Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Er brachte uns mit „Das fünfte Element“ einen Meilenstein des modernen Science-Fiction-Kinos und verwirklicht mit der Comicverfilmung VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN nun einen lang gehegten Traum. Wie dieses 180 Millionen-Dollar teure Projekt geworden ist, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Im 28. Jahrhundert sind Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) als Spezialagenten der Regierung mit der Aufrechterhaltung der Ordnung im gesamten Universum beauftragt. Während der verwegene Frauenheld Valerian es auf mehr als nur eine berufliche Beziehung mit seiner schönen Partnerin abgesehen hat, zeigt ihm die selbstbewusste Laureline jedoch die kalte Schulter. Auf Anordnung ihres Kommandanten (Clive Owen) begeben sich Valerian und Laureline auf eine Sondermission in die atemberaubende, intergalaktische Stadt Alpha: einer Mega-Metropole, die Tausende verschiedener Spezies aus den entlegensten Winkeln des Universums beheimatet. Die siebzehn Millionen Einwohner haben sich über die Zeiten einander angenähert und ihre Talente, Technologien und Ressourcen zum Vorteil aller vereint. Doch nicht jeder in der Stadt der Tausend Planeten verfolgt dieselben Ziele – im Verborgenen wächst eine dunkle Macht heran, die nicht nur Alpha, sondern die gesamte Galaxie in Gefahr bringt…

Kritik

Eine Sache muss man dem französischen Erfolgsregisseur Luc Besson („Lucy“) lassen: Er zieht sein Ding durch! Seit Jahrzehnten hastet er dem Projekt hinterher, die hierzulande unbekannten Graphic Novels „Valerian & Laureline“ zu verfilmen, sah sich bislang allerdings nicht in der Lage, jene technischen Möglichkeiten aufzufahren, durch die sich die kreative Vielfalt der Comics angemessen auf die Leinwand bringen ließe. Heute, im Jahr 2017, ist dank CGI, Motion-Capturing und Co. so ziemlich alles möglich. Man fragt sich schon längst nicht mehr, wie die Effektspezialisten diese oder jene Bildillusion wohl hinbekommen haben. Im besten Falle sieht man einfach nicht, dass die visuelle Spielerei aus dem Computer kommt oder vor einem Greenscreen entstanden ist. Im schlechtesten Fall, Stichwort „Kong“, „Wonder Woman“ oder jetzt eben auch „Valerian“, aber eben schon. 180 Millionen US-Dollar standen Besson für die Verwirklichung seines Traumes zur Verfügung und wenn es nach dem quantitativen Aufwand geht, dann mag man „Valerian“ dieses üppige Budget auch ansehen. Doch die zwar berauschend-kreative, jedoch gleichsam äußerst sterile und einfach aus vielen verschiedenen Stilistiken zusammengeklaute Optik hat nicht bloß das Problem einer merkwürdigen Unnahbarkeit, die es trotz übermäßig starkem 3D nie so recht zulässt, vollends in die Szenerie einzutauchen. Nach etwa einer halben Stunde lassen die Macher ihr größtes Ass im Ärmel einfach links liegen, wählen absolut austauschbare Settings und dann hat man erst die Gelegenheit, Geschichte und Figuren mal näher zu betrachten. Spätestens dann kommt man aus dem Haare raufen überhaupt nicht mehr heraus. „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist nicht mehr als ein gescheitertes Prestigeprojekt, das sich nach ohnehin schlechten Marketingmöglichkeiten nun nicht mal mehr auf gute Mundpropaganda verlassen kann.

Computereffekte, bunte Farben und dazwischen Dane DeHaan und Cara Delevingne.

Wenn man erst einmal weiß, was geht, wird es später umso schwieriger, nachzuvollziehen, weshalb die Macher ihrer „Wir hauen raus, was der Computer hergibt“-Mentalität irgendwann einen Riegel vorschieben. Wenn das Publikum in der ersten halben Stunde den „Valerian“-Kosmos erklärt bekommt, kommt man aus dem Staunen nämlich nicht heraus. Zwar bleibt der ganz große Aha-Effekt aus – dafür orientieren sich Besson und sein Team einfach zu sehr an bereits existierenden Motiven oder teilen die Ideen ihrer Kollegen („Ghost in the Shell“, „Tron: Legacy“ und die beiden großen Weltraum-Reihen mit einem „Star“ im Titel lassen grüßen). Trotzdem lauert in der Eröffnungsphase hinter jeder Ecke eine neue Idee, wenngleich man sich auf diese fraglos einlassen muss. Auch wenn man es nur zu gern möchte, so sollte man unbedingt davon absehen, kreative Entscheidungen zu hinterfragen. „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ kann ausschließlich funktionieren, wenn man die einem vorgesetzten Dinge annimmt; So wird die erste Verfolgungsjagd auf einer Art Virtual-Reality-Shoppingplanet (!) zu einem virtuos-magischen, actiongeladenen Bombastspektakel, das die gesamte Bandbreite an Einfallsreichtum auffährt. Doch ist diese Mission zu Ende, tritt Besson unvermittelt auf die Bremse. Würde der auch für das Drehbuch verantwortliche Erfolgsregisseur nun den nicht unwichtigen Teil der Story näher beleuchten, ließe sich dieser Umstand noch irgendwie erklären. Doch um die eigentliche Geschichte kümmert er sich ausschließlich in den ersten 15 und in den letzten 15 Minuten (inklusive ausführlichem Monolog, in dem all das, worum man sich in den vergangenen zwei Stunden hätte scheren sollen, einfach sprachlich formuliert wird). Alles dazwischen mag in seiner Episodenhaftigkeit, in welcher sich verschiedene (Action-)Missionen aneinander reihen, zwar den Geist der Comicbuchvorlage treffen, doch gleichzeitig unterstreicht das auch die erzählerische Austauschbarkeit.

