Tini: Violettas Zukunft

Bei den Kiddies ist die im Disney Channel ausgestrahlte Teen-Soap „Violetta“ der ganz große Bringer. Nun kommt der Filmableger TINI: VIOLETTAS ZUKUNFT in die Kinos und soll dem Format einen würdigen Abschluss bereiten. Gelingt das? Diese Frage beantworte ich in meiner Kritik.Tini - Violettas Zukunft

Der Plot

Nach einer erfolgreichen, aber kräftezehrenden Welttournee kehrt Violetta (Martina ,Tini’ Stoessel) als neuer Star am Musikhimmel nach Hause zurück. Doch anstatt endlich Zeit mit Freunden und Familie verbringen zu können, stehen gleich die nächsten Termine an. Als dann auch noch die Beziehung zwischen ihr und ihrer großen Liebe León (Jorge Blanco) in der Krise steckt, flieht Violetta verzweifelt aus Argentinien. Sie folgt der Einladung einer alten Freundin ihres Vaters und begibt sich auf die Suche zu sich selbst. In Italien erlebt Violetta einen traumhaften Sommer voller Kreativität, Musik – und Liebe? Oder warum will ihr der geheimnisvolle Caio (Adrián Salzedo) einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen? Fernab ihrer Heimat – als ihre Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart aufeinandertreffen – findet sie endlich heraus, wer sie wirklich ist. Aus dem Mädchen Violetta wird eine selbstbewusste Persönlichkeit und neue Künstlerin: Tini.

Kritik

Wer noch nie etwas von der Fernsehserie „Violetta“ gehört hat, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Vorausgesetzt, er hat das zwölfte Lebensjahr bereits überschritten. Für alle darunter grenzt diese Wissenslücke allerdings fast schon an TV-Blasphemie; die Seifenoper rund um eine erfolgreiche Teenie-Sängerin ist bei den Kids der aller letzte Schrei. Aktuell wird das argentinische Format im Disney Channel ausgestrahlt. Der Spielfilm „Tini: Violettas Zukunft“ soll die Geschichte anschließend im Kino zu Ende bringen. Tatsächlich muss man um die Beteiligung der Feelgood-Filmschmiede Walt Disney Pictures respektive des dazugehörigen TV-Kanals gar nicht wissen, um sie auf den ersten Blick zu erkennen. Wer vor Jahren bereits die musikalischen Eskapaden der drei Teile umfassenden „High School Musical“-Saga abgefeiert hat, der wird den kitschig-naiven, aber durchaus auch mit einem Augenzwinkern versehenen Inszenierungsstil der mittlerweile zum Kult avancierten Filme auch hier wiedererkennen. „Tini: Violettas Zukunft“ ist inhaltlich zwar ähnlich banal, wie das mehr als seichte Fernsehformat. Doch inszenatorisch nutzen die Macher die Kinoverhältnisse voll aus, indem sie so etwas wie dem argentinischen HSM-Cast die Aufgabe erteilen, den frenetischsten „Eurovision Song Contest“-Beitrag aller Zeiten auf die Beine zu stellen. Hirn aus, Spot an – am Ende dürften nicht mehr nur die Kiddies begeistert mitwippen!

Vor beeindruckender Kulisse will Violetta mithilfe ihrer Freunde einen tollen Auftritt auf die Beine stellen!

Vor beeindruckender Kulisse will Violetta mithilfe ihrer Freunde einen tollen Auftritt auf die Beine stellen!

„Tini: Violettas Zukunft“ ist eigentlich Plastik pur. Vom einen radiotauglichen Popsong an den nächsten reihenden Soundtrack über die ferienaffine Hochglanzkulisse bis hin zur mehr als vorhersehbaren Dramaturgie gibt sich die Regiearbeit von Juan Pablo Buscarini („Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik“) alles andere als fordernd. Schon von der ersten Sekunde an, in der übrigens ein schmucker Latino-Junge auf einem Schimmel an einem feinen Sandstrand entlang galoppiert, weiß man, worauf die Geschichte um das (zu Unrecht) zerstrittene Liebespaar Violetta und León hinauslaufen wird. Kein Wunder: Die verschiedenen Figurentypen vom Strahlemann über die Zicke bis hin zur liebenswürdigen Diva sind so klar definiert und dürfen sich nie über ihre eng gesteckten Aktionsgrenzen hinaus entfalten. Jeder im Ensemble erfüllt seinen Sinn und Zweck; dass sich die Zielgruppe daran nicht stören wird, ist selbstverständlich. Doch selbst, wer bereits mit mehr Medienerfahrung gesegnet ist, bekommt in „Tini: Violettas Zukunft“ das Optimum an „HSM“-ähnlichem Guilty-Pleasure-Amüsement geboten. Vorausgesetzt, er lässt sich darauf ein – und nicht davon abschrecken, dass (ziemlich mies) animierte Singvögel  wie selbstverständlich den Mondschein-Gesang der Protagonistin begleiten, oder Violettas Konkurrentin Melanie (Sofia Carson) in ihrem Versuch, ihr León auszuspannen, gefährlich nah am TV-Biest-Overacting kratzt.

