Wonder Woman

Mit WONDER WOMAN macht sich die erste weibliche Superheldin des aktuellen Comic-Blockbuster-Booms auf, ihren Widersachern ordentlich in den Hintern zu treten. Gemeinsam mit Regisseurin Patty Jenkins hat Hauptdarstellerin Gal Gadot bereits einen Großteil der Zuschauer und Journalisten in Verzückung versetzt. Ob das zurecht geschieht, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana (Gal Gadot) zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von dem notgelandeten amerikanischen Piloten Steve (Chris Pine) erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Daraufhin verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial… und ihre wahre Bestimmung.

Kritik

Im Rahmen unserer Kritik zur französischen Komödie „Mein neues bestes Stück“ schrieben wir erst vor Kurzem über die mal mehr, mal weniger geglückte Emanzipation im internationalen Unterhaltungsfilm, da erscheint nun mit „Wonder Woman“ der Blockbuster in den Kinos, auf den – so scheint es – nicht nur Liebhaber starker Frauenfiguren, sondern auch Fans gelungener Comic-Adaptionen so sehnlichst gewartet haben. Schaut man auf die jüngere Historie des DC-Universums zurück, hat der direkte Konkurrent der mit einem deutlich wohlwollenderen Kritiker- und Zuschauerfeedback gesegneten Marvel-Studios ein qualitatives Highlight ohnehin bitter nötig. Seit dem zwiespältig aufgenommenen „Man of Steel“ schrumpfte die Fanbase des Comicriesen dank „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ auf den harten Kern zusammen, der sich die Durststrecke hin zum nächsten gelungenen DC-Film auch gern mit obskuren Verschwörungstheorien versüßt. Wie etwa, dass Filmjournalisten ohnehin alle von Marvel geschmiert sind und daher aus Geldgier die von ihnen eigentlich geliebten DC-Filme verreißen. Nach jüngsten Pressescreenings in den USA, phänomenalen Kritikerstimmen (von einem anfänglichen Rotten-Tomatoes-Wert von 97 Prozent für „Wonder Woman“ ist der Film bislang nur auf einen immer noch übermäßig starken Prozentsatz von 93 abgestürzt) und gemischt-geschlechtlichem Jubel von Seiten der Kinogänger schien es tatsächlich so, als hätte das Duo aus Gal Gadot („Die Jones – Spione von nebenan“) und Regisseurin Patty Jenkins („Monster“) mit seinem Film den längst überfälligen Befreiungsschlag für das gebeutelte DC-Universum geschaffen. Doch mit der Ausnahme, dass wir es hier endlich mal mit einer weiblichen Heldin zu tun haben, machen die Inszenatoren auch in „Wonder Woman“ genauso viel falsch, wie ihre männlichen Kollegen zuvor – denn ob ein Film gut oder schlecht ist, hat eben einfach überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Wonder Woman (Gal Gadot) und Steve (Chris Pine)

Es ist zweifellos tragisch, was für ein Wirbel schon im Vorfeld um „Wonder Woman“ gemacht wurde, bloß weil hier zum ersten Mal im Rahmen des aktuell das Kinogeschehen bestimmenden Comicfilm-Hypes eine Frau als Heldin den Ton angibt. Eigentlich sollte diese Tatsache nicht für ein solches Aufsehen sorgen, doch wie man es zuletzt schon bei der weiblich besetzten Neuauflage des „Ghostbusters“-Films gesehen hat, sind Männer in prägenden Heroen-Rollen derart überdominant, dass es direkt für einen Aufschrei sorgt, sobald diese augenscheinlich naturgegebene Ordnung einmal durcheinander gebracht wird. Insofern ist ein Projekt wie „Wonder Woman“ zwar bitter nötig, um ein Gefühl für weibliche Selbstverständlichkeit im Blockbusterkino zu schaffen, doch die Art und Weise, wie die ständige Fokussierung des geschlechtlichen Unterschieds hier vonstatten geht, stellt sich dem anvisierten Ziel der gelebten Gleichberechtigung vollständig in den Weg. Und so zynisch es auch klingen mag, so ist es fast ein Segen, dass eine andere Tatsache die hier geleisteten Fehlschläge auf einer Meta-Ebene wieder aufwiegen kann: die Erkenntnis, dass ein guter Film nicht davon abhängig ist, ob die Leute vor und hinter der Kamera männlich oder weiblich sind. Denn auch Frauen sind nicht davor gefeit, in dieselben Fettnäpfchen zu treten, wie ihre männlichen Kollegen. Auch „Wonder Woman“ zelebriert Klischees am laufenden Band, geht an seiner für das Setting viel zu ernsten Inszenierung fast zugrunde und greift lieber auf schlechte CGI-Effekte und mies integrierten Greenscreen zurück, anstatt sich auf echtes Handwerk und Originalschauplätze zu konzentrieren. All das der Tatsache unterzuordnen, dass die physisch auf den Punkt trainierte Gal Gadot hier einen absolut soliden, wenn auch nicht annähernd so souverän-selbstverständlichen Job macht wie ihr Kollege Chris Pine („Hell or High Water“), wäre da das absolute Gegenteil von Feminismus – nur anhand des Geschlechts der Hauptfigur auf die Filmqualitäten zu schließen, funktioniert sonst schließlich auch nicht.

