Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes

In der Familienkomödie PAPA MOLL UND DIE ENTFÜHRUNG DES FLIEGENDEN HUNDES werden die berühmten Schweizer Comics für die Leinwand zum Leben erweckt – mit mäßigem Erfolg. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern – und schon bricht bei Papa Moll (Stefan Kurt) das Chaos aus. Das beginnt eines frühen Morgens, als plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und der kleine Fritz den Wachtmeister Grimm (Erich Vock) mit einem Gummipfeil beschießt. Und dann wird Papa Moll auch noch zu Überstunden verdonnert. Während Papa Moll also das Wochenende in der Schokoladenfabrik des berühmten Gründers Konrad Weich (Pierre Siegenthaler) verbringen muss, entbrennt zwischen seinen Kindern Evi (Luna Palano), Fritz (Maxwell Mare) und Willy (Yven Hess) sowie dem Nachwuchs seines Chefs Stuss (Martin Rapold) ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Schokolade, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt – Katovl Houdini.

Kritik

„Das hätte es früher nicht gegeben!“ sagt eine der Nebenfiguren entrüstet, nachdem die Moll-Kinder ihren Erzfeinden auf dem Gelände eines Zirkus‘ einen bösen Streich gespielt haben. Uns stellt sich da im Anbetracht des gesamten Films eine Frage: Welches „früher“ meint die Dame bloß? Schaut man sich die erste Leinwandadaption der beliebten Schweizer „Papa Moll“-Comics nämlich einmal an, fragt man sich auch so ziemlich schnell, ob es sich hierbei wirklich um einen Film aus dem Jahr 2018 (respektive 2017, als er gedreht wurde) handelt, oder ob es hier eine verschollene Produktion aus den Siebzigerjahren aus dem Giftschrank geschafft hat. Doch selbst eine solche wäre vermutlich weitaus weniger bieder und altbacken ausgefallen, als „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“. Ein Kinder- und Familienabenteuer soll es sein, basierend auf der Vorlage aus den Siebzigerjahren, aber mit modernem Anstrich, den Regisseur Manuel Flurin Hendry garantieren soll – und immerhin hat der einige der besseren „Tatort“-Episoden aus den vergangenen Jahren inszeniert. Sein „Papa Moll“-Film dagegen schrammt dank der aufwändigen Inszenierung immerhin an der Vollkatastrophe vorbei, doch seinen Kindern (geschweige denn sich selbst) will man hierfür kein Kinoticket lösen.

Beim Abendessen erzählt Papa Moll (Stefan Kurt) seinen Kindern, dass es morgen in den Zirkus geht.

Dass die Schweizer Produktion (hinter dem Film steckt dieselbe Firma wie von „Die göttliche Ordnung“) „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ gar nicht erst im Hier und Jetzt spielen soll, erkennt man vor allem an Ausstattungsdetails: Die Mode, die Frisuren, die Technik (hier kommen noch kleine Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher mit Antenne zum Einsatz!) und die Autos – all das entstammt definitiv nicht der Gegenwart, wenngleich nie explizit darauf eingegangen wird, in welchem Jahrzehnt die Geschichte eigentlich spielen soll. Letztlich ist das aber auch gar nicht wichtig. Respektive wäre. Immerhin kommt es vor allem auf die Inszenierung an, und die kann sich auch dann den modernen Sehgewohnheiten anpassen, wenn die eigentliche Story alles andere als modern ist. „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ ist da allerdings ein Negativbeispiel. Beginnend beim reimenden Voice-Over, das uns die spießbürgerliche Abgeschiedenheit eines winzigen Dorfes (auf dessen leeren Straßen man augenscheinlich vom Boden essen könnte und dessen aneinander gereihte Gärten so akkurat designt sind, dass man am liebsten sofort wieder die Flucht ergreifen möchte) als erstrebenswerte Idylle verkauft, ist an dem „Papa Moll“-Universum alles einen Tick zu konstruiert und perfekt. Wiederum konsequent ist es da, dass die völlig harmlosen Streiche der Moll-Geschwister direkt eine Krise unter den Bewohnern auslösen; kein Wunder, wenn hier sonst überhaupt nichts zu passieren scheint.

Ein entsprechend großes Tamtam wird aufgefahren, um die verschiedenen Streiche der Kids in bester Slapstick-Manier zu präsentieren; und zumindest eine Sache müssen wir dem „Papa Moll“-Film lassen: Nicht nur die Setpieces – von der liebevoll designten Schokoladenfabrik, in der es an allen Ecken und Enden dampft und rumort, bis hin zur detailliert ausgearbeiteten Zirkuskulisse – entbehren ein hohes Maß an Kreativität. Auch die handgemachten Effekte, die gut in diese kleinen, niedlichen Settings passen, zeugen von Leidenschaft und Passion; hier kommt im Zweifelsfall nicht direkt der Computer zum Einsatz, um ein visuelles Spektakel zu erzeugen – da ist ein aus einer Kanone in die Zirkusmanege geschossener Junge ein großes Ereignis. Gerade für Kinder, die das erste Mal mit einer großen Leinwand in Berührung kommen, ist „Papa Moll und die Geschichte des fliegenden Hundes“ dadurch vielleicht sogar ein ganz guter Einstieg, doch aus erzählerischer Sicht haben schon die Allerkleinsten Besseres verdient.

Kann Papa Moll seine Kinder wirklich alleine lassen?

So aufdringlich die Macher ihr Leinwandgeschehen auch mit einer vermeintlich lustigen, dauerhaft vor sich hin dudelnden Musik untermalen, für Ausrutscher und Pannen akustische Effekte verwenden, und die Streiche der Kids später bis ins Absurdeste eskalieren lassen, so uninteressant und langweilig, gleichermaßen voller Klischees steckend, ist die Story. Komplex ist diese nicht: Die Moll-Kinder wollen einen kleinen Hund (der sich später zu Recht als Szenendieb erweist!) aus den Fängen eines bösen Zirkus‘ befreien und müssen sich dabei auch noch mit den verfeindeten Kindern von Papa Molls Chef herumschlagen. Plakativ und naiv gerät hier nicht bloß die Aufteilung in Gut und Böse (für moralische Grauzonen ist in diesem Film kein Platz); sämtliche Figuren erweisen sich nach wenigen Sätzen als grob überzeichnete, fast unangenehme Karikaturen. Die trotteligen Gesetzeshüter, der gestrenge Fabrikboss, die „hysterischen Weiber“ (ja, genau so wollen wir das beschreiben, was in „Papa Moll“ aufgefahren wird!) und die Kinder, die unter all diesen Klischees noch die beste Figur machen, bilden ein Potpourri aus nervtötenden Charakteren, die vor allem ganz jungen Kinobesuchern eine Welt vorgaukeln, von der sie – dann auch noch in den übersättigten, knallbunten Farben – vielmehr überfordert als unterhalten sein dürften. Letztlich erwarten wir nicht von jedem Kinderfilm, dass er gleichzeitig auch die begleitenden Erwachsenen unterhält. Aber im Fall von „Papa Moll und das Geheimnis des fliegenden Hundes“ bezweifeln wir arg, dass überhaupt die anvisierte Zielgruppe ihren Spaß an der Sache hat.

Fazit: „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ wirkt wie aus der Zeit gefallen. Damit meinen wir allerdings nicht das positive „zeitlos“, sondern eher das negative „altbacken“. Einen biedereren Kinder- und Familienfilm wird man in diesem Jahr kaum sehen.

„Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ ist ab dem 12. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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