Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe

Zwei Jahre nach dem Riesenerfolg von „Fifty Shades of Grey“ erscheint mit FIFTY SHADES OF GREY: GEFÄHRLICHE LIEBE nun der zweite Teil der fragwürdigen SM-Romanze. Ob sich die Reihe steigern kann, das verrate ich in meiner Kritik.Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe

Der Plot

Nach ihrer schwierigen Beziehung versucht Anastasia (Dakota Johnson), den charmanten Milliardär Christian (Jamie Dornan) zu vergessen und stürzt sich in ihren neuen Job. Doch Christian tut alles in seiner Macht stehende, um sie zurückzugewinnen. Als auch Ana ihr Verlangen nicht länger unterdrücken kann, treffen sich die beiden wieder häufiger und wollen versuchen, eine ganz normale Beziehung zu führen. Doch dann wirft Christians Vergangenheit einen dunklen Schatten…

Kritik

Kaum eine Filmreihe macht es den Kritikern so einfach über sie herzuziehen, wie „Fifty Shades of Grey“. Schon die Romangrundlage bestach in erster Linie durch ihre hundsmiserable Qualität, während sich SM-Praktizierende über die fragwürdige Darstellung ihrer Szene äußerten. Der vor zwei Jahren erschienene Film zum ersten von drei Büchern konnte den Ruf des Franchises nur bedingt gerade rücken. Regisseurin Sam Taylor-Johnson („Nowhere Boy“) bewies mit ihrer Hochglanz-Erotikromanze zwar ihr Auge für ein hochwertiges Produktionsdesign (und dass sie nackte Körper zumindest halbwegs ästhetisch in den Vordergrund rücken kann), doch vor allem inhaltlich sorgte „Fifty Shades of Grey: Geheimes Verlangen“ vorwiegend für Gänsehautschauer bei jenen Leuten, die sich der fragwürdigen Ausgangslage bewusst waren. Eine Geschichte über einen irren Stalker und seine ihm hörige Gespielin als romantisches Stelldichein zu verkaufen – da musste man erst einmal drauf kommen. Funktioniert hat es trotzdem: Knapp viereinhalb Millionen Zuschauer lösten deutschlandweit ein Kinoticket. Den Regieposten hat Sam Taylor-Johnson für die Fortsetzung „Gefährliche Liebe“ abgegeben. Wohl auch deshalb, weil die für ihre Durchsetzungskraft bekannte Buchautorin E.L. James für das Sequel noch stärker in die Arbeit am Drehbuch (Niall Leonard) einbezogen werden wollte – schon am Set des ersten Teils hatte es starke Differenzen zwischen Taylor-Johnson und James gegeben. Für den im Original „Fifty Shades Darker“ betitelten Film fand sich Regisseur James Foley („House of Cards“), der die unglückliche Liebesgeschichte von Anastasia und Christian weitererzählt. Und dieser macht aus der moralisch unsteten Möchtegern-SM-Romanze eine absolut solide Lovestory.

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Wieder vereint: Anastasia (Dakota Johnson) und Christian (Jamie Dornan)

James Foley scheint sich nicht nur stellvertretend für seine Vorgängerin die Kritik am ersten Film von „Fifty Shades of Grey“ zu Herzen genommen zu haben, er legt auch ein ähnliches Gespür für visuelle und akustische Ästhetik an den Tag. „Gefährliche Liebe“ besticht wie Teil eins durch perfekt in Szene gesetzte Hochglanzkulissen und einen modernen Soundtrack. Nein, auf technischer Ebene hatte das Franchise von Anfang an nicht den Grund, sich zu verstecken. Wenngleich dieser durchgestylte Blockbuster-Look vollkommen konträr zur hier noch ein wenig schmutziger verkauften SM-Thematik steht. So geht es auch im Bett nicht schlüpfriger zu, als es die FSK (die den Film ab 16 Jahren freigab) erlaubt – immerhin wurde darauf verzichtet, Dakota Johnson („How To Be Single“) wie noch in Teil eins verstärkt in den Vordergrund zu rücken. Als eigentlich vorwiegend auf ein weibliches Zielpublikum zugeschnittene Kino-Romanze verwunderte die Fokussierung der weiblichen Hauptfigur im Vorgänger schon extrem; in „Gefährliche Liebe“ darf sich nun auch Jamie Dornan („Once Upon a Time“) häufiger seiner Kleidung entledigen. Da der im ersten Teil noch recht ausdruckslos agierende Mime dabei stets ein keckes Lächeln auf den Lippen trägt, geraten auch die mitunter arg plakativen Szenen gewitzt genug, um nicht ins allzu Lächerliche abzudriften. James Foley findet eine gute Balance zwischen dem hochdramatischen Konflikt und der nicht ganz so bierernsten Inszenierung – und weiß damit zu gefallen.

