Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes

Eine Fortsetzung zur 2012 erschienenen Schauermär „Die Frau in Schwarz“ hätte es vielleicht nicht unbedingt gebraucht. Trotzdem beweist Filmemacher Tom Harper mit dem Sequel DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – ENGEL DES TODES, dass nicht jedes aus Geldzwecken aus dem Boden gestampfte Franchise an Qualität einbüßen muss. Sein Film steht dem Vorgänger in nichts nach, macht jedoch manche Fehler, vor denen auch andere Regisseure nicht gefeit sind. Meine Kritik verrät mehr.

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes

Der Plot

Sie fliehen vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und landen im Horror: Eine Gruppe von acht Schulkindern, die vor den deutschen Bombenangriffen aus London evakuiert wurde, kommt mit ihrer Direktorin Jean Hogg (Helen McCrory) und der jungen Lehrerin Eve Parkins (Phoebe Fox) in das halb verfallene Dorf Crythin Gifford. Ziel ihrer Reise ist das alte Eel Marsh House auf einer Insel, die nur über den Nine Lives Damm zu erreichen ist. Doch ihre Anwesenheit weckt eine böse Macht, die das von der Welt abgeschnittene Gebäude seit Jahrzehnten heimsucht: die Frau in Schwarz. Der rächende Geist tritt aus der Dunkelheit hervor, zieht die Bewohner des Hauses immer tiefer in einen Strudel aus Angst und Schrecken und bringt die grausamen Geheimnisse des Ortes zum Vorschein…

Kritik

Dass von dem insbesondere in Großbritannien erfolgreichen Gruselschocker „Die Frau in Schwarz“ ein paar Jahre später eine Fortsetzung gedreht werden würde, überraschte bei der Ankündigung dieses Vorhabens wohl nur noch all jene, die vor der Hollywood’schen Erfolgskalkulation mithilfe von Pre- und Sequels bislang die Augen verschlossen. Heutzutage wird so ziemlich alles zum Franchise ausgebaut, was erst vor wenigen Tagen die Nachricht bewies, dass selbst der sowohl bei der Kritik, als auch beim Publikum gefloppte Horrorfilm „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“ alsbald fortgeführt werden soll; dieser Entschluss widerspricht zwar in gewisser Weise dem auf das schnelle Geld ausgelegten Produktionsgedanken, immerhin erwies sich der HASBRO-Schocker trotz bester Veröffentlichungs-Voraussetzungen als verhältnismäßiges Kassengift. Obwohl der Streifen mit Einnahmen von knapp 50 Millionen US-Dollar das Zehnfache seiner Kosten wiedereinspielte, gelang es „Ouija“ nicht annähernd, an die bisherigen Produktionserfolge von Horrorspezialist Jason Blum („The Purge“) anzuknüpfen. Anders verhält es sich da bei „Die Frau in Schwarz“: Der Film, in welchem sich „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe 2012 erstmals auch abseits der Zauberer-Saga beweisen durfte, mauserte sich in UK zu einem der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten und erweckte ganz nebenbei die kultigen Hammer-Studios zu neuem Leben. Dessen zum Trotz lud die radikale Grundaussage des Streifens ebenso wenig zu einem Sequel ein, wie der furiose Schlussakt, in welchem der Protagonist die schaurigen Ereignisse in Crythin Gifford nicht überleben durfte. Doch Susan Hill, die Autorin des Teil eins zugrunde liegenden Romans, schrieb weiter und erzählte die Geschichte des Eel Marsh Hauses fort – und überrascht damit auf allen Ebenen.

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes

Susan Hill knüpft mit ihrer zweiten Geschichte „Engel des Todes“ nicht etwa direkt an die Geschehnisse des ersten Teils an, sondern lässt ganz bewusst einige Jahre verstreichen, eh sie noch einmal die finsteren Gemäuer des Eel Marh Hauses besucht. Einzig die Kulisse erinnert daran, dass der Zuschauer vor drei Jahren schon einmal in den schaurigen Genuss des abgelegenen Städtchens Crythin Gifford kam; und nur Hardcore-Fans werden darüber hinaus erkennen, dass die Verantwortlichen nicht etwa an das Setting des Vorgängers zurückkehrten, sondern sich ihre ganz eigene Gruselkulisse bauten. Wer an dieser Stelle bereits Schlimmes befürchtet, dem nimmt die Atmosphäre von „Die Frau in Schwarz 2“ schon früh den Wind aus den Segeln. Abgesehen von der kurzen Überlegung, weshalb sich die Macher mit dieser Entscheidung wesentlich mehr Arbeit aufhalsten als nötig, so überwiegt angesichts des neuen alten Settings vor allem ein Gedanke: Wie haben es die Szenenbildner bloß geschafft, die Kulisse des ersten Teils so gekonnt ein weiteres Mal nachzubilden? Im Stile der Gruselfilme der späten Sechzigerjahre zauberten die Macher unter Zuhilfenahme gängiger Hilfsmittel wie dichtem Nebel das Bild eines Bilderbuch-Spukhauses und verweisen dabei nur in winzigsten Details auf den Vorgänger. So wiederholen sich Musikthemen aus „Die Frau in Schwarz“ ebenso wie punktuelle Einzelszenen, die in ihrer genauen Auswahl jedoch nicht als einfallslose Neuaufnahme, sondern als Querverweis gedeutet werden können.

