Max

„Bester Freund, Held, Retter“ – so prangt es auf dem deutschen Filmplakat des Jugendabenteuers MAX, einer Geschichte über ebenjenen Hund, der sein Herrchen im Krieg verloren hat. Die Presseabteilung gibt sich sichtlich Mühe, den Film als angenehm spannenden Kinderfilm der Marke „Fünf Freunde“ zu verkaufen. Doch der fertige Film erfüllt ebenjene Erwartungen nur leidlich. Mehr dazu in meiner Kritik.Max

Der Plot

Der speziell ausgebildete Militärhund Max dient mit seinem Betreuer, U.S. Marine Kyle Wincott (Robbie Amell), im afghanischen Krisengebiet. Als ein Manöver aus dem Ruder läuft, wird Kyle tödlich verwundet. Der traumatisierte Max hat seinen besten Freund verloren und kann deshalb nicht länger im Dienst bleiben. Max wird zurück in die USA gebracht, wo offenbar nur Kyles halbwüchsiger Bruder Justin (Josh Wiggins) bereit ist, sich um den Hund zu kümmern. Dass Max von Kyles Familie aufgenommen wird, rettet ihm das Leben. Doch auch Justin hat Probleme – vor allem gelingt es ihm kaum, den Erwartungen seines Vaters (Thomas Haden Church) gerecht zu werden. Letztlich will er die Verantwortung für den verstörten Hund seines Bruders nicht voll übernehmen. Es zeigt sich aber, dass Justin nur mit Max’ Hilfe herausfinden kann, was Kyle bei jenem Militäreinsatz wirklich zugestoßen ist. Und als die freche, tierliebende Teenagerin Carmen (Mia Xitlali) dazu kommt, merkt Justin allmählich, was ihm sein vierbeiniger Gefährte wirklich bedeutet. Das Vertrauen zwischen Justin und Max wächst, und dadurch gelingt es dem kampferfahrenen Hund schließlich, zu seiner alten unerschrockenen Form zurückzufinden. Bald beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um das Geheimnis zu lüften – dabei geraten die beiden in aufregendere und gefährlichere Situationen, als sie jemals ahnen konnten. Wider Erwarten entwickelt sich so zwischen den beiden eine Freundschaft fürs Leben.

Kritik

Regisseur Boaz Yakin mag es normalerweise lieber laut. Der Actionfilmspezialist inszenierte und schrieb bereits Filme wie „Safe – Todsicher“, „The Punisher“ oder „Prince of Persia“. Sein Drehbuchautor Sheldon Lettich war an solchen Werken wie „Rambo III“, „Bloodsport – Eine wahre Geschichte“ und „Leon“ beteiligt. Gemeinsam versuchen sich diese beiden Krawummfilmexperten nun an einem Kinder- und Jugendabenteuer. „Max“ erzählt von einem traumatisierten Militärhund, vielmehr aber noch über Freundschaft, Familie und zwischendrin auch von einem „Fünf Freunde“-tauglichen Abenteuer. Dass Yakin und Lettich dieses Vorhaben jedoch eigentlich gar nicht ins inszenatorische Beuteschema passt, können die beiden Filmemacher nicht lange verstecken. Ihr in den USA nur leidlich erfolgreiches Projekt versucht, jenen kindertauglichen Hundefilm mit handfester Action und grenzwertigem US-Patriotismus zu kombinieren. Das wäre nicht weiter schlimm, würden beide Elemente – Jugendadventure und Actionfinale – für sich allein stehend denn funktionieren. Doch wenn der Zuschauer für „Max“ ein Kinoticket löst, wird er nach der Vorstellung nur schwer resümieren können, was er in den vergangenen eineinhalb Stunden genau gesehen hat. Yakin gelingt die Vereinigung beider Schwerpunkte nur in Maßen. „Max“ ist entsprechend nur phasenweise interessant und im Detail unausgereift.

Max

Ob Flipper, Lassie oder Black Beauty: Steht ein Tier im Mittelpunkt, sind die menschlichen Figuren meist nicht mehr als Schablonen. In „Max“ ist dies nicht anders. Der hervorragend trainierte Filmhund stiehlt seinen zweibeinigen Kollegen mühelos die Show. Protagonist Justin ist der Stereotyp eines zur Identifikation einladenden Kinderhelden. Schauspieler Josh Wiggins („Hellion“) ist dabei überhaupt kein Vorwurf zu machen. Der Nachwuchsmime stellt sich ganz in den Dienst seiner Rolle, die auf dem Papier nicht mehr hergibt, als eine Handvoll Charakterzüge. Josh ist unsicher, verarbeitet den Verlust seines älteren Bruders nur schwer und besitzt das Herz eines Kämpfers. Betrachtet man „Max“ als Kinderabenteuer benötigt es nicht zugegebenermaßen gar nicht so viel mehr als dieses charakteristische Grundgerüst, doch Boaz Yakin gibt sich mit der Simplizität eines Jugendfilms nicht zufrieden. Zwischen den einprägsamen, wenngleich recht simpel inszenierten Momenten zwischen Justin und Max integriert der Regisseur immer wieder Momente der innerfamiliären Krise. Gerade das ambivalente Verhalten von Justins Vater Ray böte aus einem anderen Blickwinkel genügend Stoff, um als Nährboden eines Familiendramas zu dienen. Doch es bleibt bei Allgemeinplätzen, welche lediglich dazu dienen sollen, das stetig wankende Familienglück in Justins Familie hervorzuheben.

