Meine Filmflops 2015 – Die Plätze 10 bis 1

Nachdem ich vor Kurzem die Flop 20 meiner in diesem Jahr gesichteten Filme veröffentlichte, folgen nun die Plätze 10 bis 1 der von mir am meisten verabscheuten Filme 2015. Noch einmal möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die objektive Qualität des Films nicht zwingend etwas mit der Platzierung in dieser Liste zu tun haben muss. Es geht hier einzig und allein darum, wie sich mein Empfinden mein Anschauen dieser Filme veränderte. Für eine objektive Sicht der Dinge verweise ich gern auf die Filmkritiken, die ich in den jeweiligen Platzierungen verlinkt habe. 

Natürlich seien an dieser Stelle noch einmal solche Filme erwähnt, die es nur deshalb nicht in meine Flopliste geschafft haben, weil andere Streifen schlichtweg noch grauenvollere Befindlichkeiten in mir auslösten. Als ebenfalls nur übersichtlich gelungen empfand ich den ganz schön anstrengenden Oscar-Beitrag WILD TALES – JEDER DREHT MAL DURCH, Stephen Daldrys TRASH, den lahmen Hacker-Thriller BLACKHAT, den Science-Fiction-Actioner CHAPPIE (komm‘ schon Neill Bloomkamp – du kannst es doch eigentlich!), den sehr, sehr lahmen Zocker-Thriller THE GAMBLER, den absolut einseitig erzählten und leider ziemlich prätentiös inszenierten KIND 44 und den nur leidlich spannenden Horrorfilm OUIJA – SPIEL NICHT MIT DEM TEUFEL. Eine Sondernennung erhält zudem CAROL: Diese Trantüte von Film ist zwar definitiv sehenswert, wird jedoch so gnadenlos überhyped, dass ich meinen Hasskandidaten für die anstehende Oscar-Season gefunden habe.

10

Let's Be Cops - Die PartybullenEine weitere Komödie tummelt sich auf Platz zehn, der man die Qualität bereits an der Nasenspitze, beziehungsweise in diesem Fall an der Schreibweise des Filmtitels ansieht. Ich zitiere wörtlich: LET’S BE COPS – DIE PARTY BULLEN (ohne Bindestrich, dafür mit Leerzeichen!). Mehr muss man zu der Geschichte um zwei Loser, die für eine Kostümparty in Polizeiklamotten rumlaufen und ab sofort für Cops gehalten werden, auch gar nicht sagen. Natürlich landen die beiden schnell in einem echten Ermittlerfall und wachsen anschließend über sich hinaus. So weit, so dröge. Das wirklich Ärgerliche an dem Film sind allerdings all jene Gags, in denen sich die proletenhafte US-Komödie selbst als absolut schwulen- und frauenfeindlich entlarvt. Das ist nicht mehr feierlich und lässt sich in etwa auf einer Ebene mit „Hot Tub Time Machine 2“ einordnen. Nur dass hier wirklich absolut gar keine Szene mehr positiv hervor sticht. Ein Film, der nicht einmal mit Alkohol zu ertragen ist – und meine Nummer zehn.

9

Unbroken

Die Jolie hat sich mal wieder hinter statt vor die Kamera begeben und mit UNBROKEN einen Film inszeniert, der eigentlich perfekten Oscar-Stoff zutage fördert. Das sahen vor den ersten Vorführungen des Films auch viele Brancheninsider so und sahen das auf wahren Ereignissen beruhende Drama um einen Mann, der während des Zweiten Weltkriegs das Martyrium japanischer Gefangenschaft überstehen muss, ganz vorn bei den Awardvergaben dabei. Als der Film schließlich gezeigt wurde, folgte alsbald die Ernüchterung. „Unbroken“ ist kein subtiles Zeitzeugenportrait, sondern von knallhartem Oscar-Kalkül. Jolie zeichnet ihren Protagonisten als jesusgleichen Helden, der in einer Szene sogar dazu genötigt wird, die Kreuzigungsszene nachzustellen – ein buchstäblicher Wink mit dem Holzbrett. Am Ende bleibt da nicht viel als die Frage, ob Frau Jolie tatsächlich mit so viel Macht als auszeichnungswürdige Regisseurin wahrgenommen werden möchte, dass sie darüber vergisst, wie man sensibel eine Geschichte erzählt.

