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Das startet am 7. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 7. September, an dem sich Tom Cruise endlich mal wieder als Schauspieler und nicht „nur“ als Actionheld beweisen darf. Seine Kriegssatire „Barry Seal“ ist in einigen Ländern bereits erfolgreich gestartet. Nun darf man gespannt sein, wie sich der losgelöst von irgendeinem erfolgreichen Franchise existierende Action-Abenteuerfilm hierzulande präsentieren wird. Damit ist der größte Start auch bereits abgedeckt. Direkt dahinter folgt mit „The Circle“ die furchtbare Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers, der in Übersee krachend floppte. Ob die Starpower hierzulande fruchtet, steht in den Sternen. Ansonsten lohnen sich die mysteriöse Romanze „Meine Cousine Rachel“ sowie die Dokumentation „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA  | Regie: Doug Liman | USA 2017

Das Leben schreibt manchmal Geschichten, die so verrückt sind, dass sie nur wahr sein können. Und nur in Amerika sind den Möglichkeiten dabei keine Grenzen gesetzt – die Geschichte von Barry Seal gehört dazu. Anfang der 80er Jahre hält sich der sympathische Draufgänger Barry durch raffinierte Schmuggeleien neben seinem Job als Pilot gut über Wasser. Kompliziert wird es, als er zu seiner eigenen Überraschung von der CIA rekrutiert wird, um an verdeckten Operationen in Südamerika mitzuarbeiten. Schnell stellt Barry fest, dass sich auch mit der Gegenseite durchaus lukrative Geschäfte machen lassen. Schon bald verstrickt er sich immer tiefer in dubiose Machenschaften in Nicaragua und dem kolumbianischen Kartell um Pablo Escobar. Ein irrwitziges Abenteuer als Waffenschmuggler, Drogenhändler und verdeckter CIA-Agent beginnt.

Der handwerklich astreine „Barry Seal – Only in America“ ist eine launige Kriegsposse, die den Zuschauer bei all dem Spaß an der von Tom Cruise fantastisch verkörperten Lebemann-Figur nie vergessen lässt, dass hinter den wahren Ereignissen eigentlich „nur“ die zweifelhafte Karriere eines Ganoven steckt – eines Ganoven mit mehr Glück als Verstand.


IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT  | Regie: Bonni CohenJon Shenk | USA 2017

Etwas mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die unkonventionelle Dokumentation von und mit Al Gore, „Eine unbequeme Wahrheit“, („An Inconvenient Truth“, 2006) die Klimakrise in die Köpfe und Herzen der Menschen gebracht hat. Jetzt zeigt die fesselnde und mitreißende Fortsetzung, dass eine technische Revolution bevorstehen könnte. Der ehemalige Vizepräsident der USA Al Gore setzt seinen unermüdlichen Kampf fort und reist um die Welt, um mit Vorreitern in Klimafragen zu arbeiten und Einfluss auf die internationale Klimapolitik zu nehmen. Bei seiner Suche nach Ideen undInspirationenfolgt ihm die Kamera hinter die Kulissen und zeigt ihn in privaten und öffentlichen Momenten, mal heiter, mal rührend. In einer Zeit, in der die Bedrohung größer ist als je zuvor,könnten die Menschen jetzt den Klimawandel durch Ideenreichtum und Leidenschaft überwinden.

Weniger Theorie, mehr Persönlichkeit: „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ führt das Thema Klimaerwärmung an der Stelle fort, an welcher der Vorgänger vor elf Jahren aufhörte und reichert die bekannten Thesen um neue, emotionale Facetten an, sodass dieser Film jene Zuschauer mehr ansprechen könnte, denen „Eine unbequeme Wahrheit“ zu trocken war.


MEINE COUSINE RACHEL  | Regie: Roger Michell | UK/USA 2017

Im englischen Cornwell des 19. Jahrhunderts lebt der junge naive Philip Ashley, der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem wohlhabenden Cousin Ambrose aufwuchs. Dieser ist oft auf Reisen und heiratet in Italien die schöne Witwe Rachel, die gleichzeitig die Cousine der beiden Männer ist. Ambrose schreibt seinem Cousin regelmäßig Briefe, in denen er seine Befürchtungen schildert, Rachel wolle ihn langsam vergiften, um so an sein Hab und Gut zu gelangen. Als Ambrose einige Monate später tatsächlich verstirbt, schmiedet Philip einen geheimen Plan: Er will Rachel ermorden und sich so für den Tod seines Cousins und Mentors rächen. Doch als sich Philip und Rachel kennenlernen, gerät der junge Mann schon bald selbst in den Bann der geheimnisvollen Frau und vergisst, dass hinter der schönen Fassade vielleicht eine Mörderin stecken könnte… 

„Meine Cousine Rachel“ gefällt als geheimnisvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mann und Frau, das – je nach Auslegung – mit einer fehlenden Auflösung punktet, oder aber enttäuscht. Die hohe Qualität der Ausstattung und eine famose Rachel Weisz machen das Drama so oder so sehenswert.


