Transformers: The Last Knight

Entweder man liebt sie, oder man hasst sie – oder man erfreut sich daran, dass es Michael Bay nach drei sinnbefreit-krawalligen „Transformers“-Filmen gelungen ist, mit dem vierten Teil endlich das ganze Potenzial der mit Wahnsinn und Quatsch vollgepackten Franchise-Idee freizusetzen. Folgt der neue Film TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT den schwachen ersten, oder dem starken vierten Film? Das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Zwei Spezies im Krieg: die Menschheit gegen die Transformers; Optimus Prime hat die Erde verlassen. Die Rettung des Planeten und seine Zukunft liegt begraben in den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit. Gibt es eine Vorgeschichte, die die Transformers mit der Menschheit verbindet? Nur eine der beiden Welten kann überleben, und der Schlüssel zur Rettung der Erde liegt allein in den Händen einer ungewöhnlichen Allianz: Cade Yaeger (Mark Wahlberg), Bumblebee, der britische Lord Edmund Burton (Anthony Hopkins), die smarte Geschichtsprofessorin Vivien Wembley (Laura Haddock) und die unerschrockene Izabella (Isabella Moner). Im Leben eines jeden kommt irgendwann der Moment, in dem man dazu aufgerufen wird, alles zu verändern – die Gejagten werden zu Helden! Helden werden zu Feinden!

Kritik

Schluss. Aus. Vorbei! Mit „Transformers: The Last Knight“ sagen Regisseur Michael Bay und sein Hauptdarsteller Mark Wahlberg dem hirnlosen Auto-werden-zu-Robotern-und-bekämpfen-sich-gegenseitig-Franchise adios. Die Gründe dafür sind vielfältig: Bay will sich anderen Projekten widmen, hätte ihm die Arbeit an den aufwändigen Blockbustern doch ziemlich viel Kraft abverlangt. Und auch Wahlberg steht nicht weiter der Sinn danach, an einem Franchise wie „Transformers“ mitzuwirken. Zwar soll man niemals nie sagen; immerhin wollte Bay eigentlich schon längst aufgehört haben. Doch vermutlich war dem Hochglanzactionspezialisten bewusst, dass seine Vision von „The Last Knight“ niemand Anderes auf die Leinwand bringen würde, als er selbst. Er und sein Protagonist verabschieden sich nämlich nicht einfach nur mit einem lauten Knall aus der Big-Budget-Filmreihe (das wäre doch reichlich tief gestapelt – auch „Transformers 5“ hat erwartungsgemäß nicht nur einen, sondern viele Knalle in Form von massenhaft Explosionen, Schwertkämpfen und spektakulären Kampfchoreographien zu bieten). In „The Last Knight“ gibt es neben der standesgemäßen Held-rettet-die-Welt-Plotline eine Abwandlung der Artusepik, Ausflüge in den zweiten Weltkrieg, Dinobots, Dragonbots (ein- und dreiköpfig!), U-Boote und einen äußerst launigen Anthony Hopkins („Die Vorsehung“) mitsamt dem britischsten Filmroboter der Kinogeschichte zu bestaunen. Aber genau das ist es: Das ist der kreative Amoklauf, der nach dem vierten Teil „Ära des Untergangs“ erwartbar gewesen war. Ob all das hier Sinn macht, geschweige denn Verstand hat, ist schwer zu sagen. Michael Bay macht konsequent, wonach ihm der Sinn steht. Am Ende ist auch sein „Transformers“-Abgesang ein augenzwinkernder Rundumschlag gegen die sich selbst auferlegten Grenzen des Hollywoodkinos – wer könnte sie besser sprengen, als der, der ohnehin einfach alles in die Luft jagt, wonach es ihm beliebt?

Isabella Moner spielt Izabella, ein toughes kleines Mädchen, das Cade noch ordentlich unter die Arme greifen wird.

