Y2K

Was wäre, wenn zum Jahreswechsel von 1999 auf 2000 kein kollektiver Blackout über die Welt hereingebrochen wäre, sondern die Maschinen plötzlich die Weltherrschaft an sich hätten reißen wollen? Dieses Szenario spielt die Splatterkomödie Y2K durch, ohne dabei allzu sehr in die Vollen zu gehen. Da bleibt viel Potenzial auf der Strecke.

OT: Y2K (USA/NZL 2024)

Darum geht’s

Silvester 1999: Gemeinsam mit seinem Kumpel Danny (Julian Dennison) will Eli (Jaeden Martell) auf die angesagteste Party seiner Schule und dort im besten Fall endlich seine Angebetete Laura (Rachel Zegler) küssen. Doch alles kommt anders! Um punkt Null Uhr drehen alle technischen Geräte durch und sorgen für ein blutiges Massaker. Gemeinsam mit ein paar weiteren Überlebenden können Eli und Laura entkommen. Doch die Gefahr durch die durchdrehenden Maschinen ist allgegenwertig. Auf ihrer Flucht gerät die Truppe nicht nur in diverse brenzlige Situationen, sondern trifft auch auf den Limp-Bizkit-Frontmann Fred Durst, der fortan gemeinsam mit der Clique ums Überleben kämpft…

Kritik

Jetzt sind die Zweitausender dran! Nachdem es viele Jahre angesagt war, Filme in den Achtzigern (oder in einer nostalgisch verklärten Version derselben) spielen zu lassen, ist dieser Trend mittlerweile – mit einem Abstecher über die Neunzigerjahre als Handlungszeitraum – in den Zweitausenderjahren angekommen. Neben „Didi“ und dem ebenfalls diese Woche startenden „I Like Movies“ schlägt auch die Slasher-Comedy „Y2K“ in dieselbe Kerbe: Ausgetauscht wird sich über den AOL-Messenger. Eine auch inhaltlich äußerst relevante Nebenfigur ist Limp-Bizkit-Frontman Fred Durst. Und sowohl die Musik als auch die Getränke auf der im Film gefeierten Silvesterparty könnten kaum mehr Millennium-Flair versprühen. Wir alle erinnern uns an den damaligen Jahreswechsel. Zuvor schon beherrschte eine kollektive Angst vor einem weltweiten Blackout die Schlagzeilen. Würden es die Computersysteme hinbekommen, problemlos von 1999 auf 2000 umzuschalten? Bekanntermaßen entpuppte sich die Panik als unnötig – nicht so in „Y2K“. Debütregisseur und -Autor Kyle Mooney hat gemeinsam mit seinem Co-Schreiber Evan Winter eine Variation des Jahreswechsels entworfen, die so – glücklicherweise – nie eingetreten ist…

Nach dem Silvester-Massaker müssen Eli (Jaeden Martell), Laura (Rachel Zegler), Ash (Lachlan Watson) und Fred Durst in erster Linie eins: überleben!

… denn in „Y2K“ gibt sämtliche technische Gerätschaft nicht etwa plötzlich den Geist auf, sondern dreht durch. Und das ist schon einmal die erste große Überraschung, wenn man sich den Einstieg in den Film anschaut – erst recht, wenn man vollkommen ahnungslos mit dem Film konfrontiert wird, was so vom Marketing allerdings gar nicht beabsichtigt wurde. Es wird ganz offen damit umgegangen, dass „Y2K“ ein, zumindest zeitweise, großes Splatterfest ist. Dabei beginnt der Film wie ein klassisches Period Piece der Marke „Mid90s“, „Didi“ und Co. Hauptfigur Eli, solide gespielt von „Es“-Star Jaeden Martell, macht sich gemeinsam mit seinem Kumpel Danny auf den Weg in Richtung Silvesterparty. Gemeinsam mit zahlreichen Freundinnen und Freunden soll der Jahreswechsel groß gefeiert werden. Doch nach rund zwanzig Minuten feuert „Y2K“ plötzlich aus allen erdenklichen Splatter-Rohren. Und es ist zu diesem Zeitraum noch wirklich amüsant, diesem prompten Genrewechsel zuzuschauen. Gerade wurde noch ausgelassen gefeiert und plötzlich zerbersten Köpfe. Die Eskalation auf der Party ist das große Highlight des Films – nur leider kommt dieses bereits in der ersten halben Stunde zum Tragen.

