Bastille Day

Ein halbes Jahr nach den Terroranschlägen von Paris lässt der durch Horrorfilme bekannt gewordene Regisseur James Watkins eine Bombe in der französischen Hauptstadt explodieren. Kann aus dieser Prämisse heraus ein sehenswerter Actionthriller entstehen? Meine Kritik zu BASTILLE DAY verrät es Euch.Bastille Day

Der Plot

Der US-Amerikaner Michael Mason (Richard Madden), der mithilfe gerissener Taschendiebstähle seinen Lebensunterhalt bestreitet, gerät nach einem Anschlag in Paris ins Visier der Geheimdienste. Der CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) wird auf ihn angesetzt, um ihn in die USA zu überführen. Aber Mason ist nicht nur unschuldig, er ist auch der Einzige, der die Spur zu den Attentätern zurückverfolgen kann. Gemeinsam decken Briar und Mason eine Verschwörung auf, deren Netz bis in die obersten Reihen des französischen Staatsapparates reicht. Und sie haben nur 24 Stunden, um den nächsten Anschlag zu verhindern. Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem es um mehr geht, als das eigene Überleben…

Kritik

Einmal mehr hatte die Realität die Fiktion eingeholt, als im November 2015 mehrere Attentäter die französische Hauptstadt Paris im Rahmen eines IS-Anschlags verwüsteten. Der Musikclub Bataclan wurde zum Symbol einer neuen Terrorangst innerhalb Europas, der Dutzende Todesopfer vorausgingen. All das geschah, als „Die Frau in Schwarz“-Regisseur James Watkins das Konzept für seinen in Frankreich spielenden Actionthriller „Bastille Day“ längst fertiggestellt hatte. Das Thema: Ein Bombenattentat auf die Eiffelturmstadt, in dessen Folge sich der Verdächtige eine atemlose Jagd mit dem zuständigen CIA-Agenten liefert. Heute, über ein halbes Jahr später, wird die Welt immer noch von markerschütternden Anschlägen heimgesucht. Erst vor wenigen Tagen erschoss ein Attentäter über 50 Menschen im US-Bundesstaat Orlando. Das sind keine rosigen Aussichten, um derzeit einen Film mit derartiger Thematik in die weltweiten Kinos zu bringen, doch da Frankreich aktuell hauptsächlich für die Austragung der Fußball-Europameisterschaft in den Medien ist und brutale Vorfälle das Weltgeschehen immer dominieren werden, ist es nun nicht mehr verwerflich, einen Film wie „Bastille Day“ zu veröffentlichen. Und konzentriert man sich rein auf die kinematografischen Aspekte, so wäre es auch extrem schade, den Zuschauern dieses Projekt vorzuenthalten. „Bastille Day“ ist ein schnörkellos-geradliniger Actionthriller mit einem hervorragend aufgelegten Protagonistenduo, das vielleicht nicht die ganz große Innovation bietet, bekannte Elemente aber vor allem visuell hervorragend neu auflegt.

Richard Madden

Wenn sich Idris Elba („The Gunman“) und Richard Madden („Cinderella“) eine atemlose Verfolgungsjagd über die Dächer von Paris liefern, dann erinnert das an die spektakuläre Eröffnungssequenz von „Skyfall“, die erst vor Kurzem von Christian Alverts Kino-„Tatort“ „Tschiller: Off Duty“ ausgiebig und stimmungsvoll zitiert wurde. Auch die von falschen Verdächtigungen, Korruption, einer allumfassenden Verschwörung und einem abschließenden Twist geprägte Geschichte ist voller Motive, die zuletzt in Filmen wie „Triple 9“, der „Taken“-Reihe oder diversen anderen Produktionen dieses Segments zurate gezogen wurden. Doch schon die energisch inszenierte Taschendieb-Eröffnungssequenz legt eine mitreißende Dynamik an den Tag, die sich durch den kompletten Film zieht. „Bastille Day“ hält sich nie lange an einem Setting auf, lässt die Figuren immer in Bewegung bleiben und ist mit seiner knackigen Laufzeit von rund eineinhalb Stunden keine Minute zu lang. Die Geschichte selbst ist dabei zwar nicht besonders innovativ, hat jedoch in den Entscheidenden Momenten einige unvorhersehbare Wendungen zu bieten, die sich wie ein Turbo-Boost auf die Inszenierung auswirken. Zusätzlichen Zündstoff bietet obendrein die Figurenkonstellation; ein es mit dem Gesetz nicht ganz so genau nehmender Cop und ein ordentlich Dreck am Stecken habender (und in diesem Fall trotzdem unschuldiger!) Verdächtiger liefern sich ein feines, mit allerhand emotionalem Unterbau versehendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem sich die Beteiligten immer so dicht auf den Fersen sind, das man als Zuschauer schon ganz gern wüsste, was wohl passiert, wenn die beiden endlich aufeinander treffen. Das Mitfiebern mit Idris Elba ist also ebenso garantiert, wie das Staunen darüber, wie sich der wieselflinke Michael aus allerhand ausweglosen Situationen heraus manövriert.

