen und lässt das Publikum daran teilhaben, wie eine junge Frau dieser Ideologie erst verfällt, um dann zu erkennen, dass sie lediglich instrumentalisiert wurde. Ein spannendes, emotionales und brisantes Zeitdokument.


HAPPY FAMILY  | Regie: Holger Tappe | DE/UK 2017

Die Wünschmanns sind alles andere als eine glückliche Familie. Mutter Emmas Buchhandlung schreibt schon seit Monaten tiefrote Zahlen und steht kurz vor der Schließung, der völlig überarbeitete Vater Frank leidet unter seinem Chef, das Gehirn der pubertierenden Tochter Fee ist gerade wegen Umbaus geschlossen, und der hochintelligente Sohn Max wird in der Schule gemobbt. Doch damit nicht genug: Auf einem Kostümfest verwandelt die Hexe Baba Yaga die gesamte Familie in Monster – Emma wird zur Vampirin, Frank zu Frankenstein, Fee zur Mumie und Max zum Werwolf. Gemeinsam jagt die Monster-Familie die Hexe über den halben Globus, um den Fluch wieder loszuwerden. Auf ihrem Holterdipolter-Trip fetzen sich die Wünschmanns mit einigen echten Monstern, nicht zuletzt mit dem unwiderstehlich charmanten Graf Dracula persönlich, der sich unsterblich (logisch, weil untot!) in Emma verliebt hat. Das Chaos ist perfekt! 

„Happy Family“ ist ein kunterbuntes, witziges und an den richtigen Stellen emotionales Familienabenteuer, das mit liebevollen Charakteren, schönen Animationen und einem starken 3D-Effekt punktet. Nach dem mauen „Konferenz der Tiere“ findet Holger Tappe zu alter Stärke zurück und legt hiermit sogar direkt seinen bisher besten Film vor.


ANNABELLE 2  | Regie: David F. Sandberg | USA 2017

Etliche Jahre sind vergangen, seit das Ehepaar Mullins seine Tochter bei einem schrecklichen Autounfall verloren hat. Doch Samuel und Esther wollen nach vorne blicken. Und so nehmen sie eine Nonne und mehrere Mädchen aus einem abgeschiedenen Waisenhaus bei sich auf. Das große verwinkelte Anwesen bietet den Gästen jede Menge Möglichkeiten der Erholung. Alle fühlen sich wohl, bis eines Nachts unheimliche Dinge geschehen. Vor allem die an Polio erkrankte, gehbehinderte Janice spürt die Anwesenheit einer fremden Macht, seit sie unerlaubt in ein abgeschlossenes Zimmer eingedrungen und hier auf eine Puppe namens Annabelle getroffen ist. Was sie nicht ahnt: Annabelle ist die besessene Schöpfung von Samuel Mullins, der einst damit versucht hatte, Kontakt zu seiner verunglückten Tochter wiederherzustellen… 

„Annabelle 2“ ist zwar bislang der schwächste Teil aus dem „Conjuring“-Universum, bietet aber immer noch solide atmosphärische Horrorunterhaltung mit Nostalgiecharme, deren Finale leider in allzu bekannten Bahnen verläuft.


ATOMIC BLONDE  | Regie: David Leitch | DE/SWE/USA 2017

Berlin, 1989, am Vorabend des Falls der Berliner Mauer. Wenn es schon an einem herkömmlichen Tag im Spionagegeschäft schwer ist zu wissen, wem man vertrauen kann, ist es nun, mitten auf dem Pulverfass, welches die kälteste Stadt der Welt gerade ist, schier unmöglich. Lorraine Broughton, eine ebenso eiskalte wie verführerische Topagentin des MI6, wird nach Deutschland geschickt, um einen brutalen Spionagering auszuheben, der gerade aus noch unbekannten Gründen einen befreundeten Geheimagenten eliminiert hat. Gleich nach ihrer Ankunft gerät Lorraine ins Visier der Killer. Doch sie überlebt und erklärt sich bereit, gemeinsame Sache mit dem waghalsigen Berliner Stationsleiter David Percival zu machen. Ein wachsames Auge auf die beiden wirft der hochrangige CIA-Agent Emmett Kurzfeld, der aus den USA nach Berlin geschickt wurde, um Broughtons Mission aus nächster Nähe zu überwachen. 

