Elliot, der Drache

Mit ELLIOT, DER DRACHE interpretieren die Disney Studios den nächsten Klassiker neu. Wie magisch ist die Zusammenkunft von Junge und Drache im Jahr 2016 noch? Und hat der Film noch weitere Vorzüge außerhalb der technischen Perfektion? Mehr dazu in meiner Kritik.Elliot, der Drache

Der Plot

Seit Jahren erfreut Holzschnitzer Mr. Meacham (Robert Redford) die Kinder aus der Nachbarschaft des verschlafenen Städtchens Millhaven mit Geschichten über einen wilden Drachen, der in den tiefen Wäldern des Pazifischen Nordwestens lebt. Für seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard), Försterin in der Umgebung, waren diese Geschichten nie mehr als Legenden, bis sie Pete (Oakes Fegley) kennenlernt. Der mysteriöse Zehnjährige hat weder Familie noch ein Zuhause und behauptet, zusammen mit einem gigantischen grünen Drachen namens Elliot in den Wäldern zu leben. Auf wundersame Weise hat das Wesen aus Petes Beschreibungen große Ähnlichkeit mit dem sagenhaften Drachen aus Mr. Meachams Geschichten. Nach und nach gewinnt Grace Petes Vertrauen und eröffnet ihm eine ganz neue Welt außerhalb seines Waldes. Gleichzeitig bringt Pete sie dazu, ihr eigenes Leben in Frage zu stellen.

Kritik

In der Originalfassung ist alles beim Alten geblieben. Aus „Pete’s Dragon“ aus dem Jahr 1977 wurde „Pete’s Dragon“ im Jahr 2016. In der deutschen Übersetzung gibt man indes schon bei der Titelvergabe den Ton vor: Hier ist Elliot ab sofort nicht mehr „Schmunzelmonster“, sondern „Drache“, was gleichsam zum neuen visuellen Schwerpunkt als Fantasy-Abenteuer passt. Und auch sonst hat „Elliot, der Drache“, wie David Lowerys („St. Nick“) Regiearbeit in ihrer ganzen Vollständigkeit heißt, kaum noch etwas mit dem verspielten Zeichentrickmärchen aus den späten Siebzigern der Disney-Schmiede gemein. Lobten die Kritiker den mit reichlichen Musicalelementen angereicherten Familienfilm einst noch für seine spaßige Attitüde und den (nicht nur aufgrund der Musik) beschwingten Tonfall, gibt’s Musik in „Elliot, der Drache“ nur noch vom Band oder als rührseliges Schlaflied für den titelgebenden Waisenjungen Pete. Auch der Spaß herrscht im Remake bei Weitem nicht mehr so sehr vor, dass sich die Produktion ähnlich des thematisch vergleichbaren „BFG“ der Kategorie Komödie zuordnen ließe. Tatsächlich ist „Elliot, der Drache“ ein herrlich harmloses Familienmärchen, das nicht unbedingt aufgrund seines hohen Wiedererkennungswertes besticht, dafür aber mit grandiosen Spezialeffekten und sympathischen Figuren aufwarten kann.

Bryce Dallas Howard

Es ist eine schmale Gratwanderung, auf die sich „Elliot, der Drache“ direkt in der Eröffnungssequenz begibt. Auf der einen Seite findet sich in ihr jene Rührseligkeit, für die die schwächeren Werke der Disney-Schmiede nicht selten belächelt werden. Auf der anderen Seite wohnt ihr aber auch jene Magie inne, für die der Mäusekonzern über alle Altersstufen hinweg geliebt und verehrt wird. Der Prolog zeigt den Autounfall von Pete und seiner Familie, der den kleinen Jungen dazu zwingt, fortan auf sich allein gestellt zu sein. In den finsteren Wäldern von Millhaven lernt er schließlich den durch atemberaubende CGI-Effekte zum Leben erweckten Drachen Elliot kennen; und auch wenn Filmkomponist Daniel Hart („Lost in the Sun“) mit seinem schmalzigen Orchester-Gedudel schon hier ein wenig zu dick aufträgt, so kann sich der Kraft dieses in seinem Minimalismus bestechenden Moments wohl Niemand entziehen, der ein schlagendes Herz in seiner Brust trägt. Ohne viele Worte bringt David Lowery die freundschaftliche Bande von Junge und Drache wie selbstverständlich zum Ausdruck und benötigt auch in den Folgeszenen nur wenig Gesprochenes, um anhand des Gezeigten zu erläutern, wie eng diese beiden Freunde mittlerweile zusammengewachsen sind. Ein wenig erinnert die Simplizität innerhalb der Inszenierung hier an „Arlo & Spot“. Jenen Pixar-Animationsfilm, der auch dann am stärksten war, als sich Junge und Dinosaurier vollkommen ohne Worte dem Moment hingaben.

