Highway to Hellas

Regisseur Aron Lehmann bezeichnet seine deutsch-griechische Komödie HIGHWAY TO HELLAS als einen Film der Versöhnung und Aufbrechung von gängigen Gedankenmustern. Das ist ihm auch tatsächlich gelungen. Ob man dafür aber nun ins Kino gehen muss, das verrate ich in meiner Kritik.Highway to Hellas

Der Plot

Die Deutschen kommen! Sie wollen mal wieder schnüffeln und kontrollieren, weil die Griechen wie üblich unter dem Verdacht stehen, gelogen und betrogen zu haben. Zu Recht! Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst), Angestellter der Münchner AVO-Bank, trifft auf der kleinen griechischen Insel Paladiki ein, um dort die Sicherheiten für einen vor Jahren gewährten Kredit zu überprüfen. Die Insulaner brauchen das Geld, um ihre Ideen für den geplanten Öko-Tourismus auf Paladiki umzusetzen – nach dem Motto: „Galapagos in Greece“. Geissner vermutet aber: Die angegebenen Sicherheiten – ein Krankenhaus und ein Elektrizitätswerk – gibt es nur auf dem Papier. Doch die Griechen sind nicht dumm. Der von den Einheimischen als „Kommissar“ verspottete Geissner soll ihnen erst einmal beweisen, dass die Sicherheiten nicht existieren! Für den überforderten Bankangestellten beginnt eine unerwartete Odyssee, bei der er völlig auf sich gestellt ist: Er gegen den Rest der Insel. Und als sein ständiger Begleiter sorgt der gewitzte deutsch-griechische Gigolo Panos (Adam Bousdoukos) dafür, dass Geissner auf seiner Suche nach dem Elektrizitätswerk nicht zu schnell vorankommt.

Kritik

Ursprünglich sollte die griechisch-deutsche Versöhnungskomödie „Highway to Hellas“ bereits Anfang August dieses Jahres in die nationalen Kinos kommen. Doch das angespannte Verhältnis zwischen Griechenland und Deutschland, der Varoufakis-Skandal und die Hetzkampagnen hiesiger Boulevardblätter sorgten dafür, dass die Verantwortlichen den Starttermin von Aron Lehmanns Produktion vorerst zurückzogen. Ein halbes Jahr später schafft es der Film nun doch noch auf die Leinwände, doch die Frage, ob sich die Thematik nicht mittlerweile totgelaufen hat – immerhin ist die Griechenlandpleite aktuell nicht einmal mehr der BILD-Zeitung eine Schmuddelkampagne wert – ist berechtigt. Sie ist aber gleichzeitig auch nicht eindeutig zu beantworten, denn wo sich die einen vermutlich gerade während der angespannten Lage von vor einigen Monaten durchaus gern auf humoristische Art mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, wäre das anderen sicherlich zu viel des Guten gewesen. Nun, da die Wogen geglättet sind, könnte es wieder an der Zeit sein, die Versöhnung des deutsch-griechischen Verhältnisses beim Schopf zu packen und in Form einer Sommerkomödie auf die Leinwand zu bringen. Gerade bei den momentanen Temperaturen erweisen sich die griechischen Inseln als idealer Balsam für die Seele, um jene im Vorweihnachtsstress für eineinhalb Stunden baumeln lassen zu können. Dafür hat Aron Lehmann („Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“) auch durchaus den idealen Film gemacht. Und Wogen, die sich bereits geglättet haben, muss man ja nun auch nicht zwingend erneut herausfordern…

Die Griechen hassen die Deutschen und die Deutschen hassen die Griechen: In „Highway to Hellas“ sind die Grenzen genau abgesteckt, doch es ist an den sympathischen Hauptfiguren, jene auch immer wieder einmal zu übertreten. So mimt Adam Bousdoukos („Soul Kitchen“) nicht etwa den Vorzeige-Griechen, sondern stammt selbst aus Deutschland und hat seine Vorurteile – so glaubt er – direkt aus erster Hand. Dass sich Christoph Maria Herbst hier einmal mehr in einer Abwandlung seiner bemerkenswerten „Stromberg“-Performance wiederfindet, ist vermutlich seiner Spezialisierung auf derartige Charaktertypen zu verdanken. Doch es zeigt sich: Auch hier passt er einfach wieder hervorragend auf einen genau solchen Typus Mensch, wie ihn jeder von uns kennt und doch kaum einer wirklich kennen möchte. Seine Darbietung des typisch deutschen Bürokraten ist nicht vollkommen frei von Klischees. Trotzdem wächst sie dem Zuschauer mit der Zeit mehr und mehr ans Herz, wenn sich sukzessive die menschlichen Seiten von Jörg Geissner hervortun. Bousdoukos fungiert als freigeistiges Gegenteil, lebt im Hier und Heute und kann mit der Spießigkeit des deutschen Ordnungshüters nicht viel anfangen. Aron Lehmann legt seine Komödie jedoch ganz klar als Verständigungsarbeit an und lotet die Grenzen der unterschiedlichen Kulturen aus. Das funktioniert gut, wenn er das Griechenland-Panorama für sich sprechen lässt, seine Figuren zarte Bande knüpfen und die Andersartigkeit ihres jeweiligen Gegenübers akzeptieren, kommt in vielen Momenten aber nicht ohne Klischees aus. So schockt es wenig, wenn exotische Speisen wie Schafskopf serviert werden. Auch ein auf einem Esel reitender Christoph Maria Herbst trägt vermutlich herzlich wenig dazu bei, Vorurteile über die Griechen abzubauen.

Nichts desto trotz ist eines unverkennbar: Aron Lehmann entscheidet sich in seiner Inszenierung weder für eine Seite, noch macht er sich im Umkehrschluss über die andere Seite lustig. Er stellt die Angewohnheiten, Traditionen und Spleens beider Nationen einander gegenüber und schöpft hieraus das Potenzial für einige gelungene Momente in einem ansonsten aber leider recht unspektakulären Film. Wann immer „Highway to Hellas“ hingegen regelrechte Märcheneinflüsse offenbart, wird es regelrecht poetisch. Die Schlusssequenz gehört dazu. In derartigen Momenten darf sich die Komödie dann auch eine gewisse Vorhersagbarkeit und Kitsch erlauben, doch abseits der beeindruckenden Bilder funktioniert „Highway to Hellas“ auch im Heimkino. Aron Lehmanns Film besitzt zwar eine chice Botschaft die er während der gut bemessenen eineinhalb Stunden nicht überstrapaziert. Doch diese muss sich nicht zwingend über die große Leinwand entfalten. „Highway to Hellas“ tut niemandem weh, liefert wohlig-warme Feelgood-Unterhaltung ohne Überraschungseffekt und besitzt das Herz dennoch am rechten Fleck. So dürfen sich am Schluss alle auf die Schulter klopfen – und können nur hoffen, dass all das ausreicht, um die Deutschen in die Kinos zu locken.

Highway to Hellas

Adam Bousdoukos und Christoph Maria Herbst erkunden auf dem Motorrad die griechische Insel Paladiki.

Fazit: Unspektakulär aber mit einer angenehmen Botschaft: Aron Lehmanns Versöhnungskomödie „Highway to Hellas“ sorgt für wohlig-warme Wohlfühlatmosphäre und schlägt einen angenehmen Bogen von Klischee-Abarbeitung zu Konflikt-Aufarbeitung. Nett, aber leider ohne allzu großen Wiedererkennungswert.

„Highway to Hellas“ ist ab dem 26. November bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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