„Atomic Blonde“ schwankt im Laufe seiner zwei Stunden extrem: Mal ist er visuell bombastisch, mal eher durchschnittlich, während er erzählerisch die größten Defizite hat. Trotz einer beeindruckenden Charlize Theron bleibt am Ende nur ein durchschnittlicher Actionthriller mit Ausschlägen nach oben.


HAMPSTEAD PARK – AUSSICHT AUF LIEBE  | Regie: Joel Hopkins | UK 2017

Die eigenwillige Amerikanerin Emily Walters passt nur auf den ersten Blick in die gediegene Nachbarschaft Hampsteads und findet ihre affektierten Freundinnen zunehmend öde. Als Emily eines Tages zufällig beobachtet, wie ein Fremder im Park von einer Gruppe Schläger attackiert wird, beschließt sie, zu handeln: Sie ruft die Polizei und kümmert sich um ihn. Sofort ist sie fasziniert von dem kauzigen Donald Horner, der so gar nicht ihrem bisherigen Männerbild entspricht. Donald, der bereits seit 17 Jahren in einer selbstgezimmerten, schäbigen Hütte im weitläufigen Park lebt, soll daraus vertrieben werden und einem Luxusbauprojekt weichen. Entschlossen und zum großen Entsetzen ihrer Freunde stellt sie sich im Kampf um sein Zuhause auf die Seite des Außenseiters.

Regisseur Joel Hopkins kann der in routinierten Bahnen verlaufenden Lovestory einige clevere Aspekte abgewinnen, trotzdem profitiert „Hampstead Park – Aussicht auf Liebe“ in erster Linie von den beiden hervorragend miteinander harmonierenden Hauptdarstellern. Sie machen aus einer gewöhnlichen Durchschnitts-Komödie eine solche, der man die allzu schematischen Verwicklungen nicht wirklich übel nehmen kann, zumal das Finale mit Bodenständigkeit punktet und ohne Kitsch auskommt.


WESTERN  | Regie: Valeska Griesebach | DE/BGR/AUT 2017

Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter macht sich auf den Weg auf eine Auslandsbaustelle in der bulgarischen Provinz. Das fremde Land und die raue, wenig erschlossene Landschaft wecken die Abenteuerlust bei den Männern. Gleichzeitig sind sie mit ihren eigenen Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert. Das nahe gelegene Dorf wird für zwei der Männer zur Bühne für einen Konkurrenzkampf um die Anerkennung und die Gunst der Dorfbewohner.

Die Filme von Valeska Grisebach zeichnen sich durch ihre Intensität und ihre entwaffnende Einfachheit aus – ihre Komplexität und Vielschichtigkeit liegen unter einer fast archaischen narrativen Struktur. Ihre Helden werfen uns auf unseren innersten Kern zurück, sie berühren etwas Grundlegendes. Valeska arbeitet immer mit nicht-professionellen Schauspielern.


HARD & UGLY  | Regie: Malte Wirtz | DE 2017

Et (Patrick Güldenberg), gerade frisch aus seinem Job gefeuert, weil er nicht ins Konzept passt, hat keine Lust mehr. Vor allem nicht auf das Leben. Auf einer Brücke irgendwo in Berlin kommt es zum spontanen Selbstmordversuch; doch gerade als er sich mühselig über die Brüstung gequält hat, steht Carla (Kristin Becker) vor ihm. Carla, gerade frisch von ihrem Verlobten ohne Vorwarnung auf die Straße gesetzt und genauso vom Pech verfolgt wie Et, rückt dem Selbstmörder in spe den Kopf zurecht. Ein zufälliges Treffen, das zu einem neuen Miteinander führt. Zwei Außenseiter, die sich gegenseitig aus dem Schlamassel ziehen wollen. Doch kann das gut gehen? Es ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte über zwei von der Gesellschaft verstoßenen, die gemeinsam einsam sind und für die aus großem Leid hemmungslose Freude und Zweisamkeit erwachsen könnte, wenn beide nur endlich über ihren Schatten springen.


