The Great Wall

Regisseur Yimou Zhang will in THE GREAT WALL die Historie der Chinesischen Mauer mit einem Monsterblockbuster kombinieren und scheitert trotz spektakulärer Optik am kleinen Einmaleins des Filmemachens. Mehr dazu in meiner Kritik.The Great Wall

Der Plot

Nordchina vor vielen hundert Jahren. Der Söldner William Garin (Matt Damon) führt ein Quintett von kampferprobten Kriegern an, die es nach Reichtum, Macht und Ruhm giert. Einer aus der Gruppe hat von einer neuen Waffe gehört. Einem explodierenden Pulver, das ihnen alle Reichtümer einbringen kann, von denen sie träumen. Nachdem sie gerade so ein Aufeinandertreffen mit einem Wüstenstamm überlebt haben, wird die Gruppe nachts von einem unsichtbaren Feind angegriffen. Garin und Tovar (Pedro Pascal) verlieren ihre Begleiter, aber sie erbeuten auch einen seltsamen, magnetischen Stein zusammen mit einer weiteren Trophäe – einer abgetrennten Kralle von der Kreatur, welche die Gruppe so brutal angegriffen hat. Als die beiden Überlebenden die Chinesische Mauer erreichen und auf eine unbekannte Armee von Kriegern treffen, ergeben sie sich. Sie sind in die Hände des Namenlosen Ordens gefallen. Einer Armee, die in einer befestigten Stadt lebt. Es ist ein geschäftiger militärischer Außenposten, der mit Hilfe von unglaublichen Gerätschaften seine Bewohner vor etwas Bösem auf der anderen Seite der Mauer beschützt. William und Tovar haben die Wahl: entweder, sie kämpfen Seite an Seite mit der Armee, oder sie sterben…

Kritik

Die Filmstudios in den Vereinigten Staaten inszenieren schon lange nicht mehr ausschließlich für den heimischen Markt. Neben Europa sind die asiatischen Länder der größte Abnehmer von Hollywood-Produktionen. Blockbuster wie „Warcraft: The Beginning“ (lockte in China knapp 40 Millionen Besucher in die Kinos) wurden bloß durch ihren hiesigen Zuspruch von ihrem Status als Flop befreit. Die Taktik, sich bei der Planung von anvisierten Kassenmagneten auch an den Sehgewohnheiten der Asiaten zu orientieren, geht zumindest im Falle von „The Great Wall“ so richtig auf. In seinem Koproduktionsland den USA sowie in großen Teilen Europas ist er noch nicht einmal angelaufen, da hat er sein Budget von satten 100 Millionen Dollar schon längst wieder eingespielt. Doch die asiatische Kultur unterscheidet sich ja nicht umsonst von der unseren. Wo sich die Chinesen über den Lokalkolorit des historisch angehauchten Monster-Blockbusters (!) freuen dürften, ist dieser Faktor für unsereins nur einer von vielen Aspekten eines ansonsten recht gewöhnlichen Fantasy-Actioners. Mit einer reichlich opulenten Optik kann Regisseur Yimou Zhang („Der Fluch der goldenen Blume“) gewiss aufwarten. Doch so ganz ohne Herz und Seele reicht es eben nicht aus, sich damit rauszureden, dass die Prämisse an sich auch nicht hanebüchener ist, als bei diversen anderen Produktionen desselben Genres.

Text

Tian Jing spielt Commander Lin Mei, die Anführerin der Verteidigungsmission.

Aus marketingstrategischer Sicht ist der Gewinn von Matt Damon („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) für die Rolle der Hauptfigur William Garin ein echter Glücksfall. Der 46-jährige Bostoner gehört zu den bekanntesten Schauspielern weltweit und ein echter Sympathieträger ist er obendrein. Sogar das Auftauchen seines Charakters mitsamt seiner Herkunft aus dem Westen rechtfertigt das Skript schlüssig; leider sind das dann auch bereits die einzigen Aspekte, mit denen Damon in „The Great Wall“ punkten kann. Seine Interaktion mit „Game of Thrones“-Star Pedro Pascal verleiht dem ansonsten recht ernst aufgezogenen Film zwar Spritzigkeit und Dynamik, sogar Wortwitz und menschlichen Charme. Doch die vereinzelten Momente dieses Buddy-Movie-Flairs sind viel zu rar gesät, um „The Great Wall“ nachhaltig zu prägen. Damons Charakter ist ausschließlich ein dramaturgisches Mittel zum Zweck, einhergehend mit dem Versuch, so etwas wie einen erzählerischen Fokus beizubehalten. Leider widmet sich das Drehbuch (Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy) sämtlichen Figuren derart oberflächlich, dass sich eine Nähe zu ihnen nie aufbaut. Selbst Williams Heldenstatus wirkt in seiner konstruierten Penetranz eher lächerlich denn glaubhaft; so sicher wie er haben auch schon eine Katniss Everdeen, eine Hawkeye oder ein Legolas Pfeil und Bogen beherrscht – nur konnten die darüber hinaus auch noch mit Charakter punkten.

