Robin Hood

In den USA ist die nächste Neuauflage des weltberühmten ROBIN HOOD brutal gefloppt. Doch hat dieser Abenteuerfilm mit Taron Egerton und Jamie Foxx einen solchen Misserfolg wirklich verdient? Das und mehr verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Lord Robin von Loxley (Taron Egerton), der in einem schönen Anwesen in Nottingham lebt, verliebt sich eines Tages in die gewiefte, freundliche Diebin Marian (Eve Hewson) und beginnt mit ihr eine Beziehung. Doch dann ereilt ihn ein Einberufungsbescheid: Er müsse sich dem Dritten Kreuzzug gegen die Heiden im Morgenland anschließen. Dort wird Lord Robins Weltansicht bitter erschüttert, denn in seinen Reihen hält man wenig von der humanen Behandlung Gefangener. Als Lord Robin vergeblich versucht, die Exekution eines Jugendlichen aufzuhalten, wird er unehrenhaft entlassen. Wieder in Nottingham, erfährt Lord Robin von seinem alten Freund Bruder Tuck (Tim Minchin), dass er längst für tot erklärt wurde, damit der Sheriff (Ben Mendelsohn) sein Hab und Gut auf Anraten des Kardinals (F. Murray Abraham) für die Kriegskasse plündern kann. Bei einer Ansprache des Sheriffs an das Volk, enthüllt Lord Robin, dass er noch lebt – und erfährt, dass Marian nun mit dem zögerlichen Anführer einer Gegegenbewegung zusammen ist, Will Tillman (Jamie Dornan). Außerdem trifft er auf den Vater des Jungen, den er auf dem Kreuzzug zu retten versucht hat. Sein Name ist Yahya (Jamie Foxx), was sich mit John übersetzen lässt. Er hat mit angesehen, was Sir Robin alles erfahren muss – und er schlägt ihm einen kühnen Racheplan vor, der ganz nebenher das Kriegstreiben im Nahen Osten stoppen soll …

Kritik

Einen Sieg lässt sich dieser „Robin Hood“-Film nicht nehmen: Mitte dieses Jahrzehnts kündigte Hollywood innerhalb kürzester sogleich drei Projekte über den gutherzigen Dieb an. Disney, Sony und Leonardo DiCaprios Produktionsfirma Appian Way, die in diesem Fall gemeinsame Sache mit Lionsgate macht, sprachen allesamt von eigenen Ansätzen, wie die Geschichte neu verfilmt werden sollte. Von diesen drei Projekten ist es die DiCaprio-Produktion, die zuerst das Licht der Filmwelt erblickt hat, während sich die anderen beiden Filme in verschiedenen Kreisen der Development Hell befinden. Und angesichts der US-Performance von „Robin Hood“ ist es gut möglich, dass sich Disneys „Nottingham & Wood“ und Sonys „Hood“ dort noch etwas länger gemütlich machen. Mit einem Budget von 100 Millionen Dollar ausgestattet, nahm dieser Abenteuerfilm gerade einmal 30,7 Millionen Dollar in den USA und Kanada ein, im Rest der Welt wurden bis dato weniger als 43 Millionen Dollar generiert. „Robin Hood“ ergeht es also nicht besonders anders als dem tonal ähnlich gelagerten „King Arthur – Legend of the Sword“, der ebenfalls versucht hat, einer alten englischen Legende durch schmissiges Filmemachen neues Leben einzuhauchen. TV-Regisseur Otto Bathurst („Black Mirror: Im Namen des Volkes“) geht in seinem Kinodebüt „Robin Hood“ allerdings nicht ganz so stylisch vor wie Guy Ritchie, der bei seinem 2017er Flop seine Handschrift unverkennbar hat durchscheinen lassen. Dafür ist die Story stringenter erzählt, wenngleich auch sehr schmalbrüstig. Was also bleibt, ist der Versuch eines flott modernisierten Abenteuers im modernen Popcorn-Eskapismusstil.

John (Jamie Foxx) und Robin (Taron Egerton) schmieden Pläne…

Oder anders gesagt: „Robin Hood“ operiert auf einer ähnlichen Logikebene wie Paul W.S. Andersons „Die drei Musketiere“, nur nicht derart überdreht und voller Selbststolz sowie ohne bombastisches 3D. Da Anderson mit seinem „Hirn aus, Spaß haben“-Filmtipp wilder, verwegener und alberner vorging, steht zu bezweifeln, dass sich „Robin Hood“ eine Kult-Fangemeinde aufbauen wird. Dennoch ist es (sehr) seichter, zügig erzählter Filmspaß, der für einen feucht-fröhlichen Kinoabend völlig ausreicht. Der Film hat eklatante Mängel, so darf man über die Pläne der Kirche und des Sheriffs nicht zu lange nachdenken, oder darüber, wie sie sich von Sir Robin alias Robin Hood später so lange an der Nase herumführen lassen können. Das Drehbuch von Ben Chandler und David James Kelly, beides Debütanten auf ihrem Gebiet, ist weniger daran interessiert, eine mit komplexen Figuren durchzogene, dicht gewobene Erzählung zu erschaffen, sondern mehr daran, die Dinge in Bewegung zu halten. Das tut es aber halbwegs erfolgreich, genauso wie Otto Bathursts Regiefürung – und das durchaus mit Einfallsreichtum: Dieser „Robin Hood“ erschafft ein ungewöhnliches (jene, die historische Korrektheit fetischisieren, würden sagen: bescheuertes) Filmuniversum, in dem der Kreuzzug an Videoaufnahmen aus dem Irakkrieg erinnert. Ähnliche Kleidung, eine ähnlich vergilbte, staubige Bildsprache und Armbrüste haben die Schnellfeuerwucht moderner Schusswaffen, sogar so etwas wie Armbrust-Bazookas werden eingesetzt.

