Aloha – Die Chance auf Glück

Der Cast ist erste Sahne, doch das Drehbuch gleicht vermutlich eher einer ungeordneten Zettelwirtschaft. In seiner Tragikomödie ALOHA – DIE CHANCE AUF GLÜCK reißt Regisseur Cameron Crowe so viele verschiedene Themen an, dass er dadurch das Wesentliche aus den Augen verliert: die Geschichte. Was bleibt, ist sich teils arg widersprechendes Stückwerk und die Frage, was Crowe seinem Publikum damit eigentlich sagen will. In meiner Kritik versuche ich, diese Frage zu beantworten und entdecke trotz aller Schwächen auch immer wieder Punkte, mit denen „Aloha“ überzeugen kann.

Aloha

Der Plot

Brian Gilcrest (Bradley Cooper), ein vom Glück verlassener, arbeitsloser Sicherheits- und Militärberater, bekommt die Chance, nach Hawaii zurückzukehren, wo er die größten Triumphe seiner Karriere feierte. Während er hofft, seine Reputation wiederherzustellen, sucht er auch die Nähe zu seiner längst vergangenen Liebe Tracy (Rachel McAdams), die mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann John (John Krasinski) mittlerweile ein beschauliches Leben auf der Insel führt. Als Brian zu allem Überfluss auch noch auf die toughe Air-Force-Pilotin Allison (Emma Stone) trifft, die ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen soll, muss Brian lernen, mit den unerwarteten Gefühlen für seine Projektpartnerin umzugehen und endlich die Augen zu öffnen, um sein eigenes, ganz privates Glück zu finden.

Kritik

Bradley Cooper („American Hustle“), Rachel McAdams („Every Thing Will Be Fine”), Emma Stone („Birdman”), Bill Murray („St. Vincent”) und Alec Baldwin („Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“): der Cast, den Cameron Crowe für seine beschwinge Tragikomödie „Aloha – Deine Chance auf Glück“ für sich gewinnen konnte, reicht locker für eine ganze Handvoll Oscar-Anwärter. Entsprechend wenig überraschend kamen vor Filmstart daher erste Einschätzungen daher, Bradley Coopers Selbstfindungstrip hätte bei den nächstjährigen Academy Awards sicherlich das eine oder andere Wörtchen mitzureden. Dann wurde das fertige Projekt vor wenigen Monaten erstmals der Presse vorgeführt – und die Resonanz erwies sich als ernüchternd. Die Kritiker aus Übersee ließen kaum ein gutes Haar an der ungelenken Inszenierung eines Filmemachers, der sich mit dem Familiendrama „Wir kaufen einen Zoo“, dem Mystery-Thriller „Vanilla Sky“ und der hintersinnigen RomCom „Elizabethtown“ schon auf diversen Genreparketten zu beweisen wusste. Dass Crowe jetzt ausgerechnet daran scheitert, im Rahmen seines Films mit unterschiedlichen Tonfällen zu hantieren, ist schade. Doch leider können nicht einmal die namhaften Darsteller sowie die berauschende Kulisse der Urlaubsinsel Hawaii darüber hinwegtäuschen, dass „Aloha“ trotz aller Unausgeglichenheit zwar immer noch eine gewisse Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt, den Zuschauer mit seinen vielen Handlungssträngen, dem wirren Arrangement selbiger und den sich widersprechenden Botschaften immer wieder vor den Kopf stößt. Denn eigentlich wäre „Aloha – Die Chance auf Glück“ durchaus ein schön anzusehender Film, wenn der Regisseur ihn nicht derart wahllos inszeniert hätte.

Aloha

Schon die Bestandteile von „Aloha – Die Chance auf Glück“ klingen mehr nach Stückwerk denn einem zusammenhängenden Film. Da ist der seelisch gebeutelte Unternehmer mit der Hoffnung auf eine zweite Karrierechance, da ist das Wiedersehen mit seiner Ex-Frau und eine eingeschobene Vaterschaftsfrage, da sind die amourösen Verwicklungen zwischen Brian und der Kampfpilotin Allison und über all diesen Storyfragmenten schwirren unzählige, teils philosophische, teils ethische, zum Großteil aber auch einfach nur platte Existenzfragen herum, die aus „Aloha“ ein Potpourri aus vermeintlichen Weisheiten und gesellschaftsrelevanten Einschüben machen. Zu einer runden Form finden alle diese Versatzstücke nie, denn worum es Cameron Crowe im Kern überhaupt geht, damit hält der Filmemacher die gesamte Laufzeit über hinterm Berg. Was fehlt ist ein Fokus, ohne dessen Crowe seiner vielen angerissenen Plotpoints nie ganz Herr wird. Das wäre vielleicht noch zu verschmerzen, sofern die Figuren imstande wären, die Story auf ihren Schultern zu tragen und der Handlung damit eine von ihnen geprägte Richtung vorzugeben. Doch trotz einer stark dialoglastigen Inszenierung bleiben sämtliche Charaktere, egal mit welcher Screentime gesegnet, vollkommen profillos und ihr Handeln gerät beliebig. Doch es gibt auch Hoffnung: Wo sich das Drehbuch (ebenfalls von Cameron Crowe verfasst) keinerlei Mühe gibt, sich an eigens auferlegte Regeln zu halten und einer bestimmten Struktur zu folgen, hat man bei der Inszenierung umso mehr Freiheiten. Der Film wird dadurch zwar nicht besser, aber es gibt mehr Dinge, mit denen man das Publikum trotz aller Schwächen noch irgendwie bei Laune halten kann.