DIE PFEFFERKÖRNER UND DER FLUCH DES SCHWARZEN KÖNIGS  | Regie: Christian Theede | DE 2017

Die Klassenfahrt mit Lehrer Martin Schulze (Devid Striesow) droht auszufallen, doch in letzter Minute springt Bennys Mutter Andrea (Katharina Wackernagel) für die kranke Lehrerin ein. Benny ist davon wenig begeistert, vor allem als Herr Schulze und seine Mutter sich besser kennenlernen. Ziel der Reise ist der Gruber Hof in den Bergen Südtirols. Mia freut sich riesig auf ihren guten Freund Luca (Leo Gapp), der dort wohnt. Doch Luca verhält sich eigenartig, denn es geschehen geheimnisvolle Dinge auf dem Berghof und die Kinder stoßen auf gruselige Berggeister und mystische Zeichen. Der neue Mitschüler Johannes (Luke Matt Röntgen) kommt Mia und ihren Freunden zu Hilfe und als unschlagbares Team, finden sie heraus, wer hinter diesen Ereignissen steckt. Die Spur führt zurück nach Hamburg und die Pfefferkörner begeben sich auf eine riskante Mission. 

Es ist fast schon tragisch: „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ hätte ein Paradebeispiel für die Leinwandadaption einer (Kinder-)Serie sein können, doch ausgerechnet die unbeholfenen Darsteller trüben den Gesamteindruck immens. So bleibt am Ende ein ordentlicher Film übrig, der ein richtig starker hätte sein können.


DIE MIGRANTIGEN  | Regie: Arman T. Riahi | AT 2017

Marko und Benny, zwei Wiener mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, sind vollständig integriert. So sehr, dass sie kaum noch als fremd wahrgenommen werden – wären da nicht Bennys schwarze Haare. Als die beiden aufgrund ihres Aussehens am Rudolfsgrund, einem ethnisch durchmischten Vorstadtviertel, von der ambitionierten TV-Redakteurin Marlene Weizenhuber, die nach Protagonisten für ihre TV-Dokuserie sucht, angesprochen werden, geben sie sich als kleinkriminelle und abgebrühte Migranten aus, die es faustdick hinter den Ohren haben. Damit ihre Lüge nicht auffliegt, bauen sie sich eine zweite Identität, die aus Klischees und Vorurteilen besteht. Und während die beiden durch die Erfüllung dieser Erwartungen und Vorurteile die Serie zum Erfolg machen, setzen sie sich gleichzeitig zum ersten Mal mit den echten Integrationsschicksalen auseinander – auch mit ihren eigenen…

Trotz hanebüchener Prämisse überzeugt die Ausländersatire „Die Migrantigen“ in erster Linie durch ihr hohes Maß an Realismus und Authentizität. Das ist nicht bloß den beiden starken Hauptdarstellern zu verdanken, sondern vor allem Arman T. Riahis Auge für gesellschaftliche Entwicklungen und Details. Schade, dass sich das Skript hier und da zu lange an Banalitäten aufhält und die minimalen Backgrounds den interessanten Figuren nicht gerecht werden.


ON THE MILKY ROAD  | Regie: Emir Kusturica | SRB/UK/USA 2016

Der stets mit einem Regenschirm gegen den Kugelhagel ausgestattete Milchmann Kosta (Emir Kusturica) ist vom Glück gesegnet: Begleitet von seinem besten Freund, einem Wanderfalken, passiert er nicht nur Tag für Tag auf seinem Esel unversehrt die Frontlinie des Bürgerkriegs, sondern wird auch noch von der Dorfschönheit Milena (Sloboda Micalovic) als Bräutigam auserwählt und bereitet bereits eifrig die Hochzeitsfeierlichkeiten vor. Doch dann verliebt sich Kosta Hals über Kopf in eine geheimnisvolle aber nicht minder verführerische Italienerin (Monica Bellucci), die allerdings schon dem Kriegshelden Žaga (Predrag ‚Miki‘ Monojlovic) versprochen ist und zudem von ihrem rachsüchtigen Ex-Mann gejagt wird. Ohne nachzudenken brennen die beiden Liebenden durch, um ihrer Liebe eine Chance zu geben. Dabei geraten sie in einen Strudel fantastischer Abenteuer, die sie immer enger zusammenschweißen.