 Heimkinotipp: FAST & FURIOUS 8  | Regie: F. Gary Gray | USA 2017

Alles könnte so schön sein: Nach Dom und Lettys Hochzeit, Brians und Mias Abschied und nachdem der Rest der Crew endlich von allen Anschuldigungen entlastet wurde, kann das Team beinahe ein normales Leben führen. Doch als eine rätselhafte Frau Dom verführt, ihr in die Welt der Verbrechen zu folgen, aus der er scheinbar nicht entkommen kann, und ihn dazu bringt die, die ihm am nächsten stehen, zu hintergehen, sehen sie sich mit der härtesten Prüfung ihres Lebens konfrontiert. Von der Küste Kubas über die Straßen New Yorks, bis zu den verschneiten Ebenen des arktischen Barentssees wird die etwas andere Elitetruppe die ganze Welt befahren, um eine Anarchistin daran zu hindern, das Chaos auf die Welt los zu lassen…

Hirn-Aus-Action par excellence – auch wenn Vin Diesel, Charlize Theron und Co. gern noch weniger reden dürfen, will man nach 130 Filmminuten voller irrwitzig-hanebüchener Autostunts von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ nur noch eines: ganz schnell mehr! Wie gut, dass der neunte Teil bereits in der Mache ist.

Atomic Blonde

Von den Machern von „John Wick“ begibt sich in ATOMIC BLONDE nun das weibliche Pendant zu dem eiskalten Rächer auf die große Leinwand. Hat die von Charlize Theron verkörperte Nahkampfexpertin Lorraine ähnliches Kultpotenzial wie ihr wenig redseliger Kollege? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik. Read more

Das startet am 10. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 10. August, der mit „Der dunkle Turm“ einen Blockbuster auffährt, der es schwer haben dürfte, sein Publikum zu überzeugen. Mit der Buchvorlage hat die Stephen-King-Verfilmung nämlich nichts zu tun und als Außenstehender ist der Fantasyactioner einfach nur wirr und kurios. Dafür gibt’s mit „Der Wein und der Wind“ feines Kino aus Frankreich und ein wenig Durchschnittliches von Gurinder Chadha, Lisa Azuelos und Nico Sommer. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER WEIN UND DER WIND  | Regie: Cédric Klapisch | FR 2017

Es ist Spätsommer im Burgund und die Weinernte steht bevor. Der dreißigjährige Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Nicht aus Nächstenliebe – es gibt einen wichtigen Grund: Sein Vater liegt im Sterben und seine Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil), die das Gut in der Zwischenzeit so gut es geht aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. So wie sich jedes Erntejahr nach den Jahreszeiten richtet, erkennen die Geschwister, dass manch offene Wunden auch über die Jahre hinweg nicht heilen. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht…

Vor der traumhaften Kulisse des französischen Burgund erzählt „Der Wein und der Wind“ besonnen eine Geschichte über Familie, die Schweres nicht allzu schwer nimmt und trotzdem einen erstaunlichen Realismus an den Tag legt. Als manchmal ein wenig zu aufdringliches Sinnbild für menschliche Kommunikation findet Regisseur Cédric Klapisch den Weinanbau und trifft mit dieser Idee voll ins Schwarze!


DER STERN VON INDIEN  | Regie: Gurinder Chadha | UK/IND/SWE 2017

1947 kommen Lord Mountbatten (Hugh Bonneville) und seine Frau Edwina (Gillian Anderson) an ihre neue Arbeitsstelle nach Delhi. Als Vizekönig soll Mountbatten die britische Kronkolonie auf möglichst fiedlichem Wege in die Unabhängigkeit entlassen. In seinem Palast arbeiten nicht weniger als 500 indische Bedienstete, darunter der junge Hindu Jeet (Manish Dayal), der hier unverhofft seine einstige Flamme wiedertrifft, die schöne Muslima Aalia (Huma Qureshi). Es ist eine verbotene Liebe, denn eine Verbindung zwischen Angehörigen der verfeindeten Religionen kommt nicht in Frage. Als Mountbatten die neuen Staaten Indien und Pakistan gründet, brechen schwere Unruhen aus. Jeet verliert seine Familie und die geliebte Aalia…

In ihrem opulent bebilderten Geschichts- und Liebesdrama „Der Stern von Indien“ gelingt es der auch persönlich in die Ereignisse involvierten Regisseurin Gurinder Chadha, verschiedene Sichtweisen auf ein wichtiges historisches Ereignis zu gewähren, das noch 70 Jahre nach seinem Stattfinden nichts an Brisanz verloren hat.


