Dope

In Cannes wurde der sympathische Coming-of-Age-Film DOPE, der obendrein auch mit sämtlichen Klischees über den Lifestyle der afro-amerikanischen Bevölkerung bricht, vom Publikum gefeiert. Ob der Film in Deutschland sein Publikum findet, ist aufgrund seiner speziellen Thematik fraglich. Den Ticketkauf wert, ist er jedoch allemal. Mehr dazu in meiner Kritik.Dope

Der Plot

Malcolm (Shameik Moore)  liebt 90s-Hip-Hop und spielt in einer Punk-Rock Band. Aufgewachsen im Vorort von L.A. als Sohn einer alleinerziehenden Mutter Lisa (Kimberly Elise) träumt er von Harvard. Aber Malcolms Leben nimmt eine drastische Wendung nachdem er und seine besten Freunde Diggy (Kiersey Clemons) und Jib (Tony Revolory) sich zögernd dazu entschließen, zu der Party des Drogendealers Dom (Rakim Mayers) zu gehen, damit Malcolm der beliebten Nakia (Zoe Kravitz) näher kommen kann. Als im hinteren Zimmer ein Drogendeal nicht wie geplant verläuft, dringt die Polizei ein und Dom versteckt eine Menge an trendigen Party Drogen heimlich in Malcolms Rucksack. Aus dem Gefängnis gibt Dom Anweisungen an Malcolm und seine Freunde, wohin die Drogen geliefert werden sollten: an die Nummer eins im Drogenhandel, Austin Jacoby (Rogergeunveur Smith). Aber anstatt die Lieferung anzunehmen, stellt Jacoby ihnen ein Ultimatum: Verkauft die Drogen und zahlt sie ihm in den nächsten paar Wochen zurück – sonst…

Kritik

Regisseur Rick Famuyiwa („Our Family Wedding“) wurde für seine vierte Arbeit als Langfilm-Regisseur in Cannes gefeiert. Dabei ist „Dope“, die Geschichte über eine Gruppe von Teens, die durch skurrile Umwege mit dem Drogenhandel ihres Heimatstädtchens konfrontiert werden, alles andere als normalerweise an der Côte d’Azur gefeierter Filmstoff, der sich abseits der Genrefilm-Rubrik „Un Certain Regard“ verstärkt auf klassisches Arthouse-Kino, Charakterdramen und Autorenfilme konzentriert. Ein Blockbuster ist „Dope“ gewiss nicht, doch die von RnB-Hitlieferant Pharrell Williams mitproduzierte Satire auf den Lifestyle der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA ist in ihrer federleichten Inszenierung ein angenehmes, wenn auch nicht immer seine Balance zwischen den verschiedenen Genreeinflüssen findendes Vergnügen, dass zum Cannes-typischen Schwermut so gar nicht passen will. Und auch hierzulande ist es leider fraglich, ob sich „Dope“ einem solch großen Publikum erschließt, wie es die sympathische Mischung aus „Straight Outta Compton“, „Trash“ und einem Abenteuer der Kult-Detektive „Die drei ???“ durchaus verdient hätte.

Dope

Im Grunde besteht „Dope“ aus drei verschiedenen Themen, die sich zunächst nur auf ihre einzelnen Handlungsabschnitte zu beschränken scheinen und mit der Zeit immer weiter miteinander verschwimmen. Im Zentrum des Geschehens steht Hauptfigur Malcolm, der das typische – oder eben doch nicht ganz so typische – Leben eines schwarzen High-School-Jungen führt. Newcomer und Serienstar Shameik Moore („The Get Down“) gelingt es gut, seine Figur des bewusst mit Klischees hantierenden und jene unterwandernden Strebers und Nerds (so stellt er sich zu Beginn des Films selbst vor) mit einem Profil auszustatten, mit dem es nicht schwer fällt, mitzufiebern. Seine Freunde, der bisweilen tollpatschige und äußerst gutgläubige Jib (Tony Revolory aus „Grand Budapest Hotel“) und die homosexuelle, aufgrund dessen aber umso toughere Diggy (Kiersey Clemons aus „Transparent“) bilden gemeinsam mit Malcolm eine Dreierclique, dem es trotz kantiger Charaktereigenschaften leicht fällt, Sympathien zu sammeln und die obendrein mit den Erwartungen des Publikums spielt. Dass die Drei auf Hip-Hop stehen und in Wirklichkeit in einer Punkband spielen, legt nur den Grundstein für das Wechselspiel zwischen Zuschauervorahnung und letztendlicher Umsetzung.