„On the Milky Road“ erinnert in den besten Momenten an die verspielten Kinofabeln von Michael Gondry, doch Regisseur Emir Kusturica gelingt es nicht, die visuelle Kreativität auch auf den Inhalt zu übertragen. Am Ende ergibt dies einen unausgegorenen Mix aus einem durchschnittlichen Romantikdrama, überraschend expliziten Gewalteskapaden und sensibel-komischen Spitzen, wobei man bis zuletzt nicht weiß, ob man über die verworrene Geschichte eigentlich lachen, oder doch lieber weinen soll.


THE CIRCLE  | Regie: James Ponsoldt | ARE/USA 2017

Die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim „Circle“, einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks) ermutigt, an einem für den „Circle“ bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des „Circles“ beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden (John Boyega)…

Man kann an „The Circle“ jede Menge Spaß haben, nur muss man dazu leider völlig ausblenden, wie ernst James Ponsoldt und sein Ensemble die haarsträubenden Ereignisse nehmen. Die Online-Dystopie ist zu brav für eine Satire, zu hanebüchen für ein glaubhaftes Drama und setzt lieber auf plakative Haudrauf-Symbolik, als sich ernsthaft mit dem Thema weltweite Vernetzung auseinanderzusetzen. Tom Hanks‘ Jobs-Zuckerberg-Hybrid ist dennoch faszinierend.


 BARFUSS IN PARIS  | Regie: Abel & Gordon | FR/BEL 2016

Fiona hat ihre Tante Martha Jahrzehnte nicht gesehen. Martha hat ihr Dorf im einsamen Norden Kanadas verlassen und ihr Glück in Paris gesucht. Eines Tages erhält Fiona einen verwirrten Brief ihrer Tante aus dem sie schließt, dass ihre Tante in ein Altersheim gebracht werden soll, weil sie nicht mehr alleine klar kommt. Fiona reist nach Paris um ihr zu helfen. Als Fiona in Paris ankommt ist Martha verschwunden. Fiona macht sich in der fremden Großstadt auf die Suche nach ihr, dabei trifft sie immer wieder den Obdachlosen Dom, der sich in Fiona verliebt.

Die Filme der Tänzer Dominique Abel und Fiona Gordon sind durch ihren tänzerischen Bezug zu den Slapstick Anfängen der Kinounterhaltung etwas ganz Besonderes. In ihrem aktuellen Film ist neben Pierre Richard die kürzlich verstorbene Emmanuelle Riva in einer ihrer letzten Rollen zu sehen.


EINE FANTASTISCHE FRAU  | Regie: Sebastián Lelio | CHL/USA/DE/ESP 2017

Marina und Orlando lieben sich. Sie arbeitet als Kellnerin und singt leidenschaftlich gern, der 20 Jahre ältere Geliebte hat ihretwegen seine Familie verlassen. Doch als die beiden nach Marinas Geburtstagsfeier in einem Restaurant nach Hause kommen, wird Orlando plötzlich leichenblass, reagiert nicht mehr. Im Krankenhaus können die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Die Ereignisse überschlagen sich: Marina sieht sich mit den unangenehmen Fragen einer Kommissarin konfrontiert, und Orlandos Familie begegnet ihr mit Wut und Misstrauen. Seine Noch-Ehefrau schließt sie von der Beerdigung aus; die gemeinsame Wohnung soll sie möglichst rasch verlassen. Marina ist eine Transgender-Frau, und die Familie des Verstorbenen fühlt sich durch ihre sexuelle Identität bedroht. Mit der gleichen Energie, mit der sie früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben, pocht Marina nun erhobenen Hauptes auf ihr Recht auf Trauer.