Besonders wer die hierzulande nur im Heimkino erschienene Parodie „Fifty Shades of Black“ gesehen hat, dem wurde ein großer Schwachpunkt am ersten Teil noch einmal vor Augen geführt: die hanebüchen schlecht geschriebene Skriptgrundlage von E.L. James, die sich mit dem Drehbuch der Nachdichtung zeitweise deckte. Wenngleich sich „Gefährliche Liebe“ inhaltlich wesentlich ausgereifter präsentiert (und es damit sogar schafft, einige inhaltliche Schwachstellen des ersten Teils zu kaschieren), gibt es nach wie vor diverse Dialogzeilen, die einen aus der Geschichte herausreißen. Damit seien an dieser Stelle noch nicht einmal die ausschweifenden Liebesschwüre Christians Greys an seine Geliebte gemeint – für eine derart konzentrierte Romanze geht das in Ordnung. Seien es Zustandsbeschreibungen oder die vornehmlich auf Handtaschenpsychologie begründeten Erklärungen für Christians seelischen Zustand: Mit feingeistigen Dialogen hat das Dialogbuch von Teil zwei wie schon beim Vorgänger nichts zu tun. Trotzdem gibt es auch sichtbare Vorzüge: Trotz der sehr vereinfachten Denkweise in Bezug auf Christians Vergangenheit genügen die Rückblenden und Erklärungen seinerseits, um Grey endlich das Profil zu geben, das einen Außenstehenden verstehen lässt, weshalb er so handelt und auch, weshalb Anastasia ihm verfällt. Endlich ist es nachvollziehbar, worauf die Liebe der beiden baut und – man mag es kaum glauben – Anastasia bekommt in „Fifty Shades Darker“ sogar einen eigenen Willen zugeschrieben. Besonders tiefgreifend sind all die im Film getätigten Aussagen immer noch nicht und auch die zu einem erhöhten Suspense beitragenden Nebenhandlungsstränge werden viel zu schnell wieder fallen gelassen, um wirklich Spannung zu erzeugen. Im Vergleich zu „Geheimes Verlangen“ ist das trotzdem ein gewaltiger Sprung nach vorn.

Anastasia

Anastasia wird verfolgt! Was hat das mit Christian zu tun?

Dass „Fifty Shades of Grey“ in seiner fragwürdigen moralischen Aussage ein derart großes (und vor allem weibliches!) Publikum finden konnte, konnte einen durchaus erschrecken. „Gefährliche Liebe“ erzählt zwar die Story direkt weiter, betont jedoch die wachsende Augenhöhe zwischen Anastasia und Christian und konzentriert sich deutlich mehr auf den Versuch, tatsächlich die Liebe der Protagonisten zu betonen. So lassen sich auch die fast eins zu eins aus dem ersten Teil übernommenen Bildmontagen des romantischen Zusammenseins zwischen Christian und Anastasia mit einem wesentlich besseren Gewissen genießen – auch wenn man sich gern mehr hätte einfallen lassen dürfen, als die berühmte Flugzeugszene in Form eines identisch verlaufenden Bootsausflugs zu wiederholen. Die Chemie zwischen Jamie Dornan und Dakota Johnson scheint anders als in „Geheimes Verlangen“ tatsächlich existent; während Dornan seiner Figur die längst notwendigen menschlichen Züge verleiht, präsentiert sich Johnson ganz zum Film passend befreiter und zügelloser. Von den erotischen Szenen lässt sich das nicht behaupten; auch „Fifty Shades of Grey 2“ bleibt selbst am Blockbuster-Durchschnitt gemessen eine insgesamt recht züchtige Angelegenheit, die nie mehr zeigt, als es für den Mainstream vertretbar wäre. Der vorab groß angekündigte Auftritt von Kim Basinger („The Nice Guys“) fällt überraschend klein aus – den Job der zynischen Beobachterin macht sie gut, wenn auch recht mechanisch.

Fazit: Der zweite Teil von „Fifty Shades of Grey“ ist immer noch nicht das Non plus Ultra tiefschürfender Liebesdramen, doch diesmal kann man zumindest verstehen, was Millionen von Frauen an der Lovestory zwischen den deutlich mehr aufeinander eingespielten Christian Grey und seiner Anastasia so toll finden.

„Fifty Shades of Grey: Gefährliche Liebe“ ist ab dem 9. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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