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Das startet am 14. Juni 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 14. Juni, der die blockbusterfreie Zeit einläutet und mit dem Horrordrama „Hereditary“ einen der besten Filme dieses Jahres zu bieten hat. Dieses Monster sollte sich wirklich keiner entgehen lassen, der nicht völlig zart besaitet ist! Auch das britische Drama „Vom Ende einer Geschichte“ gefällt in seiner ambitionierten Erzählung und dürfte all jene zufriedenstellen, die mit Grusel nichts am Hut haben. Während ein paar durchschnittliche Vielleicht-vielleicht-auch-nicht-Produktionen mal mehr und mal weniger überzeugen, sollte man um den furchtbaren „Das ist erst der Anfang“ derweil einen großen Bogen machen. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS | Regie: Ari Aster | USA 2018

Familie Graham führt ein beschauliches Leben: Annie Graham (Toni Collette) ist eine liebevolle Mutter und Künstlerin, die kleine Miniaturmodelle ihrer Umgebung baut. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und den beiden Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) etwas abgelegen am Waldrand. Als Annies Mutter Ellen, das Oberhaupt der Familie, stirbt, muss sich die Familie nicht bloß mit ihrer Trauer abfinden, sondern auch mit mysteriösen und grauenhaften Ereignissen auseinandersetzen. Nach und nach kommen die furchterregenden Geheimnisse ihrer Vorfahren ans Licht. Für Annie, Steve, Peter und Charlie beginnt plötzlich ein Wettlauf gegen ihr dunkles und unheilvolles Schicksal, welches ihre Ahnen ihnen hinterlassen haben, doch dafür ist es eigentlich schon zu spät…

Man könnte lange drumherum reden, relativieren und sich an Kleinigkeiten der Haarspalterei hingeben. Doch je länger man das versucht, desto mehr wird einem bewusst, dass Ari Aster mit „Hereditary – Das Vermächtnis“ einen Film abgeliefert hat, der sich im Großen und Ganzen mit keinem anderen vergleichen lässt. Im Jahr 2018, in dem man eigentlich schon alles gesehen haben dürfte, lässt das nur einen Schluss zu: „Hereditary“ ist einer der besten Horrorfilme aller Zeiten!


VOM ENDE EINER GESCHICHTE | Regie: Ritesh Batra | UK 2017

Tony Webster (Jim Broadbent) ist glücklich geschieden und lebt ein zurückgezogenes, ereignisloses Leben. Vor vielen Jahren waren er und die schöne Studentin Veronica ein Paar, bis sie sich damals überraschend für seinen besten Freund Adrian entschied. Was nach dessen Selbstmord aus seiner großen Liebe wurde, hat er nie herausgefunden. Doch die unerwartete Erbschaft von Adrians Tagebuch, das sich im Besitz von Veronicas Mutter Sarah befand, stellt plötzlich sein ganzes Leben auf den Kopf und weckt ungeahnte Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biografie. Als er sich nach all den Jahren mit Veronica (Charlotte Rampling) trifft, erhofft er sich Aufklärung über das, was damals tatsächlich geschah. Und je tiefer Tony in seiner Vergangenheit gräbt, desto mehr beginnt er, sein bisheriges Leben infrage zu stellen… 

„The Lunchbox“-Regisseur Ritesh Batra erweckt mit seiner Arbeit den vermeintlich unverfilmbaren Roman „Vom Ende einer Geschichte“ zum Leben. Das Ergebnis ist ein stark gespieltes, clever erzähltes Drama, das trotz einiger Holprigkeiten mitreißt und berührt.