DAS SCHAFFEN WIR SCHON  | Regie: Andreas Arnstedt | DE 2017

Deutschland, zwei Tage vor der Bundestagswahl. In der beliebten Talkshow „Sechs gegen Neunzig“ bietet der gewiefte Moderator Frederic Neunzig (Constantin von Jascheroff) den Kandidaten der Parteien die Möglichkeit, ein letztes Mal ihre Wahlprogramme zu präsentieren. Als Stimme des Volkes sitzt auch Harald Müllbeier, Chef der Zeitarbeitsfirma „Time for Talents“, in der Runde. Während alle in dem hitzigen Talk noch um ihre Positionen kämpfen, stürmt eine Frau in das Studio und nimmt Politiker und Firmenchef als Geiseln. Zeitarbeitskraft Susanne Kleinke (Marie Schöneburg), die gerade von Müllbeier gefeuert wurde und ihre Lebensgrundlage verloren hat, sinnt auf Rache. Und sie droht, alle in die Luft zu jagen – wenn nicht ihre Forderungen erfüllt werden: Abschaffung von Hartz IV, bedingungsloses Grundeinkommen für alle und eine angemessene Strafe für ihren Ex-Chef. Schnell eskaliert die Situation…


 Heimkinotipp: GET OUT  | Regie: Jordan Peele | USA 2017

Ein Landhaus im Grünen, ein Wochenende bei den Schwiegereltern in spe, der Empfang ist herzlich – vielleicht eine Spur „zu herzlich“. Schnell muss Chris (Daniel Kaluuya) feststellen, dass mit der Familie seiner Freundin Rose (Allison Williams) etwas nicht stimmt. Was führen der scheinbar so weltoffene Dean (Bradley Whitford) und seine Gattin Missy (Catherine Keener), einer der Hypnose mächtige Frau, im Schilde? Es kommt zu bizarren Zwischenfälle, die den vermeintlich entspannten Antrittsbesuch unversehens in einen ausgewachsenen Alptraum für den Familien-Neuling machen sollen. Denn hier herrscht ein nie dagewesener Kampf zwischen schwarz und weiß. 

Erst brennt sich der paralysierende Song „Run, Rabbit, Run“ in die Köpfe der Zuschauer, später kommt man in den zweifelhaften Genuss einer Bedrohung, die sich partout nicht greifen lässt und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, wie penibel durchdacht und brillant das Konzept von „Get Out“ aufgebaut ist.

Das startet am 31. August 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 31. August, an dem mit „Jugend ohne Gott“ der stärkste Film der Woche aus Deutschland kommt. „Killer’s Bodyguard“ verpasst eine gute Wertung aufgrund der technisch mangelhaften Ausstattung, ist aber immer noch einen Blick wert, während Horrorfans mit „The Limehouse Golem“ das Nachsehen haben und David-Lynch-Fans von dem Künstlerporträt „The Art Life“ enttäuscht sein könnten. Immerhin im Heimkino gibt’s Einiges zu gucken… Übrigens: Zu dem ebenfalls kommenden wovje startenden Film „The Comedian“ mit Robert DeNiro in der Hauptrolle wurden vom Verleih Warner Bros. keinerlei Informationen zur Verfügung gestellt. Auch eine Pressevorführung fand nicht statt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

JUGEND OHNE GOTT  | Regie: Alain Gsponer | DE 2017

Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät. Ein Strudel aus Lügen und Gewalt hat sich längst in Gang gesetzt.

„Jugend ohne Gott“ krankt mitunter an den typischen Krankheiten deutscher Jugendfilme, überzeugt aber immer noch als clever erzählte, mit großen Bildern bestückte Dystopie über eine Welt, in der Liebe und Empathie nicht mehr existieren.


KILLER’S BODYGUARD  | Regie: Patrick Hughes | USA 2017

Michael Bryce (Ryan Reynolds) ist der weltbeste Sicherheitsagent und Personenschützer und wird als solcher ausgerechnet dafür engagiert, den berühmt-berüchtigten Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) zu beschützen, mit dem er bereits mehr als einmal beruflich zu tun hatte. Kincaid soll vor einem internationalen Gerichtshof gegen den verbrecherischen, osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) aussagen. Doch dazu muss er rechtzeitig und unversehrt dort eintreffen, was Dukhovich natürlich mit allen Mitteln verhindern will. Die beiden Männer waren zwar jahrelang Feinde und haben unzählige Male versucht, sich gegenseitig zu töten, aber jetzt müssen sie wohl oder übel zusammenarbeiten, um innerhalb von 24 Stunden zu der Gerichtsverhandlung zu kommen. Der Beginn eines haarsträubenden Abenteuers… 

Die Idee hinter „Killer’s Bodyguard“ ist clever, die beiden perfekt aufeinander eingespielten Hauptdarsteller machen Spaß und die Action punktet größtenteils mit Kreativität und Einfallsreichtum. Inhaltlich bietet die Actionkomödie jedoch nicht allzu viel Neues, während die hier und da hervorstechenden Mängel in der technischen Ausfertigung schon stark irritieren.


