Meine Lieblinge: Horror (5)

Pünktlich zu Halloween bringe ich nun endlich die fünfteilige Reihe meiner ganz persönlichen Horror-Lieblinge zu Ende. Welchem Genre ich mich als nächstes annehme, muss ich mir noch überlegen. Der Gruselfilm an sich hat mit dieser kleinen Hitparade jedoch erstmal genügend Aufmerksamkeit erhalten. Viel Spaß damit und Happy Halloween!

 

3 / SHINING

USA/UK 1980 | Regie: Stanley Kubrick | Darsteller:  Jack Nicholson, Shelley Duvall, Scatman Crothers, Tony Burton, Joe Turkel, Anne Jackson, Barry Dennen | Trailer

Stanley Kubricks Hotel-Abtraum „Shining“ ist nur eine von mehreren Verfilmungen des Schauer-Romans von Stephen King. Nicht wenige Filmmagazine und -Websites wählten diesen Film bereits zum „gruseligsten aller Zeiten“ und die legendäre „Here’s Johnny!“-Szene ging nicht nur ins Guinnessbuch der Rekorde, sondern auch die Annalen der Kinogeschichte ein. Heute gehört „Shining“ zu den meistzitierten Horrorfilmen in der Populärkultur.

Ein Wunder ist dies nicht, denn die visionäre Filmversion des Horrorliteraturklassikers ist penibel inszeniert und in ihrem Streben nach Perfektion einzigartig. Der als Perfektionist beschriebene Kubrick, der unter anderem auch „Uhrwerk Orange“ und „2001: Odyssee im Weltraum“ inszenierte, überließ während der Dreharbeiten keine noch so unbedeutend scheinende Kleinigkeit dem Zufall und erschuf damit ein Monster von Film. Ob es die peinlich genau auf die jeweilige Szenerie zugeschnittene Klangkulisse ist, die minutiöse Schnittarbeit, schwindelerregende Kamerafahrten oder die nahezu brillante Besetzung: Jedes Element in „Shining“ hat seine Bestimmung, der lange durchdachte, durchorganisierte Planungen vorausgehen. Dies öffnete sogar Verschwörungstheoretikern Tür und Tor: 2013 erschien mit „Room 237“ eine Dokumentation über die Geheimnisse dieses Suspense-Klassikers.

Durch diese punktgenaue Inszenierung entfaltet sich nach und nach ein Sog aus Grusel und Unbehagen, der nicht nur allein auf der kongenialen Darstellung der Hauptfigur Jack Torrance durch Jack Nicholson (er war nie besser!) basiert. Der Cast, teilweise bestehend aus heute in Vergessenheit geratenen Newcomern, ist auf den Punkt und fast scheint es, als hätte Kubrick seinen Film um die Schauspieler herum gesponnen. Selten war die Darstellung einer Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs authentischer als in „Shining“. So ist der Roman nicht weniger als eine Sinfonie des Grauens, die sich nahezu aller menschlicher Urängste bedient und diese in Form eines fesselnden, schaurigen und schlichtweg großartigen Horrorfilms aufbereitet.

Dieser Film könnte dir gefallen wenn du ZIMMER 1408  oder MISERY mochtest.

 

2 / ZIMMER 1408

USA 2007 | Regie: Mikael Håfström | Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Tony Shalhoub, Alexandra Silber, Walter Lewis, Emily Harvey, Drew Powell | Trailer

Ein weiterer Hotel-Horrorfilm findet sich auf dem Silbertreppchen meiner Grusel-Hitparade und um es den kritischen Cineasten unter meinen Lesern gleich vorweg zu nehmen: Objektiv betrachtet ist der Vertreter von 2007 der schwächere von den beiden Stephen-King-Geschichten, die sich mit unheimlichen Mächten in Bettenburgen befassen. Dennoch ist mir „Zimmer 1408“ mit seinem tollen Hauptcharakter, gespielt von John Cusack (und klasse synchronisiert von Andreas Fröhlich) einen kleinen Tick sympathischer und aufgrund seiner leichtfüßigen Inszenierung um einiges zugänglicher als sein großer Bruder aus den Achtzigern.

Es beginnt fast wie ein Anti-Horrorfilm. Hauptfigur Mike Enslin hat nach dem Tod seiner kleinen Tochter den Glauben an ein Leben nach dem Tod verloren und versucht in zynischen Büchern, seinem Unmut über diese Erkenntnis Ausdruck zu verleihen. An Geister und Dämonen glaubt er schon lange nicht mehr. Bis ihn eines Tages eine Nachricht ereilt, ein bestimmtes Zimmer in einem bestimmten Hotel nicht zu betreten. Doch natürlich tut Mike genau das und wird schnell Zeuge, wie das Zimmer ihn nach und nach vereinnahmt…

Kurz, knackig, gruselig. Stilsicher inszeniert Mikael Håfström einen eleganten, kleinen Horrorthriller, der die Bezeichnung „Gruselfilm“ noch verdient und ganz im Stile der King’schen Kurzgeschichte Realität und Wahn vermischt. Dabei greift der skandinavische Regisseur zwar durchaus auf altbewährte Mittel zurück, präsentiert sie dem Publikum jedoch so gekonnt und die Story schlüssig, dass die Bodenständigkeit des gruseligen Stoffes umso mehr fasziniert. Durch die winzige Kulisse des Hotelzimmers wird „Zimmer 1408“ alsbald zu einem Kammerspiel, das ganz allein durch das hervorragende Agieren von John Cusack funktioniert. Mit kleinen, für heutige Verhältnisse aber eher unauffälligen Wendungen gespickt, liefert die Verfilmung der Kurz-Story von Stephen King eineinhalb Stunden packende Horrorunterhaltung, die dem ähnlich gelagerten „Shining“ in nichts nachsteht. Eine nähere Betrachtung findet Ihr zudem hier: *klick*

Dieser Film könnte dir gefallen, wenn du SHINING oder DER NEBEL mochtest.