Die beiden Hauptfiguren Valerian und Lauraline kämpfen sich levelartig durch die verschiedenen Stationen ihres Abenteuers; kämen diese allesamt in einer Stilistik daher, wie man es im Auftakt gezeigt bekommt, wäre gegen zweieinhalb Stunden fantastisches Style-over-Substance-Kino überhaupt nichts einzuwenden – wenngleich man sich wiederum die Frage stellen kann, ob man auf eine 137-minütige Greenscreenparty wirklich Lust hat, wenn man bereits in wenigen Wochen mit „Planet der Affen: Survival“ echtes, handgemachtes Effektekino genießen kann. Doch „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ pendelt sich optisch ohnehin schnell auf herkömmlichem Weltraumfilm-Niveau ein (da steckt schon Mastermind Luc Besson hinter dem Unterfangen und die größten Waffenkämpfe werden vor schwarzem Hintergrund ausgetragen!); die ausschließliche Definition über Optik und Akustik kann man daher nicht mehr gelten lassen. Das Problem: Will man abseits davon schließlich auch sowas wie Inhalt an den Mann bringen, wird es erst so richtig banal. Zugegeben: Viel zu erzählen ist da ja auch nicht, immerhin ist „Valerian“ eine einfache Rettungsmission. Doch wenn Luc Besson vereinzelte Inhaltsaspekte streut, lässt er seinen Film so gezielt ausfransen, dass man fast meinen möchte, der Filmemacher schiele selbst bei diesem risikobehafteten Projekt nach jeder Menge Fortsetzungen. Da werden in einem Nebensatz Königreiche an Hauptfiguren versprochen, worauf später nie wieder eingegangen wird. Es werden erzählerische Haken geschlagen, die einzig und alleine dazu dienen, eine Alienrasse so zu etablieren, als befände man sich gerade in den Zeiten, in denen Afroamerikaner noch als „Wilde“ zur Schau gestellt wurden. Und eine Rihanna macht sich auf dem Filmplakat sicher gut, doch abgesehen davon, dass ihre sexy Tanzperformance zu den Highlights des gesamten Films gehört, ist diese inhaltlich letztlich überhaupt nicht relevant.

Rihanna gebührt in „Valerian“ zugleich die unnötigste, aber auch beste Szene.

Es spricht schon Bände, dass sich die menschlichen Darsteller allesamt die Show von den mitunter äußerst niedlich animierten Alienwesen stehlen lassen; vor allem die an eine Mischung aus Igel und Ratte erinnernden Transmulator sind zuckersüß – und haben letztlich mehr Profil, als sämtliche Darsteller zusammen. Der mit einem Miniauftritt gesegnete Ethan Hawke („Die glorreichen Sieben“) macht auf der Leinwand noch die beste Figur, denn dank seiner exzentrisch angelegten Over-the-Top-Performance als Weltraum-Pimp hat er immerhin ordentlich was zum Aufspielen. Auch Dane DeHaan („A Cure for Wellness“) gibt sich sichtlich Mühe, das Beste aus seiner mit hanebüchenen Dialogen versehenen Figur herauszuholen, die sich letztlich doch nur über ihre Flirtereien mit Laureline definiert, der Cara Delevingne („Suicide Squad“) wiederum überhaupt keinen Charakter zugesteht. In ihrem aus heiterem Himmel stattfindenden Abschlussmonolog wird es dann sogar richtig peinlich („Wonder Woman“ lässt grüßen!), denn der ohnehin nur wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit Frauenfiguren aufbringende Luc Besson degradiert Laureline hier endgültig zur gefühlsduseligen Amateurin, der schon von Beginn an keiner auch nur irgendetwas zutraut – und das im 28. Jahrhundert! Und dann ist da ja auch noch Clive Owen („The Knick“), der sich am Stereotyp eines emotionslosen Kommandeurs so arg festklammert, dass man sich fragt, weshalb man hier überhaupt einen Menschen besetzt hat, wenn man doch ebenso gut auch eine CGI-animierte Figur hinter die Kommandozentrale hätte setzen können.

Fazit: Herzensprojekt hin oder her – nach einem kreativ-aufregenden Auftakt pendelt sich „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ optisch auf Durchschnitts-Sci-Fi-Niveau ein und legt die Schwächen der Handlung offen. Luc Besson manövriert sich absolut unbeholfen durch eine austauschbare Rettungsmission und ist dabei weder an den Figuren, noch an einer Dramaturgie interessiert. Von den absoluten Fehlschlägen wie dem latent aufgefahrenen Rassismus und der durchschimmernden Frauenfeindlichkeit ganz zu schweigen.

„Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist ab dem 20. Juli bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in spektakulärem 3D!

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