DALIDA  | Regie: Lisa Azuelos | FR 2016

1933 wurde sie in Kairo geboren, 1987 starb sie einen tragischen Tod. Dazwischen lebte die weltberühmte Chanson- und Popsängerin Dalida (Sveva Alviti) ein filmreifes Leben, das ihr erstes Konzert im legendären Olympia in Paris 1953 ebenso umfasste wie die Ehe mit Lucien Morisse (Jean-Paul Rouve), dem Leiter des damals neu gegründeten Privatradiosenders Europe 1, den Beginn der Disco-Ära, ihre spirituelle Entdeckungsreise nach Indien oder den weltweiten Erfolg von „Gigi l’amoroso“ 1974. Dalida war eine unkonventionelle, moderne Frau in konventionellen Zeiten, deren einzigartiges Talent und unvergleichliche Ausstrahlung bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Doch es sollte tragisch enden… 

„Dalida“ strotzt nur so vor Leidenschaft und Temperament und wird vor allem die Musikliebhaber zufriedenstellen. Als klassische Filmromanze gerät der Film bisweilen zu kitschig, um wahrhafte Gefühle hervorzurufen. Dafür ist Newcomerin Sveva Alviti eine absolute Offenbarung.


HELLE NÄCHTE  | Regie: Thomas Arslan | DE/NOR 2017

Mit seiner Freundin (Marie Leuenberger) lebt der aus Österreich stammende Bauingenieur Michael (Georg Friedrich) in Berlin. Schon seit Jahren hat er kaum Kontakt zu seinem 14-jährigen Sohn Luis (Tristan Göbel). Als Michaels Vater stirbt, reisen die beiden dennoch gemeinsam zum Begräbnis in die Einsamkeit des nördlichen Norwegens. Im abgelegenen Haus des Verstorbenen beginnt Michael, dessen persönliche Gegenstände zu verpacken – wortlos beobachtet von seinem Sohn. Zwei einander fremde Menschen, gefangen in einer intimen Situation. Nach der Trauerfeier überrascht Michael Luis mit dem Vorschlag, noch ein paar Tage in der Region zu verbringen. Es beginnt ein Roadmovie und eine Reise in eine Vergangenheit, die es nicht gab. Das Zusammensein gestaltet sich schwieriger als erwartet. Weil man nie einen Alltag zusammen hatte, bleibt der tägliche Umgang ungewohnt. 

Thomas Arslan gelingt mit „Helle Nächte“ eine präzise Analyse zweier entfremdeter Seelen, die im Laufe eines Roadtrips durch Norwegen wieder zueinander finden sollen. Dabei konzentriert sich der Regisseur jedoch so gezielt auf kleine Details und das Ausformulieren vereinzelter Gedanken, dass die Emotion selbst auf der Strecke bleibt bis eine Träne kein Mitgefühl mehr auslöst, sondern allenfalls symbolischen Wert hat.


LUCKY LOSER – EIN SOMMER IN DER BREDOUILLE  | Regie: Nico Sommer | DE 2017

Bei Mike (Peter Trabner) läuft es derzeit alles andere als rund: Wohnung weg, Job eine Einbahnstraße und zu allem Übel schlägt sein kleines Loser-Herz immer noch für Ex-Frau Claudia (Annette Frier). Für ihn ist es nur eine 9-jährige Beziehungspause, für Claudia ist er jedoch eine Katastrophe auf zwei Beinen. Zumal sie seit Jahren mit Thomas (Kai Wiesinger) liiert ist und ein spießiges Vorstadtleben führt. Als die gemeinsame Teenie-Tochter Hannah (Emma Bading) plötzlich beschließt, zu ihrem Dad zu ziehen, steckt Mike in der Bredouille. Wo sollen sie bloß hin? Notgedrungen geht’s auf einen Campingplatz, wo zu Mikes Entsetzen noch Hannahs heimlicher Freund Otto (Elvis Clausen) auftaucht. Chaos ahnend, macht sich auch Claudia auf den Weg … das Durcheinander ist perfekt, doch Mike wittert seine zweite Chance… 

