The Infiltrator

Die Geschichte um den kubanischen Drogenbaron Pablo Escobar ist auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Dass THE INFILTRATOR trotzdem nicht über den Status „nett“ hinaus kommt, liegt nicht an der zweifelsfrei faszinierenden Persönlichkeit Escobars, die den Film maßgeblich prägt, sondern daran, dass die Handlung ansonsten austauschbar und beliebig ist. Mehr dazu in meiner Kritik.
The Infiltrator

Der Plot

Inmitten der Achtzigerjahre arbeitet Detective Robert Mazur (Bryan Cranston) für die US-amerikanische Drogenvollzugsbehörde. Undercover soll er sich in die internationale Geldwäscherszene einschleusen, um im Idealfall bis zum gefürchteten Drogenbaron Pablo Escobar vorzudringen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Kathy Ertz (Diane Kruger) und dem draufgängerischen Emir Ebreu (John Leguizamo) gelingt es ihm, sich das Vertrauen der höheren Verbrecherkreise zu erschleichen, die ihn auf exklusive Partys und an die Tische von Schwerverbrechern führen. Das belastet allerdings nicht bloß seine Ehe, sondern auch die Gefühlswelt des rechtsschaffenden Agenten, denn die kriminellen Banker, Geschäftsleute und Drogendealer werden im Laufe der Zeit immer skeptischer im Anbetracht des „Neulings“. Gleichwohl weiß Robert: Wenn einer die Chance hat, die weltweiten Drogenkartelle zu stürzen, dann er…

Kritik

Mit einer gewissen Präsenz üben auch Schwerstkriminelle schnell einen Reiz auf ihre Umwelt aus. Das beste Beispiel dafür ist der 1993 verstorbene Kubaner Pablo Escobar, der mehrere Jahrzehnte lang die Drogengeschäfte seines Landes dominierte und auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv war. Die Faszination seiner Person, einhergehend mit der des tiefgreifenden, mafiösen Netzwerkes, das er um sich und seine Machenschaften aufgebaut hatte, wurde in der Vergangenheit mehrmals genutzt, um das Leben Escobars direkt zu verfilmen, oder um sich an einzelnen Ansätzen daraus zu bedienen, um Drogenthrillern und –Dramen eine ganz besondere Note zu geben. In „The Infiltrator“ von „Der Mandant“-Regisseur Brad Furman spielt der Einfluss von Pablo Escobar immer wieder eine zentrale Rolle, ohne dass man die sagenumwobene Gestalt tatsächlich zu Gesicht bekäme. Anders als etwa in der TV-Serie „Narcos“ wird hier allenfalls von ihm gesprochen. Vielleicht aber hätte ausgerechnet das Auftreten seiner Person „The Infiltrator“ gut getan, um dem Film so etwas wie Mehrwert zu verleihen. Inszenatorisch ist das starbesetzte Thrillerdrama zwar weitestgehend makellos, doch die Geschichte übt in ihren 127 Minuten nicht mehr Reiz auf den Zuschauer aus, als jeder andere durchschnittliche Drogenthriller der letzten Jahre.

The Infiltrator

Zu den bekanntesten Filmen Brad Furmans gehört neben „Der Mandant“ auch der stinklangweilige Pokerthriller „Runner, Runner“. In beiden Fällen beherrscht der Filmemacher zwar die Grundlagen gängiger Genreinszenierung, doch wenn es ans Eingemachte geht, greift der Regisseur auf abgegriffene Klischees und das handelsübliche Repertoire von Krimi und Thriller zurück. Genau so verhält es sich nun auch bei „The Infiltrator“. Doch immerhin weiß Furman das Skript von Ellen Sue Brown diesmal atmosphärisch dicht auf die Leinwand zu bringen. Das, was geschieht, mag zwar nicht sonderlich spektakulär oder gar überraschend sein, doch die soghaften Bilder von Kameramann Joshua Reis („City of Dead Men“) und der pulsierende Score von Chris Hajian („The Take“) katapultieren das Publikum direkt in einen Film der Achtzigerjahre, bei dem Ausstattung, Szenenbild, Make-Up und Kostüme das authentische 80s-Bild eines Thrillers abrunden. Es hat tatsächlich etwas angenehm nostalgisches, den Detectives beim Ermitteln zuzuschauen, ohne dass zur Recherche der Computer und zwecks Kommunikation das Smartphone verwendet werden kann („The Nice Guys“ lässt grüßen!). So wirkt „The Infiltrator“ in Look und Aufmachung im positiven Sinne aus der Zeit gefallen. Leider trifft das im negativen auch auf die Erzählweise zu.

