Lux – Krieger des Lichts

In einer Kinowelt, die von Superhelden dominiert wird, entdecken manche den Willen in sich, ähnlich Heldenhaftes zu bewirken. Regisseur Daniel Wild macht aus dieser Idee einen Spielfilm, doch sein LUX – KRIEGER DES LICHTS ist zu unentschlossen, um wirklich zu begeistern. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Der schüchterne Endzwanziger Torsten Kachel (Franz Rogowski) lebt mit seiner Mutter (Eva Weißenborn) im Osten Berlins. In der Gestalt von „Lux – Krieger des Lichts“ versucht er, die Welt ein bisschen besser zu machen. Er verteilt regelmäßig Lebensmittel an Obdachlose und hilft auf seinen Streifzügen durch die Stadt, wo er kann. Ein Filmteam begleitet ihn dabei, um über das soziale Engagement des selbsternannten Real Life Superheros zu berichten. Weil sich das jedoch als recht unspektakulär entpuppt, findet Jan, der Regisseur (Tilman Strauss), keinen Geldgeber für sein Projekt. Schließlich bekundet der gierige Produzent Brandt (Heiko Pinkowski) Interesse, allerdings unter der Voraussetzung, dass Jan ihm sensationelleres Material liefert; denn wo Superheld drauf steht, muss auch Superheld drin sein…

Kritik

Das moderne Blockbusterkino steht und fällt mit dem Erfolg großer Superheldenfranchises. Die Heroen der DC- und Marvel-Comicschmieden sorgen allerdings nicht bloß für volle Kassen der einschlägigen Studios, sondern inspirieren darüber hinaus Menschen dazu, ähnlich Heldenhaftes zu vollbringen. In den USA hat sich der Trend zum Real Life Superhero bereits durchgesetzt. Hier gibt es einige Zeitgenossen, die Nacht für Nacht im Superheldenkostüm ihres selbst gewählten Alter Egos durch die Gegend spazieren und Menschen bei kleineren und größeren Problemen zu helfen. In erster Linie fallen darunter ehrenwerte Dinge wie das Helfen älterer Leute bei Alltagsschwierigkeiten, das Reinigen von Parks und öffentlichen Plätzen oder das Versorgen Obdachloser mit Nahrung und Hygieneartikeln. Das ist in Übersee bereits verbreitet, gehört hierzulande allerdings noch zu einer weitgehend unbekannten Subkultur, oder lassen sich unter dem Dach größerer Verbände wie Gute Tat oder Straßenblues kaum direkt mit Real Life Superheroes in Verbindung bringen. Regisseur Daniel Wild (Kurzfilm „Blue“) war von diesem Thema so fasziniert, dass er es zum Dreh- und Angelpunkt seines ersten abendfüllenden Projekts machte. Darin porträtiert er einen Außenseiter, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt ein bisschen besser zu machen – und dafür eben Kostüm und Maske trägt und sich Lux nennt. Die Beweggründe und innere Zerrissenheit seines Protagonisten fängt der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Wild – nicht zuletzt dank seines fantastischen Hauptdarstellers – nachvollziehbar ein. Doch der Versuch, in seiner Tragikomödie auch noch eine Mediensatire unterzubringen, geht schief.

Franz Rogowski möchte als Superheld Lux einfach nur bedürftigen Menschen helfen.

2017 war auch so ein bisschen das Jahr des Franz Rogowski. Nach seiner preisgekrönten Performance in Michael Hanekes vergleichsweise schwachem Drama „Happy End“ und seiner vollkommen gegensätzlichen, durch und durch provokanten Performance im nicht minder provokanten „Fikkefuchs“ ist seine Rolle in „Lux“ nun erneut ganz anders ausgelegt. Als herzensguter Real Life Hero, der dafür brennt, seiner Umwelt in jeder erdenklichen Situation zu helfen, funktioniert der hier stark in sich gekehrt und in wenig naiv aufspielende Rogowski hervorragend. So erweist sich der daraus entstehende Konflikt mit den reißerisch denkenden Produzenten auch direkt als nachvollziehbar: Wer Torsten – egal ob mit oder ohne Kostüm – vor der Kamera erlebt, der käme nie auf die Idee, ihn zum Mittelpunkt einer spektakulären Serie zu machen. Torsten agiert schüchtern und vollkommen unbedarft vor der Kamera, Rogowski kehrt dabei eine Sache immer wieder hervor: Es geht ihm zwar darum, Alten und Schwachen zu helfen, ein Fernsehstar steckt aber ganz sicher nicht in ihm. Es sei denn, dem Kamerateam reichen die weitestgehend unspektakulären Aufnahmen von seiner „alltäglichen Arbeit“. Die Diskussionen zwischen Torsten und dem sensationsgeilen Brandt (Heiko Pinkowski als durch und durch schmieriger Produzent) und dem Regieduo als Vermittler sorgt in der ersten Hälfte für spannungsgeladene Reibung, doch ab der Hälfte von „Lux“ entsteht aus dieser Reibung keine neue Erkenntnis mehr.

