Jappeloup – Eine Legende

Mit einer relativ geringen Kopienanzahl startet Anfang Februar deutschlandweit das französische Sportlerdrama JAPPELOUP – EINE LEGENDE. In Frankreich entwickelte sich die Geschichte über einen Reiter und sein legendäres Springpferd zum Überraschungserfolg. Ob auch hierzulande die Chance dazu besteht, verrate ich in meiner neusten Kritik.

Der Plot

Pierre Durand (Guillaume Canet) ist jung, ehrgeizig und geradezu besessen vom Erfolg. Anfang der Achtzigerjahre steht er am Beginn einer vielversprechenden Anwaltskarriere. Doch völlig unerwartet wirft er alles hin und widmet sich mit Leib und Seele seiner früheren Leidenschaft, dem Springreiten. Mit Unterstützung seines Vaters (Daniel Auteuil) setzt er alles auf ein junges Pferd, an das sonst niemand glaubt. Jappeloup gilt als zu klein und zu temperamentvoll, verfügt darüber hinaus aber über ein herausragendes Springtalent. Von Turnier zu Turnier machen Pferd und Reiter Fortschritte und finden gemeinsam Einlass in die Welt des internationalen Reitsports. Doch das Pferd ist eigensinnig und hat bei Weitem kein Abonnement auf Schleifen und Pokale. So wird die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles zur großen Enttäuschung. Pierre resigniert und denkt gar darüber nach, das unberechenbare Pferd zu verkaufen. Denn um wieder an die Spitze zu kommen, muss sich der exzentrische Springreiter endlich seinen Schwächen und Ängsten stellen.

Kritik

2012 entpuppte sich ein französischer Publikumsliebling als die deutsche Kinoüberraschung des Filmjahres. Damals gelang den beiden Regisseuren Olivier Nakache und Eric Toledano mit „Ziemlich beste Freunde“ eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft und Toleranz, die hierzulande über neun Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser lockte. Mit „Jappeloup – Eine Legende“ schickt sich jetzt erneut eine faustdicke Überraschung aus französischen Landen an, in Deutschland auf Besucherfang zu gehen. Dabei hätte sich der von Christian Duguay („The Art of War“) inszenierte Sportstreifen über einen französischen Springreiter und sein legendäres Pferd Jappeloup de Luze keinen besseren Starttermin aussuchen können. Während die ganze Welt derzeit auf Sotschi blickt und den deutschen Winter-Olympioniken die Daumen drückt, entführt der Film sein Publikum nach Seoul im Jahre 1988, wo das 1,58 Meter große Vollblut und dessen Reiter Pierre Durand einst die Olympischen Spiele im Springreiten gewannen.

Nur Raphaelle scheint den Wallach zu verstehen

Hauptdarsteller und Drehbuchautor Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“) verschrieb sich einst selbst dem Pferdesport, entschloss sich dann allerdings dafür, seine Aufmerksamkeit in Gänze auf das Schauspiel zu legen. Die Affinität zu den eleganten Tieren und der Springreiterei hat jedoch durchaus direkte Auswirkungen auf die Qualität von „Jappeloup“ – einem Film, der nicht weniger als eine Ode an eine französische Sportlegende ist, über dessen Entstehung in Frankreich so ziemlich jeder Bescheid weiß. Von 1982 bis 1990 holten Jappeloup und sein Reiter Pierre Durand mehrere nationale und internationale Meisterschaftstitel. Gekrönt wurde diese Karriere mit einer Bronzemedaille in der Teamwertung bei der Olympiade 1988 in Seoul sowie dem dortigen Sieg im Einzelspringen. Der Weg dorthin offenbarte allerdings diverse Stolperfallen, die Durand oftmals an seine psychischen und physischen Belastungsgrenzen trieben. Vor allem aus diesem Grund erlang die Karriere des ungleichen Gespannes ein solches An- und Aufsehen: Zwei Charakterköpfe raufen sich über Jahre zusammen, um schließlich sportliche Erfolge zu feiern. Knapp zwei Millionen Franzosen war das hautnahe Miterleben dieser Ereignisse bereits das Lösen eines Kinotickets wert. Die besten Geschichten schreibt eben doch wahre Leben!