Im Falle der „Transformers“-Reihe von Trash zu sprechen, kommt einem wohl einfach deshalb nicht in den Sinn, weil ein Film wie „The Last Knight“ mal eben ein Budget von 260 Millionen US-Dollar verschlingt. Durch diese hohen Produktionskosten erwecken die bislang zusammen knapp vier Milliarden Dollar (!) einspielenden Werke einen Eindruck von Hochwertigkeit. Selbst als bekennender Nicht-Fan kann man den Filmen ihren technisch sichtbaren Aufwand in den handgemachten und computergenerierten Effekten nicht absprechen, ohne sich komplett lächerlich zu machen. Auf inhaltlicher Ebene treten die Roboteractionfilme indes von einem Fettnapf in den nächsten, denn sowas wie Substanz hatten die Geschichten nie. Es geht seit zehn Jahren um nicht mehr (und nicht weniger) als um den Kampf zwischen Gut und Böse – und vielleicht auch noch ein bisschen darum, den Hintern welcher adretten Schönheit Shia LaBeouf respektive Mark Wahlberg denn diesmal retten darf. Das war’s! Und genau das war auch der Grund, weshalb die ersten drei Teile des „Transformers“-Franchise ihre Existenz als dumme Unterhaltungsfilme nie entschuldigen, oder gar leugnen konnten. Doch wie könnte man es einem Michael Bay verübeln, dass dieser mit einem immensen Erfolg an den Kinokassen belohnt wird, obwohl er gerade einmal das Minimum an Potenzial aus seiner Filmidee herausgeholt hat? Entsprechend uninspiriert gestalteten sich die beiden Fortsetzungen „Transformers: Die Rache“ sowie „Die dunkle Seite des Mondes“, in welchem Bay nach demselben Rezept vorging, einmal mehr saublöde (aber nach wie vor hochwertig anzusehende, nur leider vollkommen unansehnlich gefilmte) Action inszenierte und damit zwar das Kinopublikum, nicht aber das Feuilleton überzeugen konnte, das ohnehin immer dann besonders kritisch ist, wenn irgendwo etwas explodiert.

„Transformers: The Last Knight“ ist einmal mehr ein Fest für Fans spektakulärer Action. Und kann darüber hinaus noch ein bisschen mehr…

Drei Jahre und diverse Schlagabtausche mit Filmjournalisten später, beging Michael Bay mit „Ära des Untergangs“ endlich den längst überfälligen Kurswechsel: Sein auf den Prinzipien des Musicals basierender Gaga-Film gilt unter Liebhabern als der schwächste der Reihe, gab aber endlich preis, was Bay wirklich kann: Wann immer der 52-jährige Kalifornier fernab der Konvention inszeniert und einfach tut, worauf er gerade Lust hat, wird das Ergebnis zum Fest für Fans von Filmen, die vielleicht nicht klüger sind, als „Transformers 1-3“, wohl aber vor exzessiver Leidenschaft und Wahnsinn nur so strotzen. Willkommen in „Transformers: The Last Knight“!

Auch Megatron darf in „Transformers: The Last Knight“ natürlich nicht fehlen.

Im Falle von Michael Bays neuestem Streich bedeutet das zwar gleichermaßen ein Sammelsurium diverser Film- und Erzählmotive – mit dem, was der Regisseur und sein Autorenteam aus Art Marcum, Matt Holloway (schrieben auch gemeinsam das Skript zu „Iron Man“) und Ken Nolan („Black Hawk Down“) hier abfeuern, könnte man locker drei weitere Filme füllen –, aber auch das komplette Lossagen von allem, was bei „Transformers 1-3“ noch irgendwie unter dem Oberbegriff „Logik“ einzuordnen war (allein die Tatsache, dass Bay es sich erlaubt, Stanley Tucci in diesem Film einfach in einer völlig neuen Rolle zu besetzen, als noch im vierten Teil, offenbart die künstlerische Willkür des Regisseurs, für die man ihn lieben, oder hassen kann). Wenngleich Bay – sehr zu unserem Bedauern – auf Sparmodus schaltet, was die Verwendung wehender US-Flaggen und spektakulärer Sonnenauf- und Untergänge angeht, mixt der Visionär hier einfach munter verschiedene Stationen des historischen Zeitgeschehens und setzt sie anschließend in einen Zusammenhang mit der Existenz der Transformers. Und so beginnt „Transformers: The Last Knight“ mit einer Sequenz aus dem finsteren Mittelalter, geht über in die Gegenwart, reist von einem Kontinent zum nächsten, springt zum Zwecke inhaltlicher Einordnung in die Wirren des Zweiten Weltkriegs und bringt das alles schließlich dann auch noch in Einklang mit den wenigen Momenten auf dem Planeten Cybertron, von wo aus die Bedrohung im Hier und Heute ihren Ursprung nimmt. Das ist alles so verdreht und inkohärent, dass jeder Andere ein solches Drehbuch um die Ohren gehauen bekäme – und das völlig zu Recht. Doch gemischt mit dem unbedingten Stillwillen eines Michael Bay, gepaart mit dem fast schon wahnhaften Drang nach Opulenz und Bombast, wird ein „Transformers: The Last Knight“ aufgrund dieser „Fuck You All“-Attitüde zu einem waschechten Guilty-Pleasure-Erlebnis. Nach Lehrbuch ist das alles hier echt nicht gut, aber es macht einfach unverschämten Spaß.