Mit „Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille“ gelingt Regisseur Nico Sommer eine liebenswürdig erzählte, hier und da ein wenig zu schematische, dafür äußerst authentisch gespielte Patchwork-Komödie, die mit der starken Performance von Peter Trabner steht und fällt.


HEARTBEATS  | Regie: Duane Adler | USA 2017

Ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Auftritt muss die talentierte US-amerikanische Tänzerin Kelli (Krystal Ellsworth) ihre Hip-Hop-Crew im Stich lassen und ihre Familie zu einer Hochzeit von Arbeitskollegen nach Indien begleiten. Was für die junge Amerikanerin als Urlaub wider Willen beginnt, nimmt schnell eine erfreuliche Wendung: Im fernen Mumbai trifft Kelli auf den charmanten Inder Aseem (Amitash Pradhan), mit dem sie ihre große Leidenschaft fürs Tanzen teilt. Bei exotischen Rhythmen und heißen Dance-Moves rücken schon bald nicht nur zwei gegensätzliche Kulturen näher zusammen. Auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle müssen sich die beiden die alles entscheidende Frage stellen: Hat ihre Liebe eine Chance?

In „Heartbeats“ lässt Regisseur Douane Adler Bollywood auf Hollywood treffen und kreiert hieraus eine mitreißende Atmosphäre, von der die austauschbare Geschichte allerdings kaum profitiert. Dafür erwecken die Tänze den Eindruck, tatsächlich tanzbar zu sein und das Protagonistenpärchen passt hervorragend zueinander.


DER DUNKLE TURM  | Regie: Nikolaj Arcel | USA 2017

Der junge Jake Chambers (Tom Taylor) träumt Nacht für Nacht von einem erbitterten Krieg zweier Männe, die in einer fernen Welt versuchen, einander gegenseitig zu vernichten. Es ist die Geschichte von Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba). Er ist der letzte seiner Art und gefangen in einem ewigen Kampf mit Walter O’Dim, auch bekannt als der Mann in Schwarz (Matthew McConaughey). Roland ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern, den Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der das ganze Universum zusammenhält. Das Schicksal aller Welten steht auf dem Spiel, als das Gute und das Böse in einer ultimativen Schlacht aufeinanderprallen. Denn Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor dem Mann in Schwarz verteidigen kann. 

Die Verfilmung von „Der dunkle Turm“ lässt erahnen, weshalb das Buch so viele Fans hat. Doch für sich genommen ist der düstere Fantasy-Actioner eine zähe, emotionslose und vor allem total wirre Angelegenheit auf visuell unterdurchschnittlichen Niveau.


KEDI – VON KATZEN UND MENSCHEN  | Regie: Ceyda Torun | TUR/USA 2017

Tausende von Katzen streifen täglich durch die Straßen von Istanbul. Sie gehören niemandem und sind doch ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Frei, unabhängig und stolz leben sie seit vielen Jahren inmitten der Menschen, schenken ihnen Ruhe und Freude, aber lassen sich nie besitzen. Ceyda Toruns faszinierender Dokumentarfilm begleitet sieben von ihnen durch den Alltag, jede einzelne von ihnen ist einzigartig und von außergewöhnlichem Temperament. Die Kamera folgt ihnen durch lebhafte Märkte, sonnige Gassen, Häfen und über die Dächer der Stadt – und fängt ihre besondere Beziehung zu den Menschen ein, deren Leben sie nachhaltig beeinflussen. Kino aus Katzenperspektive: In wunderschönen, berührenden Bildern erhält der Zuschauer Einblicke in das Leben dieser gleichsam anmutigen wie rätselhaften Tiere und ihr außergewöhnliches Verhältnis zu den Menschen.


