Kartoffelsalat 3 – Das Musical

Von so einer Lernkurve träumt wohl jeder: Nach der völlig vermurksten Zombie-Comedy „Kartoffelsalat“ präsentiert sich der direkte Nachfolger KARTOFFELSALAT 3 – DAS MUSICAL als frech-selbstreferenzielle Teenagerkomödie mit eingängigen Songs und dem Herz am rechten Fleck. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Torges Schule hat sich viele Jahre nach den schrecklichen Ereignissen von dem Zombie-Virus erholt. Doch nun gibt es ein neues Problem: Dem Gymnasium droht die Schließung, da sie mehr und mehr Schüler an die konkurrierende Elite-Schule verliert. Eine Lösung muss her, um wieder attraktiv zu werden. Schülerin Mia (Lea Mirzanli) schlägt die Inszenierung eines Musicals vor. Und weil sich die gerade so abgewendete Zombie-Epidemie ganz hervorragend für eine Theater-Adaption eignet, einigen sich auch schnell alle dafür, „Kartoffelsalat – Das Musical“ aufzuführen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn während sich die hoch engagierte Mia alle Mühe gibt, ihre Mitschüler für das Projekt zu begeistern, gibt es auch Leute, denen eine erfolgreiche Aufführung nicht so recht passen würde. Und dann ist da ja auch noch die Neue Kim (Marta Shkop), die Mia ordentlich den Kopf verdreht hat. Ob das Musical die Schließung der Schule abwenden kann?

Kritik

Bei der zunehmend an Popularität gewinnenden Online-Filmbewertungsplattform Letterboxd weist Michael David Pates („Heilstätten“) YouTuber-Klamauk „Kartoffelsalat“ aus dem Jahr 2015 aktuell eine Durchschnittsbewertung von 0,9 von möglichen 5 Sternen auf. In der noch deutlich populäreren Internet Movie Database (IMDb) schlagen insgesamt 1,3 von zehn möglichen Sternen zu Buche. Und überhaupt findet man im deutschsprachigen Internet kaum Jemanden außerhalb der Zielgruppe eingefleischter Internetstar-Liebhaber, die der Zombieklamotte über einen an einem Gymnasium ausbrechenden Untoten-Virus ein halbwegs nettes Feedback zusprechen mochten. Das Internet war voll von Verrissen. Positive Besprechung, etwa bei Amazon, bergen nicht selten tonnenweise Ironie. Die PR-Abteilung hinter „Kartoffelsalat“ versuchte sich das später sogar zunutze zu machen, verteidigte sich wahlweise mit dem vermeintlichen Totschlagargument, der Film sei ohnehin nicht für die Kritiker, sondern für die Fans gemacht und kokettierte sogar mit der Platzierung in den „IMDb Bottom 100“, also den 100 am schlechtesten bewerteten Filmen auf der Website, in der „Kartoffelsalat“ zeitweise anzutreffen war. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeigt, dass insgesamt knapp 400.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ein Kinoticket für den Film zu lösen gewillt waren. Das ist zweifelsohne ein Erfolg für eine komplett unabhängig finanzierte Produktion. Es hat somit wohl kaum jemand nach einem „Kartoffelsalat“-Sequel verlangt, bei längerem drüber Nachdenken – und im Anbetracht der Tatsache, dass beim ersten Teil sämtlichen Angriffspunkten zum Trotz immer auch Leidenschaft und Spaß am Projekt durchschien – aber durchaus konsequent. Und so kommt mit „Kartoffelsalat 3 – Das Musical“ (nein, es gibt keinen zweiten Teil, aber zweite Teile sind eh nie gut!) nun eine Fortsetzung ins Kino, die sich die Macher verdient haben. Denn der Qualitätssprung von Teil eins zu zwei ist gewaltig, ob man es nun glaubt oder nicht.

Neben Torge Oelrich (alias Freshtorge) spielt Lea Mirzanli die Hauptrolle in „Kartoffelsalat 3 – Das Musical“:

Es ist fast schon egal, an welchem Kritikpunkt an Teil eins man ansetzt, Fakt ist: „Kartoffelsalat 3 – Das Musical“ macht es gleich drei Nummer besser. Das fängt schon bei rein handwerklichen Aspekten an. Wo man sich bei Teil eins im Anbetracht von Unschärfen und mangelhafter Beleuchtung bisweilen nicht sicher war, ob man hier gerade unbearbeitetes Material der Dreharbeiten oder doch den fertigen Film zu Gesicht bekommt, sieht „Kartoffelsalat 3“ einfach von Beginn an nach (Kino-)Film aus. Das ist aber auch kein Wunder, blickt man einmal auf den Mann hinter der Kamera. Konstantin Freyer versorgte schon deutsche Produktionen wie „Abikalypse“, „Schneeflöckchen“ und „Das letzte Mahl“ mit leinwandtauglichen Bildern, denen jene aus „Kartoffelsalat 3“ zumeist in Nichts nachstehen. Aus den düster-schwammigen Pseudo-Aufnahmen aus „Kartoffelsalat“ werden im Sequel knallig-bunte Popbilder, die die Geschichte sogleich in ihrer Musicallogik, irgendwo zwischen „Bibi & Tina“ (von Detlev Buck) und den „High School Musical“-Filmen verorten. Schon allein aus diesem Grund macht sich die Fortsetzung deutlich weniger angreifbar und wirkt inszenatorisch absolut durchdacht. Selbst wenn für einzige Gesangsnummern plötzlich das Setting gewechselt wird (Musicallogik und so!), damit die Schurkin ihre Schurkennummer in einem nachgebauten Verließ schmettern kann, behält „Kartoffelsalat 3“ einen einheitlichen Look bei. Und da man sich bei den Setpieces ohnehin vorzugsweise auf verschiedene Orte (Aula, Sporthalle, Klassenräume…) innerhalb einer einzigen Schule verlässt, bleibt die sich auf nur wenige Figuren konzentrierende Geschichte inszenatorisch intim.

