Hotel Transsilvanien 2

Im ersten Teil von Adam Sandlers Monster-Animationsfilm musste sich ein konservativer Dracula mit der Idee anfreunden, dass Menschen und Monster durchaus friedlich miteinander leben können. In der Fortsetzung HOTEL TRANSSILVANIEN 2 steht einmal mehr die Botschaft im Mittelpunkt, dass es nicht auf die äußeren, sondern auf die inneren Werte ankommt. Ist diese Message ausgelutscht oder zeitlos? Das verrate ich in meiner Kritik.Hotel Transsilvanien 2

Der Plot

Alles scheint sich im Hotel Transsilvanien zum Besseren entwickelt zu haben… Drakulas strenge Regel, dass nur Monster willkommen sind, wurde endlich gelockert und die Türen stehen auch für menschliche Gäste offen. Doch hinter geschlossenen Sargdeckeln ist Drak um seinen niedlichen Enkel Dennis besorgt, der ‒ halb Mensch, halb Vampir – immer noch keinerlei Anzeichen zeigt, dass auch ein Vampir in ihm steckt. Während seine Tochter Mavis damit beschäftigt ist, gemeinsam mit ihrem Mann Johnny die menschliche Verwandtschaft zu besuchen – und selbst in einen Kulturschock hineinsteuert –, ruft Großvater Drak seine Freunde Frank, Murray, Wayne und Griffin zusammen, um für Dennis ein „Monster im Training“-Boot Camp zu veranstalten. Doch keiner ahnt, dass Draks griesgrämiger Vater Vlad, der ein Vampir von sehr, sehr, sehr alter Schule ist, dem Hotel bald einen Familienbesuch abstatten will. Als Vlad herausfindet, dass sein Urenkel kein reines Vampirblut in sich trägt – und mittlerweile sogar Menschen im Hotel Transsilvanien willkommen sind –, liegen alle Zähne blank.

Kritik

2006 wagte sich der Filmverleih Sony Pictures ins Haifischbecken des Animationsfilms. Neben den Frontrunnern Disney und Pixar haben sich in den vergangenen Jahren auch Dreamworks Animation, die Knetfigurenschmiede Aardman sowie eben Sony Pictures Animation auf den vornehmlich jung gebliebenen Zuschauerfang begeben und sind dabei nahezu durchgehend von Erfolg gekrönt. Die „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“-Reihe und das jetzt um einen weiteren Teil ergänzte „Hotel Transsilvanien“-Franchise avancierten aufgrund ihres immensen Erfolges an den Kinokassen zum Steckenpferd der Trickfilmschmiede. Bei Produktionskosten von 85 Millionen US-Dollar spielte das von Adam Sandler inszenierte Schaulaufen bekannter Horrorfilmfiguren in 3D-Form satte 150 Millionen wieder ein – und da ist die Heimkinoauswertung und das viele Merchandise noch gar nicht mit eingerechnet, das bei „Kinderfilmen“ bekanntermaßen einen großen Anteil des schlussendlichen Einspielergebnisses ausmacht. Eine Fortsetzung musste also kommen, sofern man im Sinne der Erfolgsmaschinerie Hollywood denkt. Das hat man getan – drei Jahre nach dem ersten Teil kommt nun die Fortsetzung, die direkt an die Geschehnisse des Vorgängers anknüpft und dabei einmal mehr mit einem Tabu bricht.

Hotel Transsilvanien 2

War vor einigen Jahren noch Disneys „Ein Königreich für ein Lama“ der erste animierte Langfilm, in welchem eine weibliche Figur schwanger dargestellt wurde, wir das Thema Schwangerschaft in „Hotel Transsilvanien 2“ zum Dreh- und Angelpunkt der ersten halben Filmstunde. Das war es dann allerdings auch schon mit den innovationsähnlichen Spielereien. Wenngleich man der Regiearbeit von Genndy Tartakovsky, der auch schon den ersten Teil inszenierte, die Detailverliebtheit besonders bei der Variation von Klischees ansieht, so hat der Film ein Problem, das in diesem Kinojahr auch schon das Konkurrenzprojekt „Minions“ aufwies: „Hotel Transsilvanien 2“ ist zwar ein kurzweiliger Spaß, schaut sich aber nicht wie eine runde Geschichte, sondern wie eine Aneinanderreihung mehrerer Kurzgeschichten. An der Aussagekraft der gerade in diesen Tagen so wichtigen Message „Es kommt auf die inneren Werte und nicht auf die ethnische Herkunft an!“ ändert das allerdings gar nichts.

