Hexe Lilli rettet Weihnachten

Wie jedes Jahr erscheinen auch 2017 eine Handvoll Winter- und Weihnachtsfilme, unter denen das Familienabenteuer HEXE LILLI RETTET WEIHNACHTEN den Anfang macht. Weshalb Jung und Alt gleichermaßen Spaß an dem Film haben dürften, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Lilli ist genervt: Immer steht ihr kleiner Bruder Leon im Mittelpunkt! Dessen Allergie verhindert, dass sie ein Kaninchen als Haustier bekommt, und als er dann auch noch ihr neues Teleskop zerstört, das gerade erst der Nikolaus (eigentlich Lillis Oma mit angeklebtem Rauschebart) gebracht hat, reicht es Lilli endgültig! Trotz der Warnungen ihres kleinen grünen Drachen Hektor, verwendet sie einen Spruch aus ihrem Hexenbuch und zaubert Knecht Ruprecht aus dem Mittelalter in ihre Welt, damit er Leon eine kleine Lektion erteilt. Der Herbeizauber klappt, aber als sich Ruprecht dann in der heutigen Welt selbstständig macht, bringt das Lilli jede Menge Ärger ein. Er lässt einen von Lillis Lehrern verschwinden und entwickelt sich langsam wieder zu dem Wesen aus der Unterwelt, das er war, bevor ihn der Nikolaus besänftigte. Jetzt kann nur noch der echte Nikolaus helfen. Doch wie soll Lilli ihn finden? Während sie sich mit ihrer Klassenkameradin Layla in Ruprechts Zeit zurückzaubert, treibt Ruprecht weiterhin sein Unwesen in Lillis Stadt und Weihnachten ist ernsthaft in Gefahr. Jetzt braucht Lilli ihren ganzen Mut und Verstand, um ihren Fehler wiedergutzumachen und Weihnachten für ihre Familie und alle Menschen ihrer Stadt zu retten…

Kritik

Das auf den erfolgreichen Kinderbüchern von Knister basierende Weihnachtsabenteuer „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ ist der dritte Teil innerhalb des die verschiedenen Filme lose miteinander verknüpfenden Franchises rund um die titelgebende Zauberin und ihren magischen Drachen Hektor. Dabei steht für Regisseur Wolfgang Groos („Die Vampirschwestern 1 und 2“) nun quasi die Rettung der Reihe bevor, denn nach einem gelungenen Auftakt mit „Hexe Lilli: Der Drache und das magische Buch“ konnte der Nachfolger „Die Reise nach Mandolan“ mit einer uninspirierten Geschichte und wenig überzeugenden Effekten kaum begeistern. Doch Groos kennt sich aus: Er inszenierte nicht bloß den zweiten Teil der beliebten „Rico, Oskar“-Reihe, sondern auch die Realverfilmung von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ – und bewies damit, dass er ein hervorragendes Fingerspitzengefühl dafür besitzt, die Belange seiner kleinen Protagonisten lebensecht und hautnah auf die Leinwand zu bringen. Doch ob „Nummer sicher“ oder nicht: Wichtig ist, was am Ende dabei herauskommt; und das ist im Falle von „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ ein äußerst charmantes, ein klein wenig gruseliges, aber auf jeden Fall ziemlich spannendes Familienabenteuer über eine kleine Hexe, die das Weihnachtsfest erst fast zerstört, aber am Ende doch wieder alles rechtzeitig ins Lot bringen kann.

Michael Mittermeier spricht den kleinen Drachen Hektor.

Auch Drehbuchautor Gerit Hermans („Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft!“) ist auf dem Gebiet der Kinder- und Familienunterhaltung ein alter Hase. Dem Team aus Schreiber und Inszenator ist die Erfahrung im Segment anzumerken, denn die Handlung von „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ findet fast durchgehend auf Augenhöhe mit der jungen Protagonistin und ihren gleichaltrigen Nebendarstellern statt. Nach einem im Mittelalter angesiedelten Prolog, der kleinen wie großen Zuschauern die tragische Herkunft der späteren Schurkenfigur Knecht Ruprecht näher bringt, hinter dessen Bösewichtdasein weitaus mehr steckt, als der bloße Wille, die ungezogenen Kinder zu bestrafen, die der Nikolaus nicht beschenken will, nimmt das Publikum teil an den Weihnachtsvorbereitungen im Hause von Lilli und ihrer Familie. Dabei geht es weniger darum, eine möglichst harmonische Ausgangslage zu schaffen, doch anders als in vielen anderen Weihnachtsfilmen geht es gleichermaßen nicht unbedingt um das größtmögliche Chaos. Wolfgang Groos fängt auf absolut authentische Weise ein, wie es in den vier Wänden einer ganz normalen Familie zugeht, wenn die Weihnachtszeit vor der Tür steht; und für Lilli – die Hauptfigur – geht es eben nicht darum, dass an Heiligabend auch wirklich alles perfekt ist, sondern in diesem Fall hat vor allem Präferenz, dass sie garantiert kein Haustier zu Weihnachten bekommt, da ihr kleiner Bruder allergisch ist. Aus dieser (ebenfalls weder zu dick, noch zu seicht aufgetragenen) Geschwisterfehde entsteht schließlich die Idee, sich Knecht Ruprecht herbeizuzaubern, da dieser wiederum Lillis Wünsche erfüllen und dem kleinen Bruder eine Lektion erteilen könnte. Und schon gerät alles aus dem Ruder…