 Heimkinotipp: DIE SCHÖNE UND DAS BIEST  | Regie: Bill Condon | USA 2017

Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater und Uhrmacher Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben in einem kleinen Dorf in der Nähe von Paris, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston (Luke Evans) gestört wird. Doch als Maurice auf einer Geschäftsreise in die Fänge eines Ungeheuers (Dan Stevens) gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit… 

Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ ist ein starbesetztes Märchen-Musical am Puls der Zeit, das trotz kleiner technischer Schwächen ein ähnlich magisches Flair versprüht, wie die Zeichentrickvorlage aus dem Jahr 1991.

Das startet am 3. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 3. August, der mit dem stärksten Sommer-Blockbuster dieses Jahres aufwartet. „Planet der Affen: Survival“ wird sicherlich viele überraschen – aber dafür wohl umso mehr Leute positiv. Die französische Komödie „Alibi.com“ liefert dagegen ein sehr unterhaltsames, wenn auch ziemlich albernes Kontrastprogramm, während es sich das Familiendrama „Das Gesetz der Familie“ trotz Starbesetzung wohl nur in wenigen Kinos breitmachen wird. Einen Totalausfall gibt es außerdem: Der Animationsfilm „Emoji – Der Film“ ist leider eine Zumutung für Groß und Klein. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

PLANET DER AFFEN: SURVIVAL  | Regie: Matt Reeves | USA/CAN/NZL 2017

Caesar (Andy Serkis) und seine ihm treuen Affen werden in einen tödlichen Konflikt mit einer Armee von Menschen getrieben, die unter der Leitung eines rücksichtslosen und nihilistischen Colonels (Woody Harrelson) Affen für ihre Zwecke missbraucht. Nach schweren Verlusten auf Seiten der Affen kämpft Caesar gemeinsam mit einer Handvoll Verbündeter und mit seinen dunkleren Instinkten und beginnt seinen eigenen mystischen Kampf um Rache für die Seinen. Als Ceasar und der Colonel sich schließlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, beginnt ein epischer Kampf, der über das Schicksal beider Spezies und die Zukunft des Planeten entscheiden wird. Denn so wie es scheint, kann nur eine von ihnen überleben.

Am Ende fließen Tränen – der technisch wegweisende „Planet der Affen: Survival“ ist nicht bloß der mit Abstand beste Teil der Filmreihe, sondern beweist auch, dass eine hochdramatische, tieftraurige und im Kern so realistische Grundidee als Basis für einen Popcorn-Blockbuster hervorragend funktionieren kann.


DAS GESETZ DER FAMILIE  | Regie: Adam Smith | UK 2016

Seit Generationen leben die Familienmitglieder des berüchtigten Cutler-Clans als Outlaws in der sanfthügeligen Landschaft um Gloucestershire in England. Was sie zum Leben brauchen, stehlen sie von den reichen Bewohnern der Gegend und haben einen Mordsspaß dabei, die lokale Polizei an der Nase herumzuführen. Chad bewundert seinen Vater, Clan-Oberhaupt Colby, dafür ein Freigeist zu sein und sein Leben in absoluter Unabhängigkeit verbracht zu haben. Aber er weiß auch, dass das Leben abseits der Regeln nur bedingt Freiheit bietet, denn der Rückweg in die zivile Gesellschaft ist verbaut. Auch Chads Kinder sollen, ginge es nach Colby, frei und wild bleiben und ihre Zeit nicht mit der Schule vergeuden. Doch die Unabhängigkeit hat ihren Preis: Die Polizei liegt stets auf der Lauer, in der Gruppe herrscht Chaos und das Geld ist immer knapp. 

„Das Gesetz der Familie“ ist ein brisantes, nicht immer leicht zu verdauendes Familiendrama, das Michael Fassbender und Brendan Gleeson brillieren lässt. Wo der Film in den Actionszenen seine Höhepunkte findet, hätte der Charakterformung ein wenig mehr Genauigkeit gut getan. Alles in allem ist Adam Smiths Film jedoch mehr als sehenswert.


