Das etruskische Lächeln

Basierend auf dem gleichnamigen Roman erzählt DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN davon, wie sich zwei Generationen innerhalb einer Familie annähern – und damit leider nicht viel Neues in der Welt der Tragikomödien. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Rory MacNeil (Brian Cox) hat sein ganzes Leben auf der abgelegenen schottischen Insel Vallasay zugebracht. Durch seinen Gesundheitszustand ist er gezwungen, seine geliebte Insel zu verlassen und seinen Sohn in San Francisco zu besuchen. Über die Jahre hat sich Rory von seinem Sohn Ian (JJ Feild) entfremdet und es fällt ihm schwer, einen Zugang zu ihm zu finden. Ganz im Gegenteil zu seinem kleinen Enkelsohn, den er schnell in sein Herz schließt. Und so entdeckt der Querkopf neue Seiten an sich und anderen, und erkennt, dass ein Lächeln selbst den Tod überdauert, wenn man wirklich gelebt hat.

Kritik

Zum Zeitpunkt der Filmpremiere seiner neuesten Produktion „Das etruskische Lächeln“, war Arthur Cohn („Die Kinder des Monsieur Mathieu“) bereits 90 Jahre alt. Stattgefunden hatte diese in seiner Geburtsstadt Basel, zu der Gäste aus den höchsten Kreise medialer Aufmerksamkeit eingeladen waren. Das sorgte im Anschluss an die Uraufführung für überraschend große Schlagzeilen („Arthur Cohns neuester Film ist ganz großes Tennis“). Mit ein Grund: Auch Tennis-Ass Roger Federer war anwesend und äußerte sich wenig später in höchsten Tönen lobend zu der Tragikomödie. Ohne Federer mangelnde Filmkenntnisse vorwerfen zu wollen, erschließt sich uns diese Begeisterung, in die auch noch Stars wie TV-Legende Frank Elstner und Sängerin Paola Felix mit einstimmten, nicht so ganz. Geschweige denn die Aussage eines großen deutschen Boulevard-Blatts, der auf dem gleichnamigen Roman von Jose Luis Sampedro basierende Film gelte „in den USA schon als oscarwürdig“. Ob sich diese Prognose bewahrheiten wird, können wir ohne den entsprechenden Kinostart in den USA bislang noch nicht sagen. Doch die gefühlsduselige Geschichte über einen Senior, der sich auf seine alten Tage mit seinem Sohn auszusöhnen versucht, hat mit Ausnahme seines poetischen Titels so wenig Neues zum Thema Generationenclash zu erzählen, dass wir uns ausnahmsweise mal so weit aus dem Fenster lehnen und jetzt schon sagen wollen, dass das mit dem Goldjungen definitiv nichts wird.

Ian (JJ Feild) und Emily (Thora Birch) sind mit ihrem plötzlich auf der Matte stehenden Besuch überfordert.

Im Grunde reicht bereits die Erklärung des Film- (respektive Roman-)Titels, um einen Eindruck zu gewinnen, in was für spannungs- und überraschungsarmen Bahnen „Das etruskische Lächeln“ verläuft: Hauptfigur Rory MacNeil bekommt in einem Kunstmuseum erklärt, dass die Bezeichnung auf Tonstatuen von Verstorbenen zurück geht, die zum Zeitpunkt ihres Todes ein Lächeln auf den Lippen trugen. In Kombination mit der Geschichte über einen Sterbenskranken kann man sich denken, worauf die Story hinausläuft: Auch der bisweilen ziemlich unausstehliche Protagonist wird am Ende des Films schmunzelnd den Löffel abgeben; und da er sein Ziel, vorher noch das erste Wort seines Enkels miterleben zu wollen, diverse Male wiederholt hat, wissen wir auch, dass sicherlich auch das vorher eintreffen wird. Das alles ist nicht nur über alle Maßen vorhersehbar und abgedroschen, auch der Weg dorthin entspricht ziemlich genau dem, was man schon in diversen anderen Filmen dieser Couleur zu sehen bekam. Die Versöhnung zwischen Rory und seinem Sohn Ian ist genauso vorprogrammiert, wie dessen Bewusstmachen darüber, dass er in seinem Job unglücklich ist, oder die Erkenntnis seiner Frau Emily („American Beauty“-Star Thora Birch), dass sie es mit der multilingualen Erziehung ihres Sohnes vielleicht doch ein wenig übertreibt.