Bei einem ist dieser Spaß allerdings nicht ganz angekommen: Erwies sich Hauptdarsteller Mark Wahlberg auch schon im letzten Teil als reichlich farbloser Schwachpunkt, triumphiert er hier zwar in den amüsanten Schlagabtauschen mit seinen diversen Transformer-Freunden („Transformers: The Last Knight“ ist mit Abstand der lustigste und selbstironischste Teil der Reihe), funktioniert als emotionaler Ankerpunkt allerdings nur schwer. So ganz ohne Ecken und Kanten – seine Tochter aus dem ersten Teil, die als guter Reibungspunkt fungierte, ist in Teil fünf nun auch nicht mehr dabei – kann eben auch ein noch so attraktiver Weltenretter nicht mitreißen. Dafür stehen hier umso mehr die Maschinen selbst im Fokus. Von winzigen Baby-Dinobots (der Spielzeugkonzern Hasbro wird sich über reißenden Absatz freuen) über feuerspeiende Flugdrachen-Transformers bis hin zu Oldtimern und den bewährten Lamborghinis transformiert sich in „The Last Knight“ alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – und wie man es von Michael Bays Auge für visuellen Bombast gewohnt ist, sieht das alles auch wieder einmal verdammt gut aus. „Transformers 5“ findet eine gute Balance zwischen handgemachten Effekten und CGI; wenn hier ein fremder Planet mit der Erdkugel kollidiert, dann hat das tatsächlich Gewicht. Genauso wie man während des düsteren, kriegsfilmartig inszenierten Schlussakts fieberhaft überlegt, ob Michael Bay nicht vielleicht doch das echte Stonehenge in die Luft gesprengt hat. Der Regisseur weiß einfach, wie man das Optimum aus dem ohnehin üppigen Budget herausholt; „Transformers: The Last Knight“ ist der Inbegriff sauteuren Spektakelkinos, für das der Begriff „Style Over Substance“ überhaupt erst erfunden wurde. Love it or Leave it!

Laura Haddock spielt in „Transformers: The Last Knight“ die weibliche Hauptrolle Viviane Wembly.

All das in einer Laufzeit von satten 151 Minuten unterzubringen, kommt da fast einer Pflicht gleich. Doch auch, wenn sich „Transformers: The Last Knight“ die meiste Zeit über kurzweilig anfühlt, lässt der holprige Erzählstil Längen aufkommen, die so nicht sein müssten. In den Laissez-Faire-Gang schalten, um es irgendwann vergessend zu machen, wie hier was zusammen hängt, ist die eine Sache. Eine andere ist es, ob dadurch möglicherweise entstehende Fragen beim Zuschauer durch inszenatorische Rafinesse ausgeglichen werden können. So hat zum Beispiel nicht jede Figur eine klare Aufgabe, sorgt aber immerhin für Unterhaltung und hat dann im entscheidenden Moment einen rettenden Einfall, der es einen verschmerzen lässt, wenn dieser vorab keine oder nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.  Auch die Art und Weise, wie das Skript die verschiedenen Zeitebenen miteinander verbindet, mutet mitunter arg behelfsmäßig an und strotzt nur so vor Logikfehlern. „Transformers: The Dark Knight“ macht viel falsch, was sich auch in vielen anderen modernen Blockbustern von heute ausmachen lässt (inszenatorisch lässt der Film gerade im letzten Drittel Ähnlichkeiten zu „Fast & Furious 8“ erkennen), doch Michael Bay inszeniert nach dem Prinzip, mit denen sich auch Filmmusicals ihre Daseinsberechtigung im Kino erkämpft haben. Die Gesangs- und Tanznummern werden hier zu lautstarken Actionszenen. Die emotionalen Auseinandersetzungen haben den Mehrwert einer durchschnittlichen Soap, genügen aber, um die Bühne ganz den Songs (hier: der Action) zu überlassen. Wenn es zur Stimmung passt, geht gerade die Sonne auf (oder unter). Der Bösewicht fällt im Finale eine tiefe Klippe herunter. Theatralik pur – Michael Bay hat all das voller Herzblut verinnerlicht und seine Liebe zu Musicals schon selbst in Interviews bekräftigt. Und für so viel Initiative sollte man ihn nicht schelten – stattdessen gebührt ihm Bewunderung. Denn so austauschbar sind seine „Transformers“ gar nicht.

Fazit: Michael Bay lässt ein letztes Mal den Wahnsinn walten! „Transformers: The Last Knight“ kombiniert Dinge, die nicht kombinierbar sind. Jagt in die Luft, was nicht niet- und nagelfest ist. Zelebriert den Bombast, als wäre es ein Kinderspiel. Und vergrault damit jeden anspruchsvollen Kinozuschauer – zu Unrecht. Genießt es doch einfach!

„Transformers: The Last Knight“ ist ab dem 22. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in solidem 3D!

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