Schon im Prolog fühlt man sich direkt an die teilweise miserable Optik des Monster-Spektakels „Kong: Skull Island“ erinnert, wenn eine Handvoll Amazonen in spektakulärer Zeitlupe aufsehenerregende Nahkämpfe ausübt, während man von Weitem erkennt, dass all das hier nicht vor Ort, sondern in irgendeinem Studio aufgenommen wurde. Das rückt die obskure Grundlage der Geschichte fast in den Hintergrund, denn auch, wenn die Story der in einem Inselparadies frei von Männern aufwachsenden Frauen irgendwo in der griechischen Mythologie verankert sein mag, so ist es schon verrückt, dass die Idee der von Grund auf bösen Männer und der genau gegensätzlich gezeichneten Frauen hier für emanzipatorisch wertvoll erachtet wird, wo diese Prämisse die Kluft zwischen den Geschlechtern doch eigentlich nur noch mehr aufreißt. Natürlich ist an der Selbstverständlichkeit, ausschließlich Männer sollten im (Super-)Heldenfilm die ausführende Heroen-Rolle innehaben, genauso viel falsch. Doch Emanzipation bedeutet nicht, die Frauen über die Männer zu stellen, sondern den Gutwillen durchzusetzen, Mann und Frau gleichbedeutend auf einer Ebene zu betrachten. So aber ergötzen sich Patty Jenkins und ihr Drehbuchautor Allan Heinberg („Grey’s Anatomy“) lieber permanent an der Betonung des geschlechtlichen Unterschieds und bremsen das Geschehen damit selbst dann aus, wenn die Umstände das überhaupt nicht mehr hergeben. Denn eigentlich ist „Wonder Woman“ fest im DC-Superheldenkosmos verankert und funktioniert damit dramaturgisch genau so, wie sämtliche andere Geschichten aus dem Comicuniversum (übrigens mitsamt alberner Diana-schreibt-eine-Mail-an-Bruce-Wayne-Klammer, die für die eigentliche Handlung überhaupt keine Rolle spielt).

Wonder Woman ist ihrem anvisierten Opfer General Ludendorff (Danny Huston) ganz nah…

Mit dem Auftauchen des aus dem Kriegsgebiet geflohenen Spions Steve Trevor – gespielt von einem angemessen ironisch auftretenden Chris Pine, der agiert, als befände er sich gerade in einem ganz anderen Film – beginnt der eigentliche Konflikt, wenn sich die furchtlose Diana ihm anschließt, um mit ihren Superkräften gegen den Feind vorzugehen. Tatsächlich beginnt „Wonder Woman“ im zweiten Akt, richtig Spaß zu machen. Die vollkommen ohne Männer, jenseits der herkömmlichen Zivilisation aufgewachsene Diana entdeckt das London des 20. Jahrhunderts mit kindlicher Naivität und macht treffende, immer noch erschreckend aktuelle Beobachtungen; etwa wenn sie nur ihres Geschlechts wegen aus dem britischen Parlament komplimentiert wird und kurz darauf die aktuelle Lage des Landes treffender analysiert, als die vermeintlich gebildeteren (und vor allem männlichen) Politiker. Auch ein spektakulär choreographierter Nahkampf in einem Londoner Hinterhof beweist, dass „Wonder Woman“ visuell viel bieten könnte, sofern sich Patty Jenkins und ihre Gefolgschaft nicht permanent auf Effektorgien aus dem Computer verlassen. So gerät der Mittelteil gleichsam unterhaltsam wie fesselnd, denn durch die fehlgeleitete Idee von Diana, dass es sich bei dem feindlichen Anführer General Ludendorff (Danny Huston) um den Kriegsgott Ares handelt, mit dessen Ableben sämtliches Kriegsgeschehen auf der Erde ad hoc ein Ende nehmen würde, besitzt „Wonder Woman“ auch direkt eine emotionale Fallhöhe (denn was passiert, sollte sich zeigen, dass Diana einem Irrglauben aufgesessen ist?). Doch es bleibt bei Potenzial, aus dem Regie und Autor nichts herausholen können.

