Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers

Bei diesem Film ist der Name Programm. ALLE JAHRE WIEDER – WEIHNACHTEN MIT DEN COOPERS entstammt einer Filmgattung, die tatsächlich alle Jahre wieder in die Kinos geschneit kommt. Die Rede ist von der klassischen Weihnachtskomödie. Und von diesen gab es in den letzten Jahren ja schon so einige. Wie schneidet dieser Vertreter des Genres ab? Das verrate ich in meiner Kritik.Alle Jahre wieder - Weihnachten mit den Coopers

Der Plot

Auf eines kann man sich verlassen: Weihnachten wird jedes Jahr gefeiert – auch bei den Coopers. Und wie immer geben sie auch diesmal ihr Bestes, um sämtliche Probleme und persönliche Schwächen zugunsten eines harmonischen Weihnachtsfestes vor den anderen zu verbergen: Charlotte (Diane Keaton) und Sam (John Goodman) bereiten sich auf ihre Rolle als perfekte Gastgeber vor, im Bestreben die Idylle einer Weihnachtspostkarte zu übertreffen – allerdings befindet sich ihre Ehe nach 40 Jahren gerade in einer saftigen Krise. Ihr bereits geschiedener Sohn Hank (Ed Helms), Vater zweier Jungs und einer virtuos fluchenden Vierjährigen, hat bisher niemandem erzählt, dass er kürzlich gekündigt wurde. Seine Schwester Eleanor (Olivia Wilde) wiederum möchte den ständigen Fragen, ihr Singledasein betreffend, mithilfe eines charmanten Soldaten (Jake Lacy) aus dem Weg gehen, den sie kurzfristig in einer Bar am Flughafen aufgegabelt hat. Und das älteste Familienoberhaupt Bucky (Alan Arkin) würde Heiligabend am liebsten ganz ausfallen lassen, um auch diesen Tag in seinem Stammlokal mit der hübschen Kellnerin Ruby (Amanda Seyfried) zu verbringen. Zu allem Überfluss wird Charlottes Schwester Emma (Marisa Tomei) dann auch noch wegen Ladendiebstahls festgenommen. Aber gerade, wenn man denkt schlimmer geht es nicht, öffnet ein unerwarteter Zwischenfall der ganzen Familie die Augen. Am Ende bleibt nur ein einziger Trost: es sind wieder volle 364 Tage bis zum nächsten Weihnachtsfest!

Kritik

Filme im Rahmen einer Besprechung zu vergleichen, ist in den meisten Fällen nicht ganz fair. Inszenatorische Ähnlichkeiten, sich doppelnde Themen – all das beruht bei einer solch hohen Anzahl jährlich stattfindender Filmstarts in den meisten Fällen auf schlichtem Zufall. Überhaupt lässt es sich einen Film besser dann alleinstehend bewerten, wenn man ihn nicht mit einer anderen Produktion seines Kalibers konkurrieren lässt. Ausnahmen wie Sequels, Remakes oder Reboots bestätigen die Regel; immerhin möchte man bei einem Franchise respektive einer Neuauflage meist schon ganz gern wissen, wie jene im Vergleich zum Vorgänger oder Original abschneiden. So liegt es also nur auf den ersten Blick nahe, Jessie Nelsons („Ich bin Sam“) weihnachtliche Tragikomödie „Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers“ mit dem Klassiker „Tatsächlich… Liebe“ zu vergleichen, wenngleich sich die Inszenierungsform des Episodenfilms in der Vergangenheit schon oft bewährt hat, um die Irrungen und Wirrungen eines Feiertags möglichst vielfältig aufzubereiten. Das gerät meist recht konventionell, wie im Falle von „Valentinstag“ oder „Happy New Year“ zu sehen ist, versprüht bei aller Vorhersehbarkeit allerdings auch immer eine gewisse Portion Charme. Schließlich gehört „Tatsächlich… Liebe“, der im vergangenen Jahr mit „Alles ist Liebe“ so etwas wie eine deutsche Kopie erhielt, mittlerweile auch zu jenen Filmen, die jedes Jahr in der Adventszeit im Free-TV laufen. „Alle Jahre wieder“ bedient sich lediglich der Erzählstruktur des Episodenfilms, nicht aber dem hoffnungsvollen Optimismus von Richard Curtis‘ Regiearbeit. Jessie Nelsons Film versucht zwar, tonal eine alles in allem recht zufriedenstellende Message auf möglichst leicht verdauliche Weise zu verpacken, doch sieht man genauer hin, steht hier nicht bloß ein Happy-End auf wackeligen Beinen.

