Einmal Mond und zurück

Pünktlich zur Fußball-EM schaffen es dieser Tage auch Filme in die Kinos, die in einem anderen Jahr direkt auf den Videomarkt gewandert wären. Ist das im Falle von EINMAL MOND UND ZURÜCK, einem spanischen Animationsfilm auch so?Einmal Mond und zurück

Der Plot

Mike ist zwölf Jahre alt, sportlich begabt und der Sohn eines Astronauten. Auch sein Großvater sollte mal für die NASA zum Mond fliegen, doch aus Gründen, die noch heute Vater und Großvater entzweien, musste Opa einst auf der Erde bleiben. Als die NASA eine weitere Mond-Mission startet, sehen Mike und seine Freunde darin nicht nur die Chance seinem Großvater einen Traum zu erfüllen, sondern auch die Familie wieder zu vereinen. Doch natürlich geht bei ihrem Plan etwas mächtig schief, und durch unglückliche Umstände ist es nicht Mikes Vater, sondern Mike selbst, der schon bald gemeinsam mit seiner besten Freundin und einer Eidechse auf dem Weg in Richtung Mond ist. Doch nicht nur Mike begibt sich dort auf eine ganz besondere Mission. Ein mächtiger Gegner hat es darauf abgesehen, die Flagge vom Erdtrabanten zu stehlen…

Kritik

Das Kinojahr 2016 kann sich über eines nicht beschweren: zu wenig Auswahl innerhalb des Animationsfilmsektors. Ob Fortsetzungen („Ice Age 5“, „Findet Dorie“), hoffnungsvolle Auftakte zu neuen Franchises („Ratchet & Clank“, „Angry Birds“), neue Auswüchse der Fotorealistik („The Jungle Book“) oder ganz klassische, für sich allein stehende Filme wie nun auch „Einmal Mond und zurück“ – Liebhaber der am Computer entworfenen Welten bekommen 2016 fast im Wochentakt neues Filmfutter vor die Füße geworfen. Erweist sich ein Film dieser Monate also als besonders gelungen, können sich die Macher gut und gern etwas darauf einbilden, trotz der enormen Konkurrenz bestanden zu haben. Und sogar für die schwächeren Produktionen gibt es ein Geheimrezept, das da lautet: Fußball-Europameisterschaft. Schon vor zwei Jahren, als die Welt dabei zusehen durfte, wie sich die deutsche Nationalmannschaft gen Sieg kickte, kamen hierzulande qualitativ zweifelhafte Werke wie „Flöckchen – Die großen Abenteuer des kleinen weißen Gorillas“ in die Lichtspielhäuser; in einem anderen Jahr hätte sie ihr Weg vermutlich ohne Umwege direkt ins Heimkinoregal geführt. Auch der spanische Animationfilm „Einmal Mond und zurück“ erscheint nun pünktlich zum Beginn des nächsten großen Fußballsportevents auf der großen Leinwand, war in den USA und Spanien aber immerhin ein vorzeigbarer Erfolg und spielte insgesamt knapp 17 Millionen US-Dollar ein. Das ist angesichts eines ohnehin schon äußerst geringen Budgets von 12,5 Millionen Dollar nicht gerade viel, aber tolerierbar, wenn man bedenkt, dass der Film den Großteil des europäischen Markts noch gar nicht geentert hat.

Einmal Mond und zurück

Natürlich ist es clever vom zuständigen Verleih Paramount Pictures, den Kinostart von „Einmal Mond und zurück“ in einer Zeit zu platzieren, in der bis zum Ende des Monats keinerlei Konkurrenz innerhalb des Genres gefürchtet werden muss. Bis zum Starttag von „Ice Age 5 – Kollision voraus“, hat die Geschichte über eine abenteuerliche Mondmission die Zielgruppe der Familie mit kleinen Kindern ganz für sich allein. Auf genau diese hat es Regisseur Enrique Gato, der in seiner Heimat Spanien bisher einige TV-Episoden und leichte Animationsunterhaltung verantwortet hat, nämlich abgesehen. Anders als die großen Animationsstudios, deren Geschichten sowohl auf die jungen, als auch auf die älteren Zuschauer abzielen, ist „Einmal Mond und zurück“ überdeutlich als Kinderabenteuer angelegt. Geschichte, Handlungsverlauf, Figuren und Witz sind simpel gehalten, werden auch für ganz kleine Kinder nachvollziehbar aufbereitet und der 3D-Effekt ist in seiner Simplizität nie überfordernd, hat aber immerhin einen recht angenehmen Tiefeneffekt und trumpft mit einer sehenswerten Schärfe auf. Die Animation selbst ist allerdings ebenso simpel und kann mit der Detailverliebtheit gängiger CGI-Produktionen nicht im Ansatz mithalten. Auch um inhaltliche Lücken schert sich das Skript wenig. Wenn Mike etwa durch Zufall in der startenden Rakete landet und zufällig ein Raumanzug in Kindergröße vorrätig ist, dann sehnt man sich bisweilen die Akribie der Pixar-Studios herbei. Die jungen Zuschauer werden sich an derartigen Feinheiten nicht stören. Gleichsam machen sie aber deutlich, dass „Einmal Mond und zurück“ lediglich eine an der Oberfläche aufbrodelnde Abenteuerlust befriedigt und sich um ein allumfassendes Seherlebnis wenig schert.

Obwohl Simplizität und Inszenierung der Prämisse deutlich machen, für wen „Einmal Mond und zurück“ gemacht ist, gibt es hin und wieder Momente, sogar ganze Handlungsstränge, deren Existenz sich weder für die jungen, noch für den erwachsenen Zuschauer erschließen. Die größenwahnsinnige Attitüde des Billionärs Richard Carson, der als erster den Mond entern möchte, erinnert in der hier dargebrachten Darstellung an eine Karikatur von Donald Trump und dessen zweifelhaften Wahlkampfveranstaltungen. Das ist hier und da tatsächlich recht amüsant; insbesondere die Exzentrik in den skurrilen Auftritten eines Mannes, der nur deshalb zum Mond will, um es seinem Daddy zu beweisen, macht Freude. Doch dem anfangs so harmlosen Tonfall machen derartige Szenen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Auch Gags darüber, dass einer von Mikes Freunden immer wieder in einem Schmuddelheftchen blättert, sind ebenso fehl am Platz wie zwanghaft in die Szenerie eingebundene Diskussionen darüber, welcher Trashfilm denn nun der Beste ist. All das mag als obligatorischer Popkultur-Service für die Erwachsenen angesehen werden, doch für ein insgesamt rundes Erscheinungsbild sorgen solche Einschübe nicht. Auch deshalb, weil sie nie so lustig sind, dass man in herzhaftes Gelächter ausbrechen möchte. Für die wirklich amüsanten Momente sorgt auch in „Einmal Mond und zurück“ wieder einmal ein Sidekick. In diesem Falle ist es eine kecke Eidechse, die Mike und seinem Team wider Willen zur Seite steht.

Einmal Mond und zurück

Wieder einmal ist es ein tierischer Sidekick, der einen müden Film wenigstens szenenweise aufpeppen kann.

Fazit: Außer kleinen Kindern, die noch davon träumen einmal als Astronaut auf den Mond zu reisen, wird die zu jedem Zeitpunkt vorhersehbare, lieblose, humoristisch teilweise fragwürdige Geschichte, einschließlich der – wenn überhaupt – halbwegs soliden Animation wohl Niemanden ins Kino locken.

„Einmal Mond und zurück“ ist ab dem 9. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

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