Einen Großteil dazu trägt vor allem die Zeichnung der Hauptfigur bei. Tough, selbstbewusst und angstfrei auf der einen Seite (auch wenn es schon arg plakativ und klischeehaft inszeniert ist, wie Wonder Woman in Super-Slow-Motion durch das sogenannte No Man‘s Land schreitet, um als Ablenkung die Kugeln der Gegenseite abzufangen), bleibt die kaum näher charakterisierte Diana bis zuletzt eine naive, sich nicht auf ihr neues Umfeld einlassende Amazone, bei der ihre beständig bestehen bleibende Unwissenheit mit fortschreitender Spieldauer immer mehr anstrengt. Wichtige Zusammenhänge erkennt Diana nie alleine. Stattdessen muss Steve ihr selbst dann einmal mehr die Welt erklären, wenn die Lösung für ein wichtiges Problem direkt vor ihr liegt. Auf das Wesentliche herunter gebrochen bedeutet das entsprechend, dass diese Wonder Woman zwar eine gute Kämpferin ist, sie das Denken allerdings Anderen überlassen sollte – knüpft man hier nun wieder an den Feminismusgedanken vom Beginn an, stellen sich die Macher also spätestens dann ein Bein, wenn sie ihre Hauptfigur auf das Dasein als (zugegebenermaßen äußerst fähige) Kriegerin reduzieren. Wer nun allerdings hofft, „Wonder Woman“ könne dann wenigstens auf optischer Ebene überzeugen, den belehrt spätestens das Finale eines Besseren; hier machen sich nicht bloß die Einflüsse von Zack Snyder bemerkbar, der am Drehbuch zum Film mitschrieb. Er bleibt sich auch so klar in seinem Effektgewitter-Bombast treu, dass die letzte halbe Stunde ebenso gut in „Batman v Superman“ stattfinden könnte – als Zuschauer würde man es vermutlich nicht merken.

Eine Superheldin an der Kriegsfront – für eine solch absurde Idee nimmt sich „Wonder Woman“ viel zu ernst!

Fazit: Das war (schon wieder) nix! Auch „Wonder Woman“ kann nicht dafür sorgen, dass sich das DC-Universum aus seinem qualitativen Tief befreit. Mit Ausnahme einiger nett inszenierter Nahkampfszenen, ordentlichen Darstellern und ein wenig Humor im Mittelteil ist auch dieser Blockbuster ein mit wenig ansprechendem CGI vollgestopftes, weitestgehend seelenloses und sich viel zu ernst nehmendes Fantasyaction-Spektakel, das seinen feministischen Gedanken vollkommen verfehlt

„Wonder Woman“ ist ab dem 15. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

10 Kommentare

  • Gute Rezension 🙂
    Toll, dass du deine eigene Meinung behältst. Nach einem anderen Kritiker im Netz haben Anfang und Ende den Film ruiniert. Und er war ebenfalls nicht angetan von Patty Jenkins oder den CGI Effekten. Aber nein – das sind doch nur alles Kleinigkeiten.
    Marvel muss dahinter stecken 😉 Spaß beiseite.

    Liebe Grüße, J.

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    • Danke Dir (und ich freue mich sehr, mit Dir offenbar einen neuen Stammleser gefunden zu haben! 🙂 ). Ich war nach dem überschwänglichen Kritikerlob aus den USA und auch hier aus Deutschland schon sehr irritiert, da der Film sich nicht sonderlich von der Qualität bisheriger DC-Filme abgrenzt, weshalb ich leider die Befürchtung hege, dass viele Leute das Gutschreiben „weiblich konzentrierter“ Filme (Du weißt, was ich meine) als notwendig erachten, um zu betonen, dass sie für Gleichberechtigung sind. Und das ist natürlich der völlig falsche Ansatz und das war mir, neben der Bewertung des Films, auch sehr wichtig, zu betonen.

