The Vatican Tapes

Der Macher von „Crank“ packt das Kruzifix aus und liefert mit THE VATICAN TAPES einen reichlich absonderlichen Film ab. Mit seinem ekstatischen Schlussakkord schafft es der Regisseur Mark Neveldine nämlich fast, den leidlich kreativen Aufbau des Exorzismusfilms, für eine Weile vergessen zu machen. Weshalb der Ticketkauf dennoch wohl überlegt sein will, verrate ich in meiner Kritik zum Film.

The Vatican Tapes

Der Plot

Von einer Sekunde auf die andere ist Angela (Olivia Taylor Dudley) nicht mehr die unschuldige, junge Frau, die sie früher einmal war. Nach einem von ihr selbst verschuldeten Autounfall spielen nicht nur die Tiere in ihrer Gegenwart verrückt, Angela wird zusehends apathischer und reagiert aggressiv auf ihr persönliches Umfeld. Mit dem Verdacht auf eine Nervenkrankheit bringen ihr Freund Pete (John Patrick Amedori) und ihr Vater sie ins Krankenhaus, wo sie ihren handelnden Arzt schwer verletzt und von hier aus direkt in eine Psychiatrie eingeliefert wird. Dort beginnt sie, mit purer Gedankenkraft, Menschen zu töten. Die Ahnungen der Umstehenden verdichten sich zu der Erkenntnis, dass hier böse Mächte am Werk sind. Ein der Teufelsaustreibung mächtiger Priester (Michael Peña) muss also her, der in Angela seine Meisterin gefunden zu haben scheint. Um ihr das Böse auszutreiben, erfordert es Unterstützung aus dem Vatikan, doch als diese schließlich eintrifft, ist es schon fast zu spät…

Kritik

Da Exorzismus-Filme seit jeher nach dem ewig gleichen Muster funktionieren, müssen sie sich auch zwangsläufig den Vergleichen mit dem einen großen Meisterwerk stellen: William Friedkin inszenierte mit „Der Exorzist“ den nach wie vor unerreichten Klassiker des Subgenres; alle anderen sind und bleiben nur so etwas wie Trittbrettfahrer, wenngleich sie sich durchaus an verschiedenen Ansätzen versuchen. „Der Exorzismus von Emily Rose“ kombinierte das horrende Austreibungsthema mit einem klassischen Gerichtsdrama, während sich Produktionen wie „Der letzte Exorzismus“ das Prinzip des Found-Footage-Filmes zur Hilfe nahmen, um der kinematographischen Dämonenaustreibung irgendetwas Neues, Bahnbrechendes abzugewinnen. Zuletzt wagte sich „Sinister“-Macher Scott Derickson an den schwierigen Balanceakt aus Innovation und der Aufbereitung von Altbewährtem. Er lieferte mit „Erlöse uns von dem Bösen“ einen immerhin atmosphärischen Thriller der Marke „Sieben“ ab, der zwar sowohl an den Kinokassen scheiterte, als auch bei den weltweiten Kritiken in Misskredit geriet, mit Rockmusik und ohne jedwede genretypische Überhöhung jedoch immerhin einen ansehnlichen Exorzismus vorweisen konnte. Dass es jetzt ausgerechnet Regisseur Mark Neveldine gelingt, mit „The Vatican Tapes“ so etwas wie eine neue Sichtweise einzunehmen wundert bei einem Blick auf dessen Vita nicht; mit „Crank“ ließ er Actionfans rund um den Globus frohlocken und als genauso absurd wie die Eskapaden des von Jason Statham grandios verkörperten Badass-Antihelden Chev Chelios erweisen sich nun auch die Storyelemente seines Genrebeitrags „The Vatican Tapes“. Leider scheint sich Neveldine die hanebüchene Wirkung seines Schlussakts gar nicht bewusst zu sein, denn eh das Publikum diesen überhaupt zu Gesicht bekommt, macht auch er den Fehler, seine Zuschauer durch das Wiederkäuen des Ewig gleichen möglicherweise zu vergraulen. Dabei lohnt sich das Finale durchaus, denn auch wenn dieses in seiner Idiotie fast schon zur Eigenparodie verkommt, so muss man doch eines festhalten: Neveldine traut sich was!

