Gänsehaut

Die GÄNSEHAUT-Serie hat in den Neunzigerjahren sowohl in Buch-, als auch in Serienform eine riesige Fanbase um sich geschart. Wer schon in Kinderjahren auf die gruseligen Geschichten stand, der ist meist dabei geblieben und nennt sich heute Horrorfan. Nun wurde die Serie endlich für die Leinwand adaptiert. Wie gelungen, das verrate ich in meiner Kritik.
Gänsehaut

Der Plot

Teenager Zach Cooper (Dylan Minnette) ist nicht gerade begeistert, als er von der Großstadt in eine Kleinstadt umziehen muss. Doch als er die schöne Hannah (Odeya Rush), die im Haus nebenan wohnt, kennenlernt, und in Champ (Ryan Lee) auch noch einen guten Freund findet, sieht er einen ersten Silberstreif am Horizont. Doch jeder Silberstreif hat auch eine Wolke. Und die von Zach taucht auf, als er entdeckt, dass Hannahs mysteriöser Vater kein Geringerer als R.L. Stine (Jack Black) ist, der Autor der erfolgreichen „Gänsehaut“-Romane. Als Zach mehr über seine merkwürde Nachbarfamilie in Erfahrung bringt, stellt er fest, dass Stine ein gefährliches Geheimnis birgt: Die Kreaturen, die seine Geschichten berühmt gemacht haben, sind echt! Stine beschützt seine Leser vor ihnen, indem er sie in ihren Büchern einschließt. Als Stines Geschöpfe jedoch eines Tages versehentlich aus ihren Manuskripten freigelassen werden und entkommen, nimmt Zachs Leben eine bizarre Wendung. In einer verrückten Nacht voller Abenteuer, müssen sich Zach, Hannah, Champ und Stine, zusammen tun, um die Stadt vor den außer Rand und Band geratenen Monstern zu retten.

Kritik

Der erste Gag in „Gänsehaut“ findet bereits vor der Eröffnungsszene statt. Wie schon bei den beiden „21 Jump Street“-Filmen stand auch hier die Produktionsfirma Original Film hinter dem Projekt, die weltberühmten Kinder- und Jugendromane auf die große Leinwand zu bringen. Weshalb das lustig ist? Weil sowohl an „21 Jump Street“, als auch an dieser „Gänsehaut“-Verfilmung nichts auch nur im Ansatz „original“ ist, doch genau deshalb funktionieren die beiden in Tonfall und Humor äußerst ähnlichen Franchises so gut. Wenn man ehrlich ist, dann haben wir es hier natürlich mit einem Film zu tun, der genau das erfüllt, was Hauptfigur Zach dem von Jack Black („Gullivers Reisen“) verkörperten Autor in einer Szene vorwirft: In Charakterentwicklung, Spannungsaufbau und Pointe ähneln sich sowohl die Romane, als auch die Folgen der in den Neunzigerjahren ins Leben gerufenen Fernsehserie, sodass sich selbst für ganz junge Zuschauer ein leicht zu durchschauendes Muster ergibt. Doch das ist nicht von allzu großer Relevanz. Schließlich ist „Gänsehaut“ in erster Linie eine liebevolle Hommage an das Œuvre des Autors, dessen Erfolgsgeschichte es in sich hat.

GänsehautDie Anfang der Neunzigerjahre von R.L. Stine gestartete Gruselbuchserie „Goosebumps“, so der 1:1 ins Deutsche übersetzte Originaltitel, ist nach der „Harry Potter“-Saga das zweiterfolgreichste Jugendromanfranchise der Welt. Es umfasst insgesamt 70 reguläre „Gänsehaut“-Bücher, 13 Bände aus der Spin-Off-Reihe „Gänsehaut HorrorLand“ und 15 Abenteuer-Spielbücher, in denen der Leser den Fortverlauf der Handlung selbst bestimmen kann. Die 99 Romane brachten es weltweit auf insgesamt 300.000 Millionen verkaufte Exemplare, worauf 1995 eine Adaption im Rahmen einer Fernsehserie folgte. Zwischen 1995 und 1998 wurden insgesamt vier Staffeln mit 74 verschiedenen Folgen produziert. Davon griffen einige auf Romangeschichten zurück, während andere Storys eigens für die TV-Serie geschrieben wurden. Der von Rob Letterman („Gullivers Reisen“) inszenierte 3D-Spielfilm zum Phänomen greift nun auf ein völlig anderes Konzept zurück: Die Rahmenhandlung wurde eigens für den Film gesponnen und versteht sich als fiktives Meta-Portrait von Autor und Serie. Der Großteil der Figuren stammt hingegen aus den bekanntesten „Gänsehaut“-Büchern und lehrt den großen und kleinen Zuschauern in diesem launigen Gruselschabernack das Fürchten.

