The Light Between Oceans

Der Regisseur von „The Place Beyond the Pines“ und „Blue Valentine“ schickt für THE LIGHT BETWEEN OCEANS Michael Fassbender und Alicia Vikander auf eine einsame Leuchtturminsel. Sein symbolisch aufgeladener Film will von Subtilität nichts wissen. Stattdessen serviert er dem Publikum die Message auf dem Silbertablett. Mehr dazu in meiner Kritik.The Light Between Oceans

Der Plot

Der traumatisierte Kriegsveteran Tom Sherbourne (Michael Fassbender) nimmt eine Stelle als Leuchtturmwärter auf Janus Rock an. Auf der winzigen Insel gibt es nur ihn und das tosende Meer. Tom sehnt sich nach absoluter Ruhe und begrüßt die Einsamkeit, die seine neue Arbeit verspricht. Doch er bleibt nicht allein: Im Hafenstädtchen Partageuse lernt er Isabel Graysmark (Alicia Vikander) kennen, eine lebhafte junge Frau, die selbst zwei Brüder im Krieg verloren hat. Sie heiraten und genießen das Leben in der Isolation von Janus Rock. Das glückliche Paar wünscht sich Kinder, doch das Schicksal will es anders. Eines Nachts wird ein mysteriöses Ruderboot angetrieben. Darin: ein Toter und ein neugeborenes Mädchen. Tom und Isabel treffen eine folgenschwere Entscheidung, die niederschmetternde Konsequenzen haben wird.

Kritik

Schuld, Sühne, Vergebung – immer wieder greift Regisseur Derek Cianfrance in seinen Filmen auf solch schwere Thematiken zurück. Dass man bislang trotzdem nicht den Eindruck hatte, der 42-jährige Filmemacher würde sich wiederholen, liegt daran, dass seine bekanntesten Werke „Blue Valentine“ und „The Place Beyond the Pines“ ganz unterschiedlich mit diesen Themen umgingen. Zwar vereint beide Filme zusätzlich die Wertehinterfragung von Familie und Partnerschaft, doch während „Blue Valentine“ das schleichende Auseinanderbrechen einer Ehe behandelte, ging es in „The Place Beyond the Pines“ um zwei Familienschicksale, die Jahrzehnte später ineinander greifen sollten. Beide Filme eint zudem die Frage nach Verantwortung der Eltern ihren Kindern gegenüber. Wo beginnt sie, wann endet sie und sollte sie überhaupt je aufhören? Cianfrances neueste Regiearbeit „The Light Between Oceans“ fügt sich ganz hervorragend in seine bisherige Vita ein. Die Geschichte um ein Ehepaar, das heimlich einen fremden Säugling als sein eigenes Kind großzieht, handelt zunächst von einer großen Liebe, später von der Gewissenhaftigkeit gegenüber der leiblichen Mutter, die mit dem Wohl des Kindes in Einklang zu bringen ist, und endet schließlich in der Frage, ob man das Verbrechen, einer Mutter ihr Baby zu entziehen, durch Vergebung ungeschehen machen kann. Von der bisweilen recht dreckig-ungeschönten Inszenierung eines „The Place Beyond the Pines“ oder der schleichenden Melancholie von „Blue Valentine“ ist „The Light Between Oceans“ indes weit entfernt. Sowohl visuell als auch erzählerisch ist das kürzlich in Venedig vorgeführte Drama Cianfrances bislang bequemster Film. Und damit leider auch der schwächste.

The Light Between Oceans

Der Entschluss, eine Film- oder Romanhandlung auf einer Leuchtturminsel spielen zu lassen, legt angesichts der Symbolik offen, dass es allzu subtil nicht zugehen kann. Die 128-minütige Verfilmung des Romans „Das Licht zwischen den Meeren“ (M.L. Stedman) belässt es jedoch nicht bei dieser Orientierungs-Metapher. Von der Sage um den doppelköpfigen Janus-Gott (die hier zum Dreh- und Angelpunkt auserkorene Insel heißt nicht umsonst Janus Rock), bis hin zur absolut konträren Figurenzeichnung der beiden wichtigen Protagonistenfamilien unternimmt Cianfrance alles Erdenkliche, um dem Zuschauer den durch die Geschichte selbst bereits vermittelten, moralischen Zwiespalt der Hauptfiguren durch diverse Symbolverwendungen zu unterstreichen. Das ist nicht bloß auf die Dauer anstrengend, es raubt „The Light Between Oceans“ auch Authentizität; so stark, wie die Handlung den Metaphern unterworfen ist, können sich gewisse Emotionen einfach nicht frei entfalten. Dabei legt Derek Cianfrance auch seinen neuesten Film ähnlich episch an, wie vor drei Jahren sein Generationen-Drama „The Place Beyond the Pines“. Fast vier Jahrzehnte umspannt die Geschichte, die sich ebenfalls grob in drei Abschnitte gliedern lässt. Dabei ist nicht unbedingt diejenige die stärkste, auf welcher der größte Fokus liegt; im Gegenteil. Mit anzusehen, wie sich die Liebe zwischen Tom und seiner Isabel entwickelt, mag zwar nicht unbedingt besonders spannend sein, gleichsam wirkt dieser Part ob seiner Unverfälschtheit wunderbar lebensnah und authentisch.