8

Bruder vor Luder

YouTube, die Zweite: BRUDER VOR LUDER ist der erste (und hoffentlich einzige) Film von und mit den Lochmann-Brüdern, die sich für diese infantile Komödie tatsächlich nicht bloß vor, sondern auch hinter die Kamera begeben haben. Richtig gelesen: Zwei 16-jährige Internet-Nasen haben bei diesem Machwerk Regie geführt und eine Geschichte in Szene gesetzt, wie sich unterirdischer nicht sein könnte. Der Film erzählt von zwei bekannten YouTubern und einem weiblichen Fan, der mit absurdesten Mitteln versucht, zwecks Fame einen der beiden Jungs für sich zu gewinnen. Dabei ist der Film nicht nur (wieder einmal) überhaupt nicht lustig, teilweise geschmacklos und anstrengend, der Gipfel der Unverschämtheit ist die Ansicht der Lochis, Regie führen wäre ja „so ziemlich dasselbe“, was die beiden schon jahrelang auf YouTube machen. Was für ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich seit Jahren den Arsch aufreißen, um irgendwann mal die Ehre zu haben, dass ihr eigener Film das Licht der Leinwand erblickt. Für soviel Arroganz gibt’s meinen Platz 8.

7

Der Kaufhaus Cop 2

Kevin James stellt sich erneut auf ein Segway und gibt sich in DER KAUFHAUS COP 2 wieder die Ehre, den Aufpasser eines Einkaufszentrums zu spielen, dem natürlich – weil es ja so lustig ist – allerhand passiert. Um dem ganzen ein wenig Pfeffer zu geben, reißt man ihn schon relativ früh aus seiner gewohnten Umgebung, um den Film bis zum Schluss auf einer Tagung für Kaufhaus-Cops spielen zu lassen. In Las Vegas. Logisch. Das klingt nicht nur gewollt und nicht gekonnt, das ist obendrein auch nur semilustig und bedient vielleicht allenfalls die Hardcore-Fans von Kevin James. Als einziger Lichtblick erweist sich eine Rede seiner Figur, in der er seinen Beruf verteidigt und die sich auf einer Meta-Ebene durchaus als Kommentar auf James‘ Beruf als Komiker verstehen lässt. Doch ob man sich für diese launigen fünf Minuten direkt den gesamten Film geben sollte? Ich finde: eher nicht und vergebe den siebten Platz meiner persönlichen Kinoflops – leider – an Kevin James.

6

Nur eine Stunde Ruhe

Mit mir und komischen Kammerspielen ist das so eine Sache. Ich kann sie super gern mögen (etwa im Falle von „Frau Müller muss weg“), ich kann ihnen zwiegespalten gegenüber stehen (siehe „Der Gott des Gemetzels“) oder aber ich kann auch einfach nur tierisch genervt sein. Die französische Produktion NUR EINE STUNDE RUHE ist voll von subtilen Zwischentönen und politischen Statements und macht ihren Job bei dieser Thematik tatsächlich einen Tick zu richtig. Obwohl der Film nicht viel länger als eine Stunde dauert, wird die von Hauptdarsteller Christian Clavier herrlich grantig verkörperte Figur mit so viele Störfaktoren konfrontiert, dass man sich als Zuschauer schnell in seine Lage versetzen kann. Schon bald wünscht man sich selbst eine Stunde Ruhe – und irgendwie ist der Film dafür alles andere als geeignet. Schade drum, denn eigentlich ist er viel besser, als ich ihn hier abwatsche.

5

Jupiter Ascending

Wenn Mila Kunis irgendwo herunter fällt, dann erscheint sogleich Channing Tatum, um sie aufzufangen. Weshalb das die erste Eingebung ist, die mir bei JUPITER ASCENDING in den Sinn kommt? Weil dieses Szenario den Film nahezu dominiert. Dauernd begibt sich die titelgebende Jupiter in Gefahr, aus der sie aus eigenem Ermessen nicht herauszukommen scheint. Ihr tollkühner Held muss ihr daraufhin zu Hilfe eilen. So geht das Szene aus, Szene ein immer so weiter und am Ende ist einmal mehr die Welt gerettet. Das soll tatsächlich schon der ganze Film gewesen sein? Sorry Leute, aber genau so ist es. Und die Tatsache, dass dieser Film von den Wachowski-Geschwistern stammt, macht es umso tragischer. Man erinnere sich doch nur an „Cloud Atlas“, für den man zwar Köpfchen brauchte, doch der schon in wenigen Jahren das Zeug dazu haben könnte, ein Klassiker zu sein. Ganz im Gegensatz zu diesem Film hier…