Szenen, die sich in „Aloha“ hervortun, gibt es nämlich durchaus und obwohl bereits Worte darüber verloren wurden, dass sich die Schauspieler aufgrund ihrer mangelhaften Rollenzeichnungen kaum hervortun können, sind es trotzdem doch die Akteure, die dem Film in den wichtigen Phasen Tiefgang verleihen. Daran trägt die Charakterzeichnung keinerlei Schuld; es ist vielmehr das zwanglose Spiel des Ensembles, das mehrmals den Eindruck der Improvisation erweckt und dadurch herzlich und nahbar daherkommt. Der Handlungsstrang um Hauptfigur Brian und seine Verflossene Tracy holt an dem Minimum an emotionaler Basis das Optimum an Intensität heraus. Selbst für ein paar Gags ist Platz. Etwa, wenn Brian und Tracys Mann sich ohne Worte verstehen und Cameron Crowe dieses Unterfangen in ungeschönter Comedy-Manier einfängt. Doch zur Authentizität von „Aloha“ trägt auch das nicht bei. Vielmehr ergänzt es den Film um ein paar Facetten und zieht das insgesamt recht behäbige Tempo für einen Moment an. Vielleicht ließe sich das Vorhaben des Regisseurs ja damit erklären, dass er mit seinem Film gar nicht auf eine stringente Dramaturgie aus ist und ihm vielmehr daran gelegen ist, die paradiesische Hawaii-Atmosphäre auf zwanglose Art und Weise einzufangen. Wenn sich einzelne Schauspieler in ihrer Art hervortun, dann ist daran also selten das Skript Schuld, sondern die Mimen selbst; gerade im Falle von Bill Murray, der sich einmal mehr selbst spielt, erkennt man diese Stärke, die, auf Cameron Crowe bezogen eigentlich doch mehr eine Schwäche ist, besonders. Murray werden weder hervorstechende Texte zuteil, noch hat seine Rolle eine unabdingbare Bedeutung für die Handlung. Trotzdem gehört er zu den großen Vorzügen des Films; einfach, weil Murray als Typ grundsätzlich eine Bereicherung für jeden Film ist. Leider zieht sich diese Beliebigkeit einmal quer durch den gesamten Film.

Aloha

Hawaii als Schauplatz für eine Tragikomödie mitsamt der Hinterfragung, ob dieser Ort einen nicht per se von jedweden Sorgen der modernen Zivilisation lossagt, gab es bereits im Rahmen des preisgekrönten Dramas „The Descendants“ zu sehen. Vielleicht wäre aus „Aloha“ eine weitere Variation dieser Thematik geworden, hätte Crowe sich denn tatsächlich nur einem Schauplatz gewidmet und würde sich nicht von zu vielen Faktoren ablenken und obendrein auch beeindrucken lassen. Wenn er szenische Einschübe ob der Frage, wie vertretbar es ist, Satteliten ins All zu schießen, auf Biegen und Brechen in seinem Film unterbringt, wirkt der Filmemacher so zaghaft in seiner Ausführung, dass es so wirkt, als wäre ihm dieses Thema eine Nummer zu groß. Crowe versucht sich nicht nur daran, viel zu viele Fragen auf einmal zu beantworten, ohne sich dabei aus seiner dahinplätschernden Komfortzone heraus zu bewegen, er inszeniert seine Figuren obendrein als moralische Leitfiguren; leider folgen die alle ihren ganz unterschiedlichen und sich darüber hinaus widersprechenden Prinzipien. Was am Ende bleibt, ist ein Wust an Sinneseindrücken, dem man als Zuschauer nur schwer Herr werden kann. Mit einem roten Faden und der Konzentration auf weniger Schauplätze wäre aus „Aloha“ sicher ein Film geworden, der in Erinnerung bleibt. So strengt er trotz seiner seichten Inszenierung an und hinterlässt beim Zuschauer schlussendlich vor allem die Frage: Was wollte mir der Regisseur damit eigentlich sagen?

Fazit: „Aloha – Die Chance auf Glück“ ist vollgepackt mit Problemen ganz unterschiedlicher Art, die Regisseur Cameron Crowe alle für sich betrachtet, aber nie zusammenführt. Der Tonfall ist unausgeglichen, die Aussage bleibt vage und ob seiner Beliebigkeit entwickelt der Zuschauer mit der Zeit ein völliges Desinteresse an dem, was er auf der Leinwand gerade gezeigt bekommt. Da können auch die einmal mehr sehr ordentlich aufspielenden Darsteller sowie die Traumkulisse Hawaii nichts dran ändern.

„Aloha – Die Chance auf Glück“ ist ab dem 6. August in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

2 Kommentare

Und was sagt Ihr dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s