      Liebe Grüße
      Antje

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  • Pingback: KRITIK: WONDER WOMAN

  • Generell finde ich es lobenswert, wenn sich Kritiker nicht voreingenommen anhand der breiten Masse fehlleiten lassen und standhaft ihre eigene Meinung vertreten/darlegen. Leider glänzt diese Diskussionsgrundlage in erster Linie durch Maskulinismus, falls es das Wort überhaupt gibt, und dem krampfhaften Versuch es besser zu wissen.

    Die Fehler in der Kritik sind vielfältig. Eine Idee „der von Grund auf bösen Männer“ gibt es nicht. Die Grundprämisse der Amazoneninsel suggeriert lediglich ein Leben ohne männliches Geschlecht, ist aber in seiner Thematik wertungsfrei dargelegt. In der gesamten Rezension wird immer und immer wieder die Thematik des Feminismus aufgegriffen, die in seiner Gesamtheit viel nerv tötender erscheint, als das Thema selbst. Der Film bietet dazu auch keine Grundlage – die charakterlichen Grundzüge von Steve Trevor (sein Name ist nicht Steve Taylor!) sind ebenso positiv, wie die Zeichnung der weiblichen (!) Dr.Poison/Maru negativ und böse sind.

    Katastrophaler erscheinen dann nur noch Argumente wie „bis zuletzt eine naive, sich nicht auf ihr neues Umfeld einlassende Amazone, bei der ihre beständig bestehen bleibende Unwissenheit mit fortschreitender Spieldauer immer mehr anstrengt“.

    Nein, nein und nochmals nein. Wer sein Leben lang abgeschottet von der eigentlichen Welt aufwächst, darf niemals simpel als naiv abgestempelt werden, wenn er sein Weltbild nicht in Bruchteilen von Tagen auf den Kopf stellen lässt. „Anstrengend“ wirkt es im gesamten Film nie – diese Naivität erscheint fast schon erstrebenswert.

    Wichtig für mich: die Schauspielleistungen von Chris Pine und Gal Galdot. Speziell letztere war bereits in BvS eine der wenigen Lichtblicke, bekommt trotz starker Performance aber stellenweise von Pine die Show gestohlen. Als Sternstunde (Filmstarts) möchte ich die Leistung zwar nicht bezeichnen – sie ist aber merklich eindrucksvoller als bsw. in Star Trek.

    Bevor ich nur kritisiere: in einigen Punkten stimme ich mit der Autorin absolut überein. Der Mittelpunkt des Films ist zweifelsfrei am stärksten und die letzten 20-25 Minuten, samt Zack-Snyder-CGI-Gewitter, empfand ich ebenso störend.

    In der Summe habe ich jedoch einen Film erlebt, welcher qualitativ deutlich hochwertiger als BvS, Suice Squad und Co. erscheint und in meinen Augen einer der absolut besten DC-Filme seit „the Dark Knight“ ist.

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    • Lieber Christian,

      danke Dir für Deine konstruktive Kritik (allein die Tatsache, dass Jemand Kritik äußerst, ohne dabei in unsachliches Gehate abzudriften, ist ja heutzutage schon eine lobende Erwähnung wert). Ich möchte gern auf einen Teil Deiner genannten Kritikpunkte eingehen, wenngleich ich ja in der Review bereits um Einordnung und Argumentation bemüht bin – meine Kritikpunkte kommen ja nicht von Ungefähr.

      Wenn ein Film von Anfang an auf seine Wertigkeit als feministischer Film reduziert wird (übrigens nicht nur dieser – bei einem Film wie „Ghostbusters“ war das auch so, obwohl es mitnichten nur darum gehen sollte, wenn man einen Film als Gesamtwerk betrachtet), dann sollte es mir auch in meiner Kritik gestattet sein, mich ebenfalls ausführlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenngleich ich es schade finde, dass Du es als „zu viel“ auffasst. Es in der einordnenden Einleitung wegzulassen, wäre falsch. Davon abgesehen, findet das Thema lediglich zu Beginn des zweiten Absatzes, sowie bei der abschließenden Conclusio eine Erwähnung. Aber geschenkt. Wenn es Dir beim Lesen als „zu viel“ vorkam, dann sei Dir das gestattet.