Während zu Beginn des Films noch ein Großteil der Faszination für den Titelhelden daher rührt, dass die Person hinter der Maske so ganz anders ist, als es einem gängige Superherostories in der Regel auftischen, rückt Torsten als Person nach und nach in den Hintergrund. Es ist zwar durchaus nachzuvollziehen, dass der das Projekt auf seine Art antreibende Brandt sukzessive die nach außen hin wahrnehmbare Kontrolle über seinen Protagonisten übernimmt, doch Daniel Wild hat für seine Hauptfigur plötzlich nur noch dem Genre entsprechende Klischeemomente in petto. Von der Bildmontage, die seine ansteigende Popularität zusammenfasst über den Verrat an einem Freund im Sinne der Produktionsfirma bis hin zu einem schweren Schicksalsschlag, durchläuft Lux plötzlich all das, was man eben doch aus dem gängigen Superheldenfilm kennt. Garniert wird das Ganze von einer ordentlichen Portion karikierender Satire auf die Mechanismen des Medien- und insbesondere Fernsehzirkus, doch auch hier vermisst man die in „Lux – Krieger des Lichts“ zu Beginn vorherrschende Originalität. Und damit ist noch nicht einmal der naheliegende Einbezug einer bekannten YouTube-Größe gemeint.

Auf seinen Streifzügen als Lux lernt Torsten die Geheimnisvolle Kitty (Kristin Suckow) kennen.

Daniel Wild hat sichtbar diverse Ideen, mit denen er seine Hauptfigur durch die Medienhölle schicken möchte; das trifft auch auf die sie dabei beobachtende Kameraarbeit zu. Doch mit dem Wechsel aus verwackelten Handkamerabildern und einer herkömmlichen Arbeit tut sich der Regisseur keinen Gefallen: „Lux“ wirkt wie eine nicht konsequent zu Ende gedachte Mockumentary, in der plötzlich Einstellungen möglich sind, die im Anbetracht der wenigen Kameraleute gar nicht existieren dürften. Auch die Willkür, mit der von dem einen Stil zum anderen gesprungen wird, ist nicht gerade förderlich, um ebenjene Authentizität zu wahren, die die Bindung zwischen Torsten und Publikum verstärken könnte. Inhaltlich erweckt „Lux“ ebenso mitunter lediglich einen gut gemeinten aber nicht wirklich guten Eindruck: Je tiefer Torsten in den Strudel seiner eigenen Produktion gerät, desto schwerer ist es für ihn, wieder herauszukommen – gerade weil ihm Brandt in den entscheidenden Momenten immer wieder verlockende Angebote macht. Doch für eine Satire sind die einzelnen Szenerien nicht bloß zu konstruiert, sondern verlieren auch ihren entlarvenden Reiz, da sie sich kaum auf das Medienbusiness an sich transportieren lassen. Dass die Fernsehbranche spektakuläres Entertainment will und der Realität dafür zur Not auch auf die Sprünge hilft, bedarf heutzutage keiner gezielten Betonung mehr. Trotzdem findet Daniel Wild einen starken Schlusspunkt, der seinen Helden passend in ein offenes Ende entlässt.

Kritik: „Lux – Krieger des Lichts“ wäre gern Superheldenpersiflage, -Verbeugung und Mediensatire in einem, ist letztlich aber nichts von alledem. Franz Rogowski spielt erwartungsgemäß stark auf, doch während der 100 Minuten wird man den Eindruck nicht los, der Regisseur wusste mit seinen vielen Ideen selbst nicht so genau etwas anzufangen. Das Ergebnis ist trotz einiger Lichtblicke enttäuschend.

„Lux – Krieger des Lichts“ ist ab dem 4. Januar in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Moin!

    Ich muss zugeben, das ich den Kritikpunkten durchaus zustimme. Ja, die vielen Wechsel der Persektive + der fehlende Fokus auf ein Thema („Superhelden“-Geschichte, die etwas zu dick aufgetragende „Medienkritik“ im letzen Drittel, die ein wenig an „Truman-Show“ erinnert): Das alles zusammen hat keine schlüssige Geschichte ergeben.

    Aber die Rolle des gutmütigen „Lux“, der eigentlich doch nur helfen will, und die Art und Weise, wie Franz Rogowski ihn gespielt hat, haben mich wirklich gepackt.

    Mein Fazit: Ich hatte eine Superheldenpersiflage erwartet – und bin dann von dem überrascht worden, was da tatsächlich auf der Leinwand zu sehen war. Aber entäuscht? Nein, das war ich nun wirklich nicht… 😉

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