Das Publikum wird zunächst Zeuge des Cliquenalltags, wird allerdings am Rande immer wieder in kurzen Momenten mit jener Thematik vertraut gemacht, mit welcher die Teenies noch früh genug konfrontiert werden sollen. Die Rede ist von den Drogen, die auf einer von der Polizei gestürmten Party den Weg zu Malcolm, Jib und Diggy finden. Die Inszenierung der Polizeistürmung steht im krassen Kontrast zur ansonsten so leichtfüßigen Inszenierung und Regisseur Ramuyiwa gelingt es nicht auf Anhieb, beide Tonfälle in Einklang zu bringen. Ohne das Wissen um den Fortverlauf der Story könnte „Dope“ den Zuschauer in diesem Moment verlieren; versprechen die rauen Bilder der Razzia und die Selbstverständlichkeit des auf der Party stattfindenden Drogenkonsums (der dem Film vermutlich zu seiner FSK-Freigabe ab 16 verholfen haben dürfte), doch einen radikalen Bruch in der Thematik. Aus diesem Blickwinkel wäre „Dope“ der ideale Sneak-Preview-Film und auch sonst empfiehlt es sich, vor der Sichtung des Films wenig über die Story zu lesen. Doch so viel sei gesagt: So aggressiv und hart sich die Machart der Party zur vorab humoristisch geprägten Inszenierungsweise abgrenzt, so stilsicher findet Rick Famuyiwa anschließend zu seiner Leichtigkeit zurück. Das ebenfalls von ihm verfasste Skript springt zwischen den gefühlsbedingten Extremen hin und her, als würde er diesen emotionalen Wechsel im überhöhten Sinne nutzen, um die Gefühlsschwankungen seiner pubertären Protagonisten zu unterstreichen. Ganz gleich ob gewollt oder nicht: es passt. Und von elementarer Wichtigkeit dafür ist die charakterliche Standfestigkeit der Hauptfiguren, die sich von der bisweilen festzustellenden Unausgewogenheit innerhalb der inszenatorischen Tonfälle nicht beeindrucken lassen.

Dope

Mit dem Engagement von Produzentenikone Pharrell Williams, der bereits „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ mit seinem Sommerhit-Ohrwurm „Happy“ ausstattete und „Dope“ ebenfalls zu einer eindringlichen Musikuntermalung verhilft, unterstreichen die Macher den Mehrwert von „Dope“ als durch und durch den modernen Lebensstil der Charaktere einfangenden Film, der neben seinen Handlungsfäden der Coming-of-Age-Komödie und des Drogenthrillers schließlich zu einem teils skurrilen, zwischen den Zeilen aber auch dramatischen Abenteuer wird. Wenn die Freunde dazu angehalten werden, für die Rettung ihrer eigenen Haut die Drogen zu verticken, wirkt dieser Schritt, auch aufgrund der nicht allzu ausführlichen Berücksichtigung eventueller Zweifel, wie die Verklärung des gefährlichen Drogenmilleus. So wird die Flucht vor der Polizei zu einer Slapstick-geladenen Hatz durch die rutschigen Gänge des Schulgebäudes, und Malcolm wird trotz des Alarm schlagenden Körperscanners nur deshalb nicht vom Sicherheitsdienst seiner Schule angehalten, weil dieser vermutet, das Gerät wäre defekt. Im Rahmen eines klassischen Drogendramas wäre derartiger Humor vollkommen fehl am Platz. In „Dope“ funktioniert wer, da der Fokus hier auf der komödiantischen Auseinandersetzung mit der Thematik liegt und somit ein eher umgekehrtes Bild entsteht, in welchem sich die ernsten Momente nicht so recht ins Komödienbild fügen wollen. Was leider ebenfalls nicht recht passt, ist eine in wenigen Szenen an den Tag gelegte Nacktheit, die den Film inhaltlich nicht weiterbringt und sich wie ein Fremdkörper im ansonsten eher zurückhaltenden Film anfühlt.

Fazit: Den richtigen Tonfall findet „Dope“, gerade in den ernsten Momenten, nicht immer. Doch im Großen und Ganzen ist die Mischung aus Coming-of-Age-Film, Drogenthriller und Satire ein aufgrund der Hauptdarsteller sympathisches Unterfangen, das manchmal einen Tick zu viel Spaß macht, wenn der völlig freimütige Umgang mit der Drogenthematik die kritische Betrachtung vermissen lässt. Doch die späte Läuterung der Hauptfigur, einschließlich der überdeutlichen Figurencharakterisierung in Schwarz und Weiß zeugen zwar nicht von Subtilität, dafür vom Wissen darum, was recht und was unrecht ist.

„Dope“ ist ab dem 28. Januar in ausgewählten, deutschen Kinos zu sehen.

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