Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel

Garry Marshall macht zum Abschied noch einmal das, was er am besten kann und versammelt einen Starcast um einen Feiertag, um daraus eine Episodenkomödie zu machen. MOTHER’S DAY – LIEBE IST KEIN KINDERSPIEL ist erwartungsgemäß seicht, hat aber das Herz am rechten Fleck. Mehr dazu in meiner Kritik.Mother's Day

Der Plot

Was wären wir ohne die Liebe? Mal verzaubert sie uns, mal lässt sie uns verrückt spielen, mal bringt sie uns zum Lachen und dann wieder zum Weinen. Sie macht uns stark und manchmal ganz schwach, doch eigentlich tun wir alles für sie – denn ohne sie wäre alles nichts. So wie für Sandy (Jennifer Aniston), die seit Jahren von Henry (Timothy Olyphant) geschieden ist, aber irgendwie immer noch hofft, dass er zu ihr zurück findet. Wäre da nicht Henrys Neue, die mit ihren gefühlten Anfang 20 selbst Sandys Söhne auf dumme Gedanken bringt. Oder Jesse (Kate Hudson) und Gabi (Sarah Chalke), die ihren Eltern schon seit Jahren verheimlichen, dass Jesses Mann Russell (Aasif Mandvi) Inder und Gabis Frau Max (Cameron Esposito) gar kein Mann ist. Bradley (Jason Sudeikis) wiederum versucht, seit dem Tod seiner Frau als „Mister Mom“ bei seinen Teenie-Töchtern zu punkten – stolpert aber von einem Fettnapf zum nächsten. Auch Kristin (Britt Robertson) und Zack (Jack Whitehall) lieben sich über alles. So oft schon hat Zack um ihre Hand angehalten, doch Kristin kann ihr Ja-Wort erst geben, wenn sie ihre leibliche Mutter gefunden hat. Aus Mirandas (Julia Roberts) Leben dagegen scheint die Liebe vollkommen verschwunden. Als Jugendliche hat sie ihr Herz hoffnungslos verloren, heute verkauft sie als Star des lokalen Home-Shopping-Kanals magische Steine. Nur die Magie in ihrem eigenen Leben, die scheint sie nicht mehr zu finden.

Kritik

Am 19. Juli dieses Jahres verstarb mit Garry Marshall einer der Urväter der modernen RomCom. Doch so makaber es klingt: Der Regisseur von „Pretty Woman“, „Die Braut, die sich nicht traut“ und „Plötzlich Prinzessin“ hätte sich dafür kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können. An einem Startdonnerstag, der insgesamt elf verschiedene Filme bereithält, von denen wiederum fünf auf die breite Masse als Zielpublikum zugeschnitten sind, kann ein wenig Extra-PR nicht schaden. Zumal Marshalls ähnlich gelagerte Feiertags-Episodenfilme „Valentinstag“ und „Happy New Year“ mit knapp 900.000 und rund 750.000 Zuschauern hierzulande eindeutig nicht in die Kategorie Flops eingeordnet werden konnten, was ihnen sein neuester Film sicher nachmachen soll. Doch anders als der Muttertag, den Marshall in seinem letzten Film „Mother’s Day“ zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte macht, haben der Valentinstag als Tag der Verliebten und der Silvesterabend sowieso tatsächlich einen internationalen Stellenwert. Der Muttertag hingegen wird zwar auch hier und da zelebriert, doch ein solches Fest, zu das ihn das Autorenteam um Anya Kochoff („Das Schwiegermonster“) hier hochstilisiert (sogar eine Muttertagsparade, für die zwei Frauen einen Wagen mit einer selbstgebastelten Riesengebärmutter ausstatten, gibt es!), ist der Muttertag nicht. Und dass die Kinobetreiber den Film dann noch nicht mal in der Nähe des 9. Mai unterbringen, nimmt „Mother’s Day“ zusätzliche PR-Coups. So bleibt den Verantwortlichen also die Marketingmöglichkeit als „Gary Marshalls Vermächtnis“ – und als ein solches ist „Mother’s Day“ dann auch okay. Auf einem Höhepunkt verabschiedet sich der Regisseur indes nicht aus dem Filmgeschäft. Aber dass seine Romantic Comedy sein letzter Film werden würde, konnte Marshall ja nun auch nicht wissen.