Alle Jahre Wieder - Weihnachten mit den Coopers

In jedem Jahr springt die US-amerikanische Weihnachtskomödie irgendwann aus dem Boden in die Lichtspielhäuser. Und wie in jedem Jahr trumpft auch „Alle Jahre wieder“ mit einem stattlichen Ensemble auf. Neben Diane Keaton („Das grenzt an Liebe“) und John Goodman („The Gambler“), die glaubhaft als fast vollständig zerstrittene Familienoberhäupter funktionieren, geben sich Schauspielgrößen wie Ed Helms („Vacation – Wir sind die Grieswolds“), Olivia Wilde („TRON: Legacy“), Jake Lacy („Carol“), Amanda Seyfried („Ted 2“), Marisa Tomei („Irrational Man“), Anthony Mackie („Die highligen drei Könige“) und Alan Arkin („Argo“) die Klinke in die Hand. Ein derart hohes Star-Aufkommen hat durchaus seinen Selbstzweck. Immerhin lässt sich ein in der Masse an Christmas-Comedys nur leidlich herausstechender Film mit einer solch hohen Promidichte wesentlich besser an den Mann bringen. Es ist also gar nicht mal so förderlich, dass Drehbuchautor Steven Rogers („P.S. Ich liebe dich“) sein Skript derart vollstopft, dass man erst auf der Zielgeraden so richtig gewillt ist, sich mit ausnahmslos allen Figuren und deren Problemen zu arrangieren. Trotzdem gelingt Regisseurin Nelson mithilfe ihrer pfiffigen Inszenierung das weitestgehend ruhige Erscheinungsbild ihres Films, der sich entgegen des überladenden Skripts nicht hetzt, dem Publikum darüber hinaus aber auch keine Möglichkeiten lässt, für einen Moment nach Luft zu schnappen.

Wie es bei den meisten episodenhaft erzählten Leinwandgeschichten ist, sind auch im Falle von „Alle Jahre wieder“ die einen Erzählstränge besser geglückt als die anderen. Einen Rohrkrepierer gibt es nicht, als Highlight erweist sich unterdessen das Kennenlernen zwischen der von Olivia Wilde herzlich und charmant verkörperten Single-Lady Eleanor und ihrer kurzerhand zum Boyfriend erklärter Flughafenbekanntschaft Joe. Die Wortgefechte dieses ganz unterschiedlichen Duos offenbaren die im Skript zur im Original simpel „Love the Coopers“ betitelten Weihnachtskomödie befindliche Spritzigkeit, die sich leider nicht auf alle Episoden übertragen lässt. So besitzen sie zwar alle ihre ganz eigenen Hochs und Tiefs, sind dabei jedoch nicht zwingend unabdingbar. Das Gespräch zwischen Marisa Tomei – die in „Alle Jahre wieder“ ein wenig unpassend als nur unwesentlich jüngere Schwester von Diane Keatin besetzt wurde – und dem sie festnehmenden Officer Williams offenbart im Kern durchaus interessante Aussagen, fügt sich jedoch nur bedingt in die ansonsten sehr hübsch miteinander verwobenen Handlungsstränge ein. Dafür weiß die Geschichte um die einmal mehr überaus hinreißende Amanda Seyfried und den in die Jahre gekommenen Alan Arkin auf eine Weise zu betören, die sich einer amourösen Klaviatur bedient, die man nur selten im Hollywood-Mainstream wiederfindet.

Alle Jahre Wieder - Weihnachten mit den Coopers

Wodurch „Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers“ jedoch am meisten besticht, sind solche Momente, in denen sich Regisseurin Nelson nicht den Regeln einer klassischen Komödie unterwirft. Natürlich besitzt ein die besinnlichen Seiten der Weihnachtszeit thematisierender Film immer genau jenes Fünkchen Schmalz, mit denen sich andere Produktionen des Genres automatisch der Lächerlichkeit preisgeben würden. Weihnachtsfilme besitzen auf dieser Ebene generell eine Art Freifahrtsschein – dünkt es dem Zuschauer doch gerade zum Ende des Jahres verstärkt nach beseelter Harmonie. Doch gerade in dieser Hinsicht macht es Nelson ihrem Publikum nicht so leicht, wie zunächst angenommen. Nicht für jeden hält sie das unvermeidliche Happy End bereit. Stattdessen konzentriert sie sich auf die bodenständige Botschaft, dass es nicht schaden könnte, sich für einen Moment darauf zu besinnen, was man hat und nicht danach zu streben, was man nie bekommen wird. Das ist nicht der ganz große innovative Wurf, bewegt sich jedoch weit genug vom klassischen „am Ende sind alle glücklich“-Finalgedanken weg, um sich mithilfe des viel realistischeren „am Ende erkennen alle an, dass es ihnen gar nicht mal so schlecht geht“-Denkens angenehm von der Masse an Weihnachtskomödien abzuheben. Das mag manch einem vermutlich immer noch ein Stück weit zu konventionell sein. Doch in den vergangenen Jahren hat man schon weitaus lieblosere Produktionen dieser raren Weihnachtsfilmgattung zu Gesicht bekommen. Von der niedlichen Schlusspointe einmal ganz abgesehen.

Fazit: Mit „Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers“ kommt das Publikum in den Genuss einer Weihnachtskomödie, die das Rad nicht neu erfindet, deren realistische Botschaft allerdings ebenso beeindruckt wie das Ensemble, das sich ganz in den Dienst des Filmes stellt. Das ist weniger, als man bekommen könnte und mehr, als man erwartet. Guter Durchschnitt.

„Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Cooper“ ist ab dem 3. Dezember in den deutschen Kinos zu sehen.

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