Das cineastische Potenzial der Geschichte machte sich mit Christian Duguay ein Filmemacher zunutze, der bislang eher einem ausgewählten, französischen Publikum ein Begriff war. Mit seinen historischen TV-Movies „Jeanne D’Arc – Die Frau des Jahrtausends“ und „Hitler – Aufstieg des Bösen“ erlangte er hierzulande nicht das notwendige Ansehen, um sich auch außerhalb Frankreichs zu etablieren. Erneut nimmt sich Duguay nun ein (sport)geschichtliches Ereignis vor und bettet die Geschichte in ein emotionales Portrait. So ist „Jappeloup – Eine Legende“ nicht unbedingt ein Film über das titelgebende Pferd. Oftmals wirkt es gar nur wie lebende Staffage, was die mitreißende Poesie von Filmen wie „Der Pferdeflüsterer“ oder zuletzt „Ostwind“ vermissen lässt. Die franco-kanadische Co-Produktion ist vielmehr ein Streifen über den Reiter; ein Selbstfindungsdrama mit allerhand sportlichen Anleihen, die schlussendlich zwar nicht die Intensität eines „Rush“ erreichen, bei einem Budget von 26 Millionen Euro allerdings beachtliche Szenerien vorweisen können.

Kameramann Ronald Plante („Monsieur Lazhar“) holt aus den 1:1 nachgestellten Kulissen diverser internationaler Pferdesportevents das Optimum an Realismus heraus. So versprühen die Ende 2011 in Frankreich und Spanien entstandenen Aufnahmen solch ein alt-authentisches Flair, dass man bisweilen meinen könnte, die technischen Verantwortlichen hätten der Einfachheit halber lediglich TV-Ausschnitte der wahren Ereignisse in den Film eingebettet. Plante agiert hautnah am Geschehen, die entscheidenden Ritte werden immer wieder von detailreichen Zeitlupen unterbrochen und treiben durch ihre schnellen Positionswechsel und den dynamischen Schnitt den Puls des Publikums nach oben. Auf der Soundebene greift Christian Duguay auf den gern genommenen Klang eines Pulsschlages zurück, um die Dramatik in den entscheidenden Momenten zu unterstreichen. Ein einfacher Kniff, der sich jedoch als effektiv erweist. Zumal Komponist Clinton Shorter („District 9“) einen sehr ruhigen Score komponierte und weitestgehend auf dramatisch anschwellende Orchesterklänge verzichtet.

Leider krankt „Jappeloup“ mit fortschreitender Spieldauer – insgesamt immerhin über 130 Minuten – an seinen falschen Schwerpunkten. Das schwierige Verhältnis zwischen Reiter und Pferd findet lediglich ansatzweise Erwähnung. Stattdessen konzentriert sich das Drehbuch verstärkt auf die Beziehung zwischen Pierre und seiner Frau sowie den ungeschönten Blick hinter die Kulissen des französischen Springreitkaders. Zwar entpuppt sich Guillume Canets Insiderwissen über die Reitsportszene als Goldwert, Emotionen weiß jedoch keiner aus der Prämisse herauszuholen. Fragwürdige Trainingsmethoden, Streitereien zwischen den Athleten oder gar das entscheidende Zusammenwachsen zwischen Jappeloup und seinem Reiter erhalten allenfalls die Aufmerksamkeit einer Einzelszene, was bei einem Film, der dem Titel nach zu urteilen von einem Pferd erzählen möchte, zu wenig ist. Erst als sich im Schlussakt alles auf den entscheidenden Sieg konzentriert, entfaltet „Jappeloup“ seine volle Präsenz. Dafür sind auch die Darsteller verantwortlich. Mit reiterlichem Können gesegnet gibt Guillaume Canet („Männer und die Frauen“) eine ansprechende Hauptfigur ab, die immer wieder zwischen Optimismus und Resignation hin- und herschwangt. Ihm zur Seite steht die hübsche Marina Hands („Schmetterling und Taucherglocke“), die sich willig in die Rolle des weiblichen Anhängsels fügt, in einigen Szenen jedoch ihr Temperament auspacken darf. In weiteren Nebenrollen wissen zudem Daniel Auteuil („The Lockout“) als verständnisvoller Vater Serge Durand und Lou de Laâge („Anna Karenina“) als eigenwillige Pferdepflegerin Raphaëlle zu gefallen.

Fazit: „Jappeloup – Eine Legende“ erzählt vor phänomenaler Kulisse weniger von einem Pferd als vielmehr von einem Reiter und verheddert sich auf der Storyebene mehr als einmal in seinen vielen Ansätzen. In seinen Hochphasen treibt der Film das Adrenalin allerdings merklich nach oben und gibt einen interessanten Blick hinter die Kulissen des großen Pferdesports preis.

„Jappeloup – Eine Legende“ ist ab dem 6. Februar in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de