Die Reise der Pinguine 2

„Die Reise der Pinguine“ gehört bis heute zu den weltweit erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten. Nun erscheint DIE REISE DER PINGUINE 2. Kann dieser mit dem beliebten Vorgänger mithalten? Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Darum geht’s

Ein Wiedersehen mit der Antarktis: Zwölf Jahre, nachdem Regisseur Luc Jacquet mit seinem Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“ den Oscar gewann, kehrt er in die Heimat der Kaiserpinguine zurück. Die Faszination für die einzigartigen Bewohner der Antarktis hat Jacquet nie losgelassen, und so organisierte er erneut eine Expedition ins ewige Eis, die sich im Herbst 2015 auf den Weg machte, über Monate hinweg unter extremsten Bedingungen das Leben in diesem einzigartigen Ökosystem zu filmen, das wie kaum ein anderes unmittelbar vom Klimawandel bedroht wird.

Kritik

2005 wurde aus der Naturdokumentation „Die Reise der Pinguine“ ein ungeahnter Erfolg. In Deutschland strömten 1,4 Millionen Zuschauer in die Kinos, um sich die hautnah in der Antarktis eingefangenen Vogelabenteuer anzuschauen; das waren mehr Zuschauer als von Blockbustern wie  „Blade: Trinity“, „Sin City“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Ein Blick auf das weltweite Ergebnis rückt diese imposanten Zahlen in noch beeindruckendere Sphären, denn mit satten 25 Millionen Besuchern gehört „Die Reise der Pinguine“ bis heute zu den erfolgreichsten Naturdokumentationen aller Zeiten. Regisseur Luc Jacquet („Das Geheimnis der Bäume“) gewann für seine Arbeit viele Preise, darunter den Oscar in der Kategorie „Beste Dokumentation“ und verlor seine Faszination für das Leben der Pinguine nie. Von Leidenschaft (und Erfolg) angetrieben, realisierte er nach jahrelanger Arbeit jetzt eine Fortsetzung zu seinem Erfolgsfilm. „Die Reise der Pinguine 2“ setzt exakt dort an, wo der erste Teil aufgehört hat und präsentiert sich visuell einmal mehr als das Maß aller Doku-Dinge. Doch der Versuch, das flauschige Treiben erzählerisch zu umrahmen, mündet diesmal leider in Vermenschlichung und so richtig viel Neues erfährt man durch das Sequel leider auch nicht.

Dieser flauschigen Gesellen kann sich Niemand erwehren.

Schon der Versuch, „Die Reise der Pinguine 1 und 2“ als zusammengehörige Reihe zu inszenieren, erweist sich eher als Hindernis denn als Segen; ein Großteil der Fortsetzung verbringen die Macher nämlich zunächst damit, auf Filmmaterial zurückzugreifen, das man schon im ersten Teil gesehen hat. Gegen die flauschigen Zweibeiner mit ihren großen Knopfaugen können sich zwar auch ausgebuffte Zyniker nicht zur Wehr setzen (im Klartext: Auch „Die Reise der Pinguine 2“ ist bei aller Redundanz ein absolut knuffig anzusehendes Vergnügen), doch gerade für eine Dokumentation gelingt es Luc Jacquet diesmal nur selten, sein zweifelsohne beeindruckendes Filmmaterial mit Informationen zu unterfüttern. Stattdessen erzählt Kommentator Udo Wachtveitl („Der blinde Fleck“) erst einmal von Dingen, die Kenner der Auftaktfilms schon wissen und anschließend davon, was wir auf der Leinwand selbst sehen. In „Die Reise der Pinguine“ geht es Luc Jacquet offenbar mehr darum, das tierische Treiben in ein möglichst menschliches Licht zu rücken, anstatt sich fachlich mit den Gegebenheiten von Tier und Natur auseinanderzusetzen. Damit findet der Dokumentarfilmer zwar einen ganz neuen Ansatz, doch kratzt er diesmal lediglich an der Oberfläche seines per se so spannenden Ausgangsmaterials.

Bei genau diesem handelt es sich dafür für das wohl beste und detaillierteste, was es in der Welt der Naturdokumentation derzeit zu sehen gibt. Das bezieht sich nicht bloß auf die Qualität (seit Teil eins sind die technischen Voraussetzungen für derartige Produktionen noch einmal gestiegen, sodass „Die Reise der Pinguine 2“ größtenteils in Ultra-4K-Auflösung sowie mit mit Kameras ausgestatteten,  hochmodernen Drohnen und Tauchbooten gefilmt wurde), sondern auch auf das Material an sich. Auf ihrer im Herbst 2015 begonnenen Expedition in die Antarktis begaben sich Luc Jacques und sein Team so nah an die Pinguine heran, dass es ihnen möglich war, Verhalten über mehrere Wochen miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig sehr intime Momente unter den Pinguinen einzufangen. Doch auch hier gilt: All das haben wir bereits in „Die Reise der Pinguine“ gesehen und leider wurden viele der Momente dato mit einer deutlich höheren Intensität inszeniert; dem Sequel mangelt es an Dramaturgie und erinnert damit mehr an eine der vielen Naturdokumentation in den öffentlich rechtlichen, anstatt an ein Kinoprojekt von leinwandtauglicher Rhythmik.

„Die Reise der Pinguine 2“ besticht einmal mehr mit wunderschönen Naturaufnahmen.

Was hingegen unbedingt auf die Leinwand gehört, sind die Bilder – und zwar nicht bloß die von den Pinguinen (vor allem die Unterwasseraufnahmen sind in ihrer Detailverliebtheit und schlichten Schönheit einfach nur berauschend!), sondern in erster Linie die Gänsehaut hervorrufenden Naturaufnahmen von gewaltigen Gletschern, kristallklaren Ozeanen und respekteinflößenden Schneestürmen. Im Schlussakt versucht Jacquet schließlich, auch noch einen Bogen zum Einfluss des Menschen auf die Natur zu schlagen; bei einem mahnenden Appell soll es dann aber bleiben, ganz so, als wüsste Jacquet (anders als etwa zuletzt bei der Klima-Doku „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ gesehen) nicht, wie er den unterhaltsamen Part rund um den (erst sehr spät aufgegriffenen) Lebensweg eines jungen Kaiserpinguins mit der dahinter steckenden Ernsthaftigkeit rund um Klima- und Naturschutz verbinden soll. Alles in allem kann „Die Reise der Pinguine 2“ damit lediglich auf technischer Ebene an den erfolgreichen Vorgänger anknüpfen und diesen sogar übertrumpfen. Inhaltlich reicht es dagegen, den ersten Teil gesehen zu haben, denn auf dieser Ebene wird man diesmal leider enttäuscht.

Fazit: Die Fortsetzung zum Millionenerfolg „Die Reise der Pinguine“ ist als solche nur konsequent – erzählt sie doch im Grunde nur all das noch einmal, was man bereits aus dem ersten Teil erfuhr. Die bildgewaltigen Naturaufnahmen sind einmal mehr spektakulär, doch der Zuschauer erfährt kaum Neues und muss sich diesmal außerdem mit einem ziemlich seichten Off-Kommentar zufrieden geben.

„Die Reise der Pinguine 2“ ist ab dem 2. November in den deutschen Kinos zu sehen.

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