Eine glaubhafte emotionale Bindung innerhalb der Wincott-Familie liegt den Machern ebenso wenig am Herzen, wie das Schaffen eines geerdeten Umfelds. Sämtliche Nebenfiguren in „Max“ finden sich am Rande zur Karikatur wieder, was ebenfalls nicht schlimm wäre, sofern man es bei „Max“ tatsächlich mit einem reinen Kinderfilm zu tun hätten. Doch gerade im Hinblick auf den aufdringlich inszenierten US-Patriotismus wirkt das gezeichnete Bild der mexikanischen Nachbarsfamilie ebenso grenzwertig, wie die im Anschluss an den Film gezeigten Aufnahmen diverser im Krieg gefallener Hunde – mit Namen und Todestag. Boaz Yakin gab in einem Interview zu Protokoll, ebenjenen Hunden mit „Max“ einen Tribut zollen zu wollen. Jenes Vorhaben – wenngleich eine Nummer größer – verfolgte vor einigen Jahren bereits Steven Spielberg, als er mit „Gefährten“ die Geschichte eines Kriegspferdes erzählte. Dem auf dem Theaterstück „War Horse“ basierenden Film ließ sich ein gewisser Kitschfaktor nicht absprechen. Gleichzeitig sparte Spielberg die schmerzhaften Töne eines klassischen Kriegsdramas nicht aus und verzichtete darüber hinaus auf die Vermenschlichung seines tierischen Protagonisten. In „Max“ sieht all das ein wenig anders aus: Zwar deutet der Plot mit dem im Krieg gefallenen Kyle an, dass Boaz Yakin durchaus gewillt ist, die Frage aufzuwerfen, was junge Männer dazu bewegt, sein eigenes Leben für das Land, in dem man lebt, zu riskieren. Doch jedwede kritische Töne lässt er vermissen. Der traumatisierte Vierbeiner agiert viel zu berechenbar in seinem Verhalten, als dass sich ihm jenes Trauma tatsächlich abnehmen ließe. Und über allem schwebt stetig das Vorhaben von Seiten des Regisseurs, mit seinem Film ja eigentlich nur eine harmlose Abenteuergeschichte erzählen zu wollen. Zu einer runden Form finden all diese Ansätze nicht.

Max

Was hingegen voll und ganz überzeugt, ist die Ästhetik. Mit Ausnahme einer leidlich gelungenen Animation eines im reißenden Strom eines Flusses umkommenden Hundes lässt sich in „Max“ deutlich erkennen, wo Boaz Yakin üblicherweise seine Hände im Spiel hat. Sowohl in den Kriegsszenen zu Beginn, als auch im sich vom Tonfall her deutlich zum Rest des Films absetzenden, da sehr rauen Finales gelingen Yakins Kameramann Stefan Czapsky („Ed Wood“) energetische Actionsequenzen, die sich für die jüngeren Zuschauer als eine Spur zu aufregend erweisen könnten – die FSK-Freigabe ab 12 ist also durchaus gerechtfertigt, wenngleich dies die Vermarktung des Films nicht unbedingt leichter machen dürfte. Auch eine äußerst dynamische Abfahrt auf einem Mountainbike offenbart die Stärken, die „Max“ hat: Wann immer der Film sich vollkommen stur auf den Unterhaltungswert des Jugendclique und deren Interaktion untereinander verlässt, wirkt sich das immer auch auf die Handlung aus. „Max“ lädt in den Hochphasen durchaus zum Staunen und Mitfiebern ein. Doch wann immer Yakin und sein Autor dem Skript eine gewisse Form der Mehrdimensionalität abzugewinnen versuchen, geht dieses Vorhaben gewaltig schief.

Fazit: Als Kinderbespaßung für kleine Adrenalinjunkies ist das technisch sehenswerte Familiendrama „Max“ gut geeignet. Vielmehr Qualitäten lassen sich dem im Detail fehlgeleiteten und charakterlich lieblosen Film allerdings nicht abgewinnen.

„Max“ ist ab dem 1. Oktober in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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