3 Tage in Quiberon

Es war ihr letztes Interview mit der deutschen Presse, das Romy Schneider wenige Monate vor ihrem Tod dem Stern im französischen Küstenort Quiberon gab. Der Film 3 TAGE IN QUIBERON erzählt davon und ist ein spannendes Dokument über eine Zeit, in der Boulevardblätter noch nicht wussten, dass sie welche sind. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

1981 verbringt der Weltstar Romy Schneider (Marie Bäumer) drei Tage mit ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) in dem kleinen bretonischen Kurort Quiberon, um sich dort vor ihrem nächsten Filmprojekt ein wenig Ruhe zu gönnen. Trotz ihrer negativen Erfahrungen mit der deutschen Presse willigt die Schauspielerin in ein Interview mit dem STERN-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein, zu dem der von Romy Schneider geschätzte Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner) die dazugehörige Fotostrecke liefert. Aus dem geplanten Termin entwickelt sich ein drei Tage andauerndes Katz- und Mausspiel zwischen dem Journalisten und der Ausnahmekünstlerin, das auch Robert Lebeck und Romys Freundin Hilde an ihre Grenzen bringt…

Kritik

In „3 Tage in Quiberon“ gibt es zwei Schlüsselszenen, die sämtliche Stärken des biographischen Dramas rund um Schauspielerin Romy Schneider zusammenfassen: Da ist zum Einen die traurige Offenbarung der einst berühmtesten Frau Europas, die sich in einem Schwall der Selbsterkenntnis gegenüber STERN-Reporter und Journalist Michael Jürgs als „unglückliche Frau von 42 Jahren“ bezeichnete. Und da ist Jürgs‘ doppelzügig abwertende Äußerung gegenüber der Yellow Press, die zu Schneiders Lebzeiten schon mal Schwangerschafts- und Trennungsgerüchte auf ihre Titelblätter druckte, ohne es durch Fakten belegen zu können – zur Erklärung: Jürgs selbst stellte Romy Schneider lieber provokante Fragen zu ihrer Person, als zu ihrer Arbeit als Schauspielerin. Beiden Facetten – der heuchlerischen Presse und dem tragischen Schicksal Romy Schneiders – lässt Regisseurin Emily Atef („Töte mich“) in ihrem nunmehr fünften Kinofilm Raum zur Entfaltung, ohne das „Mysterium Romy Schneider“ entschlüsseln und journalistische Berichterstattung generell verteufeln zu wollen. Und so wird aus „3 Tage in Quibéron“ eine emotionale Momentaufnahme, ein packendes Zeitdokument und gibt Anlass zur Frage, wie abwegig die später durch die Journaille geisternde Vermutung, Romy Schneider sei an einem „gebrochenen Herzen“ gestorben, wirklich war.

Romy Schneider (Marie Bäumer) mit ihrer Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) im französischen Quiberon.

Um die gebürtige Österreicherin Romy Schneider rankten sich zu Lebzeiten Mysterien und Geheimnisse, von denen die „Todesursache gebrochenes Herz“ nur eines von vielen war. Doch ihre Beachtung beschränkte sich bei Weitem nicht bloß auf ihr Dasein als Schauspielerin, die vor allem durch ihre Rolle in „Sissi“ zu Berühmtheit gelang, sondern insbesondere durch ihre privaten Eskapaden. STERN-Journalist Stefan Jürgs bezeichnete sie in seinem Interview – das letzte, das sie der deutschen Presse gab – gar als „Erregung öffentlichen Ärgernisses“, da sich die Menschen lieber dafür interessierten, mit welchem Mann sie wann wo gesehen wurde, anstatt für ihre Rollen; immerhin über sechzig Stück. Auch ihr Gesundheitszustand oder die Frage, wie es ihren Kindern geht, waren immer wieder Teil der Berichterstattung und nagten in ihrer Penetranz am Seelenheil der Schauspielerin. Die optisch Romy Schneider durchaus nahe kommende Marie Bäumer („Irre sind männlich“) spielt in ihrer Performance gleichermaßen mit ihrem Image als trauriges Mädchen und glamouröse Lady; ganz so, als wäre die Figur der Romy Schneider ihr in Fleisch und Blut übergegangen. In Mimik und Gestik kommt sie ganz nah an ihr Vorbild heran und hält den Zuschauer durch ambivalente Aussagen und ihre verhuschte Attitüde immer auch auf Abstand – an Schneider kam man schon zu Lebzeiten nicht heran; in „3 Tage in Quiberon“ ebenfalls nicht.

