Flight Risk

Drei Menschen in einem Flugzeug – und einer von ihnen spielt falsch! Dieses reduzierte Szenario in Mel Gibsons Actionthriller FLIGHT RISK ist die Grundlage für ein kurzweiliges Hirn-Aus-Vergnügen – mit einem Mark Wahlberg in einer noch nie gesehenen Rolle.

OT: Flight Risk (USA 2025)

Darum geht’s

Die Polizistin Madolyn (Michelle Dockery) soll den in zwielichtige Geschäfte verwickelten Buchhalter Winston (Topher Grace) nach seiner Verhaftung von Alaska nach New York bringen. Hier soll er als Kronzeuge gegen einen mächtigen Mafia-Boss aussagen. Der den beiden zugeteilte Pilot Daryl (Mark Wahlberg) gibt sich zunächst sympathisch und engagiert. Doch nach und nach offenbaren sich seine wahren Beweggründe: Daryl ist alles andere als harmlos und schon bald fallen im Inneren der Cessna erste Schüsse. Madolyn muss schließlich nicht nur das Flugzeug steuern, sondern obendrein auf ihren Gefangenen und einen mordlüsternen Attentäter aufpassen…

Kritik

Es gelingt nicht jedem, seine Hollywood-Karriere nach Skandalen wie antisemitischen, homophoben Äußerungen, dem Verbreiten von Verschwörungstheorien oder ausufernden Alkoholeskapaden aufrechtzuerhalten. Mel Gibson („Daddy’s Home 2“) dagegen schon. Zumindest darf er weiterhin Filme drehen und schafft es, dafür nach wie vor hochkarätige Stars anzuheuern. Sein aktuelles Mammutprojekt: „Die Passion Christi 2“. Ein Sequel zu Jesus‘ berühmt-berüchtigter Leidensgeschichte ist seit 2016 (!) im Gespräch. Seit 2023 ist sogar von bevorstehenden Dreharbeiten im kommenden Jahr die Rede. Bis es so weit ist, übt sich Gibson einmal mehr im Actionkino. Sein auf engstem Raum entstandenes Thriller-Kammerspiel „Flight Risk“ ist in erster Linie ein Mark-Wahlberg-Vehikel – und ein klassischer „Hirn aus, Quatsch an“-Beitrag. Allzu ernst nehmen sollte man diesen erstaunlich humorvollen Genremix nämlich auf keinen Fall. Spaß macht er trotzdem. Auch, weil Wahlberg hier, entgegen seinem Image, dem Affen als richtig fieser Widerling so richtig schön Zucker gibt.

Man ahnt schnell, dass der Mafia-Buchhalter Winston eigentlich ein ganz netter Kerl ist.

In „Arthur der Große“, der liebevollen Nacherzählung eines aufregenden Hundeschicksals, zeigte sich Wahlberg zuletzt auch von seiner gefühligen Seite. Den Ruf des „derben Mackers“ dürfte er zwar nie ganz loswerden, doch als gemeingefährlichen Fiesling hat man den „Transformers“-Star seit „Fear – Wenn Liebe Angst macht“ nicht mehr gesehen. In „Flight Risk“ schlüpft er erst in die Rolle eines selbstverliebten, kodderschnauzigen und noch dazu permanent Kaugummi kauenden Piloten, den man eher ein wenig belächelt, anstatt ihn tatsächlich ernst zu nehmen. Das ändert sich, als sich seine wahren Beweggründe, dieses Flugzeug zu fliegen, offenbaren – und mit ihm sein Toupet, das eine Halbglatze verdeckt und Wahlberg im Moment des Herunterfallens, im wahrsten Sinne des Wortes, in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Auf einmal wird aus dem gewohnt attraktiven Frauenschwarm ein verlodderter Drecksack, der nach einer ersten Überwältigung durch die Pilotin Madolyn gar nicht mehr aus dem Fluchen und Toben herauskommt. Es ist nicht zu viel versprochen, wenn man sagt: So hat man Mark Wahlberg noch nie gesehen. Doch „Flight Risk“ ist eben auch ein Film, der genau solch eine Performance benötigt.