Es ist zwar angenehm, dass Brad Furman in seiner Inszenierung auf jedwede Effekthascherei verzichtet. Gleichwohl verpuffen Momente fast im Nichts, in denen dann doch ein wenig mehr Spannung von Nöten wäre, um die Ernsthaftigkeit der Szenerie zu unterstreichen. Das Geschehen selbst ist nämlich durchaus mitreißend. Zumal das Drehbuch nicht bloß die spannenden Ereignisse eines (Undercover-)Ermittlers thematisiert, sondern sich auch mit der Organisation im Hintergrund beschäftigt, erörtert, welche genauen Planungen einem solchen Coup vorausgehen müssen und aufzeigt, wofür andere Filme dieses Schlages gar keine Zeit aufbringen wollen. Diese sehr bedächtige Erzählweise funktioniert allerdings nicht immer. Eine Szene, in der die Hauptfigur droht, aufgrund eines defekten Koffers aufzufliegen, handelt Furman fast im Vorbeigehen ab, sodass sich die Tragweite dieses Vorkommnisses gar nicht erst entfalten kann. Auch die Beziehungen der Figuren untereinander bleiben nicht oberflächlich, weil es den Ereignissen geschuldet wäre, sondern weil es dem Skript nicht gelingt, die Charakterentwicklungen glaubhaft herauszuarbeiten. Die Beziehung zwischen Robert und Kathy bleibt bis zuletzt so undurchsichtig, dass man überhaupt nicht weiß, ob hier echte Sympathien im Spiel sind, oder man die Grenze zwischen beruflicher und privater Kommunikation je überschritten hat.

Während Diane Krueger („Sky: Der Himmel in mir“) so wirkt, als wäre auch sie selbst nicht sicher, was genau das Skript für ihre Figur nun eigentlich vorgesehen hat, legt Bryan Cranston („Trumbo“) eine markante Physis an den Tag, die der „Breaking Bad“-Star hervorragend mit seiner gerechtfertigten Skepsis unter einen Hut zu bringen weiß. Die beeindruckenden Improvisationsfähigkeiten nimmt man ihm genau so ab, wie die Hilflosigkeit beim Anblick seiner verunsicherten Ehefrau. Vom Michael Peña unglaublich ähnlich sehenden John Leguizamo („Sisters“) hätten wir indes gern mehr gesehen. Da sich die Erzählung durchgehend auf den gewissenhaft-ernst agierenden Robert Mazur konzentriert, fehlt es „The Infiltrator“ hier und da an Leichtigkeit, was Leguizamos Figur in seinen wenigen Momenten gut ausgleichen kann. So kann der Film schließlich auch auf Darstellerseite seinen Eindruck bestätigen: „The Infiltrator“ ist in jeder Hinsicht Durchschnitt.

Fazit: „The Infiltrator“ ist ein solider Thriller aus dem Drogenmilieu, dem sein authentisches Achtzigerjahre-Flair gut zu Gesicht steht. Auch die Darsteller zeigen sich weitestgehend von ihrer engagierten Seite, doch erzählerisch bleibt der Film zu einfallslos, um wirklich zu bestechen.

„The Infiltrator“ ist ab dem 29. September in den deutschen Kinos zu sehen.

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