Wie auch schon die Anfang der Achtzigerjahre in Quiberon aufgenommenen Fotografien von Romy Schneider, drehte Emily Atef ihr Drama in elegantem Schwarz-Weiß. Im Fokus stehen neben der Schauspielerin der Journalist Michael Jürgs, Schneiders enger Vertrauter und Fotograf Robert Lebeck und ihre beste Freundin Hilde, die als einzige Figur in „3 Tage in Quiberon“ fiktiven Ursprungs ist. Dieses Vier-Personen-Stück findet in der kammerspielartigen Kulisse des Fünf-Sterne-Hotels an der bretonischen Küste ihr perfektes Setting, um die Interaktion zwischen Schneider und Jürgs nach und nach zum Brodeln zu bringen. Auf der einen Seite steht der Journalist, der – wie die eigentlich von ihm verachtete Boulevardpresse – vorwiegend provokant auftritt, um mit seinen reißerischen Fragen möglichst noch reißerische Antworten zu ergattern. Auf der anderen Seite steht Romy Schneider, ein wenig zu naiv für ihren Status als Weltstar, die lediglich von ihrer besten Freundin unterstützt wird. Während die Freundschaft zwischen den beiden Frauen zunächst wie das einzig Echte an diesem Szenario erscheint, dauert es nicht lang, bis der Reporter genügend Zweifel daran geschürt hat, dass es auch nur einen Menschen gibt, der Romy Schneider nicht als Filmstar, sondern als Menschen ansieht.

Robert Lebeck (Charly Hübner) setzt Romy Schneider perfekt in Szene.

Auch abseits der Arbeit präsentiert sich Jürgs stets als unangenehmer Zeitgenosse, der nie einen Hehl daraus macht, lediglich Interesse an einer guten Reportage, nicht aber an den Menschen an sich zu haben. Sogar sein plötzlicher Sinneswandel im Epilog wirkt da nicht wie ein Akt menschlicher Einsicht, sondern nur wie ein vorab genau durchkalkulierter Schritt in Richtung Erfolg. Weniger offensichtlich sind dagegen die Erwartungen der zwei anderen Castmitglieder: Ist der Fotograf lediglich in die Vorstellung verknallt, mit Romy Schneider das Bett zu teilen und dadurch besonders intime Bilder von ihr machen zu können? Oder steckt dahinter wirklich die Liebe für eine zerbrechliche Frau? Das Gleiche gilt für Hilde, die ihre Fürsorge für ihre beste Freundin durchaus einen Tick zu schnell aufgibt, als sich ihrer Freundschaft immer größere Hürden in den Weg stellen. Charly Hübner („Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“) und Birgit Minichmayr („Nur Gott kann mich richten“) spielen stark auf und bleiben immer so undurchsichtig, wie es für ihre Rollen angebracht ist. Die Tatsache, dass es letztlich das Faszinosum Romy Schneider ist, das sie alle vier zusammengebracht hat und hier nun an diesem einen Ort hält, bringt diese drei noch so unterschiedlichen Figuren schließlich auf eine Augenhöhe. Vor allem im letzten Drittel geht es verstärkt um den Gemütszustand der schwer depressiven Schauspielerin, die ihrem enormen Ruhm schlicht nicht gewachsen schien und sich erst den Fuß brechen musste, um zur so dringend notwendigen Ruhepause zu gelangen.

Fazit: Als Film über Romy Schneider ist „3 Tage in Quiberon“ gut, da er die Schauspielerin nicht entmystifiziert. Als Film über die Mechanismen der (Klatsch-)Presse ist er dagegen noch besser – eben weil er sie entmystifiziert.

„3 Tage in Quiberon“ ist ab dem 12. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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