Als familientauglicher High-Concept-Film kann sich „Gänsehaut“ so ziemlich alles erlauben, was auch nur im Entferntesten der Prämisse der Originalvorlage gerecht wird. Den Fokus legen die Macher hier – anders als in der TV-Serie – auf den Humor, gepaart mit vielen selbstreferenziellen Meta-Kommentaren und einem augenzwinkernden, teils fiktiven, teils sogar überraschend ehrlichen Porträt des Autors. Wenngleich der Film im Storytelling recht überraschungsarm bleibt (was ja im Grunde eigentlich nur wiederspiegelt, wie leicht das Konzept der „Gänsehaut“-Serie zu durchschauen ist), halten die Verantwortlichen nie damit hinterm Berg, welch nostalgischen Wert die Buchreihe für sie besitzt. Die jungen Protagonisten sind glühende Anhänger der Romane, der Autor schildert die persönlichen Beweggründe für das Erschaffen seiner Monster und schlussendlich kommt bei alledem das achterbahnähnliche Action-Abenteuer nie zu kurz. Ja, „Gänsehaut“ erfindet das Rad der familientauglichen Gruselunterhaltung nicht neu. Aber all das, was der Film macht, ist charmant und atmet die Luft der Originale. Das merkt man schon daran, dass der Storyaufbau (natürlich inklusive komisch-erschreckendem Rausschmeißer) jenem der Bücher ähnelt. Nach der Einführung sämtlicher Charaktere, die ganz normale Teenager in ganz normalen Alltagssituationen etabliert, gibt es eine große Entdeckung, aus der eine Katastrophe resultiert, die es abzuwenden gilt. Und aus der resultiert dann wiederum eine viel größere Katastrophe, die den Zuschauer in Form einer Pointe aus der Geschichte entlässt.

Odeya Rush

Unter „Katastrophe“ verstehen die Macher hier ein buntes Stelldichein der beliebtesten „Gänsehaut“-Monster. Bei knapp 100 verschiedenen Romanen ist es für den Drehbuchautor Darren Lemke („Jack and the Giants“) nahezu unmöglich, auf jeden einzelnen Fiesling zurückzugreifen. Infolgedessen konzentriert er sich ausschließlich auf die wohl bekanntesten: Der Fokus liegt auf dem Werwolf aus den Fiebersümpfen, dem unsichtbare Mann, den unheimlichen Gartenzwergen und – natürlich – der mörderischen Bauchrednerpuppe Slappy. Gerade Slappy, der hier als Anführer der außer Kontrolle geratenen Monster fungiert, gibt für seine recht groß angelegte Rolle viel her; wurden ihm doch bereits zu Romanzeiten mehrere Fortsetzungen vergönnt. Zeitweise sahen sich Kritiker gar dazu veranlasst, einen emotionalen Bezug zwischen Romanautor und Figur herzustellen. Auch darauf geht „Gänsehaut“ augenzwinkernd ein.

Mit seinen süffisanten Meta-Kommentaren, feinem Slapstick und kreativ-beschwingtem Wortwitz wissen die Macher, wie sie das Publikum sämtlicher Altersklassen auf ihre Seite ziehen können. Für die Kleineren, möglicherweise gerade die, die nicht mit der Serie aufgewachsen sind, kann „Gänsehaut“ schon mal recht gruselig werden, während man sich als älterer Zuschauer vorzugsweise daran erinnert fühlt, wie es die Verantwortlichen in den Neunzigerjahren geschafft haben, uns mit den eigentlich so harmlosen Geschichten eine solche Angst einzujagen. Auch eher für die erwachsene Generation erweisen sich die Ausarbeitungen der Nebenfiguren. Mit Jillian Bell als Zachs herrlich überdrehte Tante gibt es ein Wiedersehen mit einer aus den „21 Jump Street“-Komödien bekannten und jene durchaus prägenden Schauspielerin. Gemeinsam mit Amanda Lund („Take Me Home“) und Timothy Simons („The Interview“) als in seiner Planlosigkeit unglaublich komisches Cop-Duo bildet Bell das Highlight unter den allesamt einen bleibenden Eindruck hinterlassenden Nebenfiguren. Dylan Minnette („Die Coopers – Schlimmer geht immer“), Odeya Rush („Hüter der Erinnerung – The Giver“) und Ryan Lee („Trophy Wife“) harmonieren toll als Dreierclique, während Jack Black seinen R.L. Stine liebenswert-schrullig verkörpert.

Slappy

Die Animation der Monster setzt sich indes zu fast gleichen Anteilen aus Computer-Kreationen und handgemachten Effekten zusammen. Slappy ist ebenso echt wie die Gartenzwerge (eine an „300“ erinnernde Küchenschlacht mit den so harmlos aussehenden Deko-Männchen ist in ihrer Kreativität einfach genial) die Zombies, Mumien oder ein Geisterhund, während eine riesige Gottesanbeterin, der alles verschlingende Schleim und ein riesiger Schneemensch natürlich aus dem Computer stammen. So wird aus „Gänsehaut“ dankenswerterweise nicht der erwartbare CGI-Overkill, sondern der Beweis, dass modernes Blockbusterkino auch wunderbar funktionieren kann, wenn man nur dann auf Computertricktechnik zurück greift, wenn man es wirklich muss. Einzig der 3D-Effekt bleibt sichtbar hinter seinen Möglichkeiten zurück und ist den Ticketaufpreis an der Kinokasse nicht unbedingt wert.

Fazit: Die einzigen Wehrmutstropfen sind der Verzicht auf die beliebte Serien-Titelmelodie, sowie ein hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibender 3D-Effekt. Ansonsten erweist sich „Gänsehaut“ als liebevolle Verbeugung vor dem erfolgreichen Gruselfranchise, das mit sympathischen Figuren punktet und all jenen Monstern ein Stelldichein auf der Leinwand ermöglicht, vor denen wir uns noch vor einigen Jahren tierisch gegruselt haben.

„Gänsehaut“ ist ab dem 4. Februar bundesweit in den Kinos zu sehen – Auch in 3D!

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