Heimkinotipp: Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Heimkinorubrik stelle ich Euch in unregelmäßigen Abständen ausgewählte DVD- und Blu-ray-Starts vor, denen ein wenig mehr Aufmerksamkeit gebührt. 

Diese Woche widme ich mich dem zweiten Teil der Hollywoodromanze „Fifty Shades of Grey“, die ab dem 8. Juni auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Nach ihrer schwierigen Beziehung versucht Anastasia (Dakota Johnson), den charmanten Milliardär Christian (Jamie Dornan) zu vergessen und stürzt sich in ihren neuen Job in einem Verlag. Hier hat sie vornehmlich mit ihrem zudringlichen Chef zu tun, doch die Selbstständigkeit tut ihr und ihrem Selbstbewusstsein gut. Auch Christian realisiert Anas emotionale Reifung und versucht infolge dessen, alles in seiner Macht stehende, um die junge Frau zurückzugewinnen und sie davon zu überzeugen, dass er in der Lage ist, sich zu ändern.. Als auch Ana ihr Verlangen nicht länger unterdrücken kann, treffen sich die beiden wieder häufiger und wollen versuchen, eine ganz normale Beziehung zu führen. Doch dann wirft Christians Vergangenheit einen dunklen Schatten, denn in seiner Vergangenheit gibt es Menschen, die ihm sein Glück nicht gönnen wollen. Darunter auch eine alte Bekannte, die Anastasia aufzulauern beginnt und das Leben des Liebespaares immer häufiger in Gefahr bringt.

Kritik

Regisseur James Foley („House of Cards“) scheint sich nicht nur stellvertretend für seine Vorgängerin Sam Taylor-Johnson die Kritik am ersten Film von „Fifty Shades of Grey“ zu Herzen genommen zu haben, er legt auch ein ähnliches Gespür für visuelle und akustische Ästhetik an den Tag. „Gefährliche Liebe“ besticht wie Teil eins durch perfekt in Szene gesetzte Hochglanzkulissen und einen modernen Soundtrack. Nein, auf technischer Ebene hatte das Franchise von Anfang an nicht den Grund, sich zu verstecken. Wenngleich dieser durchgestylte Blockbuster-Look vollkommen konträr zur hier noch ein wenig schmutziger verkauften SM-Thematik steht. So geht es auch im Bett nicht schlüpfriger zu, als es die FSK (die den Film ab 16 Jahren freigab) erlaubt – immerhin wurde darauf verzichtet, Dakota Johnson („How To Be Single“) wie noch in Teil eins verstärkt in den Vordergrund zu rücken. Als eigentlich vorwiegend auf ein weibliches Zielpublikum zugeschnittene Kino-Romanze verwunderte die Fokussierung der weiblichen Hauptfigur im Vorgänger schon extrem; in „Gefährliche Liebe“ darf sich nun auch Jamie Dornan („Once Upon a Time“) häufiger seiner Kleidung entledigen. Da der im ersten Teil noch recht ausdruckslos agierende Mime dabei stets ein keckes Lächeln auf den Lippen trägt, geraten auch die mitunter arg plakativen Szenen gewitzt genug, um nicht ins allzu Lächerliche abzudriften. James Foley findet eine gute Balance zwischen dem hochdramatischen Konflikt und der nicht ganz so bierernsten Inszenierung – und weiß damit zu gefallen.