Das alles wäre allerdings nur halb so schlimm, würde das Regieduo aus Oded Binnun und Mihal Brezis (inszenierten vorab hauptsächlich Kurzfilme) nicht auch noch diverse Klischees abfrühstücken. Junge Eltern in Großstädten sind überengagiert und überspannt (Ian arbeitet natürlich als Molekularkoch in einem Hipsterrestaurant), vom Lande kommende Iren dagegen haben die Weisheit mit Löffeln gefressen und schneiden ihren kleinen Enkeln schon mal ein ordentliches Stück Blutwurst ab – das hat ihnen als Kind schließlich auch nicht geschadet. „Das etruskische Lächeln“ macht sich die zwischenzeitlich aufgebaute, charmante Atmosphäre – etwa beim subtilen Kennenlernen zwischen Rory und Claudia – immer wieder kaputt, indem die Macher Wahrhaftigkeit gegen Plakativität eintauschen. Das führt sogar so weit, dass man die sich zwischen Ian und seinem Vater aufladende Spannung nur allzu gut verstehen kann; Schließlich ist das Verhalten des alternden Großvaters alles andere als reif, wenn dieser. ohne Bescheid zu geben, mit seinem Enkel einen Ausflug unternimmt. Was die Autoren beabsichtigen, ist allerdings das Gegenteil: Rory soll uns in seiner Art zu Herzen gehen, uns zum Schmunzeln bringen, während die karrierefixierten Großstädter fast abwertend in eine Antagonistenrolle gedrängt werden.

In „Das etruskische Lächeln“ liegen zwischen Rosanna Arquette und Brian Cox schauspielerische Welten.

Gegen so viel Oberflächlichkeit können letztlich auch die Darsteller wenig ausrichten. Brian Cox („Churchill“) spielt mit dem Abziehbild des grummeligen Alten einmal mehr sich selbst, und gibt seine nervige Figur teilweise sogar der Lächerlichkeit preis. Wenn ihm doch mal tiefere Emotionen abverlangt werden, kleistert Komponist Haim Frank Ilfan („Ghost Stories“) diese direkt mit seinem aufdringlichen Orchesterscore zu und gibt die Gefühle direkt vor, anstatt es dem Zuschauer selbst zu überlassen, was er in diesem oder jenem Moment fühlen soll. Dasselbe gilt für die Bilder von Kameramann Javier Aguirresarobe („Thor: Tag der Entscheidung“), der sich am visuellen Kontrast aus dem rauen Schottland und der Moderne der US-amerikanischen City labt, aber auch nichts zeigt, was man nicht schon woanders gesehen hätte. Eine Fehde zwischen Rory und einem alten Erzfeind reizt das Skript von Sarah Bellwood, Michal Lali Kagan und Michael McGowan („Für immer dein“) bis an die Grenze zur Glaubwürdigkeit aus und gibt Cox auf den letzten Metern überhaupt keine Möglichkeit mehr, hier bodenständig und glaubhaft aufzuspielen. Auch Thora Birch ist in der Eindimensionalität ihrer Rolle gefangen, gibt sich aber immerhin Mühe, dagegen anzuspielen. Doch für sie hatten die Autoren offenbar nur ein weiteres Klischee parat: das der ihr Kind ob der eigenen Selbstverwirklichung im Stich lassenden Karrieremum. Wirklich überzeugen können einzig und allein JJ Feild („Austenland“) als in seiner zerbrechlich-eleganten Art (und in seinem Aussehen!) sehr an Tom Hiddleston erinnernder Ian, sowie eine gewohnt souveräne Rosanna Arquette („Pulp Fiction“), die sich bis zum Schluss bemüht, Brian Cox etwas von ihrer Leichtigkeit abzugeben.

Fazit: „Das etruskische Lächeln“ zeigt nichts, was man in anderen Filmen über Generationskonflikte nicht schon besser gesehen hätte und packt noch eine ordentliche Portion Klischees obendrauf. Immerhin die Nebendarsteller und einige intime Momente überzeugen.

„Das etruskische Lächeln“ ist ab dem 12. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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