Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt

Es ist zwar noch nicht einmal Dezember, aber so langsam beginnen sich die Weihnachtsfilme, in den Kinos breit zu machen. Den Anfang macht PETTERSSON UND FINDUS – DAS SCHÖNSTE WEIHNACHTEN ÜBRHAUPT, der es mit dem Bestreben nach Harmonie ein wenig übertreibt. Mehr dazu in meiner Kritik.Pettersson und Findus - Das schönste Weihnachten überhaupt

Der Plot

Pettersson und Findus sind zwei Tage vor Weihnachten auf ihrem kleinen Hof komplett eingeschneit. Nichts ist mehr zu essen im Haus und der Weihnachtsbaum, den sie im Wald schlagen wollten, fehlt auch noch. Der kleine Kater hat Angst, dass sie das Fest nun gar nicht feiern können. „Weihnachten fällt nicht aus“, verspricht ihm der alte Mann, ganz im Gegenteil „es wird das schönste Weihnachten überhaupt“. Als sie jedoch am nächsten Tag endlich bei besserem Wetter mit ihrem Schlitten in den Wald ziehen können, um den Baum zu schlagen, verletzt sich Pettersson so unglücklich am Fuß, dass er sich nur noch humpelnd unter Schmerzen bewegen kann. Sie kehren ohne Baum zurück und der Einkauf der noch fehlenden Leckereien für Weihnachten muss nun auch ausfallen. Leider verbietet es Petterssons Schüchternheit und Zurückhaltung, die mehrfach angebotene Hilfe seiner Nachbarn Beda und Gustavsson anzunehmen. Nachdem Findus bei einem letzten Versuch Weihnachten zu retten sogar ernsthaft in Gefahr gerät und Pettersson erneut jede Hilfe ablehnt, platzt dem kleinen Kater der Kragen. Nun endlich kommt der alte Mann zur Einsicht und gemeinsam basteln sie sich zu Hause ihren ‚eigenen Weihnachtsbaum’. Als sie wieder versöhnt und fröhlich gestimmt bei einem kargen Weihnachts-Möhren-Mahl sitzen, klopft es unerwartet an der Tür und die beiden bekommen große Augen: Draußen stehen ihre Nachbarn mit wundervollen Weihnachtsköstlichkeiten und jetzt feiern alle gemeinsam ‚das schönste Weihnachten überhaupt’…

Kritik

Zwei Jahre ist es her, seit die beliebten Kinderbuchabenteuer um den gemütlichen Handwerker Pettersson und seinen kleinen, sprechenden Kater Findus erstmals als Realfilm auf die große Leinwand gebracht wurden. In „Pettersson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ sah man noch Ulrich Noethen als Findus‘ Lieblingsmenschen. Mittlerweile hat Stefan Kurt („Ich und Kaminski“) diese Rolle übernommen. Ansonsten ist vor und hinter den Kulissen alles beim Alten geblieben. Mit dem Unterschied, dass die Verfilmung der beiden Geschichten „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ und „Morgen, Findus, wird’s was geben“ nicht annähernd so charmant geraten ist, wie der Auftakt zur jetzt schon bestätigten, mindestens dreiteiligen Filmreihe. Mit seinem minimalistischen Bilderbuch-Look, der vor allem daraus resultiert, dass „Das schönste Weihnachten überhaupt“ nicht an Originalschauplätzen, sondern vollständig im Studio gedreht wurde, entwickelt das erzählerisch wie dramaturgisch natürlich auf eine sehr junge Zielgruppe zugeschnittene Festtagsabenteuer zwar einen altmodischen Weihnachtsmärchen-Charme. Doch trotz der ohnehin schon so beschränkten Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten bekommt man immer wieder das Gefühl, die Geschichte an sich gäbe – wenn überhaupt – genug Stoff her, um gerade einmal die Hälfte davon zu tragen. So schleicht sich nicht bloß immer wieder anstrengender Leerlauf in den Film, auch der Konflikt ist aufgrund seiner permanenten Wiederholung so banal, dass sich selbst die ganz Kleinen von der Geschichte unterfordert fühlen dürften.

Findus bekommt von seinem Pettersson einen Schwanzwärmer geschenkt.

Findus bekommt von seinem Pettersson nagelneue Skier geschenkt.