Doch in „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ reiht sich nach dem bewährten Fish-Out-Of-Water-Konzept nicht etwa ein absurdes Erlebnis an das nächste. Auch der für deutsche Kinderfilme gern mal typische Slapstick, geschweige denn unangemessener Fäkalhumor fällt vollständig weg. Stattdessen erweist sich die Prämisse des Films als bemerkenswert komplex, denn der von Jürgen Vogel („Hin und weg“) mit viel bösem Charme verkörperte Knecht Ruprecht ist zwar eine richtig fiese Gestalt, aber eben alles andere als ein simpel gestrickter Antagonist. Wolfgang Groos gelingt es famos, die zu Beginn bereits angerissene, tragische Hintergrundgeschichte des zunehmend aggressiver werdenden Gesellen zu beleuchten, dem mit jedem Schritt zu seiner dunklen Seele immer größere Hörner auf dem Kopf wachsen (uns kam an dieser Stelle kurz der Vergleich mit „Horns“ in den Sinn, wo die dunkle Seite in einem Menschen ebenfalls mit Teufelshörnern symbolisiert wird). Gerrit Hermans kreiert eine tragische Geschichte um Einsamkeit und Verlust, denn je weiter sich Ruprecht von seinem Freund dem Nikolaus entfernt, desto verzweifelter wird er und desto gemeiner lässt er diese Wut an den Kindern aus, die das haben, was ihm verwehrt bleibt: die Liebe einer Familie. Im Schlussdrittel entlädt sich dieser Frust in einem Moment diebischer Freude, wenn Knecht Ruprecht folgende Szenerie beobachtet: Nachdem er sämtliche Kinder der Stadt in seinem Sack hat verschwinden lassen, halten die zurückgelassenen Eltern an Heiligabend eine stille Andacht auf dem Marktplatz in Gedenken an ihre verschwundenen Schützlinge ab. Zumindest in der Hamburger Pressevorführung war bei so viel Dramatik das eine oder andere Schniefen zu hören.

Lilli (Hedda Erlebach) erfährt von Knecht Ruprecht (Jürgen Vogel) von seiner traurigen Geschichte.

Doch so stark und einprägsam diese Szene auch ist, steht sie natürlich nicht stellvertretend für den gesamten Tonfall des Films. Letztlich geht es in „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ natürlich vor allem darum, wie es der titelgebenden Hexe doch noch gelingt, all ihren Freunden und Familien ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren. Damit steht und fällt der Film vor allem mit der Performance der bislang durch TV-Arbeiten wie „Weissensee“ bekannten Hedda Erlebach, die die inzwischen zwanzigjährige Alina Freund aus den ersten beiden Teilen beerbt. Wolfgang Groos überlässt ihr sowie einer Handvoll weiterer Jungdarsteller die Bühne und achtet darauf, dass sich große Namen wie Anja Kling (spielte Lillis Mutter schon in den ersten beiden Filmen) oder Maresa Hörbiger („Dr. Klein“) als verständnisvolle Großmutter weitestgehend im Hintergrund halten. Das kann sich der Regisseur erlauben: Anders als in vielen anderen Kinderfilmen, in denen die erwachsenen Darsteller die unerfahrenen Jüngeren schon mal mitziehen müssen, tragen die Kids – insbesondere Hedda Erlebach – „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ nämlich mühelos allein auf ihren Schultern. So kann das Publikum die langsam aus dem Ruder laufenden Ereignisse voll und ganz aus ihrer Perspektive erleben und erfährt gleichzeitig, was in den Kindern vorgeht, wenn sich das pfiffige Mädchen gemeinsam mit Gleichaltrigen an eine Lösung wagt. Erlebach und allen voran ihre Kollegin Aleyna Hila Obid (ein Subplot um die nur zu gern Weihnachten feiern wollende Muslimin Layla ist unaufdringlich und berührend zugleich im Film untergebracht) ergeben ein starkes Duo, das weder auf männliche, noch auf erwachsene Hilfe angewiesen ist – und für Wolfgang Groos und sein Autorenduo ist diese Tatsache so selbstverständlich, dass sie das noch nicht einmal betonen müssen.

Fazit: Regisseur Wolfgang Groos gelingt erneut ein Familienfilm für alle Altersklassen. Für die Kleinen bietet „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ tolle Effekte, amüsanten Hexen-Spaß und gut animierten, einen frechen Drachen, während die Erwachsenen mit der interessanten Figur des Knecht Ruprecht einen Bösewicht präsentiert bekommen, hinter dem weitaus mehr steckt, als ein einseitiger Schurke.

„Hexe Lilli rettet Weihnachten“ ist ab dem 9. November bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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