MAGICAL MYSTERY  | Regie: Arne Feldhusen | DE 2017

Mitte der 1990er-Jahre trifft Karl Schmidt (Charly Hübner) in Hamburg durch einen Zufall seine alten Kumpels wieder. Während Karl am Tag der Maueröffnung einen depressiven Nervenzusammenbruch erlitt und in die Klapse eingeliefert wurde, sind die alten Freunde mittlerweile zu Stars der deutschen Techno-Szene geworden. Mit ihrem erfolgreichen Plattenlabel wollen sie eine „Magical Mystery“-Tour durch Deutschland machen, um den Rave der 90er mit dem Hippiegeist der 60er zu versöhnen. Und genau dazu brauchen sie einen Fahrer, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr auf das triste Leben in seiner Therapie-WG. Es beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip durch das Deutschland der 90er, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks und betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler. Was kann denn da schon schiefgehen? 

Auch ohne das Auftauchen von Herrn Lehmann ist die indirekte Fortsetzung des Kultfilms, „Magical Mystery“, ein kernig-authentisches Vergnügen voller liebenswert-skurriler Figuren und jeder Menge absurder Dialoge, das auch ganz ohne Alkohol ansteckt.


DAVID LYNCH: THE ART LIFE  | Regie: Jon Nguyen, Olivia Neergaard-Holm, Rick Barnes | USA 2017

Die Regisseure Jon Nguyen, Olicia Neergaard-Holm und Rick Barnes nehmen uns gemeinsam mit Regievirtuose David Lynch mit auf eine Reise durch die entscheidenden Jahre seines Lebens. Angefangen mit seiner Erziehung in einer idyllischen amerikanischen Kleinstadt hin zu den dunklen Straßen Philadelphias, begleiten wir David Lynch auf seiner Suche nach den Ereignissen, die zu seinem Werdegang als einer der rätselhaftesten Regisseure des zeitgenössischen Kinos beigetragen haben. „David Lynch: The Art Life“ durchdringt Lynchs frühe Kunst, Musik und Filme, beleuchtet die dunklen Ecken seiner einzigartigen, ganz eigenen Welt, und ermöglicht es den Zuschauern, den Mann und den Künstler ein wenig besser zu verstehen.

„David Lynch: The Art Life“ ist keine Doku über den Filmemacher David Lynch, sondern über den Künstler hinter seinen Werken. Wie viel an den von ihm erzählten Geschichten dran ist, bleibt bis zuletzt offen. Eine gewisse Faszination für seine Person lässt sich jedoch nicht leugnen.


THE LIMEHOUSE GOLEM  | Regie: Juan Carlos Medina | UK 2016

London im Jahr 1880: Im heruntergekommenen Bezirk Limehouse treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der auf besonders brutale Art vorgeht. An den Tatorten hinterlässt er mit dem Blut seiner Opfer geschriebene Botschaften, die in lateinischer Sprache verfasst sind. Die Taten sind derart grausam, dass viele Menschen annehmen, sie wären von einem mystischen Wesen verübt worden: dem Golem, einer aus Lehm geformten Kreatur der jüdischen Literatur. Inspektor John Kildare soll den Fall lösen und dafür sorgen, dass wieder Ruhe unter der Bevölkerung einkehrt. Seine Ermittlungen führen ihn in den Dunstkreis des schillernden Dan Leno, der eine in Limehouse äußerst beliebte Music Hall leitet. Außerdem stellt sich ihm die Frage, wie Lenos Kollegin Elizabeth Cree, die ihren Mann vergiftet haben soll, in die Vorfälle verwickelt sein könnte. 

„The Limehouse Golem“ ist ein schmucker Gothik-Gruselfilm, der abseits seiner berauschenden Schauwerte lediglich eine überraschungsarme, fade Crime-Story zu bieten hat, die trotz eines engagierten Bill Nighy kaum mitreißt.