Mother's Day

Im Grunde haben sämtliche Episodenfilme – vollkommen unabhängig von Besetzung, Regie und Genre – ein und dasselbe Problem. Einige der Handlungsstränge funktionieren, andere nicht. Genau so ist es auch im Falle von „Mother’s Day“, in welchem insgesamt fünf verschiedene Geschichten, die sich hier und da überkreuzen, zu einer großen verwoben werden. Dass ausgerechnet der Plot um das wohl prestigeträchtigste Ensemblemitglied Julia Roberts („Money Monster“) hier am nichtigsten bleibt, lässt den Schluss zu, ihre Rolle nur deshalb in die Geschichte eingebunden zu haben, um mit einem weiteren Namen auf dem Plakat werben zu können. Ihre Figur der irritierend profillos agierenden Homeshopping-Queen Miranda bleibt über weite Teile der Handlung nur deshalb im Geschehen, weil die anderen Figuren ihre scheinbar rund um die Uhr (!) im Fernsehen laufende Verkaufsshow immer mal wieder beim Durchzappen entdecken – und natürlich daran hängen bleiben, wenn sie passend zum Muttertag Stimmungsketten an die Frau zu bringen versucht, die je nach Gemütszustand ihre Farbe ändern. Gäbe es die von Roberts‘ Figur hier in Szene gesetzten Markenprodukte tatsächlich, wäre das wohl das dreisteste Product Placement aller Zeiten. So aber stört ihre Episode einfach „nur“ immer wieder den Erzählfluss, wenngleich dieser Eindruck nicht nur von ihr ausgeht. Der Schnitt unterbricht die verschiedenen Handlungsstränge immer wieder in den unpassendsten Momenten, um die Handlung für wenige Sekunden an anderer Stelle voranzutreiben. Ähnlich gelagerte Filme wie etwa „Tatsächlich… Liebe“ sind da wesentlich geschickter. Schon „Valentinstag“ hatte das Problem, dass sich die Emotionen innerhalb der vereinzelten Episoden nicht immer aufbauen konnten, weil der Schnitt den Plot mittendrin immer wieder willkürlich abbrechen lässt. In „Mother’s Day“ ist es genau so, wenn nicht gar noch extremer.

Auch die Episode rund um das Pärchen Kristin und Zack zeichnet das Drehbuch derart oberflächlich, dass es fast schon passt, dass am Ende ausgerechnet ihre Geschichte und die um Miranda miteinander verknüpft werden. Den Eindruck, dass all die Figuren in „Mother’s Day“ hier einzig und allein mit Luxusproblemen zu kämpfen haben – ganz hollywoodlike sind sämtliche Charaktere hier zu jeder Tages- und Nachtzeit top gestylt, wohnen in chicen Villen und so richtige Probleme kennt man offenbar nur vom Hörensagen – wird Marshalls Film nie so richtig los. Mit einer echten Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe hat „Mother’s Day“ entsprechend nichts zu tun. Im Gegenteil: Traut sich das Skript doch einmal, sich tiefer greifenden Konflikten wie Fremden- oder Schwulenhass anzunehmen, indem es die Eltern von Jesse und Gabi damit ausstattet, werden diese sofort wieder über Bord geworfen, sobald sie sich einem nur allzu rührseligen Happy End in den Weg stellen. Doch sich näher damit zu befassen, würde dem Film vermutlich die anvisierte Feel-Good-Atmosphäre rauben. Schade, dass Marshall dafür einen unangenehmen Beigeschmack im Angesicht des verklärend-kitschigen Schlussakts in Kauf nimmt. Zumal Margo Martindale („Im August in Osage County“) und Robert Pine („Finding Carter”) als ebenso rückständiges, wie passioniert zänkisches Ehepaar richtig Freude an ihren Rollen zu haben scheinen.

Julia Roberts

Für welche Episoden die meiste Arbeit aufgebracht wurde, merkt man schon anhand des Umgangs mit den darin involvierten Charakteren. Sowohl die Story um den überforderten Witwer Bradley, als auch die Geschichte über Sandy, die sich mit der neuen Ehefrau ihres Ex-Mannes auseinander setzen muss, haben Charme, Herz und Humor. Im Grunde würden beide Handlungsstränge, die sich passenderweise aufeinander zu bewegen, auch einen Langfilm tragen – nicht zuletzt weil die beiden „Wir sind die Millers“-Stars die beste Leistung des gesamten Ensembles abliefern. So herzlich wie Jennifer Aniston rastet einfach keine andere Hollywoodschauspielerin aus und Jason Sudeikis legt viel Elan in seine melancholische Rolle, die dem Zuschauer ein Gefühl dafür gibt, womit sich jemand auseinander setzen muss, wenn plötzlich ein geliebtes Familienmitglied fehlt. Einschübe wie das obligatorische Ansehen alter Home-Videos  sowie die klischeehafte Zeichnung der natürlich zwanzig Jahre jüngeren, neuen Frau des Ex-Mannes hätte es zwar nicht gebracht, doch das passionierte Agieren von Aniston und Sudeikis kann den Film immer wieder davor bewahren, zu sehr in kitschige Gefilde abzudriften. Das übernimmt indes die technische Ausstattung im Alleingang. Viel Weichzeichner und romantisches Radiopopgedudel legen eine Extraportion Zuckerguss über „Mother’s Day“ – aber vermutlich musste der letzte Film von Gary Marshall genau so enden, wie seine Karriere einst angefangen hat.

Fazit: „Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“ hält genau das, was der Titel verspricht. Schöne Menschen geben sich vor schönen Kulissen den mal berührenden, mal komischen, aber oftmals auch ziemlich belanglosen Liebesproblemen hin, die nur Hollywood so herrlich konstruieren kann, dass wir für zwei Stunden glauben, dass es nichts Schlimmeres gibt, als allein zu sein. Zwei der fünf Episoden sind aber tatsächlich richtig gelungen – nicht zuletzt, weil die Besetzung einfach stimmt.

„Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“ ist ab dem 25. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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