Zwischen den amüsanten Einzelszenen, die vor allem deshalb funktionieren, weil Pedro Pascal in seiner draufgängerisch-naiven Art stark an Fahri Yardims „Tatort“-Rolle erinnert, liegen leider immer wieder Durststrecken in Form der immerhin in 3D sehr imposanten Kampfsequenzen. Diese leiden dann entweder an ihrer allzu routinierten Inszenierung, oder an ihrem inflationären Gebrauch von Computereffekten. „The Great Wall“ erzählt von einem Kampf zwischen Mensch und Monster – dabei sind die Gründe für den Angriff der Monster noch nicht einmal richtig schlüssig. Während die Bildsprache mit ihren andauernden Zeitlupen und dem zelebrierten Gigantismus einen einprägsamen Over-the-Top-Stil etabliert (Ausstattung und Setdesign sind von einer überraschend hohen Wertigkeit), fehlt bei all diesem Wahnwitz die notwendige Portion Augenzwinkern. „The Great Wall“ gibt viel zu lange vor, die Geschehnisse ernst zu nehmen und versäumt dabei ebenjenen Absprung ins Humoristische, den auch schon „Warcraft“ hat vermissen lassen. „The Great Wall“ kann weder mit Figuren, einer komplexen Geschichte oder besonders viel Amüsement punkten; Und als reiner Style-over-Substance-Beitrag sind ausgerechnet die CGI-Effekte in ihrer Qualität zu ambivalent. Hinzu kommen anstrengende Defizite in der visuellen Aufmachung. So fehlt es nicht nur den Kameraleuten Stuart Dryburgh („Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“) und Xiaoding Zhao („Little Big Soldier“) an Übersicht, gerade gen Ende springt das Cutter-Duo aus Mary Joe Markey und Craig Wood derart willkürlich zwischen den einzelnen Schauplätzen hin und her, dass man irgendwann überhaupt nicht mehr weiß, wo sich welche Ereignisse gerade abspielen – geschweige denn, warum.

Text

Mit allerhand Abwehrmaßnahmen versucht der Orden, die Mauer zu verteidigen…

An kleinen Details ist durchaus ersichtlich, dass „The Great Wall“ vielleicht doch gar nicht so ernst gemeint ist, wie es die das genaue Gegenteil ankündigende Einblendung zu Beginn des Films und die anschließenden zwei Stunden vermuten lassen. Da nutzt das Abwehrkommando die Zeit, um die an Seilen befestigten Speerwerferinnen zu eleganten Gymnastik-Einlagen zu animieren und vor allem die Szenen, in denen William seine abnormen Bogenkünste zelebriert, präsentieren immer wieder, wie viel ironisches Potenzial allein in der Prämisse liegt. Doch bis zuletzt hält Yimou Zhang an der sturen Betrachtung der Kampfsequenzen fest. Versucht er dann doch, so etwas wie einen Nebenhandlungsstrang unterzubringen – etwa, indem er der von Willem Dafoes („John Wick“) ebenfalls viel zu ernst verkörperten Figur eines gewitzten Diebes ein wenig mehr Platz im Geschehen einräumt – scheint er vollkommen überfordert. Dann nämlich hetzt „The Great Wall“ von einem Schauplatz zum nächsten, löst den Plot um Dafoes undefinierten Charakter in schlechtester „Wir wussten nicht, was wir mit ihm anstellen sollen“-Manier auf und zieht den Film nur noch mehr in die Länge, als er sich ohnehin schon anfühlt. Nicht jeder Blockbuster muss für besseres Gelingen direkt ironisch gebrochen werden – „The Great Wall“ ließe sich als Film ausgerechnet dadurch viel ernster nehmen.

Fazit: „The Great Wall“ hat trotz imposanter Bilder, eines hohen Produktionswertes und hübschen Kampfchoreographien ein ganz großes Problem: Er besitzt die meiste Zeit über weder ein Herz, noch eine Seele und die oberflächlichen Figuren sind von Anfang an vollständig egal. Dagegen können selbst Namen wie Matt Damon oder Willem Dafoe nichts ausrichten.

„The Great Wall“ ist ab dem 12. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in starkem 3D!

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