 

1 / RING

USA/JP 2002 | Regie: Gore Verbinski | Darsteller: Naomi Watts, Martin Henderson, Brian Cox, David Dorfman, Jane Alexander, Lindsay Frost, Amber Tamblyn |Trailer

Meine kleine Horror-Hitparade abzuschließen, fällt mir nicht schwer. Kein Film, welcher der horrenden Filmsparte angehört, wird von mir mehr verehrt als Gore Verbinskis poetische Genreverschmelzung „Ring“. Die US-Version eines ursprünglich aus Japan stammenden Films („Ringu“ von Hideo Nakata) vereint knallharte und zutiefst angsteinflößende Elemente das klassischen J-Horrorfilms mit einer Crime-Thriller-Story und einem Hauch von Familiendrama. Gekleidet in hypnotisch-elegante Bilder vom schon öfter mit Verbinski zusammenarbeitenden Kameramann Bojan Bazelli („Lone Ranger“) und ausgefüllt von einer Top-Besetzung ist „Ring“ für mich der Inbegriff eines tiefsinnigen, kreativen und einfallsreichen Horrorfilms, der neue Maßstäbe setzt und sich nicht auf Klischees und abgegriffene Stereotypen verlässt.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Hauptfigur Rachel, eine junge, aufstrebende Journalistin, kommt nach dem Tod ihrer Nichte in den Besitz eines Videobandes, das sieben Tage nach dem Anschauen den Tod bringen soll. Nicht nur einer guten Story zuliebe sondern auch, weil ihr Sohn Aiden es mittlerweile angesehen hat, macht sich Rachel auf die Suche nach der Herkunft und versucht zu ergründen, welche bösen Mächte das Video in Umlauf brachten. Doch die Zeit drängt. Schließlich hat Rachel den mit albtraumhaften Sequenzen gespickten Videoclip mittlerweile selbst gesehen und daher nur noch sieben Tage zu leben.

Die eigentliche Hauptfigur des Films, der böse Geist des Mädchens Samara (siehe Foto), ist mittlerweile fast schon zu einer Ikone des Horrorfilms aufgestiegen. Ihr tragisches Schicksal, das Naomi Watts‘ Figur sich anschickt, zu ergründen, gehört im modernen Gruselfilm zu einem der intensivsten und bildet einen Background, der nicht jedem Film-Bösewicht im heutigen Zeitalter vergönnt ist. Während die Vermischung mehrerer Genres in „Ring“ von einigen Cineasten kritisch beäugt wird und der Film dementsprechend nicht als alleiniger Horrorfilm anzusehen ist, genieße ich die hervorragend in die Schockszenerien eingegliederten Krimi-Elemente und lasse mich jedes Mal aufs Neue in den Bahn dieser übernatürlichen Ermittlungen ziehen. Naomi Watts spielt ihre Rachel ebenso zerbrechlich wie tough. Dabei gelingt es ihr, beide Seiten gleichermaßen glaubwürdig zu verkörpern und bildet somit die perfekte Hauptfigur für eine Geschichte, in der Brutalität und Tragik so dicht beieinander liegen.

Vor allem das berühmt berüchtigte Video, das so in der Form nicht nur im Internet zu finden, sondern auch als verstecktes Easter-Egg auf einigen DVD-Editionen enthalten ist, bildet ein bedeutendes Element in „Ring“ und lässt am überdeutlichsten die Handschrift des Visionärs und Filmemachers Gore Verbinski erkennen. Symbolträchtige Bilder, albtraumhaft eingefangen und auf diese Weise extrem verstörend bildet es künstlerisch das absolute Highlight des Films. Doch auch „der Rest“ – sprich, die Handlung – ist in fiebrig-elegante Bilder gekleidet. So gehört „Ring“ zu den bestaussehendsten Horrorfilmen aller Zeiten, von dem eine ab der ersten Minute um sich greifende Faszination ausgeht. Mit technischen Kniffen gerät vor allem die Darstellung von Samara enorm intensiv, wenn es der ausführenden Front hinter den Kulissen gelingt, Samara in der wohl bekanntesten aller Szenen aus dem Fernseher steigen zu lassen.

„Ring“ ist anders. „Ring“ bietet Horrorunterhaltung mit Köpfchen, ohne sich dabei intelligenter zu verkaufen, als er ist. Dennoch ist die Inszenierung voller Details (wie etwa Ring-Einblendungen für den Bruchteil einer Sekunde), die sich erst im Laufe der Zeit und nach mehrmaligem Sehen vollends erschließen. So sind die eigentliche Herkunft des Bandes sowie detaillierte Hintergründe immer noch Bestandteil vieler Diskussionen im Internet, wodurch „Ring“ das erreicht hat, was ich meinem Lieblings-Horrorfilm gönne: Er ist – trotz seines Filmdaseins – Teil von Diskussionen im wahren Leben. Mehr kann man sich für ein fiktives Zelluloid-Projekt wohl kaum wünschen.

Dieser Film könnte dir gefallen, wenn du DARK WATER oder DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN mochtest.
 
 
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