Wirkt es zu Beginn noch irgendwie ganz niedlich (und in gewisser Weise auch wirklich herzzerreißend), wie Findus sich immer und immer wieder bei seinem Pettersson rückversichert, ob das kommende Weihnachten auch wirklich „das schönste Weihnachten überhaupt“ werden wird, wird diese Kindergartenkinder-Mentalität aufgrund des mangelnden Hinzugewinnend neuer Erkenntnisse spätestens in der zweiten Hälfte überstrapaziert. Überhaupt wirkt vor allem Pettersson im Vergleich zu „Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ nicht mehr wie der sympathische, liebenswerte Eigenbrötler. Stattdessen verleiht Stefan Kurt der Hauptfigur mit seiner Performance etwas durchgehend Schusseliges, was aufgrund der permanenten Weigerung davor, die Hilfe Außenstehender anzunehmen, irgendwann sogar ins Unsympathische kippt. Während der Pressevorführung in Hamburg rollten irgendwann selbst die anwesenden Kinder genervt mit den Augen, wenn Pettersson seinem geliebten Kater das Weihnachtsfest allein durch seine Sturheit kaputt zu machen droht. Natürlich steckt dahinter auch eine Botschaft; und diese ist eigentlich wirklich charmant und niedlich. Dass es okay ist, sich von Anderen helfen zu lassen, ist schließlich gerade für Heranwachsende keine Selbstverständlichkeit. Im Falle von „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ wird aus dieser Message allerdings mehr ein „Manche Menschen muss man eben zu ihrem Glück zwingen!“,was sich wiederum mit der ansonsten so besinnlich-harmlosen Stimmung beißt.

Daraus, dass am Ende natürlich trotzdem alles gut wird, machen Regisseur Ali Samadi Ahadi („Salami Aleikum“) und Drehbuchautor Thomas Springer („Mein Bruder ist ein Hund“) nie einen Hehl. Das wiederum ist im Anbetracht des Genres vollkommen okay. Mehr noch: Um ein weiteres Mal auf eine Anekdote aus dem Pressescreening zurückzugreifen, sei erwähnt, dass eine abenteuerliche (atmosphärisch leider arg unter den unausgegorenen Effekten leidende) Skiabfahrt für einige der anwesenden Kinder schlichtweg zu aufregend war, um sie bis zum Ende anzusehen.

Marianne Sägebrecht sorgt als heitere Nachbarin Beda Andersson für Stimmung.

Marianne Sägebrecht sorgt als heitere Nachbarin Beda Andersson für Stimmung.

So richtig mitreißend gerät „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ aber einfach deshalb nicht, weil die Geschichte entweder von Dialogen ausgebremst wird, oder in den amüsanten Momenten zu albern daherkommt. Marianne Sägebrecht („Omamamia“) als gutmütige Nachbarin Beda Andersson und Max Herbrechter („Wir sind die Flut“) werden von den Machern als Stichwortgeber für Kalauer und anstrengende Running Gag genutzt,, die ein weiteres Mal darunter zu leiden haben, dass sie von Skript und Regie überstrapaziert werden. Womit das zweite „Pettersson und Findus“-Abenteuer dann aber so richtig punkten kann, ist – wie schon im ersten Teil – die Animation von Findus; da dieser in so ziemlich jeder Szene zu sehen ist, ist dieser Faktor nicht unwichtig für das Gesamterscheinungsbild des Films. Der am Computer entworfene Kater entspricht genau dem Erscheinungsbild, das man bereits aus den dazugehörigen Büchern kennt. Ein Großteil des Charmes entsteht vor allem aus der Tatsache heraus, dass Findus in den Filmen gar nicht unbedingt dem Niveau neuester technischer Standards entspricht, sondern ebenjenen simplen Bilderbuch-Look beibehält, der sich schon im Szenenbild wiederspiegelt. Auch die Synchronisation von Findus ist hervorragend gelungen. Alles in allem gefällt „Das schönste Weihnachten überhaupt“ also dann am besten, wenn tatsächlich das Gefühl vorherrscht, um das es an Weihnachten ja sowieso geht: Besinnlichkeit und Ruhe.

Fazit: Auch wenn „Pettersson und Findus: Das schönste Weihnachten überhaupt“ ganz klar für die jüngsten Zuschauer konzipiert wurde, mag angesichts der unausgegorenen Dramaturgie, der mangelnden Überraschung und der mehr albernen denn amüsanten Attitüde des Films zu keinem Zeitpunkt wirkliche Weihnachtsstimmung aufkommen.

„Pettersson und Findus: Das schönste Weihnachten überhaupt“ ist ab dem 3. November in den deutschen Kinos zu sehen.

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