Genauso wie der angedachte, jedoch meilenweit gegen den Wind zu erahnende Twist darum, was es nun mit der geheimnisvollen Tini auf sich hat, erweist sich auch die Dreiecksgeschichte um Violetta, ihren verloren geglaubten León und den charmanten Caio nicht unbedingt als die Triebfeder des Films. Dafür macht das Skript von Ramón Salazar („Ich steh auf dich“) von Anfang an zu klar deutlich, dass es so etwas wie eine Krise zwischen den miteinander liierten Turteltäubchen gar nicht gibt. Dafür lösen die Macher diesen Konflikt angenehm unaufgeregt auf und konstruieren nicht mehr Drama um die Sache, als es der Geschichte gut täte. Stattdessen werden schon bald die Proben um einen Auftritt in den Fokus gerückt, mit dem Violetta ebenjenen Abschied von ihren treuen Fernsehfans nehmen soll. Akustisch und visuell steht dieser den spektakulärsten ESC-Auftritten der vergangenen Jahre in Nichts nach. Mit seinen regelmäßigen Musikeinlagen, gefälligen Bildmontagen und charmantem Witz gerät die Interaktion des Teams zu einer durchgehenden Stärke des Films; „Tini: Violettas Zukunft“ ist seichtes Feelgood-Kino par excellence, das darüber hinaus auch mit seinem untereinander durchweg harmonierenden Cast punktet.

Martina Stoessel verkörpert Violetta ein letztes Mal.

Martina Stoessel verkörpert Violetta ein letztes Mal.

Martina Stoessel, die Violetta bereits in den drei Serienstaffeln verkörperte, gibt sich ihrer Rolle auch im Kinofilm mit voller Enthusiasmus hin. Die von ihr an den Tag gelegte Leichtigkeit, die dabei nicht unbedingt auf subtile, sondern auf große Gesten setzt, passt zum ohnehin eher simpel gestrickten Film. Darüber hinaus fügen sich sämtliche Darsteller passend in ihre Rollen, die zum Teil aber auch nicht mehr zu tun haben, als ihre simple Zweckmäßigkeit in der Filmhandlung zu erfüllen. So hat jeder im Cast buchstäblich eine Aufgabe; für charakterlich komplexe Fortentwicklungen innerhalb der Figur bleibt da kaum Zeit. Besonders gefällt die Tatsache, dass Martina Stoessel und Adrián Salzedo („Save the Movie“) als León die im Film verwendeten Musikstücke vorab selbst eingesungen haben. Hundertprozentiges Musicalflair kommt aufgrund des Zurückgreifens auf Playback zwar nicht auf, doch im Vergleich zur standardisierten Blockbuster-Dauerberieselung mit allen möglichen Radiohits erweist es sich als beschwingt, in „Tini: Violettas Zukunft“ tatsächlich nur Songs dieser beiden Interpreten zu hören. Uns würde es jedenfalls nicht wundern, wenn das dazugehörige Album nach dem Kinostart direkt auf die Top-Position der Musikcharts stürmen würde.

Fazit: „Tini: Violettas Zukunft“ ist zwar cheesy ohne Ende. Und doch können wir es uns angesichts dieser naiv-charmanten Umsetzung irgendwie sehr gut erklären, weshalb das dazugehörige Fernsehformat über Jahre hinweg so ein Renner bei den Kiddies war.

„Tini: Violettas Zukunft“ ist ab dem 3. November in den deutschen Kinos zu sehen.

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