„Nach rund zwanzig Minuten feuert ‚Y2K‘ plötzlich aus allen erdenklichen Splatter-Rohren. Die Eskalation auf der Party ist das große Highlight des Films – nur leider kommt dieses bereits in der ersten halben Stunde zum Tragen.“

Zu sagen, dass es von da an nur noch bergab ginge, wäre vielleicht eine etwas zu drastische Wortwahl. Doch tatsächlich bleibt das Silvester-Massaker bis zum Schluss der Höhepunkt. Die fortan nur noch sehr vereinzelt vorkommenden Splatter-Einlagen reichen weder in Sachen Drastik noch Absurdität an das vorherige Szenario heran. Das liegt auch daran, dass Kyle Mooney und Evan Winter kurz danach das Tempo massiv drosseln. Zwar bleibt die Bedrohung durch sich zu riesigen Technik-Ungetümen formierenden Todesmaschinen allgegenwertig. Dass diese zudem weitestgehend handgemacht sind, verleiht der Szenerie zusätzlichen Charme. Doch die meiste Zeit folgt „Y2K“ einer aus Überlebenden des Gemetzels bestehenden Clique, die ziellos durch die Stadt und ihre Wälder stromert. Dass die Macher keinen Halt davor machen, zuvor noch als augenscheinlich wichtige Charaktere etablierte Figuren dem schnellen (und tatsächlich oft recht lustigen) Tod zu opfern, ist zwar mutig und in dem Moment auch überraschend. Dass sie sich dabei aber auch von Leuten verabschieden, die sich bis dato sogar als echte Szenendiebe erwiesen haben, ist allerdings schade.

Das Comedy-Highlight des Films: Fred Durst in einer herrlich selbstironischen Nebenrolle als er selbst.

So konzentriert sich die zweite Filmhälfte vor allem auf Eli und Laura. Die Chemie zwischen Jaeden Martell und Rachel Zegler („Schneewittchen“), die während des Films zarte Bande knüpfen, ist okay, doch die ganz großen Sympathiefunken sprühen nie. Es wird viel gekabbelt und diskutiert, wie man diese Katastrophe wohl überleben könnte. Doch oftmals werden skurrile Pläne nur ausformuliert, anstatt auch wirklich gezeigt. Gerade durch den Auftakt verspricht „Y2K“ einen deutlich absurderen Handlungsverlauf, was die Verantwortlichen dann leider erst wieder einlösen, als es bereits auf die Zielgerade geht. Dann nämlich kommt mit dem sich selbst spielenden Fred Durst eine Figur ins Spiel, die nicht nur verstanden hat, in was für einem Film sie da eigentlich mitwirkt, während die Kolleginnen und Kollegen um ihn herum das Geschehen immer einen Tick zu ernst nehmen. Bei Durst reicht schon der Auftritt an sich (und die augenzwinkernde Hochstilisierung zum absoluten Musik-Heroen), um das immer wieder allzu sehr stockende Tempo und die ansonsten sehr flach bleibenden Humorausschläge nach oben zu treiben. Da muss man gar kein großer Limp-Bizkit-Fan sein, um diese herrlich selbstironische Performance zu genießen. Denn auch wenn „Y2K“ arm an Höhepunkten ist, gibt es sie vereinzelt eben doch.

„Gerade durch den Auftakt verspricht ‚Y2K‘ einen deutlich absurderen Handlungsverlauf, das die Verantwortlichen dann leider erst wieder einlösen, als es bereits auf die Zielgerade geht. „

Fazit: „Y2K“ wird keineswegs als Highlight ins Subgenre der Horror- respektive Splatterkomödie eingehen. Dafür mangelt es der Zweitausender-Sause eindeutig an Highlights und Witz. Erst recht, weil ihm bereits nach der ersten halben Stunde die Puste ausgeht. Aber vereinzelte Lichtblicke, ein schön selbstironischer Fred Durst und ein cooles „Monster“-Design machen den Film noch halbwegs sehenswert.

„Y2K“ ist ab dem 27. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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