Besonders wer die hierzulande nur im Heimkino erschienene Parodie „Fifty Shades of Black“ gesehen hat, dem wurde ein großer Schwachpunkt am ersten Teil noch einmal vor Augen geführt: die hanebüchen schlecht geschriebene Skriptgrundlage von E.L. James, die sich mit dem Drehbuch der Nachdichtung zeitweise deckte. Wenngleich sich „Gefährliche Liebe“ inhaltlich wesentlich ausgereifter präsentiert (und es damit sogar schafft, einige inhaltliche Schwachstellen des ersten Teils zu kaschieren), gibt es nach wie vor diverse Dialogzeilen, die einen aus der Geschichte herausreißen. Damit seien an dieser Stelle noch nicht einmal die ausschweifenden Liebesschwüre Christians Greys an seine Geliebte gemeint – für eine derart konzentrierte Romanze geht das in Ordnung. Seien es Zustandsbeschreibungen oder die vornehmlich auf Handtaschenpsychologie begründeten Erklärungen für Christians seelischen Zustand: Mit feingeistigen Dialogen hat das Dialogbuch von Teil zwei wie schon beim Vorgänger nichts zu tun. Trotzdem gibt es auch sichtbare Vorzüge: Trotz der sehr vereinfachten Denkweise in Bezug auf Christians Vergangenheit genügen die Rückblenden und Erklärungen seinerseits, um Grey endlich das Profil zu geben, das einen Außenstehenden verstehen lässt, weshalb er so handelt und auch, weshalb Anastasia ihm verfällt. Endlich ist es nachvollziehbar, worauf die Liebe der beiden baut und – man mag es kaum glauben – Anastasia bekommt in „Fifty Shades Darker“ sogar einen eigenen Willen zugeschrieben. Besonders tiefgreifend sind all die im Film getätigten Aussagen immer noch nicht und auch die zu einem erhöhten Suspense beitragenden Nebenhandlungsstränge werden viel zu schnell wieder fallen gelassen, um wirklich Spannung zu erzeugen. Im Vergleich zu „Geheimes Verlangen“ ist das trotzdem ein gewaltiger Sprung nach vorn.

„Fifty Shades of Grey“ begann als weltweites Buchphänomen, dessen Romane sich bis heute millionenfach verkaufen. Wer nicht selbst lesen möchte, kann auch auf die Hörbucheditionen zurückgreifen; erhältlich als CD oder in Downloadportalen wie Audible.de

Dass „Fifty Shades of Grey“ in seiner fragwürdigen moralischen Aussage ein derart großes (und vor allem weibliches!) Publikum finden konnte, konnte einen durchaus erschrecken. „Gefährliche Liebe“ erzählt zwar die Story direkt weiter, betont jedoch die wachsende Augenhöhe zwischen Anastasia und Christian und konzentriert sich deutlich mehr auf den Versuch, tatsächlich die Liebe der Protagonisten zu betonen. So lassen sich auch die fast eins zu eins aus dem ersten Teil übernommenen Bildmontagen des romantischen Zusammenseins zwischen Christian und Anastasia mit einem wesentlich besseren Gewissen genießen – auch wenn man sich gern mehr hätte einfallen lassen dürfen, als die berühmte Flugzeugszene in Form eines identisch verlaufenden Bootsausflugs zu wiederholen. Die Chemie zwischen Jamie Dornan und Dakota Johnson scheint anders als in „Geheimes Verlangen“ tatsächlich existent; während Dornan seiner Figur die längst notwendigen menschlichen Züge verleiht, präsentiert sich Johnson ganz zum Film passend befreiter und zügelloser. Von den erotischen Szenen lässt sich das nicht behaupten; auch „Fifty Shades of Grey 2“ bleibt selbst am Blockbuster-Durchschnitt gemessen eine insgesamt recht züchtige Angelegenheit, die nie mehr zeigt, als es für den Mainstream vertretbar wäre. Der vorab groß angekündigte Auftritt von Kim Basinger („The Nice Guys“) fällt überraschend klein aus – den Job der zynischen Beobachterin macht sie gut, wenn auch recht mechanisch.

FIFTY SHADES OF GREY – GEFÄHRLICHE LIEBE stammt von James Foley, das Drehbuch schrieb Niall Leonard. Der Cast besteht unter anderem aus Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eric Johnson, Bella Heathcote, Rita Ora und Kim Basinger. Bei dem Film handelt es sich um eine Erotik-Romanze, produziert in den USA aus dem Jahr 2017. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Romanvorlage ist als Buch und Hörbuch erhältlich. Die Länge des Films beträgt 118 Minuten.

Fazit

Der zweite Teil von „Fifty Shades of Grey“ ist immer noch nicht das Non plus Ultra tiefschürfender Liebesdramen, doch diesmal kann man zumindest verstehen, was Millionen von Frauen an der Lovestory zwischen den deutlich mehr aufeinander eingespielten Christian Grey und seiner Anastasia so toll finden.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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