OVERBOARD  | Regie: Rob Greenberg | USA 2018

Leonardo ist ein egoistischer, verwöhnter, reicher Frauenheld aus Mexikos reichster Familie, Kate eine hart arbeitende alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die angeheuert wird, um Leonardos Luxus-Yacht nach einer Party sauber zu machen. Nachdem Leonardo Kate ungerechter Weise feuert und sich weigert, sie zu bezahlen, fällt Leonardo im Feierrausch von Bord und wacht ohne Erinnerungen an der Küste Oregons auf. Kate taucht im Krankenhaus auf und überzeugt Leonardo, dass sie verheiratet sind und schickt ihn aus Rache zur Arbeit – zum ersten Mal in seinem Leben. Obwohl er zu Beginn sehr überfordert und unbeholfen agiert, findet er sich in seinem neuen Leben langsam zurecht. Mit der Zeit verdient er sich den Respekt seiner „Familie“ und Kollegen. Aber kann die neue Familie Bestand haben, wenn Leonardos Milliardärs-Familie nach ihm sucht und sein Gedächtnis jederzeit zurückkehren kann?  

„Overboard“ ist ein qualitatives Auf und Ab. Die Komödie beginnt nervtötend, wird im Mittelteil richtig herzlich und endet auf einer soliden Note. In erster Linie ist der Film aber ohnehin ein beeindruckendes Bewerbungsvideo für den hierzulande noch viel zu unbekannten Eugenio Derbez.


DIE BRILLANTE MADEMOISELLE NEILA | Regie: Yvan Attal | FR 2017

Neïla Salah hat es geschafft. Sie wurde an der renommierten Pariser Assas Law School angenommen und ist auf dem Weg, sich endlich ihren großen Traum zu erfüllen und Anwältin zu werden. Doch schon am ersten Tag läuft alles schief. Neïla kommt zu spät. Ausgerechnet zur Vorlesung von Professor Pierre Mazard , der für sein provokantes Verhalten und seine verbalen Ausfälle bekannt ist. In seiner so gar nicht politisch-korrekten Art nimmt er die junge Studentin vor versammeltem Hörsaal aufs Korn. Doch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen. Mazard wird von der Universitätsleitung vor die Wahl gestellt: Entweder er verlässt die Uni oder er glättet die Wogen, indem er Neïla hilft, einen prestigeträchtigen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Neïla ist alles andere als begeistert über das unerwartete Engagement – schließlich könnten sie und der zynische, elitäre Professor nicht unterschiedlicher sein… 

Die französische Tragikomödie „Die brillante Mademoiselle Neila“ ist lange Zeit eine charmante Geschichte über die Annäherung zweier grundverschiedener Persönlichkeiten, garniert mit jeder Menge Hintergrundwissen über die Funktionalität von Rhetorik. Im letzten Drittel nimmt der Film dann aber eine Wendung, die sehr zu Lasten von Glaubwürdigkeit und Authentizität geht.


PAPST FRANZISKUS – EIN MANN SEINES WORTES | Regie: Wim Wenders | CH/VAT/IT/DE/FR 2018

Im Zentrum dieses Porträts stehen die Gedanken des Papstes Franziskus, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche. Das visuelle Konzept des Filmes lässt den Zuschauer mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Ein Gespräch zwischen ihm und der Welt entsteht. Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für Frieden an den Kriegsschauplätzen dieser Welt und zwischen den Weltreligionen. In einer Zeit, in der das Misstrauen gegenüber Politikern groß ist und in der Lügen, Korruption und „alternative Fakten“ unser Leben bestimmen, bringt uns der Film einen Mann näher, der lebt, was er predigt, und dem die Menschen aller Glaubensrichtungen, aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Kulturen ihr Vertrauen schenken. 

Wim Wenders erzählt in seiner Dokumentation „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ in erster Linie von der Bedeutung seiner Hauptfigur für seine Anhänger und über Kirchengrenzen hinaus. Der Einblick in das Wirken und Schaffen des Papstes gerät abwechslungsreich und beeindruckend, doch ein wenig mehr Offenheit für Kritik an der Person hätte dem Film gut getan.