AUGUSTE RODIN  | Regie: Jacques Doillon | FR 2017

Paris, 1880. Der ebenso skandalträchtige wie erfolgreiche Bildhauer Auguste Rodin wähnt sich am Ziel seiner Träume. Mit 40 Jahren erhält er seinen ersten Staatsauftrag: „Das Höllentor“ – inspiriert von Dantes „Göttlicher Komödie“ – soll als Bronzeportal den Eingang des neuen Kunstgewerbemuseums im Pariser Louvre schmücken. Sechs Meter hoch und vier Meter breit, setzt sich das gigantische Hochrelief aus später so berühmten Einzelskulpturen wie „Der Denker“ und „Der Kuss“ zusammen – eine alles verschlingende Arbeit, die zu Rodins Lebenswerk wird. Eine Phase manischen Schaffens beginnt, die durch Rodins Begegnung mit der hochtalentierten, 24 Jahre jüngeren Camille Claudel noch intensiver wird. Mehr als ein Jahrzehnt lang ist seine Schülerin auch seine Geliebte, eine Beziehung zwischen zwei Genies, die ebenso leidenschaftlich wie turbulent verläuft.


HAUS OHNE DACH  | Regie: Soleen Yusef | DE/IRQ/QAT 2016

„Haus ohne Dach“ erzählt die Reise der Geschwister Liya (Mina Sadic), Jan (Sasun Sayan) und Alan (Murat Seven), die in der kurdischen Region des Iraks geboren und in Deutschland aufgewachsen sind. Die Drei wollen den letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen und sie, neben dem im Krieg verstorbenen Vater, in ihrem Heimatdorf beerdigen. Auf der nervenaufreibenden Kurdistan-Odyssee werden sie nicht nur mit ihrer kurdischen Großfamilie konfrontiert, die den letzten Wunsch der Mutter nicht akzeptiert, sondern vor allem mit sich selbst. Sie haben sich in den letzten Jahren sehr voneinander distanziert, jeder lebt sein eigenes Leben, und wenn dann mal Gespräche stattfinden, bestehen diese meist nur aus gegenseitigen Vorwürfen. Parallel wird im Verlauf ihrer Reise spürbar, dass sich in ihrem Heimatland ein fürchterlicher Konflikt anbahnt, dessen Ausmaß zunächst niemand erahnen kann.


ALS PAUL ÜBER DAS MEER KAM  | Regie: Jakob Preuss | DE 2017

Paul Nkamani hat sich aus seiner Heimat Kamerun durch die Sahara bis an die Küste Marokkos durchgeschlagen. Hier lernen sich Paul und Filmemacher Jakob Preuss kennen, der entlang Europas Außengrenzen auf Recherchereise ist. Kurz darauf ergattert Paul einen begehrten Platz auf einem Schlauchboot nach Europa, doch die Überfahrt nimmt einen tragischen Ausgang: Die Hälfte seiner Mitreisenden stirbt, Paul überlebt. Der Regisseur sieht die erschütternden Bilder der Rettung im Fernsehen und begibt sich auf die Suche nach Paul. Nachdem Paul bereits zwei Monate in Abschiebehaft verbracht hat, findet Jakob ihn endlich in einem spanischen Rote-Kreuz-Heim wieder. Als Paul aufgrund der Wirtschaftskrise in Spanien beschließt nach Deutschland zu reisen, muss Jakob sich entscheiden: Soll er Paul aktiv bei seinem Streben nach einem besseren Leben unterstützen oder in der Rolle des beobachtenden Filmemachers bleiben?


 Heimkinotipp: MOONLIGHT  | Regie: Barry Jenkins | USA 2016

Der junge Chiron, genannt „Little“, wächst in Miami fernab jeglichen Glamours auf. Seine Mutter Paula ist schwer drogenabhängig und schert sich kaum um ihren zurückhaltenden, in der Schule immer wieder schweren Hänseleien ausgesetzten Sohn. Einen Vater gibt es nicht. Zuflucht findet Little bei Drogenhändler Juan und seiner Freundin Teresa . Für den Heranwachsenden wird das Paar zu der Art Ersatzfamilie, die er nie hatte. Im Teenageralter entdeckt Chiron seine homosexuellen Neigungen, hält sie jedoch vor seiner Umgebung geheim. Sein Mitschüler Kevin scheint die große Liebe zu sein, doch ein brutales Ereignis treibt die beiden auseinander. Erst Jahre später, Chiron nennt sich inzwischen „Black“ und ist wie seine Mutter ins Drogenmilieu abgerutscht, ist die Chance auf eine Aussprache zum Greifen nah…

„Moonlight“ ist ein einzigartiges Stück Kinopoesie, das mit seinen eigentlich so kleinen Ausmaßen große Emotionen freisetzt. Herausragend gespielt und ohne störendes Award-Baiting war Barry Jenkins nicht umsonst einer der größten Anwärter auf die diesjährigen Oscars.

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