ALIBI.COM  | Regie: Philippe Lacheau | FR 2017

Greg (Philippe Lacheau) ist Geschäftsmann und sein jüngster Coup ist die Gründung des überaus erfolgreichen Unternehmens Alibi.com: Die zumeist männlichen Kunden werden bei Bedarf mit Alibis nach Maß beliefert. Zusammen mit seinem Partner Augustin (Julien Arruti) und dem neuen Mitarbeiter Medhi (Tarek Boudali) wenden sie dabei alle Formen der Kunst an, um ihre Klienten zu decken oder ihnen aus der Patsche zu helfen. Doch dann lernt Greg die schöne Flo (Élodie Fontan) kennen – und wenn diese eins verabscheut, dann sind es lügende Männer. Selbstredend, dass Flo unter keinen Umständen den Hintergrund von Gregs Erfolg erfahren darf. Doch als Greg eines Tages Flos Eltern kennenlernt und ausgerechnet in ihrem Vater einen der treusten Kunden von Alibi.com erkennt, nimmt das Chaos seinen Lauf.

Die französische Komödie „Alibi.com“ ist derbe aber nicht zu vulgär, albern aber nicht schwachsinnig und trotz der richtigen Portion Realismus auch ein wenig abgehoben. Da die Stimmung innerhalb des Ensembles glaubhaft von Sympathie und Freundschaft geprägt ist, ist es leider ein wenig schade, dass der emotionale Aspekt erst auf der Zielgeraden so richtig zum Tragen kommt.


GRIESSNOCKERLAFFÄRE  | Regie: Ed Herzog | DE 2017

Der restalkoholisierte Franz Eberhofer wird am Morgen nach einer rauschenden Polizisten-Hochzeit von einem schwer bewaffneten SEK-Kommando geweckt. Der Kollege Barschl ist mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden worden. Und blöderweise ist die Tatwaffe ausgerechnet Franz‘ Taschenmesser. Dass der Dahingeschiedene Franz‘ ungeliebter Vorgesetzter und erklärter Erzfeind ist, macht die Sache auch nicht besser. Gut, dass sein Alt-Hippie-Vater ihm ein schönes Alibi zusammenlügt. Aber ermitteln muss der Franz eben doch selber. Zum Glück ist Kumpel Rudi Birkenberger zur Stelle, um mit ihm gemeinsam den delikaten Fall aufzuklären. Privat ist der Franz auch gefordert. Denn der Papa kocht vor Eifersucht, seit die Jugendliebe der Oma, der kauzige Paul (Branko Samarovski), aufgetaucht ist und sich daheim breit macht. 

Die Eberhofer-Krimis werden weiterhin ein süddeutsches Phänomen bleiben. Doch mit „Griessnockerlaffäre“ bietet Ed Herzog erstmals auch seichte Unterhaltung für Leute, denen dieser Kult bislang fremd geblieben ist. Sein vierter Spielfilm der Reihe ist der bislang beste und macht dank vieler gelungener Momente tatsächlich richtig Spaß.


DIE GÖTTLICHE ORDNUNG  | Regie: Petra Volpe | CHE 2017

Nora (Marie Leuenberger) ist eine junge Hausfrau und Mutter, die 1971 mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem beschaulichen Schweizer Dorf lebt. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er-Bewegung zu spüren. Ganz im Gegenteil: Es herrscht die Meinung, Emanzipation sei ein Fluch, eine Sünde gegen die Natur und schlichtweg gegen die göttliche Ordnung. Als Nora wieder anfangen möchte zu arbeiten, verweigert ihr Mann ihr die Erlaubnis und beruft sich dabei auf das Ehegesetz, das die Frau dazu verpflichtet, sich um den Haushalt zu kümmern. Hier erwacht Noras Widerstand! Sie beginnt feministische Literatur zu lesen, enge Jeans und wilden Pony zu tragen und besucht einen Workshop für sexuelle Befreiung. Als sie sich aktiv für das Frauenstimmrecht einsetzt und zu einem Streik aufruft, gerät der Dorf- und Familienfrieden gehörig ins Wanken… 

Petra Volpes Tragikomödie „Die göttliche Ordnung“ beginnt aus einer starken Ausgangsposition. Doch mit der Zeit erweisen sich nicht bloß die Figuren beider Geschlechter durchweg als auf ihre erzählerische Funktion beschränkte Stereotypen, auch die Handlung verläuft in generischen Bahnen und zeigt sich mit ihrem sexuellen Subtext gar völlig überfordert. Wie gut, dass Marie Leuenberger eine durchgehend famose Performance abliefert.