Olivia Taylor Dudley

Was genau es mit der Besessenheit der sehr ordentlich aufspielenden Olivia Tylor Dudley („Transcendence“) auf sich hat, sei an dieser Stelle aus Spoilergründen nicht verraten. Doch so viel sei vorweg genommen: „The Vatican Tapes“ darf sich vieles vorwerfen lassen, doch etwas in seiner Absurdität so Ekstatisches hat es im Horrorgenre schon lange nicht mehr gegeben. Die Pointe der Drehbuchautoren Christopher Borrelli („Whisper – Die Stimme des Bösen“) und Michael C. Martin („Hell On Wheels“) lässt sich irgendwo zwischen größenwahnsinnig und serientauglich ansiedeln – und ist trotz oder gerade wegen ihrer abgehobenen Idee durchaus einen Blick wert. Doch was bringt dem Zuschauer ein überschwänglicher Schlussakkord, wenn alles Vorausgegangene nicht im Ansatz für das gezahlte Ticketgeld entschädigt? Wir möchten es dem Regisseur an dieser Stelle gleichtun und unsere Arbeit einfach halten: Liebhaber, die sich zum Exorzismusgenre generell hingezogen fühlen, denen liefert „The Vatican Tapes“ ebenjene Unterhaltung, die sie von einem Film dieser Sparte erwarten dürfen. Der Aufbau respektive das Stückwerk gleichkommende Aneinanderreihen typischer Exorzismus-Szenerien unterscheidet sich allerdings nicht überschwänglich von herkömmlicher Genreware.

Unter Zuhilfenahme einer Kameraarbeit, die zwar nicht vom „Crank“-Kameramann selbst stammt, in ihrer fiebrig-paralysierenden Stimmung aber überdeutlich die Handschrift der damaligen Film-Verantwortlichen trägt (und damit einer der großen Pluspunkte des Filmes ist), liefert das Skript allenfalls solide, jedoch zu keinem Zeitpunkt überraschende, schon gar nicht hochspannende Unterhaltung; Nichts für die Annalen der Filmgeschichte, wohl aber für den schnellen Hausgebrauch. Der Schlussakt wiederum lässt einen schließlich gespalten zurück, ist dieser doch ein Paradebeispiel dafür, mit welch überbordender Fantasie manche Filmemacher gesegnet sind und ihrem Film damit zu einem so wichtigen Alleinstellungsmerkmal verhelfen können. Gut ist das zwar noch lange nicht, aber von unermesslichem Unterhaltungswert und darum soll es in „The Vatican Tapes“ schlussendlich gehen.

Michael Peña

Die Darsteller haben das alles recht gut im Griff, denn diese sind nicht nur passend gecastet, sondern scheinen auch die Intention der Macher ziemlich genau zu kennen. Allen voran Olivia Taylor Dudley agiert bemerkenswert authentisch, was gerade gen Ende vonnöten ist, um die absurde Prämisse nicht vollends der Lächerlichkeit preiszugeben. Darüber hinaus erweist sich das Casting von „Ant-Man“-Sidekick Michael Peña als zielsicher. Mit seiner respekteinflößenden Attitüde gelingt dem Schauspieler ein feines Spiel, angesiedelt zwischen Exzess und Zurückhaltung, das „The Vatican Tapes“ als Erdung im Vergleich zur ansonsten so abgefahrenen Schlusspointe benötigt.

Fazit: Auf der einen Seite möchte man Regisseur Mark Neveldine für seinen Mut zur Ekstase beglückwünschen, zumal er sich mit seiner kreativen und aufgrund seines eingeführten Epi- und Prologs durchaus für eine Serie einladenden Idee, den Film so enden zu lassen, wie er es tut, auf die Schulter klopfen darf. Er geht ein Risiko ein, das man in gewisser Weise auch belohnen möchte. Doch dann denkt man genauer über die eigentliche Idee nach und muss feststellen, dass diese trotz aller Innovation nicht mehr ist, als eine ziemlich dämliche Spielerei. So wird „The Vatican Tapes“ zu einem waschechten Guilty Pleasure – und zu einem Film, dem man letzten Endes kaum böse sein kann.

„The Vatican Tapes“ ist ab dem 30. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen.

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