Das setzt sich bei der Geschichte fort. Ja, auch „Kartoffelsalat“ hatte eine Handlung. Es ging um den von Torge Oelrich gespielten Leo Weiss, der, als Außenseiter an seiner Schule, plötzlich zu Heldenform aufläuft, als an seinem Gymnasium ein Zombie-Virus ausbricht. Zugegeben: Auch unironisch produzierter Zombiehorror läuft ab einem gewissen Punkt so ziemlich von allein; es geht zumeist darum, dass böse Untote es auf harmlose Menschen abgesehen haben. Man kennt das. Doch in seiner Hybridfunktion aus FSK-12-tauglichem Untoten-„Horror“ und Pennälerklamauk funktionierte an „Kartoffelsalat“ so ziemlich gar nichts. Vor allem irritierten an dem Film noch der mehr als angestaubte Wortwitz (sitzt Jemand in einer Ecke und knabbert an einem Besen rum, wenn Jemand das Sprichwort „Da fress‘ ich ‘nen Besen!“ sagt) sowie allerhand an der Zielgruppe vorbeischrammende Kalauer, die dann auch noch von Darstellern vorgetragen wurden, bei denen man sich fragte, ob die Kids im Kino Leute wie Otto Waalkes oder Maddin Schneider heutzutage überhaupt noch kennen. So beeindruckend es auch ist, was für ein Ensemble die Macher damals zusammenbekommen haben, als so stark erweist sich doch jetzt die Entscheidung, mit Ausnahme von Martin Semmelrogge nur noch auf Nachwuchsdarsteller und YouTuber zu setzen. Und die platten Anti-Witze hat man – mit Ausnahme von zwei, drei verzichtbaren Furz-Gags – auch einfach direkt im Schrank gelassen.

Zu den wohl bekanntesten Nebendarstellerinnen im Film gehört Jasmin Wagner, ehemals Blümchen.

Insbesondere Lea Mirzanli („Spotlight“) gibt die Protagonistin Mia äußerst gesangsstark und hat nicht nur dadurch sämtliche Sympathien auf ihrer Seite, sondern auch weil sie – im Gegensatz zum ein oder anderen (vorzugsweise alteingesessenen) Nebendarsteller – eine zurückhaltend-authentische Performance fernab von jedwedem Overacting abliefert. Und als wolle man sich rückblickend auch noch für die Handvoll unangemessener Schwulengags im ersten Teil entschuldigen, spendiert ihr das Skript (Michael Lütje, Michael David Pate, Hauke Schlichting und Emilia Wellbrock) auch noch eine absolut warmherzige (und den Faktor der Homosexualität nie zum Thema oder gar Problem machende) Lovestory mit Schulneuling Kim (Marta Shkop). Der von Mirzanli vorgetragene Up-Tempo-Nummer „Was sind das für Gefühle?“ ist dann auch unter den Songs das große Highlight. Doch negativ hervor stechen bei den Songs allenfalls hier und da ein wenig ungelenk gereimte Texte. Hinzu kommt, dass das Playback (zumindest in der von uns gesehenen, nicht fertig abgemischten Fassung) stark als solches erkennbar ist. Ausgleichen kann das in der Regel das hohe Ohrwurm-Potenzial der gefällig produzierten und insgesamt sehr solide vorgetragenen Popnummern. Und zwischendrin sind es dann immer mal wieder kleine Beobachtungen, die Spaß machen. Etwa ein gut aufgelegter Phil Laude in einer kleinen Rolle als Psychotherapeut oder ein Kritiker-Trio, dass das Musical schon verreißen will, bevor es überhaupt angefangen hat. Angenehm, dass man das in diesem Fall auch dann nicht muss, wenn man den Film bis zum Schluss gesehen hat.

Fazit: Man sollte für harmlose Teenie-Musicals zwar schon ein Faible haben und auch nicht jeder Gag sitzt genau dort, wo es sich die Macher vermutlich vorgestellt haben. Doch davon abgesehen punktet „Kartoffelsalat 3 – Das Musical“ viel häufiger als dass er verliert. Die Songs sind eingängig, die Hauptdarsteller spielen und singen überzeugend und der Film sieht – anders als Teil eines – wirklich nach Kino aus. Von solch einer Lernkurve träumt sicher manch ein Hollywoodstar.

„Kartoffelsalat 3 – Das Musical“ ist ab dem 30. Januar in den deutschen Kinos zu sehen.

4 Kommentare

  • Bester Film überhaupt❗❗❗❗

  • Zweite Teile sind eh nie gut?

    Das Imperium schlägt zurück ist mit Abstand der beste Star Wars-Film. Der Pate II ist der beste der Pate-Trilogie. The Dark Knight war noch großartiger als Batman Begins. Paddington 2 fand ich noch besser als den tollen Start. Gleiches gilt für Drachenzähmen leicht gemacht 2. Und Star Trek II: Der Zorn des Khan ist der beste der Enterprise-Filme mit Originalbesetzung.

    Da gibt’s bestimmt noch mehr Beispiele, denn das sind nur die die mir gerade einfallen. Aber das nur mal so am Rand, liebe Antje. 😉

    Mache bitte weiter so und bleibe bloß wie du bist!

    • Lieber Phil, tatsächlich stammt die Aussage gar nicht von mir, sondern war die offizielle Begründung der Macher, weshalb sie einfach direkt einen dritten Teil gedreht haben. 🙂 Danke für Deine lieben Worte!

      • Ach soooohooo.Ich bin ein echtes Depperle. Danke für deine Erläuterung!

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