„Es ist nicht zu viel versprochen, wenn man sagt: So hat man Mark Wahlberg noch nie gesehen. Doch ‚Flight Risk‘ ist eben auch ein Film, der genau solch eine Performance benötigt.“

Der Gewaltgrat spielt dem Film ebenfalls in die Karten. Es gibt nicht viele brutale Spitzen in „Flight Risk“, doch wenn sich Wahlberg in Nahaufnahme einen Finger bricht oder er dem zu überführenden Gefangenen Winston mit voller Wucht ein Messer zwischen die Rippen rammt, dann tun solche Momente richtig weh. Auch Michelle Dockery („Here“) darf immer wieder austeilen. Überhaupt unterscheidet sich ihre weitestgehend geerdete Performance stark von den Darstellungen ihrer Kollegen. Während Wahlberg genretypisch überdreht, mimt Topher Grace („Heretic“) seine zwielichtige Buchhalterfigur als grundsympathischen Dampfplauderer mit Hang zur Überzeichnung. Damit sind die Rollen in „Flight Risk“ von Anfang an verteilt. Es steht nie außer Frage, dass dieser Winston eigentlich ein doch wirklich lieber Kerl ist, während man bei Wahlbergs Daryl ganz genau weiß, dass dieser in den schlanken 91 Minuten mit Sicherheit keine Läuterung erfährt. Über Madolyn dagegen hätte man gern noch mehr erfahren. Ausgerechnet ihre Figur bleibt in dieser Dreierkonstellation eher blass. Dabei ist ihre Rolle doch von einer enormen Wichtigkeit.

Deputy Harris muss nicht nur auf die beiden Gefangenen aufpassen, sondern deckt obendrein eine Verschwörung auf.

Während die Charakterzeichnung des Trios weitestgehend schnörkellos daherkommt, ist das Skript des Autoren-Debütanten Jared Rosenberg vollgepackt mit Twists und Turn-Arounds. Das ist manchmal ein bisschen schade, denn schon die Ausgangslage von „Flight Risk“ wäre eigentlich genug, um ein spannendes Thrillerszenario zu ergeben. So aber wird Madolyn hinterm Steuer der Cessna nicht nur mit der Herausforderung konfrontiert, als absolutes Greenhorn plötzlich ein Flugzeug fliegen und schließlich auch landen zu müssen. Über Funk ergibt sich obendrein eine Verschwörung in Polizeikreisen, der sie ebenfalls Herr zu werden versucht. Das erinnert von der Grundidee ein klein wenig an das bei Nacht in einem Auto spielende Drama „No Turning Back“, in dem Tom Hardy ebenfalls versucht, all seine Probleme nur über ein Telefon zu lösen. Eine solch ernste Intensität erreicht „Flight Risk“ natürlich nie. Trotzdem sorgt allein die Schlagzahl an neuen Informationen, die sukzessive auf Madolyn einprasseln, für eine hohe Spannung. Auch wenn sich manche Entwicklungen doch ziemlich sicher erahnen lassen. Dafür bleibt das Drehbuch einfach zu nah an gängigen Genrekonventionen.

„Während die Charakterzeichnung des Trios weitestgehend schnörkellos daherkommt, ist das Skript des Autoren-Debütanten Jared Rosenberg vollgepackt mit Twists und Turn-Arounds.“

Inszenatorisch kann „Flight Risk“ – mit Ausnahme eines etwas zu groß gedachten und dieses Versprechen auf Effektebene nicht einlösenden Action-Schlussakts – dagegen voll überzeugen. Gedreht wurde natürlich nicht in der Luft, sondern auf einer LED-Volume-Stage. Quasi der nächsten Evolutionsstufe des Green Screens – und ein bisschen erinnernd an gängige Flugsimulatoren. Die Illusion, sich tatsächlich in einem fliegenden Flugzeug zu befinden, geht hervorragend auf. Obendrein spielt es dem Film in die Karten, dass sich die Story bis zum Finale ausschließlich in der Cessna abspielt. Was gen Ende mit Mark Wahlberg passiert, ist dann tatsächlich alles andere als rühmlich. Also genau so, wie es seine Figur verdient – und der Film auch.

Madolyn (Michelle Dockery), Winston (Topher Grace) und Daryl (Mark Wahlberg) 

Fazit: „Flight Risk“ ist ein vorzüglich-albernes Mark-Wahlberg-Vehikel, das von seiner Reduktion auf einen bis kurz vor Schluss einzigen Schauplatz enorm profitiert. Die Twists sind bisweilen vorhersehbar, allzu ernst nehmen, sollte man das Szenario ebenfalls nicht. Doch dafür geht es in der Flugzeugkabine mächtig ab. Lediglich das etwas zu ambitioniert gedachte Finale trübt den Gesamteindruck.

„Flight Risk“ ist ab dem 20. Februar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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