EMOJI – DER FILM  | Regie: Tony Leondis | USA 2017

Versteckt in der Messaging-App liegt Textopolis, eine geschäftige Stadt, in der alle beliebten Emojis leben und darauf hoffen, von ihrem Handy-Besitzer ausgewählt zu werden. In dieser Welt hat jedes Emoji nur einen Gesichtsausdruck – jedes außer Gene. Denn der ist ein überschwängliches Emoji, das ohne Filter geboren wurde und vor lauter unterschiedlichen Ausdrücken förmlich platzt. Fest entschlossen, so „normal“ wie alle anderen Emojis zu werden, holt sich Gene Hilfe von seinem bestenFreund Hi-5 und dem berühmt-berüchtigten Codebrecher-Emoji Jailbreak. Gemeinsam brechen sie auf zu einem atemberaubenden Abenteuer quer durch alle Apps auf dem Handy,um den Code zu finden, der Gene reparieren kann. Jede App birgt dabei eine ganz eigene, wilde Welt voller Spaß. Doch plötzlich bedroht eine viel größere Gefahr das Handy.

Musik aus der Konserve, eine Geschichte ohne erkennbares Herzblut, Charaktere, für die das Wort „Reißbrett“ noch zu viel des Guten wäre und eine Welt, die mit Ausnahme einiger kleiner kreativer Ideen allenfalls ADHS fördert – das ist „Emoji – Der Film“. Das und Christoph Maria Herbst.


FINAL PORTRAIT  | Regie: Stanley Tucci | UK 2017

Während einer Parisreise im Jahr 1964 wird der junge Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord von seinem Freund gefragt, ob er ihm für ein Porträt Modell sitzen würde. Geschmeichelt und fasziniert sagt er zu, denn es handelt sich dabei um niemand geringeren als Alberto Giacometti. Lord hat keine Ahnung, worauf er sich da eingelassen hat. Schon bald erhält der junge Amerikaner Einblicke in den faszinierenden, intensiven, wunderschönen und stellenweise völlig chaotischen und irritierenden Schaffensprozess des weltbekannten Künstlers. Das Bild will nicht fertig werden, und aus Tagen werden Wochen. Termine werden verschoben, weil der Meister gerade nicht in Stimmung ist, oder lieber bei Rotwein im Bistro sitzt, als seiner Kunst nachzugehen. Weil er ganze Gesichtszüge wieder übermalt oder gar absolut an seinem Werk zweifelt. Oder erst einmal Konflikte zwischen Ehefrau und Geliebter gelöst werden müssen…


Heimkinotipp: FENCES  | Regie: Denzel Washington | USA 2016

Pittsburgh in den 50er-Jahren. Der Müllmann Troy Maxson (Denzel Washington) träumte einst von einer Karriere als Baseball-Spieler. Er gehörte zu den Besten seines Teams, konnte als Afroamerikaner jedoch nie auf die Aufnahme ins Profiteam hoffen. Als die Major League endlich schwarze Spieler zuließ, war er bereits zu alt, seither hängt er seinem Traum hinterher. Trotzdem versuch Troy, seiner Frau Rose (Viola Davis) ein guter Ehemann und seinem Sohn Cory (Jovan Adepo) ein guter Vater zu sein. Doch dass der Traum vom Ruhm geplatzt ist, frisst ihn langsam auf und verführt ihn zu Entscheidungen, die seine Familie zu zerreißen drohen. Als eines Tages seine beiden Söhne auf der Matte stehen, kippt die Stimmung und ein Sturm zieht auf… 

Denzel Washingtons Theaterstück-Verfilmung „Fences“ mag ein wenig sperrig sein und die Möglichkeiten des Mediums Kino nicht vollends ausschöpfen. Doch wer den Beruf des Schauspielers in seiner ganzen Bandbreite erleben möchte, für den ist dieser Film Pflichtprogramm.

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