Trotz einer insgesamt recht hohen Slapstick-Dichte und eines immensen Tempos erwies sich schon der erste Teil der „Hotel Transsilvanien“-Reihe als inhaltlich ziemlich reifes Unterfangen. Schon damals setzte man sich nicht bloß unterschwellig mit dem Thema Rassismus auseinander, sondern nahm dieses Wort direkt in den Mund. Als der Menschenjunge Johnny (in Teil zwei wurde der deutsche Sprecher Elyas M’Barek von Andreas Bourani beerbt) von Draculas Anti-Menschen-Haltung so sehr überrascht, dass er die Einstellung des Fangzahns (gesprochen von Rick Kavanian) direkt als „rassistisch“ abtat und damit gar nicht so Unrecht hatte. Das Ende von „Hotel Transsilvanien“ mündete schließlich in Draks Erkenntnis, dass es keine Rolle spielt, ob man Monster oder Mensch ist, solange alle friedlich miteinander leben. Im Sequel ist diese Botschaft zwar nach wie vor zu spüren, allerdings wird Mavis‘ (gesprochen von Palina Rojinski) Vater in gedanklichen Ansätzen rückfällig. Als sein Enkelsohn endlich auf der Welt ist, ist es sein größter Wunsch, endlich wieder einen Vampir-Nachkommen in seiner Familie begrüßen zu können, was bei einer Monster-Mensch-Paarung allerdings nur zu 50 Prozent der Fall sein könnte. Die Versuche, mit welchen Dracula den kleinen Dennis zu einem Monster zu erziehen versucht, sind selbstverständlich durchgehend mit einem Augenzwinkern versehen, offenbaren im Kern allerdings jene Rückständigkeit, mit welcher Drak schon im ersten Teil gesegnet war. Dem Genre (und der Zielgruppe) entsprechend, nehmen die Ereignisse in „Hotel Transsilvanien 2“ ihren erwartungsgemäßen Gang, bis jeder seine Lektion gelernt hat und die Figuren am Ende des Films zur selben Erkenntnis gelangen, wie schon in Teil eins.

Hotel Transsilvanien 2

Die Figurenkonstellation ist mit der zu Teil eins nahezu identisch, wird mit dem kleinen Dennis und Draculas absolut konservativem Vater Vlad (gesprochen von Didi Hallervorden) allerdings um zwei interessante Charaktere ergänzt. Vlad verkörpert die Rückständigkeit in Person, während Dennis vollkommen unvoreingenommen in eine Welt aus Monstern und Menschen geboren wird und sich in beiden willkommen fühlt. Leider taucht Vlad erst im letzten Drittel von „Hotel Transsilvanien 2“ auf. Zuvor thematisiert der Film im ersten Abschnitt die Schwangerschaft Mavis‘, anschließend Draculas Bemühen, aus Dennis einen Vampir zu machen und schließlich die Konfrontation alter und neuer Vampir-Lebensumstände. So behält „Hotel Transsilvanien 2“ wie schon im ersten Teil sein sehr hohes Grundtempo bei und so etwas wie Langeweile kommt weder bei den kleinen, noch bei den großen Zuschauern auf. Doch ein einheitlicher Rhythmus fehlt. Was sich ebenfalls unangenehm auf den Sehgenuss auswirkt, ist das bemühte Aufgreifen zeitgeistlicher Elemente: Die Figuren in „Hotel Transsilvanien 2“ erweisen sich als technikabhängige Smartphone-Suchtis – mit dem Kreieren eines zeitlosen Filmerlebnisses hat das nichts zu tun. Stattdessen versuchen die Macher auf Biegen und Brechen, einen Bezug zur technikaffinen Welt von heute herzustellen, die vielleicht in wenigen Jahren schon wieder vollkommen veraltet ist. All die Verweise zur Realität sind ideal zur Kreation von Pointen. Auch das Spiel mit den Images der einzelnen Horror-Kultfiguren ist durchaus kreativ, erschließt sich wohl aber hauptsächlich dem älteren Semester.

Technisch ist „Hotel Transsilvanien 2“ auf identischem Niveau wie sein Vorgänger. Die 3D-Animation einschließlich des dreidimensionalen Effekts sind nicht ganz so detailgetreu wie Konkurrenzprodukte der Disney- oder Pixar-Trickfilmschmieden, passen aber zur Thematik. Die Hauptfiguren entstammen in den meisten Fällen noch der Schwarz-Weiß-Film-Zeit, sodass sich die minimalistische Animation hier durchaus als augenzwinkernder Nostalgieverweis lesen ließe. Bei der Sprecherriege hat sich im Vergleich zum ersten Teil Einiges getan. Sowohl Elyas M’Barek, als auch Josefine Preuß, die im Auftaktfilm noch die beiden Hauptfiguren sprachen, wurden durch Andreas Bourani sowie Palina Rojinski ersetzt, die ebenso gut zusammenpassen, wie ihre Vorgänger. Rick Kavanian ist wie gewohnt stark und steigert sich herrlich schrullig in seine Rolle des Dracula hinein. Didi Hallervorden spricht Draculas Vater Vlad ebenso verschroben und bemüht sich, seine Stimme dem Vampir-Alter seiner zu synchronisierenden Figur anzupassen. Eine rundherum gelungene Arbeit.

Gemeinsam mit seinen Monster-Freunden will Dracula aus seinem Enkelsohn einen richtigen Vampir machen.

Gemeinsam mit seinen Monster-Freunden will Dracula aus seinem Enkelsohn einen richtigen Vampir machen.

Fazit: An „Hotel Transsilvanien 2“ werden einmal mehr besonders die jüngeren Zuschauer Spaß haben, auch wenn sich die Macher sichtlich bemühen, für die älteren Zuschauer Popkulturverweise und ironische Beobachtungen unser Gesellschaft in die Geschichte einzubetten. Dadurch wirkt der Film ein bisschen zu kalkuliert, erweist sich jedoch als ein kurzweiliges, wenn auch nicht nachhallendes Filmerlebnis für die ganze Familie.

„Hotel Transsilvanien 2“ ist ab dem 15. Oktober bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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