Erst, als das Glück des Ehepaares von zwei Fehlgeburten durchkreuzt wird, weicht die Liebesfilmstimmung einem herben Drama, das von Alicia Vikander („The Danish Girl“) und Michael Fassbender („Steve Jobs“) gekonnt getragen wird. Wie sich die von Vikander herausragend sensibel verkörperte Isabel von einer lebensfrohen jungen Lady zu einer fast verhärmten, vom Schicksal gebeutelten Frau verwandelt, bedarf viel Fingerspitzengefühl. Auch als der Fund des Säuglings Isabel wieder in geordnete Bahnen zu lenken scheint, geschieht dieser Charakterwandel absolut glaubhaft. Michael Fassbender mimt den weitaus skeptischer handelnden Tom indes mit einer stillen Melancholie, die immer dann aufzubrechen scheint, wenn er mit seiner Tochter interagiert. Die erst später in die Handlung einsteigende Rachel Weisz („Die fantastische Welt von Oz“) muss derweil ebenfalls einen emotionalen Zwiespalt stemmen, der auch ihr glaubwürdig gelingt. Gegen Vikander und Fassbender anzuspielen, erweist sich jedoch für alle Beteiligten als kaum machbar. Die kleine Florence Clery als Tochter Lucy-Grace gibt in „The Light Between Oceans“ ihr Schauspieldebüt – und gefällt. Es wird interessant sein, zu sehen, ob das Mädchen mit ihrer Performance in diesem Drama eine Schauspielkarriere beginnt, oder ob es bei einem einzelnen Engagement bleibt.

The Light Between Oceans

Der mit seinen 128 Minuten eindeutig zu unfokussiert und damit deutlich zu lang geratene Film konfrontiert die Zuschauer mit der Frage nach Recht und Unrecht. Genau hiermit müssen sich auch die Figuren auseinandersetzen, die das Skript von Derek Cianfrance mit äußerst menschlichen Zügen – ergo: Schwächen – ausstattet. Der Autorenfilmer arbeitet mit emotionalem Wankelmut, mithilfe dessen die Geschichte über weite Strecken unvorhersehbar gerät. Gleichzeitig scheint „The Light Between Oceans“ gerade in der letzten halben Stunde sämtliche Moralitäten ausloten zu vollen, ohne darauf zu achten, ob sie der realistischen Situation entsprechen. Ein Gespräch zwischen Lucys leiblicher Mutter Hannah über das Thema Vergebung gerät arg plakativ und hat für den weiteren Verlauf der Handlung keinen Einfluss. Auch im Schlussakt scheint Cianfrance zu keinem Ende finden zu wollen. All das geht einher mit einer technischen Ausstattung, die sich mit der niederschmetternden Thematik beißt. Das Übermaß an Weichzeichner erinnert mehr an eine TV-Schmonzette denn an ein Kinodrama und auch der Score von Alexandre Desplat („Suffragette: Taten statt Worte“) gerät während des gesamten Verlaufs viel zu aufdringlich. So ist „The Light Between Oceans“ schlussendlich alles andere als ein schlechter Film. Doch gemessen an dem, was Derek Cianfrance bisher inszeniert hat, ist das Drama regelrecht enttäuschend.

Fazit: Derek Cianfrances Liebesdrama „The Light Between Oceans“ besticht mit starken Schauspielleistungen und einer ambitionierten Erzählweise. Doch sowohl die penetrante Symbolik, als auch die technische Ausstattung verleihen der Romanverfilmung allenfalls Fernsehausmaße.

„The Light Between Oceans“ ist ab dem 8. September in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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