Trotz einer erstaunlich niedrigen FSK-Freigabe von 12 steht „Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes“ seinem Vorgänger auch in Sachen Schockgarantie in nichts nach. Zwar erweist sich die Story als nicht allzu innovativ, denn ähnlich aktueller Genre-Größen wie James Wan („Conjuring – Die Heimsuchung“) oder Scott Derrickson („Erlöse uns von dem Bösen“) verlässt sich auch Serienmacher Tom Harper („Misfits“) lieber auf das Neu-Arrangement gängiger Horror-Versatzstücke und hofft in Sachen Originalität lieber darauf, dass es die Intensität im Geschichtenerzählen schon richten wird.

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes

Leider umgeht Tom Harper, der mit „Die Frau in Schwarz 2“ sein Langfilm- und zugleich Leinwanddebüt abliefert, nicht immer die typischen Horrorfilmfettnäpfchen. Besonders der Score (Marco Beltrami, Brandon Roberts, Marcus Trumpp) gehört zu den Schwachpunkten des Streifens, da dieser die durch Suspense überspielte Berechenbarkeit der Story in manchen Momenten besonders hervorkehrt. Wann immer die Szenerie auf einen atmosphärischen Höhepunkt zusteuert, schwillt die dramatische Orchestermusik auf eine alles andere als subtile Art und Weise an. Das zu toppen gelang in den vergangenen Jahren nur „Annabelle“ – ein Film, der unter seiner musikalischen Untermalung fast schon zu leiden hatte. Auch visuell präsentiert sich „Die Frau in Schwarz 2“ nicht allzu neu und setzt unheimliche Schatten, wehende Vorhänge und vor die Kamera springende Fratzen ebenso in Szene, wie die Wirren des Krieges. Vor allem letzteren ist es jedoch zu verdanken, dass Harpers Regiearbeit einen bodenständigen Mantel erhält, mit dem der Vorgänger nicht auftrumpfen konnte. Der Zweite Weltkrieg als Zustandsbeschreibung von Land und Leuten macht die Ereignisse im Eel Marsh Haus noch ein gutes Stück beklemmender; dass sich da vor allem die Jungdarsteller zu beweisen wissen, überrascht fast schon. Oaklee Pendergast („The Impossible“) als von der Frau in Schwarz heimgesuchter Einzelgänger sei stellvertretend für die angsteinflößend authentischen Schauspielleistungen aller Jungdarsteller genannt, die den Erwachsenen mehr als einmal die Show stehlen.

Trotz der Abzüge in der B-Note beweist sich das „Frau in Schwarz“-Sequel als würdige Fortsetzung, die aufgrund ihrer ganz neuen Story-Umstände nicht etwa als Abklatsch ihres Vorgängers, sondern als vollkommen eigene Geschichte funktioniert. Im Grunde ist der Begriff „Fortsetzung“ an dieser Stelle fast schon ein falscher, denn die Handlung aus Teil eins wird nicht etwa weitererzählt. Stattdessen taucht einzig das geheimnisumwitterte Anwesen ein zweites Mal auf und wird auf ein Neues mit schaurigem Leben gefüllt. Harper gelingt dieses schwierige Unterfangen auf eine äußerst stilsichere Art, denn das Drehbuch von Jon Crocker („Wüstentänzer“) eröffnet viele Handlungsstränge, die der Regisseur allesamt schlüssig zusammenführt. Mit Phoebe Fox („Zwei an einem Tag“) als resolute Lehrerin stellt das Skript eine Figur in den Mittelpunkt, die nicht so sehr zur Identifikation einlädt, wie Radcliffe im ersten Teil. Dennoch überrascht die Schauspielerin mit ihrer natürlichen Ausstrahlung, deren Unsicherheit die grauenvollen Ereignisse in Crythin Gifford unterstreicht. Helen McCrory („Hugo Cabret“) hält sich da lieber im Hintergrund, weiß in den entscheidenden Momenten jedoch ebenfalls zu überzeugen.

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes

Für „Die Frau in Schwarz 2“ wählten die Macher eine andere Kulisse als noch in Teil eins. Einen Unterschied sieht man nicht.

Fazit: Hinter „Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes“ steckt kein halbherzig der Erfolgskalkulation wegen inszeniertes Horrorstück, sondern eine atmosphärisch dicht erzählte Geschichte, die sich in manchen Momenten ein wenig zu sehr auf die gängigen Horrorfilm-Versatzstücke verlässt, im Großen und Ganzen jedoch verdammt gruselig geworden ist.

„Die Frau in Schwarz – Engel des Todes“ ist ab dem 19. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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