Sich ausschließlich auf den Zweikampf zwischen Michael und Sean zu konzentrieren, wäre jedoch langweilig. Entsprechend zweigeteilt ist das Skript von James Watkins und Debütschreiber Andrew Baldwin aufgebaut. Seine erzählerische Ausgewogenheit erhält „Bastille Day“ durch den wechselnden Fokus zwischen rasanter Action und dem Blick hinter die Kulissen des französischen Regierungsapparates sowie auf die Pläne der Attentäter. Damit baut der Zuschauer nach und nach einen Wissensvorsprung gegenüber den Protagonisten auf, was den Spaß am Zuschauen zusätzlich steigert. Dass James Watkins bei der Inszenierung trotzdem nie den Faden verliert, liegt einmal mehr an der übersichtlichen Laufzeit. Wenn etwas geschieht, ist es stets von Relevanz. Vollkommen auf Handlungsschlenker verzichtend, folgt auf jede Aktion die direkte Reaktion. Das hat durchaus auch zur Folge, dass sich die finale Wendung für clevere Zuschauer erahnen lässt. Gleichwohl ist der Schlussakt so effektiv inszeniert, dass ihm die Wirkungskraft und Wucht dennoch nicht abgeht. Auch die abseits der Protagonisten stattfindende, klare Einteilung von Gut und Böse, die gleichsam nicht vor dem Aufgreifen einiger Klischees zurückscheut, nimmt dem Film hier und da einen Hauch von Komplexität. Ausgleichen können das jedoch die Darbietungen der beiden Hauptdarsteller, die hier tatsächlich gefordert sind, ihren Figuren interessante Profile zu geben.

Bastille Day

„Bastille Day“ macht zwar von Anfang an keinen Hehl daraus, dass Michael und Sean im Kern gute Kerle sind als auch für die moralisch vertretbare und damit richtige Seite agieren. Als aufopferungsvolle Unschuldslämmer präsentieren sich jedoch beide nicht. Das ist gut so und verleiht „Bastille Day“ einen rauen Charme. Dass Michael trotz seiner Unschuld vor der Polizei flieht, ist also nicht bloß der Dramaturgie geschuldet, sondern fest in der Logik der Handlung verankert. Idris Elba präsentiert sich derweil von einer Seite, die ihn nicht umsonst zu einem der derzeit heißesten Anwärter auf den James-Bond-Posten macht. Der kantige Mime ist physisch in einer verdammt guten Verfassung, wodurch auch die actionreichsten Verfolgungsjagden stets einen Hauch von geerdetem Realismus behalten. Dass sich die zu Beginn vorherrschende, gegenseitige Ablehnung der beiden Figuren nach und nach zu einer Komplizen-Beziehung entwickelt, ist aufgrund der von beiden Seiten äußerst freimütig stattfindenden Interpretation von Recht und Ordnung ebenfalls nachvollziehbar. Michal und Sean sind sich beide ziemlich ähnlich und realisieren diesen Umstand erst nach und nach. Die ernsten Umstände lassen eine Buddy-Cop-Comedy-Prämisse dadurch zwar noch lange nicht zu, doch mit der Zeit wird die Interaktion der beiden immer selbstverständlicher. Das gefällt und wird von Kameramann Tim Maurice-Jones („Die Frau in Schwarz“) in weitläufig-edle Bilder gekleidet, die auch in schnellen Sequenzen stets den Überblick behalten.

Fazit: „Bastille Day“ ist ein feiner Actionthriller, dessen leider ohne Innovation auskommende Story durch eine zielstrebige Geradlinigkeit besticht. Idris Elba unterstreicht seinen Status als Bond-Anwärter und auch technisch pendelt sich die erst dritte Regiearbeit von James Watkins schon nach wenigen Minuten auf höchstem Niveau ein.

„Bastille Day“ ist ab dem 23. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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