DAS IST ERST DER ANFANG  | Regie: Ron Shelton | USA 2017

Duke Diver liebt seinen Job als Manager des luxuriösen Resorts Villa Capri im kalifornischen Palm Springs. Seine Vergangenheit mag zwar nicht astrein sein. Aber wenn es darum geht, das Leben der gutgelaunten Bewohner der Villa zu einer einzigen großen Party zu machen, ist er unschlagbar. Seine Schützlinge fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes als „Best Ager“: Er flirtet mit den Damen, pokert mit den Herren, und auf dem Golfplatz ist er sowieso der Größte. Dieses sonnige Gleichgewicht des dolce-far-niente gerät aus den Fugen, als Leo in die Villa einzieht. Der Ex-Militär und erfolgreiche Geschäftsmann entpuppt sich nicht nur als Charmebolzen, sondern obendrein als exzellenter Golfer! Plötzlich ist Dukes Position gefährdet, und der Machtkampf zwischen den männlichen Alphatieren eröffnet. Wer ist in Zukunft die Nummer Eins? Und wer kann bei der unerwartet auftauchenden, mysteriösen und äußerst reizvollen Suzie punkten? 

Die eineinhalb Stunden von „Das ist erst der Anfang“ fühlen sich so an, als sähe man Morgan Freeman und Tommy Lee Jones beim Untergang zu. Die beiden Darsteller schlafwandeln sich durch ein totlangweiliges Skript, was dazu führt, dass diese Komödie zu keinem Zeitpunkt lustig ist.


STERNENJÄGER – ABENTEUER NACHTHIMMEL  | Regie: Christian Schidlowski u.A. | DE 2018

Der ungetrübte Blick in den Sternenhimmel ist im Zeitalter extensiver Beleuchtung nur in den entlegensten Gegenden möglich. Die international renommierten Astrofotografen zieht es an Orte, an denen das Licht unserer Zivilisation die Sterne nicht verblassen lässt: Sie gehen auf die Jagd nach Meteoritenschauern in den australischen Outbacks, sie reisen auf der Iceroad zu den Polarlichtern Nordkanadas, in die Atacama Wüste und auf die Hochebenen bis über 5000 Meter nach Chile. Weitere Expeditionen führen sie ins winterliche Norwegen auf der Suche nach geheimnisvollen Lichtern und zur totalen Sonnenfinsternis auf die indonesischen Molukken. Auf ihren Reisen treffen die Fotografen auf die Ureinwohner der Regionen und erfahren viel über die Bedeutung des Sternenhimmels in deren Kultur, müssen aber auch immer wieder mit vielen Hindernissen und Widrigkeiten kämpfen und verbringen Nächte in der Wildnis.


Heimkinotipp: THE DISASTER ARTIST | Regie: James Franco | USA 2017

Es gibt verschiedene Wege, um eine Legende zu werden! Das beste Beispiel dafür ist Tommy Wiseau, zum damaligen Zeitpunkt der schlechteste Filmemacher aller Zeiten, der diesen Status bis heute nicht losgeworden ist. Von Schauspielschulen abgelehnt, beschließt der gebürtige Pole Anfang der Zweitausenderjahre, gemeinsam mit seinem besten Freund Greg – ebenfalls hoffnungsloser Schauspieler –, selbst einen Film zu drehen. Er schreibt das Drehbuch zu „The Room“, organisiert ein Filmteam und beginnt, zu drehen. Doch während dieser Zeit kommt es nicht bloß zu Auseinandersetzungen zwischen Tommy und der Crew, auch seine Freundschaft mit Greg wird auf eine harte Probe gestellt. Am Ende wird „The Room“ als miesester Film aller Zeiten in die Geschichte eingehen – und einen Kult auf den Weg bringen, den bis heute keiner so richtig versteht. 

Mit „The Disaster Artist“ verneigt sich James Franco vor der Leidenschaft am Filmemachen und erzählt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Brüllen komische Geschichte darüber, wie es ist, seinen Träumen zu folgen, selbst wenn Niemand an einen glaubt.