Zurück in England finden wir, völlig wahllos zusammengewürfelte, paradoxerweise dennoch mit fescher Ehrlichkeit vermittelte, Parallelen auf den sich selbst erhaltenden „Krieg gegen den Terror“ und die vergangenen Jahre des Klassenkampfs in Industrienationen. Diese „Wir wollen politisch sein und sind dennoch zu bequem, konkret zu werden“-Mixtur an inhaltlichen Werten wird eingebettet in eine mit großen Schritten voranschreitende Popcorn-Abenteuerfilmhandlung. Sir Robin muss lernen, zu einem agilen Meisterdieb zu werden, und wird von dem ansteckend amüsierten, einhändigen „Django Unchained“-Star Jamie Foxx (Als Araber! Eine mindestens diskutable Castingentscheidung…) unterrichtet. Während Robin Hood auf Beutezug geht, schleimt sich Sir Robin bei den Mächtigen ein – und umgarnt seine ihm abspenstig gewordene Liebe. Stillstand erlauben sich dabei weder Skript noch Bathursts zwar den gewissen künstlerischen Funken missen lassende, aber funktional-vitale Regieführung. Auch die obligatorischen Momente an Pathos, sei es bei romantischen Wiedervereinigungen oder inspirierend gemeinten Ansprachen, behalten das Grundtempo des Films bei, statt in Leerlauf zu münden. Was die in den actionarmen Nottingham-Szenen so gräulichen Bilder Bathursts und seines Kameramanns George Steel („Die Frau in Schwarz – Engel des Todes“) an Verspieltheit missen lassen, machen nicht nur die in moderner Attitüde inszenierten Actionszenen wett.

Zwischen Marian (Eve Hewson) und Robin ist es Liebe auf den ersten Blick…

Auch das Kostümdesign steckt voller Anachronismen: Der Sheriff von Nottingham sieht aus, als würde er sich in frühen Entwürfen der Garderobe von Ben Mendelsohns „Rogue One: A Star Wars Story“-Figur kleiden, einige von Sir Robins galanteren Kleidern haben einen Schnitt, der an City- und Business-Anzüge erinnert und Sir Robins Alter Ego Robin Hood sowie der halbherzige Rebell Will Tillman könnten sich in ihrer Aufmachung mühelos heutigen Protestmärschen anschließen. Und doch ist das Produktionsdesign in sich kohärent – und es ergänzt stimmig den Inszenierungsstil der Actionszenen und die hämmernde, wenngleich nicht in in Erinnerung haften bleibende ‚„Fluch der Karibik“ light‘-Musik des Komponisten Joseph Trapanese („No Way Out – Gegen die Flammen“). Narrativ muss sich „Robin Hood“ allerdings ankreiden lassen, erst Marian als gewiefte Meisterdiebin einzuführen, nur um sie dann an den Rand der Handlung zu drängen, wo sie zum Objekt der Begierde in einem Liebesdreieck wird, bevor sie später halbherzig einen Elizabeth-Swann-Gedächtnismoment erhält und Truppen mobilisieren darf. Völlig von der genderpolitischen Beinote dieser Entscheidung (noch dazu in einem Film, der sonst so sehr mit politischen Assoziationen um sich wirft) abgesehen, ist es auch schlichtweg holpriges Geschichtenerzählen, wie mit dieser Rolle umgesprungen wird. Dafür machen Foxx, Taron Egerton (der nun quasi den umgekehrten Eggsy aus „Kingsman: The Secret Servie“ mimt), Tim Minchin und Ben Mendelsohn (in einer 15.-Jahrhundert-Variante seines „Rouge One“-Schurken) Spaß in ihren Rollen und bringen sowohl Popcorn-Dramatik als auch fesche Sprüche gut rüber. „Fifty Shades of Grey“-Star Jamie Dornan hingegen ist in diesem Film durch und durch verschenkt. Und aus dem angeteaserten Sequel wird ja wahrscheinlich eh nichts …

Fazit: Konfus aus politischen Motiven zusammengestückelt, historisch völlig inakkurat, aber kurzweilig und sowohl erzählerisch als auch visuell etwas ganz anderes als alle anderen „Robin Hood“-Filme zuvor: Dieser „Robin Hood“ ist ein seichter, simpler Film für einen amüsierten „Hirn aus“-Kinoabend.

„Robin Hood“ ist ab dem 10. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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