4

300 Worte Deutsch

Irgendwie war es nicht so das Jahr von Christoph Maria Herbst. Der „Stromberg“-Star hat 2015 nicht wirklich einen Hehl daraus gemacht, nicht voll und ganz hinter seinen Projekten zu stehen. Das galt auch für die Integrationskomödie 300 WORTE DEUTSCH, die den bürokratischen Irrsinn deutscher Integrationspolitik entlarven und Vorurteile abbauen sollte. Auf dieser Ebene hat das teilweise sogar funktioniert, doch dass es am Set zu Streitigkeiten im Team gekommen sein soll, merkt man dem fertigen Projekt an. Auf halber Strecke ist mit der gediegenen Dramaturgie plötzlich Schluss. Gehetzt steuert man auf ein Finale zu, bis der Film mittendrin aus heiterem Himmel abbricht. So etwas nenne ich Arbeitsverweigerung und dafür gibt’s von mir den vierten Platz meiner Filmflops 2015. Immerhin blieb dem Film das Treppchen verwährt, denn dieses betreten wir dann doch lieber mir einer Produktion, deren Aussage nicht ärgerlich sondern vielmehr gefährlich ist…

3

Fifity Shades of Grey

Dieser Film treibt mich bereits seit Anfang des Jahres zur Weißglut und vermutlich wird sich das auch so lange nicht ändern, bis FIFTY SHADES OF GREY irgendwann in der Versenkung verschwunden ist. Da das bis zur Veröffentlichung des letzten Films allerdings noch eine Weile dauern wird, muss ich mich wohl oder übel mit den Auswüchsen dieses strunzdämlichen Erotikkitsches herumschlagen und ihn irgendwie als Form aktuellen „Kulturguts“ bewerten. Und was zum Teufel ist hier bloß schief gelaufen? Dass die Autorin der Romanreihe unter Größenwahnsinn leidet, geht aus sämtlichen Interviews hervor, doch dass sie es sich erdreistet, dann auch noch so stark in die Arbeit der eigentlich so fähigen Regisseurin Sam Taylor-Johnson einzugreifen, dass ihr Film am Ende noch viel stärker das Thema häusliche Gewalt propagiert als das Buch, das kann doch nicht der Ernst aller Beteiligter sein. Und warum zum Teufel hat sowas dann ausgerechnet in vermeintlich emanzipierten Frauen eine solch große Fanbase gefunden? Es ist zum Kopfschütteln…

2

Fraulein Julie

Ebenfalls zum Kopfschütteln war Anfang des Jahres mein Platz zwei der hiesigen Flopcharts 2015. Die Theaterstückadaption FRÄULEIN JULIE ist der mit Abstand langweiligste Film, den ich tatsächlich seit langem gesehen habe (und ich sehe ja bekanntermaßen so einiges, ob ich will oder nicht). Ich weiß: Derartigen Stoff muss man mögen. Sonst ist man verloren. Aber da es hier um mich und um meine ganz persönlichen Vorlieben geht, kann ich sagen: Was auch immer das hier ist, ich mag es nicht. Ich finde es, gelinde gesagt, sogar regelrecht zum… Wegnicken. Dass noch nicht mal der hochkarätige Cast aus Jessica Chastain und Colin Farrell das Ganze aufzuwerten vermag, hat dann allerdings nichts mehr mit subjektivem Empfinden zu tun. Die beiden Hauptdarsteller waren mit ihren Performances in anderen Filmen schon wesentlich besser dran als hier, wo sie knapp zwei Stunden nicht mehr tun, als vor sich hin zu schlafwandeln. Chance vertan – das zwischen uns wird keine Liebe mehr.

1

Das Glück an meiner Seite

Nun sind die Schattenseiten des diesjährigen Filmjahres fast alle entlarvt, sodass nur noch eine Platzierung fehlt. Der zweifelhafte Preis des – für mich – schlechtesten Films des Jahres geht in diesem Jahr an das ALS-Drama DAS GLÜCK AN MEINER SEITE. Das hat gar nicht mal etwas damit zu tun, dass die Geschichte um eine an den Rollstuhl gefesselte Frau, die sich mit ihrer optimistischen Pflegerin anfreundet, wie ein weiblicher Aufguss von „Ziemlich beste Freunde“ wirkt. Denn das wäre okay, die Inszenierung selbst ist völlig in Ordnung. Was hier allerdings so unglaublich negativ ins Gewicht fällt, ist die Kernaussage. Es ist absolut nichts gegen Optimismus einzuwenden, doch wenn in einem Film über eine schwere Krankheit nicht durchscheint, dass Krankheiten einfach mal richtig fiese Arschlöcher sind, dann wurde hier etwas grundlegend verkehrt gemacht. Wenn es am Ende des Films so wirkt, als müssten die Figuren sogar noch dankbar sein, eine Todkranke in ihrem Freundeskreis zu haben, falle ich endgültig vom Glauben ab.

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