Doch dabei soll es nicht bleiben, denn wie schon den Machern von „Arlo & Spot“ ist auch den Verantwortlichen von „Elliot, der Drache“ daran gelegen, eine Geschichte zu erzählen, die über das pure Erleben hinaus geht. Ein klassisches Abenteuer muss her und das verläuft für Pete und seinen felligen Freund dann doch schematischer als gedacht. Es beginnt bei den als Humbug abgetanen Erzählungen des vom passioniert agierenden Robert Redford („All is Lost“) verkörperten Holzschnitzers Mr. Meacham, die schon aufgrund der bekannten Prämisse nicht als Teil des Spannungsbogens funktionieren können. Dafür gefallen sie als inszenatorische Schmankerl und geben dem Film etwas charmant-nostalgisches. Doch auch die daraus konstruierten Streitgespräche mit der betont realistisch denkenden Tochter entfalten nie so ganz ihre Wirkung; die Geschichte um Pete und seinen Drachen als Läuterungsansatz in Bezug auf den verloren gegangenen Glauben an die Magie zu verstehen, ist entsprechend simpel und entbehrt jedweder Überraschung. Auch der Handlungsstrang um den Konflikt zwischen Naturschützer und -Ausbeuter bleibt durchweg genrekonform, sodass lediglich der Ansatz um einen Generationenkonflikt der stoischen Erwachsenen und der an Träume glaubenden Kinder authentischen Zauber entfaltet. Im direkten Kontrast dazu zeigt sich wiederum das Finale, das darüber hinaus einen Tick zu aufregend für die ganz jungen Zuschauer geraten ist und sich nur schwer in die ansonsten so gediegene Stimmung einfügt.

Elliot, der Drache

Was der Story an kinotauglichem Pepp fehlt, gleichen die Macher mit ihrem Verständnis dafür aus, wie ein Fantasymärchen im Jahr 2016 auszusehen hat. Vor allem Elliot selbst funktioniert nicht bloß im Einklang mit der haptischen Kulisse, schon ein Blick auf das animierte Fell beweist, was für eine Detailverliebtheit die Macher an den Tag legten, um das Fabelwesen zum Leben zu erwecken. Das funktioniert natürlich nur vollständig, wenn auch die menschlichen Parts glaubhaft mit dem nicht vorhandenen Wesen interagieren. Sowohl die durch „Jurassic World“ geübte Bryce Dallas Howard, als auch Newcomer Oakes Fegley („Sieben verdammt lange Tage“) zeigen in „Elliot, der Drache“ Performances, die zu keinem Zeitpunkt Skepsis daran aufkommen lassen, dass am Set ein echter Drache vor der Kamera stand. Robert Redford präsentiert sich indes als gute Seele des Films, dessen Voice-Over die Handlung sympathisch umspannt. Als besonders anstrengend und nur wenig liebevoll präsentiert sich dagegen der Soundtrack. „Elliot, der Drache“ wird in jeder naheliegenden Szene von einem x-beliebigen Countrypop-Song untermalt. Das mag im Hinblick auf die Atmosphäre Sinn ergeben, doch schon nach der dritten Nummer wirkt die stoische Verwendung derartiger Musik überreizt und verkauft „Elliot, der Drache“ beliebiger, als der Film es schlussendlich eigentlich ist.

Fazit: „Elliot, der Drache“ besticht mit technischer Perfektion und bietet mit seiner liebevoll-rührenden Geschichte ein auf die ganze Familie als Zielgruppe ausgerichtetes Abenteuer. Leider erweisen sich Inszenierung und Erzählung als derart eintönig und vorhersehbar, dass der Film auch als TV-Produktion durchgegangen wäre. Die Liebe zum Original findet sich daher nur im Detail, dafür trägt auch die Neuninterpretation das Herz eindeutig am rechten Fleck.

„Elliot, der Drache“ ist ab dem 25. August in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

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