      Die Idee von den „von Grund auf bösen“ Männern wird ja bereits in der Kritik von mir in einen Kontext gesetzt. Die aus der griechischen Mythologie stammenden Frauen, die ganz ohne Männer auf dieser Insel leben, wurden (so wird es auch im Film erläutert) von den Göttern geschaffen, um ein Gegengewicht für die auf Krieg und Kampf fixierten Männer abzugeben – sozusagen um die kämpferische Meute auf den (emotionalen) Boden zurückzuholen. Wenn Dich die durchaus drastische Formulierung „von Grund auf böse“ stört, dann sei Dir das gestattet. Aber genau das ist die Prämisse. Dafür ist nicht das Drehbuch im Speziellen Schuld, sondern, wie von mir erwähnt, die griechische Mythologie (wenn man hier denn überhaupt von einer „Schuld“ reden kann). Und das kann stören, oder es kann nicht stören. Und genau deshalb erwähne ich es, damit am Ende jeder für sich selbst entscheiden kann, wie sehr ein solcher Punkt sein Seherlebnis schmälert.

      Der von Dir für „katastrophal“ befundene Kritikpunkt der naiven Protagonistin sei für Dich an dieser Stelle noch einmal gesondert eingeordnet: Natürlich funktioniert „Wonder Woman“ nach dem berühmten Fish-out-of-the-Water-Prinzip und da ich den Mittelteil, der die Figur in eine für sie unbekannte Welt schubst, ja sogar als den stärksten des Films bezeichne, geht es mir mitnichten um die liebevoll-authentische Naivität. Doch wenn sich die seit Tagen durch das Kriegsgebiet kämpfende, von ihrem Umfeld die „echte Welt“ erklärt bekommende Diana in einer entscheidenden Sequenz *SPOILER* (nämlich dann, wenn sie den vermeintlichen Ares tötet, der sich letztlich als gar nicht solcher herausstellt) immer noch nicht anschickt, die ihr eingetrichterte Ideologie zu überdenken, dann ist das in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass sie in den vergangenen Tagen absolut nichts dazu gelernt hat. Steve Trevor (nicht Taylor – danke dafür! Die Sache mit dem Wald und den Bäumen…) muss stattdessen mehrmals im Film inbrünstig auf sie einreden, um ihr somit die Welt zu erklären. Bis zum Schluss lässt sich leider keine charakterliche Reifung ihrerseits ausmachen (bis zum entscheidenden Moment im Schlussfight, 10 Minuten vorm Abspann). Und das ist mir bei einer Laufzeit von 140 Minuten viel zu wenig – wäre es aber auch bei jedem anderen Film dieser Sparte. Egal ob bei einem DC- oder Marvelfilm, David Lynch oder Til Schweiger. 😉

      Zu guter Letzt finde ich Deine Einordung des Films ein wenig schwammig, möchte das aber nur augenzwinkernd anführen: Seit „The Dark Knight“ gab es, inklusive „WW“, genau fünf DC-Filme. Über „BvS“ und „Suicice Squad“ sind wir uns offenbar einig. Bleiben noch „The Dark Knight Rises“, „Man of Steel“ und „Wonder Woman“. Da „einer der besseren“ zu sein, ist nicht wirklich schwer, weshalb wir uns, summa summarum, übrigens auch hier einig sind. 🙂

      Liebe Grüße und danke für Deinen Kommentar – Kritik ist immer wichtig!
      Antje

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      • Liebe Antje,

        vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

        Vielleicht hatte ich mich wirklich etwas „schwammig“ ausgedrückt: mit „DC-Filme“ bezog ich mich durchaus auf das „große Ganze“ (DC) und nicht nur auf „Extended Universes“ (DC-EU) oder Nolan-Trilogien. Ergo gab/gibt es in meiner Betrachtungsweise auch mehr als fünf Filme – Jonah Hex, the Losers, R.E.D, the Losers, the Killing Joke etc. nur um ein paar Beispiele zu nennen.

        Beste Grüße
        Christian

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      • Alles fein. Ein Hoch auf die Kommunikation! 🙂

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